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amaria
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Beitrag von amaria » Samstag 6. Juli 2013, 12:27

Hallo!

Hier ein Link dazu, http://www.helpster.de/eine-rezension-s ... unkte_9798 wie Rezensionen verfasst werden können. Wer gern eine Rezension zu einem Fachbuch schreiben möchte, findet im Internet selbstverständlich noch zahlreiche weitere Artikel, in denen vermittelt wird, welche Kriterien bei der Besprechung eines Buchs berücksichtigt werden können.

Später kann ich noch andere Beiträge mit Hinweisen verlinken, aber erst einmal sehe ich zu, dass ich selbst endlich eine Rezension zu dem vom Beltz Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellten und 2013 erschienenen Buch von Horst Küppers "Eine Reise durch die Kitas in aller Welt" verfasse.

Vielleicht mögen nach der Urlaubszeit auch einige Erzieherinnen und Erzieher in der Plauderecke oder anderswo Eindrücke wiedergeben, die sie von den Kindergärten in anderen Ländern gewonnen haben?

Freundliche Grüße
und allen, die bald ihren Urlaub nehmen eine schönen Ferienzeit!

amaria
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Re: Rezensionen und Kommentare

Beitrag von amaria » Sonntag 7. Juli 2013, 20:32

Hallo!

Hier die noch ausstehende Vorstellung des Buchs von Horst Küppers "Eine Reise durch Kitas in aller Welt", 2013 bei Beltz erschienen, ISBN 978-3-407-62871-8
http://www.amazon.de/Eine-Reise-durch-K ... 3407628714
Mit Leseprobe!


Eine Reise durch Kitas in aller Welt

Der Lehrer, Fachberater und freie Journalist Horst Küppers hat während eines Jahres Europa, Asien, Australien und Ozeanien, die arabische Halbinsel, Afrika, Nord-, Mittel- und Südamerika bereist. In knappen, Zahlen und Fakten vermittelnden und zum Vergleich anregenden Berichten hat er seine Eindrücke niedergeschrieben, die er in den von ihm vorgestellten Kitas aus 25 Ländern gewonnen hat. Er schildert die Rahmenbedingungen in den Einrichtungen und die Konditionen wie Personalschlüssel, Gehalt der Erzieherinnen, Ausbildung etc., die in den jeweiligen Ländern herrschen.

Im ersten Teil (3 Seiten), überschrieben mit „Länderpuzzels der Welt“ stellt Horst Küppers auf zunächst drei Fallbeispiele vor, die kulturelle Unterschiede beleuchten, wie zum Beispiel die Schilderung der Situation einer Praktikantin im Kosovo, die unter den beengten Wohnverhältnissen der Gastfamilie litt. Ihr Unglücklichsein wurde erkannt, aber nicht verstanden. Man vermutete, dass die junge Frau unter Einsamkeit litt und beschloss, dass die älteste Tochter der Familie zur Gesellschaft zu ihr ziehen solle. Im Anschluss an die Fallbeispiele teilt Horst Küppers die Gedanken mit, die er sich zum Aufbau seines Werks gemacht hat und erklärt, dass er sich von dem Gedanken hat leiten lassen, frühpädagogische Einrichtungen aus Ländern vorzustellen, die etwas Besonderes geleistet haben. (Warum nur? Wurden einem Journalisten mehr mal wieder bevorzugt die Vorzeigekitas eines Landes gezeigt?)

Der zweite Teil „Reiseberichte“ ist klar strukturiert. Zuoberst zu sehen sind auf den jeweils 4 Seiten umfassenden Berichten über die Kitas eines Landes stets die Konturen des Staates und seine Lage inmitten anderer Länder oder seine Position auf einem Kontinent. Der klar formulierte Text mit den Eindrücken des Autors wird ergänzt durch einen Kasten, in dem geopolitische Daten genannt werden, die über Staatsform, Einwohnerzahl, das Bruttoinlandsprodukt und andere Punkte informieren. So bietet das Buch interessierten Lesern Anreize, über das Internet nach weiteren Informationen zu suchen. Dem Trend der Zeit entsprechend, den Begriff "Bildung" nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, enden die Reiseberichte – nach dem Motto „Keine Reise ohne Souvenir!“ – mit der Abbildung eines Koffers und der anschließenden Überschrift „Bildungssouvenir“. Im derart betitelten Kasten findet der Leser einen abschließenden Kommentar und zudem oftmals auch noch Adressen und Kontaktdaten von Institutionen.

Dass auf 144 Seiten lediglich ansatzweise ein Wissen über die Situation in den Kindergärten anderer Länder vermittelt werden kann, versteht sich von selbst, mindert aber nicht die Qualitäten des Buchs, das der Autor im Stil eines Schulbuchs angelegt hat. Bei manchen Fakten habe ich eine Verknüpfung mit dem Erziehungssystem des Landes vermisst. Wie wirkt es sich auf die institutionelle Kinderbetreuung eines Landes aus, wenn es sich wie Dänemark aus der bemerkenswert hohen Zahl von 1416 Inseln zusammensetzt? Für Leser, die anschauliche Reise- und Erlebnisberichte wünschen ist das bildende Buch wohl insgesamt weniger attraktiv als für Fachschüler, die sich mit seiner Hilfe schnell Wissen aneignen wollen, wie es in Prüfungen abgefragt werden könnte. Die Anschaffung des Buchs erscheint mir deshalb vor allem lohnend für eine Kindertagesstätte oder die Bücherei einer Erzieherfachschule. Aufgrund der Kürze der Kapitel lassen sie sich die Kapitel in der Mittagspause lesen oder während einer Bahnfahrt. Die im Anhang gezeigten Bilder wecken vielleicht Fernweh, das allerdings dadurch gemildert werden dürfte, dass die Rahmenbedingungen in den Kitas anderer Länder nicht unbedingt besser sind, als die, die hierzulande vorzufinden sind. Es gibt Berichte, die die Aufbruchstimmung vermitteln und andere, die ein Leistungsdenken erkennen lassen, gegenüber dem die an Kinder hierzulande gestellten Erwartungen weit zurückstehen. Dass eine Bauingenieurin nach der Tsunami-Katastrophe in Indonesien es geschafft hat, dass Kinder unter einem bemerkenswert guten Betreuungsschlüssel pädagogisch betreut werden konnten, imponiert. In der Spielgruppe der Kinder bis zu drei Jahren liegt er bei 3:1. Die Beschreibung einer Karriereschmiede auf Haweii hingegen mag bei sensiblen Menschen Zukunftsängste auslösen…

Im dritten Teil „Von der Welt lernen – eine perspektivische Erweiterung der deutschen Didaktik“ wird es, dem Titel entsprechend etwas theoretisch. Nach der Nennung von neun Paradigmen zieht der Autor Bilanz und stellt fest, dass es keine allgemein gültige Aussage geben könne, welche Frühpädagogik weltweit besonders zu beachten sei, denn aus vielen Ländern ließen sich sinnvolle Aspekte isolieren. - Ein Fazit, dass auch Ungereiste nicht überraschen dürfte.
:wink:

Abschließend noch eine persönliche Anmerkung:
Wie ich auf die Frage, wie mir das Buch gefallen hat, antworten würde? – Es ging. Nicht besonders. Irritierend und ärgerlich fand ich zum Beispiel die Stellungnahme des Autors zu den Deutschen. „Ein Aspekt eilt uns Deutschen immer voraus: Wir werden als Besserwisser, Alleskönner und Supermacht gesehen, die am Rest der Welt immer etwas auszusetzen hat.“
Diese Äußerung würde ich nach zugegebenermaßen weniger umfangreichen Reiseerfahrungen nicht bestätigen. Sie erscheint mir wie das etablierte Vorurteil von Deutschen über „die Deutschen“.

Freundliche Grüße

amaria
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Re: Rezensionen und Kommentare

Beitrag von amaria » Sonntag 7. Juli 2013, 21:03

Weil man sich nicht jedes Mal die Mühe machen kann, ausführlicher über ein Buch zu schreiben folgt an dieser Stelle eine Frage, verbunden mit der Bitte darum, nicht alles zu glauben und umzusetzen, was in unserer Fachliteratur aufgelistet wird.

http://www.amazon.de/SIEBEN-ergibt-fein ... 3867021732

Auf Seite 66 des Buchs von Ökotopia stehen im Bildungsbereich Sprache Empfehlungen, die der Förderung der Mundmotorik dienen sollen, die aber gleichwohl nicht Eingang in ein Fachbuch für Erzieherinnen hätten finden sollen.

"Wer kann die Zunge herausstrecken und auf der Zungenspitze eine Schokolinse balancieren?"
und
"Wir spucken Kirschkerne aus."

Beide Anweisungen von Seite 66 aus dem Buch "Sieben mal Sieben ergibt feinen Sand" wurden für Kinder ab eineinhalb Jahren vorgesehen - und das ist unverantwortlicher Leichtsinn! Bei Kleinkindern besteht bis über das Krippenkindalter hinaus die Gefahr, dass sie Dinge in die Lunge aspirieren, was schmerzhaft und gefährlich für Kinder sein kann.
In die Lunge geratene Kirschkerne können zum Beispiel eine Lungenentzündung auslösen. Wenn Fremdkörper aus der Lunge herausoperiert werden müssen, hat das Kind das Risiko einer Operation zu tragen.

Selbst Laien wissen meist, dass sie Kleinkinder davor schützen müssen, Gegenstände in den Mund zu nehmen. Auch denjenigen, die eine Ausbildung in der Tagespflege absolvieren, wird beigebracht, welche Gefahren drohen. - Also bitte: Schaut doch mal nach, ob das Buch in der Krippe oder Kita steht und markiert die Stelle so, dass keine Praktikantin auf die Idee kommt Kirsch-, Pflaunen- oder Mirabellenkerne von Krippenkindern ausspucken zu lassen.

Danke!
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Re: Rezensionen und Kommentare

Beitrag von kassja » Sonntag 7. Juli 2013, 21:07

Hallo!

Wir hatten uns ja schon über das Buch unterhalten,
der Brief des Fachmannes wird auch heute endlich geschrieben.


Vielleicht sollten wir nochmal einen Thread eröffnen in dem es um Dinge geht die für Kleinkinder in der Krippe gefährlich sind? Wir hatten ja mal einen allgemeinen, aber der August naht....

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Re: Rezensionen und Kommentare

Beitrag von Juliala » Sonntag 7. Juli 2013, 23:10

Hallo,

ob der Ökotopiaverlag auch im Ernstfall die Verantwortung trägt, oder muss die Erzieherin für diesen gefährlichen Unsinn alleine geradestehen? Steht der Ökotopiaverlag dann hinter der Erzieherin?
Wenn ich einem gefährlichen Buchvorschlag folge, wer übernimmt die Haftung?
Vielleicht sollten wir diese Frage mal dem Verlag stellen.

Julia
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Re: Rezensionen und Kommentare

Beitrag von amaria » Montag 8. Juli 2013, 22:07

Juliala hat geschrieben: ob der Ökotopiaverlag auch im Ernstfall die Verantwortung trägt, oder muss die Erzieherin für diesen gefährlichen Unsinn alleine geradestehen? Steht der Ökotopiaverlag dann hinter der Erzieherin?
Wenn ich einem gefährlichen Buchvorschlag folge, wer übernimmt die Haftung?
Vielleicht sollten wir diese Frage mal dem Verlag stellen.
Ja, das ist eine sehr gute Idee!

Nachdem Johanna, einige andere und ich bereits früher Kontakt zum Ökotopia-Verlag aufgenommen haben, weil in einem Buch zur Förderung/Animation von Krippenkindern der Einsatz einer Lichterkette zu einem "besonderen Badetag" empfohlen wurde, muss Kritik an fachlich nicht akzeptablen Angeboten des Verlages vermutlich mit mehr Engagement vorgetragen werden. Ich fand den Einsatz einer Lichterkette in einem Bereich, wo auch noch Wasser zum Einsatz kommt, unverantwortlich und ein Elektriker stimmte mir zu. Leider fand der Verlag es nicht nötig, die Stellen in dem Buch zu schwärzen, wozu ich Erzieherinnen unbedingt raten möchte.

Bestimmt gibt es noch mehr Bücher, die Tipps enthalten, gegen die man Bedenken haben kann oder muss. Wenn Kastanien-, Bohnen-, Linsen- oder andere "Bäder" aus Lebensmitteln für Krippen- und Kindergartenkinder ohne Warnhinweise empfohlen werden, ist das ebenfalls heikel.

Wie wäre es, wenn jemand eine Empfehlung für ein Buch einstellt, in dem Sicherheitsaspekte so behandelt werden, dass es nicht beanstandet werden kann?
Im Internet gibt es jede Menge Hinweise, wie eine Rezension geschrieben werden kann.

Freundliche Grüße

amaria
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Doku
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Re: Rezensionen und Kommentare

Beitrag von Doku » Dienstag 9. Juli 2013, 12:00

Liebe Forennutzer,

Auf Seite 66 des Buches „Sieben X Sieben ergibt feinen Sand“ steht.

Alter: ab 1 ½ Jahren

Mundmotorische Übungen lassen sich spielerisch in den Alltag mit den Kindern integrieren. Als Zwischenmahlzeit eignen sich z.B. Salstangen, die einmal ohne Hände, nur mit dem Mund gegessen werden. Motivierende Aufforderungen zu den Übungen sind z.B.

„Wer kann die Zunge herausstrecken und auf der Zungenspitze eine Schokolinse balancieren?“

„Heute hat der Nachtisch so gut geschmeckt, dass wir jetzt unsere Dessertschüsselchen mit der Zunge auslecken.“

„Das Marmeladenbrot hat sichtbare Spuren in unserem Gesicht hinterlassen. Wir stehen vor dem Spiegel und versuchen, sie mit der Zunge zu erreichen.“

„Wir putzen unsere Zähne und spucken das Wasser gezielt in den Siphon.“

„Wir spuken Kirschkerne aus.“

„Wir trinken mit dem Strohhalm.“


Auf S. 22 steht unter „Einsatz (des Buches) in der Praxis

… die Altersangaben/Phasen sind nur Richtlinien. Die Aktivitäten/Impulse sind so konzipiert, dass sie leicht an verschiedene Altersgruppen angepasst werden können...

… Spiele Impulse und Aktivitäten lassen sich leicht an unterschiedliche Altersstufen anpassen, z.B. .... können Materialien ausgetauscht und dem Entwicklungsstand der Kinder angepasst werden.

… Kinder in diesem Alter bedürfen einer erhöhten Aufsichtspflicht. Deshalb ist es unerlässlich, alle Materialien und die räumliche Umgebung immer wieder auf Gefahren hin zu prüfen und diese gegebenenfalls abzustellen …

… verschluckbare Kleinteile gegebenenfalls nur unter direkter Aufsicht verwenden …


Mit der Altersangabe ab 1 ½ Jahren ist gemeint, dass ein paar der oben genannten Vorschläge wie z.B. Kerze auspusten, ab 1 ½ Jahren durchgeführt werden können und andere wie die Schokolinse balancieren oder das Kirschkernspucken natürlich viel später, dem Entwicklungsstand der Kinder angepasst. Dies hatte ich für selbstverständlich angenommen, verankert in der Ausbildung pädagogischer Fachkräfte, auch im Bezug auf die auf S. 22 erwähnten Vorgehensweisen. Natürlich hätte man dies noch deutlicher formulieren können und dies wird in der nächsten Auflage auch so passieren.

Mit freundlichen Grüßen
Nina Held

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Re: Rezensionen und Kommentare

Beitrag von Juliala » Dienstag 9. Juli 2013, 13:32

Hallo Nina,

vielen Dank für deine Antwort.

Aus deinem Text lese ich ganz klar und deutlich heraus, dass diese Vorschläge für Kinder ab 1 1/2 Jahren angepriesen werden.
Gut, es wird dann darauf hingewiesen, dass man die Angebote altersentsprechend umgestalten soll, aber trotzdem dürften die Anregungen meiner Meinung nach aufgrund ihrer Gefährlichkeit so nicht aufgelistet werden, denn Kirschkernspucken und Zungenschokolinsentransport würde ich ganz sicher auch nicht den älteren Dreijährigen anbieten. Mir wäre als Erzieherin das Risiko zu groß.

Ich freue mich über deine Antwort auf die geäußerte Kritik und hoffe auf Änderung in der nächsten Ausgabe.

Viele Grüße

Julia
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Doku
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Re: Rezensionen und Kommentare

Beitrag von Doku » Dienstag 9. Juli 2013, 21:09

Liebe Julia,

ich persönlich habe vorausgesetzt, dass Teile der Vorschläge ab 1 1/2 umgesetzt werden können, andere Vorschläge eben erst später. Ich habe das Buch aber auch geschrieben. Wenn es bei den Lesern nicht so deutlich rüberkommt wird es eben geändert. Das ist kein Problem für mich und mit dem Verlag schon besprochen.
Schokolinsentransport und Kirschkernspuken würde ich persönlich, für die älteren Dreijährigen anbieten. Die Angebote laufen unter direkter Aufsicht. Jetzt ist Kirschenzeit, mein Dreijähriger klettert mit mir in den Kirschbaum und pflückt die Kirschen, die wir nachher auch essen. Zum Kiga werden ebenfalls welche mitgebracht. Auch sein zweijähriger Cousin macht mit. Diese Kinder, unabhängig von ihrem Alter, sind vom Entwicklungsstand ganz klar in der Lage so etwas zu machen und auf den Entwicklungsstand kommt es an. Natürlich muss das jeder für sich entscheiden wie er das handhabt, aber das ist generell bei Vorschlägen so. Ändert man Vorschläge ab, passen sie zum Kind/Gruppe, passt es zum Konzept etc. Es sind Anregungen die jeder mit seinem pädagogischen Wissen überprüft und auf seine Kindergruppe abstimmt. Und ich habe schon schlechte Erfahrungen mit dem Verschlucken gemacht, mein Sohn war mit einem Jahr im Krankenhaus, da er sich am Butterbrot verschluckt hatte.

LG
Nina

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Re: AW: Rezensionen und Kommentare

Beitrag von michi » Dienstag 9. Juli 2013, 22:11

Hallo Nina,
ich wollte eigentlich nur kurz los werden wie toll ich es finde, dass du dich als Autorin des Buches, so sehr hier mit einbringst :-)

Viele Grüße,
Michi

Gesendet von meinem GT-I9300 mit Tapatalk 2
Heute schon geflinct ? :-)

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Jelka
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Re: AW: Rezensionen und Kommentare

Beitrag von Jelka » Dienstag 9. Juli 2013, 22:26

Da möchte ich mich gerne anschließen.
Ich finde es schade, wenn Erzieherinnen unterstellt wird, sie könnten nicht denken. Die Sorge um die Praktikanten dagegen kann ich gut verstehen. Allerdings kann ich mich an Rezensionen erinnern, in denen Autoren vorgeworfen wurde, in ihren Büchern zu viele Vorgaben zu machen. :pfiff:
Liebe Grüße Jelka

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Re: Rezensionen und Kommentare

Beitrag von amaria » Mittwoch 10. Juli 2013, 00:02

Hallo,

ja, das Problem, dass durch Fachbücher zu viele Vorgaben gemacht werden, sollte man bei Rezensionen und Kommentaren auch nicht unberücksichtigt lassen. Als Erwachsene fände ich es merkwürdig, Kindern zu sagen, "dass wir jetzt unsere Dessertschüsselchen mit der Zunge auslecken", weil ich weiß, dass Kinder derartige Ideen sehr gut ohne Erwachsene haben können und ich es zu schade finde, wenn eine Erzieherin mal wieder die Rolle derjenigen innehat, die eine witzige Idee hat, wie sie früher oder später auch ein Kind gehabt hätte. Aus einem ziemlich normalen Verhalten eines Kindes gleich wieder ein angeleitetes Angebot zu machen, empfinde ich als einen Ausdruck pädagogischen Übereifers. - Aber die Geschmäcker sind verschieden und wenn Erzieherinnen der Nachtisch so gut geschmeckt hat, dass sie ein Dessertschälchen auslecken wollen, sollen sie es tun.

Ansonsten überzeugt mich die Argumentation von Nina Held nicht. Auf der Rückseite des Buchs stehen vier kleine Kästchen, die mit einem Haken versehen sind. Das Buch soll für die Krippe, für Tageseltern, den Kindergarten und die Erzieherfachschule geeignet sein. - Für die ersten drei Bereiche finden sich im Internet genug Beispiele dafür, dass Eltern besorgt, empört oder entsetzt sind, weil Erzieherinnen oder Tagesmütter zugelassen haben, dass ihre Kleinkinder verschluckbare Kleinteile in den Mund nehmen konnten. - Wie sollen Eltern einem älteren Geschwisterkind erklären, dass es dem jüngeren Geschwisterchen kein Bonbon in den Mund stecken darf, wenn die Erzieherinnen in Krippe oder Kindergarten auf die ungewöhnliche Idee kommen, ein Kleinkind Süßigkeiten auf der Zunge balancieren zu lassen? Mal abgesehen davon, dass es unrealistisch ist, dass Kinder die Süßigkeiten nicht "zweckentfremden" :wink: , sollten Süßigkeiten in Institutionen tunlichst nicht gegeben werden. Kinder bekommen schon genug zuckerhaltige Nahrung. Diabetes bei Kindern hat zugenommen und unabhängig davon, ob Kinder übergewichtig sind oder nicht, muss ihnen von Erwachsenen nicht vorexerziert werden, dass Süßigkeiten zum Spielen oder Trainieren der Mundmotorik da seien.
Wie viel Erziehungskultur und Intuition mag eigentlich in einer Gesellschaft verloren gehen, wenn Erzieherinnen im Rahmen der Dokumentationspflichten Kinder fotografieren oder filmen wie sie Schokolinsen auf der Zunge balancieren?
(Im Ökotopia-Buch gibt es auf Seite 82 übrigens einen kopierfreundlichen Beobachtungsbogen.) Oder in einer Krippe finden Eltern einen Aushang auf der Tür, auf dem steht: "Die Kinder haben heute im Rahmen einer Förderung der Mundmotorik mit viel Freude Kirschkerne gespuckt." - :?: Ist es nicht denkbar, dass Eltern, die derartige Angaben lesen und Kinder, die vor einer Ausreifung der Schluckreflexe zu riskanten Übungen angehalten werden, später fatalerweise glauben, es könne nicht schaden, einem Kleinkind ein Bonbon oder ein beliebiges Kleinteil im Mund zu belassen?

Sowohl im Hinblick auf die Sicherheit von Kindern als auch im Hinblick auf den Bildungsgedanken finde ich es unerlässlich, dass der Verlag Änderungen an der Neuauflage vornimmt.
Nachdem ich früher die Kinder eines Lungenfacharztes betreut habe, kann ich nur sagen, dass er sogar bis zum Alter von vier Jahren Bedenken gegenüber Kirschkernenspucken und Schokolinsen auf der Zunge gehabt hätte. (Bei älteren Kindern kommen Aspirationen in die Lunge gelegentlich auch noch vor, wenn auch erheblich seltener.) - Als Facharzt wusste er eben um die Komplikationen, die nicht unerheblich sein können.

amaria
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Re: Rezensionen und Kommentare

Beitrag von Juliala » Mittwoch 10. Juli 2013, 09:51

Hallo,

ich muss noch mal meine Gedanken zum Thema loswerden.

Übungen zur Mundmotorik mache ich hauptsächlich mit den Kindern, die eine schwache und weniger ausgeprägte Mundmotorik haben.
Bei altersentsprechender Entwicklung muss ich nicht ständig am Kind ziehen und zuppeln. Es kommt selber auf die Idee, sich die Tomatensoße vom Mund abzuschlecken, das Schüsselchen auszulecken oder Zahnputzwasser in den Abfluss zu spucken.
Das sind doch keine pädagogischen Ideen, die neu erfunden werden müssen. Das macht doch jedes normalentwickelte Kind OHNE Anleitung tagtäglich, weil es Spaß dabei hat, weil es neugierig ist, weil es einfach Kind ist.

Anders sieht das bei Kindern mit Förderbedarf aus. Diese bedürfen einer speziellen Förderung z.B. in der Mundmotorik.
Ich käme aber niemals auf die Idee, kleinen Kindern mit einer schlaffen Mundmotorik, eine Schokolinse auf die Zunge zu legen oder Kirschkernspucken zu veranstalten, da die Kontrolle über den Mundbereich gar nicht altersgerecht funktioniert und dementsprechend eine viel größere Aspirationsgefar besteht . Wie schon erwähnt- altersgerecht entwickelte Kinder brauchen keine spezielle Förderung. Diese Kinder benötigen eine kindgerechte und anregende Umgebung, in der sie ihre Lernerfahrungen selbständig machen dürfen, ohne dass sie dabei ständig von einer dauerfördernden Erzieherin gestört werden.
Ich habe in der Ausbildung noch gelernt, dass eine gute Erzieherin erst dann "einsteigt", wenn das altersgerecht entwickelte KInd von sich aus Hilfe-und Unterstützungsbedarf signalisiert.

Die Mundmotorik kann man übrigens hervorragend mit ungefährlichen Ideen fördern z.B. mit Zungengeschichten, mit Grimassen usw.
Wir Erzieher haben doch alle einen grenzenlosen Ideenreichtum.

Julia
Zuletzt geändert von Juliala am Mittwoch 10. Juli 2013, 10:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Doku
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Re: Rezensionen und Kommentare

Beitrag von Doku » Mittwoch 10. Juli 2013, 10:11

@ Juliala: Es ist doch super, wenn du eigene Ideen hast, dann setz sie um. Ich glaube nicht, dass in einem pädagogischen Buch Ideen neu erfunden werden. Es ist eine Sammlung, irgendwie war doch "alles" schon mal da, man muss es nur neu entdecken. Kinder fördern sich unterbewusst selbst, natürlich gehört dazu Wasser auszuspucken etc. Warum das aber nicht aufgreifen und gezielt versuchen den Siffon zu treffen oder einen Zahnpastafleck. Es ist ein Spiel es macht Spaß. Der Alltag der Kinder ist doch pure Bildung, darum geht es mir, dies wieder ins Gedächtnis zu rufen. Viele Erzieherinnen machen sich "verrückt" mit dieser "Bildungsaufgabe". Ich möchte das sie einen Gang runterschalten und erkenne wieviel Bildung im Alltag steckt. Dies auch den Eltern klar zu machen und nach Außen zu transportieren ist schwer, dazu gehört aber unter anderm die Bildungsdokumentation, Gespräche, das Vorleben im Alltag, Erklärungen etc.
Bei Kindern mit Förderbedarf schaut jeder noch mal anders hin, was kann ich dem Kind zutrauen. Ich fange langsam, von unten an, Dinge zu fördern, auch damit das Kind mal Erfolgserlebnisse hat. Das ist aber unser Job, das haben wir gelernt. Wir wissen, wo wir ansetzen müssen, was wir dem Kind zutrauen können. Erst ist es vielleicht das Grimassen schneiden, später das gezielte Wasserspucken und zum Schluss vielleicht das Zungenbalancieren. Ich habe meinen ersten Sohn fast drei Jahre zur Logopädin gefahren (von 3 Jahren- 5 Jahren wegen seinem stottern). Nur zur Logopädie fahren ist nicht drin, zu Hause/im Alltag weiter "üben" ist ein muss. Er kommt jetzt im Sommer in die Schule und ich bin sehr froh, dass wir es so langsam aufgebaut haben.

LG
Nina

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Re: Rezensionen und Kommentare

Beitrag von Juliala » Mittwoch 10. Juli 2013, 10:28

Hallo Nina,

danke für deine Antwort. Es macht Spaß, konträr mit dir zu diskutieren.

Kinder denken sich z.B. beim Zähneputzen immer neue Wasserspiele aus z.B. Fleck im Spiegel treffen oder den Becher des anderen KIndes treffen. Das sind ihre EIGENEN Ideen. Ich muss da gar nichts anleiten. Kinder probieren jeden "Blödsinn" von alleine aus.Ich kenne es nicht anders.
Und wenn ich mich auf die KInderebene begebe, bin ich ganz schnell mit im Boot, ohne dass diese Ideen von mir "übergestülpt" wurden.

Ich finde es so schade, dass die normale Entwicklung der KInder so "verakademisiert" wird. Natürlich ist die gesamte Kindesentwicklung Bildung, aber durch diesen Bildungswahn bekommt dieser völlig natürliche Vorgang eine künstliche Note.
Kinder sind doch keine Wesen, die man ständig fördern und vollstopfen muss.
Man bekommt aber mittlerweile den Eindruck, man müsse Kinder nur noch dauerfördern, sonst würden sie sich nicht entwickeln und zum Schul-und Bildungsversager heranwachsen.

Viele Grüße

Julia
Zuletzt geändert von Juliala am Mittwoch 10. Juli 2013, 11:05, insgesamt 1-mal geändert.
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