Wie kann ich die Mutter überzeugen?

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Apfelkern
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Wie kann ich die Mutter überzeugen?

Beitrag von Apfelkern »

Ich habe kommende Woche ein Elterngespräch.

Das Kind um das es geht hat große sprachliche Auffälligkeiten.
Ich verstehe es nur mit Müh und Not und auch die anderen Kinder verstehen es nicht.
Das ist natürlich frustrierend für das Kind und wenn wirklich einmal etwas sein sollte kann er sich uns nicht verständlich machen.

Bei der Sprachschule , immerhin haben sie es einmal versucht, hat es dem Kind und der Mutter nicht gefallen. Das war Grund genug aufzuhören.

Nun frage ich mich, wie ich der Mutter begreiflich machen kann wie wichtig diese Hilfe für ihr Kind ist? Er soll doch ungehemmt spielen und kommunizieren können.
Auch im Hinblick auf die Schule ist dies doch immens wichtig. Er hat zwar noch 2 Jahre Zeit...aber auf der anderen Seite sind es "nur" 2 Jahre.

Versteht ihr was ich meine? Ich möchte sie gern dahin führen das sie keine Scheu hat Hilfe zu suchen und anzunehmen. Wie kann ich ihr das erklären ohne sie zu ängstigen?

amaria
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Re: Wie kann ich die Mutter überzeugen?

Beitrag von amaria »

Hallo Apfelkern,

wie schade, dass es dem Kind nicht gefallen hat. Eigentlich gehen viele Kinder doch reccht gern zu ihren Therapeuten. Immerhin haben sie dann die ungeteilte Aufmerksamkeit eines Erwachsenen für sich. Aber da sie auch für die Menschen, die sie mögen lernen, ist es wichtig, dass die Chemie stimmt.

Bei besonderen Sprachproblemen rege ich Eltern gern dazu an, sich umzuhören und eventuell zu einem Kinderarzt oder Arzt zu gehen, der anthroposophischen Medizin oder Naturheilkunde anwendet. Es ist verblüffend, welche Erfolge sich manchmal allein durch die Gabe eines homöopathischen Mittels einstellen. Sollten die familiären Verhältnisse die Ursache für eine Besorgnis erregend geringe Sprachkompetenz sein, könnte auch überlegt werden, ob eine Familienhelferin in die Familie geht und für eine Weile den Alltag der Familie begleitet. Weniger gute Erfahrungen haben einige Erzieherinnen mit Mutter-Kind-Kuren gemacht. Wenn viele einander fremde Kinder auf einmal gemeinsam betreut werden, werden manche Kinder so oft krank, dass sie vom Kuraufenthalt und seinen vielfältigen Angeboten nicht viel haben.

Freundliche Grüße

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

Juliala
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Re: Wie kann ich die Mutter überzeugen?

Beitrag von Juliala »

Hallo,

viele Logopäden bieten ein unverbindliches Beratungsgespäch für Eltern an.
Wir haben Flyer von Logopäden in unserer Einrichtung auszuhängen, damit die Eltern bei Bedarf einen Ansprechpartner haben. In diesen Flyern werden auch Hinweise auf Sprachstörungen gegeben und beschrieben.
Du könntest dir einen Flyer eines Logopäden aus der näheren Umgebung besorgen und der Mutter mitgeben. So kann sie sich zu Hause in Ruhe damit auseinandersetzen.

Julia
Erziehung: einen Kopf drehen, bis er verdreht ist - natürlich auf den neuesten Stand.“
―Karlheinz Deschner

Juliala
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Re: Wie kann ich die Mutter überzeugen?

Beitrag von Juliala »

Hallo,

wir haben hier mehrere Flyer von verschieden Stellen zu liegen.....Logopäden, Ergotherapeuten, Beratungsstellen.
Auch haben wir eine Liste von sämtlichen SPZ unserer Stadt, damit wir den Eltern bei Bedarf und in Notsituationen schnell Anlaufstellen nennen können.

Ich habe noch nie gehört, dass man keinen Therapet empfehlen darf. Kannst du mir eine gesetzliche Grundlage nennen?
Wir begleiten Kinder zu Therapien. Da ist es völlig logisch, dass wir auch diese Therapeuten empfehlen, denn wir wissen, dass sie gut sind und sich auch gerne mit uns austauschen. Das enlastet die Eltern und sichert eine gute fachlich übergreifende Arbeit. Das werde ich ganz sicher auch in Zukunft weiter so handhaben.

Julia
Erziehung: einen Kopf drehen, bis er verdreht ist - natürlich auf den neuesten Stand.“
―Karlheinz Deschner

Juliala
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Re: Wie kann ich die Mutter überzeugen?

Beitrag von Juliala »

Hallo,

Eltern haben doch nun einen eigenen Kopf zum Denken und wenn ich Eltern einen Arzt oder Therapeuten empfehle, so haben sie doch trotzdem noch die Möglichkeit, nach anderen Therapeuten Ausschau zu halten und selbst zu entscheiden.

Was ist das also nun für eine blöde Regel?
Ich war als Mutter eines behinderten Kindes immer froh, wenn man mir gute Therapeuten und Ärzte nennen konnte.
Wenn mir eine Empfehlung nicht passte, suchte ich halt weiter. Wo ist das Problem?

Vielleicht sollte man unsinnige Regeln auch mal im Team diskutieren und hinterfragen!

Julia
Erziehung: einen Kopf drehen, bis er verdreht ist - natürlich auf den neuesten Stand.“
―Karlheinz Deschner

Juliala
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Re: Wie kann ich die Mutter überzeugen?

Beitrag von Juliala »

Hallo,

mir wurden von Ärzten schon andere Ärzte empfohlen. Meist bekomme ich dann Visitenkarten überreicht.
Wenn der Arzt mich zu einer bestimmten Fachrichtung überweist, dann wird mir meist ein bestimmter Arzt genannt. So war das auch bei den Kinderärzten.
Nicht immer folge ich diesem Vorschlag.
Das ist doch eine gängige Praxis. Bei euch etwa nicht?

Wenn Eltern nicht mit dem von mir empfohlenen Therapeuten oder Ärzten zufrieden sind, dann ist das wirklich nicht mein Problem.
Das kann bei jedem anderen Therapeuten oder Arzt auch passieren. Bisher hat mich dafür auch niemand verantwortlich gemacht.
Ich gehe immer erst einmal davon aus, dass Eltern selbstdenkende Menschen sind. Ich muss das Denken für die Eltern jedenfalls NICHT übernehmen und solange es keine gesetzlichen Grundlagen gibt, die eine Empfehlung verbieten, werde ich ganz gewiss weiter so handeln wie bisher, denn die meisten Eltern nehmen die Vorschläge nämlich dankbar an, weil sie in der ersten Phase oftmals etwas orientierungslos sind.

Viele Eltern wissen z.B. gar nicht, dass es Sozialpädiatrische Zentren (SPZ) oder bestimmte Fachärzte und Therapeuten gibt.
Wenn man noch nie mit dem Thema zu tun hatte, gab es ja auch gar keinen Grund, sich damit auseinanderzusetzen und da kann eine Empfehlung dann sehr hilfreich sein.


Julia
Erziehung: einen Kopf drehen, bis er verdreht ist - natürlich auf den neuesten Stand.“
―Karlheinz Deschner

Jelka
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Re: Wie kann ich die Mutter überzeugen?

Beitrag von Jelka »

Hallo Juliala,
auch ich kenne es, dass Ärzte mir statt einer Liste ein Visitenkärtchen überreichen. Aber ich habe auch schon von Ärzten gehört, dass sie keine Empfehlungen ausprechen dürfen, mir aber sagen, mit welchen Ärzten sie gut zusammenarbeiten.
Auch aus dem Kitabereich weiß ich, dass wir keine Logopäden oder Kinderärzte benennen dürfen.
Es mit den Worten abzutun, die Eltern sind selbstdenkende Menschen finde ich als Argument nicht angebracht.
Nimmt man den Eltern nicht eher das Denken ab, wenn man ihnen statt einer Liste eine konkrete Anlaufstelle reicht? :wink:
Juliala hat geschrieben:Vielleicht sollte man unsinnige Regeln auch mal im Team diskutieren und hinterfragen!
Was gibt es da zu diskutieren? Vorschrift ist Vorschrift.
Auch wenn ich diese Vorschrift noch nicht persönlich gesehen habe, gehe ich davon aus, dass es sie gibt. Ob man diese Vorschrift befolgt oder nicht, sollte jedem selbst überlassen bleiben, denn jeder muss für sich Rechenschaft ablegen.
Und bevor du fragst ... ich sage den Eltern, dass wir keine Empfehlungen geben dürfen, teile ihnen mit, mit wem wir bisher gute Erfahrungen gemacht haben und bitte sie, sich auch bei anderen Eltern umzuhören, um sich ein eigenes Bild zu machen.
Aber abgesehen davon, macht es auch keinen Sinn, hier über den Umgang mit Vorschriften zu diskutieren, da die Fragestellung eine ganz andere war.
Apfelkern hat geschrieben:Auch im Hinblick auf die Schule ist dies doch immens wichtig. Er hat zwar noch 2 Jahre Zeit...aber auf der anderen Seite sind es "nur" 2 Jahre.
Hallo Apfelkern,
bei uns liegt es oft nicht an den Eltern, sondern an den Kinderärzten und Logopäden, wenn keine Therapie erfolgt. Schicken wir Eltern zur Abklärung, bekommen wir fast immer die Rückmeldung, die Kinder sind zu jung. Der wahre Grund ist, dass die Therapien Geld kosten, die der Kinderarzt mit einer Überweisung verantworten muss. Deshalb heißt es, man sollte die Entwicklung beobachten und die Kinder in einem halben Jahr nochmal vorstellen. So vergeht die Zeit bis zur Einschulungsuntersuchung, wo dann eine Therapie zwingend erforderlich ist.
Erfolg haben wir eher, wenn wir erklären, dass das Kind in seiner psychischen Entwicklung behindert wird, weil es sprachlich mit den anderen Kindern nicht mithalten kann und deshalb oft ausgegrenzt wird.
Wie kann sich dein betreffendes Kind äußern? Wird es von den anderen Kindern verstanden? Ist es in die Gruppe eingebunden? Ist es trotz mangelnder Sprache selbstbewusst?
Aus deinen Aussagen lese ich, dass dies die Punkte sind, wo das Kind auch unter seiner mangelnden Sprache leidet.
Wie weit ist das Kind kognitiv entwickelt? Oft hinken die Kinder auch in diesem Bereich hinterher. Denn wenn jemand wie ein Zweijähriger spricht, macht sich das Umfeld meistens nicht die Mühe, ihn wie einen Vierjährigen zu behandeln. Das bedeutet, er bekommt im Umfeld weniger Anregungen als Kinder, die sprachlich gut entwickelt sind, zumal der Austausch mit ihnen auch viel mühsamer ist.
Vielleicht kannst du es der Mutter auf der Ebene nochmal erklären und aufzeigen, wie es ihm innerhalb der Gruppe geht, an welchen Kindern er Interesse hat, sie aber nicht für sich gewinnen kann und wie gefrustet er ist, wenn er trotz großem Bemühen nicht verstanden wird.
Liebe Grüße Jelka

Apfelkern
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Re: Wie kann ich die Mutter überzeugen?

Beitrag von Apfelkern »

Ihr Lieben ich danke euch für eure Hilfe.

Ich habe heute ein Gespräch mit der Mutter gehabt.
Ich habe sie zuerst einmal erzählen lassen wie sie die Entwicklung ihres Kindes sieht.
Das war schon recht interessant, denn sie hat auch festgestellt das ihr Kind sich mit anderen schwertut.

Wir sind nun so verblieben das sie bis Mitte November einen Termin bei der Logopädin im Ort macht.
Immer im Hinblick darauf das wir ihrem Kind dann auch viel besser helfen bzw. es unterstützen können, indem wir uns mit der Logopädin austauschen oder sie uns ihr genutzes Material an die Hand gibt.

Auf diesem Weg hat es gut geklappt und ich bin heilfroh. :smile2:

KniKna
Beiträge: 5
Registriert: Montag 8. Dezember 2014, 14:07

Re: Wie kann ich die Mutter überzeugen?

Beitrag von KniKna »

Hier müssen intensive Gespräche mit den Erziehungsberechtigten geführt wird. Dass Handlungsbedarf besteht, liegt auf der Hand und da kann man nicht einfach zusehen.

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