Kind weint den ganzen Tag

Kind weint den ganzen Tag

Beitragvon dickus » Donnerstag 5. Januar 2017, 12:15

hallo,

vielleicht kann uns jemand einen Rat gegeben.....

wir arbeiten in einer Krippe die von 8-14:00 geöffnet hat. Es gibt drei Gruppen mit jeweils 10 Kindern von eins bis drei Jahren. In jeder Gruppe arbeiten drei Erzieher. Bei uns in der Einrichtung gibt es keine Fallbesprechungen oder Supervision.

Wir haben seit Juni 2016 einen zweijährigen Jungen bei uns eingewöhnt.Die Eingewöhnung verlief schwierig, da erst die Mutter ihn eingewöhnen wollte, es aber emotional nicht geschafft hat. Der Vater übernahm es dann und es lief auch wesentlich besser. Allerdings fühlt sich der Junge bis heute nicht wohl bei uns.Er weint sehr viel. Wenn seine Bezugserzieherin da ist, geht es einigermaßen. Da weint er zwar auch immer wieder, aber die Erziehrin lenkt ihn den ganzen Tag ab und dann hält es sich in Maßen. Doch auch bei ihr gibt es Tage, da isst er nichts, trinkt nichts, spielt nicht und vor allem steht er den ganzen Tag im Gruppenraum und macht nichts. Er ist völlig passiv. Andere Kinder interessieren ihn nicht, wir haben schon verschiedenes probiert ihn mit anderen Kindern in Kontakt zu bringen, aber es hat nicht geholfen. Wenn die Bezugserzieherin nicht da ist, weint er den ganzen Tag. An diesen Tagen sind wir nur zu zweit und können uns nicht so intensiv um ihn kümmern. Da spielt er nicht, isst und trinkt auch nichts. Er ist auch nicht ansprechbar, dass soll heißen, dass er auf Fragen nicht antwortet.
Wir sind der Meinung, dass er unsicher gebunden ist und viel Bindungsarbeit braucht.
Unserer Chefin ist allerdings der Meinung, dass er ein schlaues Kerlchen ist und weiß das er mit Weinen viel erreichen kann.

Wir sind jetzt etwas unschlüssig wie wir weiter machen sollen....

kurz zu seiner Familie:
die Eltern sind verheiratet, beide berufstätig und er hat noch einen älteren Bruder- der geht in den Kindergarten. Wir haben bei den Eltern das Gefühl, dass sie sehr besorgt sind um ihre Kinder, aber die Kinder das Sage haben wo es lang geht. Zudem sagte die Mutter in einem Elterngespräch, dass der Junge zu hause auch sehr an ihr häng,t was ihr oft zu viel ist.

Es hat schon gut getan mal alles runter zu schreiben.... aber was würdet ihr machen? Hattet ihr auch schon mal solche eine Situation?

Vielen Dank schon einmal!!!
dickus
 
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Re: Kind weint den ganzen Tag

Beitragvon amaria » Freitag 6. Januar 2017, 15:11

Hallo dickus,

nein, in dieser Form habe ich die Kinderbetreuung noch nicht erlebt und dass eine Leiterin so über ein Kind spricht, hinterlässt gar keinen guten Eindruck. Als ob ein Kind stundenlang apathisch sein oder lange weinen würde, um Erwachsene zu manipulieren! - Das Kind leidet!!! Und ihr solltet euch fragen, was getan werden kann, damit es dem Kind besser geht. Es darf nämlich auch nicht zur Vernachlässigung von Kindern in den Einrichtungen kommen!

Üblicherweise wird schnell reagiert, damit ein Kind nicht lange leiden muss und andere dabei unfreiwillig Zeuge sein müssen. Welchen Eindruck müssen andere Kinder von der Empathiefähigkeit Erwachsener gewinnen, wenn alle, die etwas daran ändern könnten, das hinnehmen? Kinder lernen in derartigen Krippen, sich einzubilden, es sei normal, dass Kinder sich mit dem abfinden müssen, was Erwachsene für sie vorgesehen haben.

Es gab einmal den Begriff "Kindergartenreife". Besonders wichtig genommen wurde traditionell die so genannte "Schulreife". Und worüber wird nicht gesprochen? - Über eine "Krippenreife" zu diskutieren, ist tabu! Im Bettchen liegen und aus der Flasche trinken kann jeder Säugling. Aber nicht alle Kleinkinder können psychisch verkraften, was ihnen zugemutet wird.

Welche Schritte würdet du am liebsten unternehmen? Du hast doch ein starkes Gespür dafür, dass nicht richtig sein kann, wie in diesem Kindergarten Kinder betreut werden. Dieses arme Kind hat vom Mitgefühl seiner Eltern ebensowenig wie eine geprügelte Ehefrau etwas davon hat, wenn ihr Mann sich nach jeder Gewalttätigkeit vornimmt, dass es nicht mehr dazu kommt.

Da ich in einer besonders krippenarmen Gegend lebe, kann ich bei aller Kritik am Berufsstand der Erzieherinnen sagen, dass es bei uns unter Eltern und Kolleginnen Gerede gäbe, wenn ein Kind auf eine Weise leiden müsste, die du sehr anschaulich geschildert hast. Es würde von den Eltern und Erzieherinnen erwartet, dass sie schleunigst nach Lösungen suchen. Und auch wenn eine Leiterin aus monetären Gründen nicht möchte, dass ein Kind abgemeldet wird, könnte darüber nachgedacht werden, den Eltern mit Nachdruck nahezulegen, dass sie sich mehr um ihr Kind kümmern und evtl. den Betreuungsplatz kündigen.

Es wird immer Kinder geben, die eine tiefe Abneigung dagegen haben, sich in einer größeren Gruppe aufhalten zu müssen. Falls dies bei eurem Kind der Fall sein sollte, ist es angemessen, dies zu respektieren. - Immerhin sollen Kindergartenplätze für Kinder dasein und nicht für Erwachse.

dickus hat geschrieben:Zudem sagte die Mutter in einem Elterngespräch, dass der Junge zu hause auch sehr an ihr hängt was ihr oft zu viel ist.


Für das Lebensgefühl eines Kindes ist es alles andere als eine Wohltat, wenn es seiner Mutter "zu viel" ist. Ein Termin bei der Erziehungsberartung könnte etwas ändern.

Freundliche Grüße

amaria
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