Der Schiff fährt auf die See

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Lennon
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Der Schiff fährt auf die See

Beitrag von Lennon »

'Der Schiff fährt auf die See.' ist einer der typischen Sätze, die ich von zwei unserer Kids regelmäßig zu hören bekomme.
Beide Kinder sind in Deutschland geboren und aufgewachsen und haben deutschsprachige Eltern.

Also wie (zur Hölle) konnte es zu so einem grammatikalischen Desaster kommen und wie kann man dagegen vorgehen?
Korrigieren und die Sätze in korrektem Deutsch während eines Gesprächs einfach zu wiederholen scheint nichts zu bringen. :c090:

LG Len

Matushka
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Re: Der Schiff fährt auf die See

Beitrag von Matushka »

Hallo Lennon,

Ich kenne Artikel- und Fall-Fehler von meinen eigenen Kindern. Manche davon sind bis heute geblieben (alle Kinder sind nun mehr oder weniger junge Erwachsene). "Ich bin auf'm Bus" oder "Darf ich am Computer?" kommen immer noch vor. Ich frage dann auch mal nach: "Am Computer dran? Wie das denn?", und die korrekte Version folgt dann meist.
Lennon hat geschrieben:Korrigieren und die Sätze in korrektem Deutsch während eines Gesprächs einfach zu wiederholen scheint nichts zu bringen.
Ich weiss nicht, ob du von zweisprachigen Kindern sprichst, aber ich vermute es aufgrund deiner Beschreibung. Ausserdem habe ich den Eindruck, dass dir persoenlich Sprache und Ausdruck wichtig sind.

Grammatikalische Desaster, wie du sie nennst, koennen sich einschleifen, wenn der Spracherwerb nicht durch totale monolinguale Immersion stattfindet. Also z.B., wenn das, was sprachlich zuhause gelernt wird, nicht in der Schule auf aehnliche Weise "bestaetigt" wird -- oder umgekehrt. Sprachfehler bei zwei- oder mehrsprachigen Kindern koennen sich gegenseitig "bedingen". Ebenso musst du evtl. bedenken, dass nicht alle Kinder gleich sprachbegabt sind. Fuer manche ist eine Zweit- oder sogar eine Drittsprache intuitiv, und fuer andere -- selbst solche, die von kleinauf einer konsequenten Mehrsprachigkeit ausgesetzt sind -- nicht so sehr. Bei denen hilft moeglicherweise stures (moeglichst spielerisches) Pauken.

Unsere Familiensprache ist Englisch. Ich habe frueher meine Kinder direkt uebersetzen lassen, z.B.: "Wie sagst du auf Deutsch "The man gives the dog the bone"?" ("Der Mann gibt dem Hund den Knochen") um ihr Gefuehl fuer Konzepte wie den Nominativ, Akkusativ, etc. zu schaerfen. Wir haben daraus ein Spiel gemacht.

Trotzdem sagt meine grosse Tochter, die fliessend und akzentfrei Deutsch sprechen kann, heute immer noch Sachen wie "Wir wuerden in die Stadt gehen" -- wenn sie meint "Wir gingen in die Stadt" (English: "We would go into the city"). Fuer mich als jemand, der Sprache als Steckenpferd hat, ist das schmerzhaft. Aber ich kenne auch andere Muetter im nicht-deutschsprachigen Ausland, deren Kinder einwandfrei Deutsch sprechen, u.A. weil sie fuer ihre Kinder Deutsch nicht als "Moeglichkeit", sondern als "Pflicht" betrachten.

Es gibt einiges, was du tun koenntest. Neben staendiger Wiederholung koenntest du Spiele konzipieren (z.B. Kartenspiele), nach geeigneten PC-Spielen Ausschau halten, andere Kinder in den Lernprozess mit einbeziehen, dich mit Muttersprachlern kurzschliessen (z.B. um rauszufinden, wie und warum sich die Fehler einschleichen), Sprechspiele einfuehren (Theaterstuecke proben!), und vieles weitere mehr. Ist halt aufwendig!

Falls mir noch mehr einfaellt, melde ich mich wieder. Ansonsten kannst du natuerlich gern weitere Fragen stellen, falls etwas nicht so klar ist.

Gruss, Sabine

Lennon
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Re: Der Schiff fährt auf die See

Beitrag von Lennon »

Beide Kinder sind in Deutschland geboren und aufgewachsen und haben deutschsprachige Eltern.

Matushka
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Re: Der Schiff fährt auf die See

Beitrag von Matushka »

Deutschsprachige Eltern, die "ganz normal" Deutsch sprechen? Kein "Migrantenhintergrund"? Wow.

Dann hab' ich nichts -- es sei denn, du kannst von den oben erwaehnten Foerdermethoden irgendwas gebrauchen.

Sabine

hallihallo
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Re: Der Schiff fährt auf die See

Beitrag von hallihallo »

Halloooo?

Wieviele Deutsche sagen zum Beispiel "Ich geh dann mal auf Arbeit" oder " ich geh mal nach Aldi zum einkaufen".


Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, das ewiges korrigieren doch zum Erfolg führen kann.

Ich hab früher auch immer obiges zweites Beispiel angewandt...bis ich in meiner Lehre immer wieder von meinem Chef korrigiert worden bin (vorher hat es komischerweise keiner gemacht :kicher: ).....zu einer Person, nach einem Ort....wie oft ich das gehört hab :pfiff: Aber es hat geklappt und heute korrigiere ich das bei anderen eben auch.

Lennon
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Re: Der Schiff fährt auf die See

Beitrag von Lennon »

Ich bekomm schon nen Anfall, wenn meine Kollegen 'Das ist besser wie das' anstatt 'das ist besser als das' sagen ^_^"

Aber bei den beiden Kids ist es schon sehr auffällig, dass sie mit 9 und 11 Jahren noch immer bei jedem dritten Satz den Artikel vertauschen.
Beide sind in der Förderschule und waren über Jahre hinweg in der Logo, aber das Problem mit der/die/das besteht weiterhin. Die Eltern sprechen relativ gut Deutsch, wenn auch im lokalen Dialekt und recht simpel, aufgrund einer generationenübergreifenden Bildungsschwäche.

Matushka
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Re: Der Schiff fährt auf die See

Beitrag von Matushka »

Hallo,
Lennon hat geschrieben:Ich bekomm schon nen Anfall, wenn meine Kollegen 'Das ist besser wie das' anstatt 'das ist besser als das' sagen ^_^"
Dafuer schreibst du allerdings ziemlich "free style". ;-)

Ich bin auch mit "Ich geh' nach Aldi" und "Die kann das besser wie ich" aufgewachsen -- man mag das als regionsabhaengige Redewendung bewerten, und womoeglich auch als "schichtenspezifisch".

Ich finde das Phaenomen, das du, Lennon, beschreibst, total interessant. Was mir noch nicht ganz klar ist: Sind die beiden Kinder Geschwister, oder handelt es sich um zwei verschiedene Familien, bei denen die gleichen Sprachfehler beibehalten werden?

Gruss, Sabine

Lennon
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Re: Der Schiff fährt auf die See

Beitrag von Lennon »

Matushka hat geschrieben:Dafuer schreibst du allerdings ziemlich "free style". ;-)
*lach* Ist mir bewusst.
Ich bin nun mal faul und lieb daher dialektbedingte Abkürzungen. Zumindest beim Schreiben.
Matushka hat geschrieben:Ich finde das Phaenomen, das du, Lennon, beschreibst, total interessant. Was mir noch nicht ganz klar ist: Sind die beiden Kinder Geschwister, oder handelt es sich um zwei verschiedene Familien, bei denen die gleichen Sprachfehler beibehalten werden?
Es sind keine Geschwister.
Kind A hat einen älteren Bruder, der ein sehr gutes Deutsch spricht. Fast schon Hochdeutsch.
Kind B hat zwei jüngere Geschwister, wobei der Bruder ebenfalls Probleme beim Sprechen hat.
Bei beiden Elternpaaren kann man allerdings keine Sprachfehler dieser Art feststellen. Also keine Ahnung wo das herkommt. :c090:

Matushka
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Re: Der Schiff fährt auf die See

Beitrag von Matushka »

Verbringen die beiden viel Zeit miteinander? "Bedingen" sie sich gegenseitig?

Lennon
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Re: Der Schiff fährt auf die See

Beitrag von Lennon »

Nein.
Sie sind auch seit einigen Monaten nicht mehr gemeinsam in unserer Gruppe. Kind B hat die Maßnahme abgeschlossen und wird von mir in Form einer Familienhilfe begleitet. Sie haben ihre Sprechweisen unabhängig voneinander entwickelt.

Matushka
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Re: Der Schiff fährt auf die See

Beitrag von Matushka »

Hallo Lennon,

Keine Ahnung, was man ausser staendiger Wiederholung machen koennte... Das ist wirklich eine seltsame Situation.

Dir alles Gute -- klingt nach einem Stress-Job.

Gruss, Sabine

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