Fachunwörter

amaria
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Re: Fachunwörter

Beitrag von amaria » Sonntag 7. Dezember 2014, 10:49

Nach "Bildungsnest" nun auch ein Hinweis auf die Begriffe "Bildungsnetz" und "Bildungsfarm". http://www.so.ch/staatskanzlei/medienmi ... hulen.html
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

Juliala
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Re: Fachunwörter

Beitrag von Juliala » Sonntag 7. Dezember 2014, 11:34

Hallo,

ich musste in einem anderen Thread über BILDUNGSJUNKIES und über die ANONYME SELBSTHILFEGRUPPE DER BILDUNGSJUNKIES herzhaft lachen :lach:

Ob es dann wohl bald auch eine BILDUNGSENTZIEHUNGSKUR geben wird?
ODER Therapeuten, die eine BILDUNGSSUCHT oder den BILDUNGSWAHN heilen?

Julia
Erziehung: einen Kopf drehen, bis er verdreht ist - natürlich auf den neuesten Stand.“
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Re: Fachunwörter

Beitrag von amaria » Sonntag 7. Dezember 2014, 17:11

Hallo!

Manfred Lütz hat ein wirklich lesenswertes kleines Buch geschrieben: Irre! Wir behandeln die Falschen
http://www.amazon.de/Irre-behandeln-Fal ... 3579068792

:unschuldig:

Eigentlich könnten Erzieherinnen es in den Fachbuchbestand des Kindergartens aufnehmen. Einfach anschaffen und ein Buch, dass euch weniger gefällt in die Altpapiertonnen befördern.
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Re: Fachunwörter

Beitrag von amaria » Sonntag 7. Dezember 2014, 19:10

Hallo!

„Bildung ist das Alpha und Omega der Gesellschaft. Mit ihr entscheidet sich die Zukunftsfähigkeit Deutschlands vor allem im Bereich der frühen Bildung."

Nachdem Rita Süssmuth als Unterstützerin der Wertschätzungskampagne von educcare sich zur "Zukunftsfähigkeit Deutschlands" geäußert hat, http://www.educcare.de/wert_unterstuetzer.html habe ich den Begriff nun auch in einem Artikel von Freya Pausewang gelesen, deren Texte ich normalerweise sehr schätze. Aber bei diesem hier http://www.kindergartenpaedagogik.de/2253.html kann ich den Idealismus zwar schätzen, aber ansonsten ist mir dieser Fachtext zu sehr ideologisch überfrachtet.

An einen Begriff wie "Zukunftsfähigkeit" will ich mich nicht gewöhnen.

Freundliche Grüße

amaria
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Re: Fachunwörter

Beitrag von amaria » Sonntag 7. Dezember 2014, 19:59

Juliala hat geschrieben:Hallo,

ich musste in einem anderen Thread über BILDUNGSJUNKIES und über die ANONYME SELBSTHILFEGRUPPE DER BILDUNGSJUNKIES herzhaft lachen :lach:

Ob es dann wohl bald auch eine BILDUNGSENTZIEHUNGSKUR geben wird?
ODER Therapeuten, die eine BILDUNGSSUCHT oder den BILDUNGSWAHN heilen?
Hallo Julia,

durch Zufall bin ich auf die Website einer Erzieherin gestoßen, die sage und schreibe bereits drei-und-zwanzig!!! Zertifizierungen hinter sich hat! Tagesveranstaltungen wurden gar nicht mehr aufgelistet... Und in fünfzehn Jahren gucke ich noch mal nach, wie lang die Liste geworden ist.

Ich fürchte, am Ende werden auch noch genau diejenigen, die fortbildungssüchtig sind, Trainingseinheiten für Bildungsjunkies anbieten.
Wenn es denn wenigstens was nützen würde...

:kappe:

Freundliche Grüße

amaria
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Re: Fachunwörter

Beitrag von amaria » Donnerstag 1. Januar 2015, 14:13

Klingt imposanter als "Mau-mau": "Klug-Spiel-Karten!"

Ratet mal, von wem sie vermarktet werden!
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Re: Fachunwörter

Beitrag von amaria » Freitag 2. Januar 2015, 09:09

Johanna2 hat geschrieben:Auf der didacta gelesen:

"Gefühlsmanagement"

:200p: :freu: :schnief: :c0301:
Hier eine Gratis-Leseprobe zum Thema http://www.erzieherin.de/assets/files/e ... 0214-2.pdf, verfasst von einer der Autorinnen des Ökotopia-Buchs. http://www.oekotopia-verlag.de/gefuhlsmanagement.html

Hat jemand dieses Buch günstig abzugeben? (Ich tausche auch gern gegen andere Bücher.)

Freundliche Grüße

amaria
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Re: Fachunwörter

Beitrag von Jelka » Freitag 2. Januar 2015, 20:42

In einem anderen Betrag ging es am Rande wiedermal um das Thema der Fachunwörter. Um dort nicht zu sehr vom eigentlichen Thema abzulenken, habe ich die Punkte, um die es mir gerade geht, hierher kopiert.Der Ursprung der folgenden Zitate stammt aus diesem Thema:

viewtopic.php?f=150&t=10760&p=48886&sid ... 28f#p48886
Krümel-Monster hat geschrieben:Hallo,

ich musste gerade etwas schmunzeln, als ich dem Link gefolgt bin. Es wird sich hier im Forum über kuriose Fachbegriffe aufgeregt und amüsiert, dann lese ich als erstes auf der verlinkten Seite:
Unser drittes Baby ist geschlüpft.
Schon etwas merkwürdig....

Dies soll kein persönlicher Angriff, sondern lediglich eine Feststellung sein!
Juliala hat geschrieben:Hallo Krümel-Monster,

das Wort "geschlüpft" gehört ja schon fast zur Umgangssprache, während diese Fachunwörter künstlich und aufgebläht sind und etwas schönreden, oder eine besondere aufgehübschte Fachlichkeit darstellen sollen.

Julia
Hallo Julila,
ob das Wort zur Umgangssprache gehört, hängt, wie das Wort "Umgangssprache" schon vermuten lässt, vom Umgang ab.
Da ich mich vermutlich eher in Fachkreisen bewege, sind für mich viele Fachbegriffe selbstverständlich. Was hier an Fachunwörtern präsentiert wird, gehört oft zum Fachwissen, um entsprechende Literatur überhaupt zu verstehen.
So wie sich die Welt verändert, verändert sich auch der Sprachgebrauch. Vor langer, langer Zeit haben Kinder ihre Eltern noch gesiezt. Heute reden viele Kinder ihre Eltern mit dem Vornamen an. Untergebene (heute würde man sagen "Angestellte") wurden mit früher mit "Er" angesprochen (Hat er schon ...). Das ist in manchen Gegenden heute noch üblich.
Jugendliche erfinden ihre Umgangssprache regelmäßig neu, um sich von der vorherigen Generation abzugrenzen. Warum soll sich nicht auch die Fachsprache entwickeln, um zu zeigen, dass sich auch auf diesem Gebiet einiges weiter entwickelt.
Für mich ist dies gut am Beispiel des Begriffes Integration/Inklusion ersichtlich. Ich selbst tue mich schwer mit dem neuen Begriff, kann aber gut verstehen, dass er benötigt wird, um eine klare Abgrenzung zur Integration zu vermitteln.
Ein weiteres Beispiel ist der Begriff "Idiot". Maria Montessori schrieb in ihren Büchern noch von "Idioten", weil dies der damalige Begriff für geistige Behinderung war. Später wurde er abgelöst von "behindert". Irgendwann wurde "behindert" mit blöd, dumm gleichgesetzt, wodurch "Behinderte" wieder diskriminiert waren. Also wurde der Fachbegriff nochmal geändert in "Menschen mit Behinderung".
Auch dafür wird es irgendwann einen neuen Begriff geben, oder gibt es den schon? :c090:
Liebe Grüße Jelka

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Re: Fachunwörter

Beitrag von Juliala » Samstag 3. Januar 2015, 08:11

Hallo Jelka,

ja, Sprache ist immer im Wandel, trotzdem bin ich der Meinung, dass in unserer Fachsprache keine künstlich erschaffenen und aufgehübschten Wörter etwas zu suchen haben.
Das ist meiner Meinung nach eher unprofesionell.

Schon alleine die vielen künstlichen Berufsbezeichnungen für Erzieher lassen mich ohnmächtig werden.
Ich bin weder eine Kreativdirektorin noch Wickelweltmeisterin, Bildungsbauerin oder Legoarchitektin.
Ich würde mir tatsächlich eine neue ERNSTZUNEHMENDE Berufsbezeichnung wünschen. Die gab es ja z.B. bei Postboten (Dienstleistungsfachkraft im Postbetrieb), Arzthelferinnen (Medizinische Fachangestellte) und Krankengymnastinnen (Physiotherapeutin) auch.

Lies doch noch einmal ein paar Seiten hier im Thread und du wirst sicher feststellen, dass viele Begriffe einfach nicht ernstzunehmen sind und scheinbar aus dem Boden gestampft wurden, um z.B. Programme oder andere Dinge besser zu vermarkten.

Ich nehme jetzt dein Beispiel mit der Behinderung.
Daran erkennt man den Wandel der Sprache und die soziale und medizinische Entwicklung der Menschen.
Es gibt mittlerweile viele Begriffe für das Wort "Behinderung" z.B. Handicap und die Diskussionen dazu verlaufen heiß, weil Selbstbetroffene und Eltern behinderter Kinder unterschiedlicher Auffassung sind, vor allem beim Begriff "geistige Behinderung".
Da gibt es ja dann so geschönte Begriffe wie "Langsamlerner" oder "Menschen mit Lernschwierigkeiten". Viele Eltern lehnen solche geschönten Begriffe für ihre Kinder ab, weil sie den Zustand nicht treffend beschreiben und ihn abmildern, was den Menschen oft nicht gerecht wird.

Ich bin nicht gegen FACHWÖRTER in unserem Sprachgebrauch, aber ich spreche mich gegen künstlich geschaffende FACHUNWÖRTER, die dann teilweise auch noch völlig albern daherkommen, aus, weil ich sie als sehr unprofessionell empfinde.
Die meisten Fachunwörter werden wohl nicht in den pädagogischen Fachlexika auftauchen, weil es sie schlichtweg nicht gibt.

Julia
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Re: Fachunwörter

Beitrag von Jelka » Samstag 3. Januar 2015, 15:20

Juliala hat geschrieben:Die meisten Fachunwörter werden wohl nicht in den pädagogischen Fachlexika auftauchen, weil es sie schlichtweg nicht gibt.
Danke Julia,
damit hast du genau das Richtige geschrieben. Wenn es sie nicht gibt, sind es auch keine Fachwörter. Warum regen wir uns dann darüber so auf?
Ja, viele Wörter wurden nur erfunden, um ein Projekt zu vermarkten. Aber kann man das übelnehmen? Ganz ehrlich, ich würde es auch so machen, wenn ich einen Vorteil daraus ziehen könnte.
Juliala hat geschrieben:Sprache ist immer im Wandel, trotzdem bin ich der Meinung, dass in unserer Fachsprache keine künstlich erschaffenen und aufgehübschten Wörter etwas zu suchen haben.
Das ist meiner Meinung nach eher unprofesionell.
Diese Leute haben auch nicht den Anspruch, Professoren zu sein, vielleicht eher fachlich. Sie haben eine Idee, die wollen sie vermarkten. Ich bin kein Botaniker, schreibe ich nun ein Buch über Pflanzen, wird es trotzdem im botanischen Bereich angesiedelt.
Schon alleine die vielen künstlichen Berufsbezeichnungen für Erzieher lassen mich ohnmächtig werden.
Ich bin weder eine Kreativdirektorin noch Wickelweltmeisterin, Bildungsbauerin oder Legoarchitektin.
Ich würde mir tatsächlich eine neue ERNSTZUNEHMENDE Berufsbezeichnung wünschen.
Spielst du damit auf die Stellenausschreibung an, bin ich mir sicher, dass sie nicht von einer Fachkraft formuliert wurde, zumindest nicht auf diesem Gebiet. :wink:
Über Berufsbezeichnungen mache ich mir schon lange Gedanken und hatte auch schon viele Diskussionen. Den bisher gängigen Begriff "Erzieherin", der auch in Formularen usw. benutzt wird, finde ich persönlich abschreckend, weil ich dabei immer an "ziehen und zerren" denke. Mit dem Begriff "Kindergärtnerin" kann ich mich viel eher identifizieren, weil es mich an wachsen und gedeihen erinnert. Für viele ist dieser Begriff total verpönt, weil sie dabi eher an "Kaffee trinkende Basteltanten" denken. Wer hat denn nun Recht?
Die neue Generation benutzt gerne den Begriff "Kids", mich schüttelt es, wenn ich höre, dass so von Kindern gesprochen wird, weil ich bei dem Begriff eher an "Billy the Kid" denke.
Ich bin nicht gegen FACHWÖRTER in unserem Sprachgebrauch, aber ich spreche mich gegen künstlich geschaffende FACHUNWÖRTER, die dann teilweise auch noch völlig albern daherkommen, aus, weil ich sie als sehr unprofessionell empfinde.
Ob nun Fachwörter benutzt werden oder nicht, kenne ich meinen Wert. :wink:
Juliala hat geschrieben:Es gibt mittlerweile viele Begriffe für das Wort "Behinderung" z.B. Handicap und die Diskussionen dazu verlaufen heiß, weil Selbstbetroffene und Eltern behinderter Kinder unterschiedlicher Auffassung sind, vor allem beim Begriff "geistige Behinderung".
Da gibt es ja dann so geschönte Begriffe wie "Langsamlerner" oder "Menschen mit Lernschwierigkeiten". Viele Eltern lehnen solche geschönten Begriffe für ihre Kinder ab, weil sie den Zustand nicht treffend beschreiben und ihn abmildern, was den Menschen oft nicht gerecht wird.
Ich bin mit Fachbegriffen wie "lernbehindert", "verhaltensgestört" usw. aus der Ausbildung gekommen.
Das waren Begrife, die in der Fachwelt einheitlich benutzt wurden, jeder konnte sich darunter etwas vorstellen und genauer nachfragen. Ich denke, durch die weitere Entwicklung, Begriffe, die im Laufe der Zeit einen negativen Beigeschmack bekamen, abzulehnen und dafür neue zu erfinden, gibt es in der Gesellschasft eine immense Verunsicherung, was gesagt oder welche Begriffe benutzt werden dürfen, damit es korrekt ist.
Auch mich verunsichert es, obwohl man davon ausgehen kann, dass ich fachlich gut informiert bin.
Beispiel: Wir haben eine Mutter, die von sich selbst sagt, sie ist lernbehindert. Deshalb möchte sie unsere Informationen (z.B. Elternabend, an dem sie trotzdem teilnimmt) gerne schriftlich haben, um sie mit ihrer Betreuerin in Ruhe durch zu gehen. Genauso geht sie mit uns Informationen der Betreuerin durch. Auch wenn diese Mutter offen über ihre Lernbehinderung spricht, spürte ich einen Moment der Verunsicherung, als ich das Team über ihren Wunsch informierte. Ich hatte tatsächlich Probleme, das Wort "Lernbehindert" zu benutzen.

Liebe Julia, ich hoffe, du verzeihst mir, dass ich deinen Beitrag zerpflückt habe, aber ich konnte meine Gedanken nicht bündeln, ohne auf die einzelnen Aussagen Bezug zu nehmen.
Insgesamt möchte ich damit sagen, man muss nicht alles so ernst nehmen, was einem missfällt. Das Leben ist zu kostbar, um sich über Dinge, die man nicht ändern kann, so sehr aufzuregen. :kuschel:
Liebe Grüße Jelka

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Re: Fachunwörter

Beitrag von Juliala » Samstag 3. Januar 2015, 18:18

Hallo Jelka,

ich habe nichts gegen das Zerpflücken meiner Beiträge. :winke: Also nur zu!

Ich belustige mich in der Regel über FachUNwörter und rege mich meist nicht auf.
Allerdings rege ich mich über diese komischen Berufsbezeichnungen auf, die man mittlerweile zuhauf findet und diese aktuelle Stellenausschreibung hier in diesem Forum war echt die bittere Krönung. Da wurden wir z.B. als "Aua-Wegpuster" bezeichnet. Oh mein Gott. Geht es noch dümmer?
Wir werden von verschiedenen Organisationen, Trägern und in Werbekampagnen für den Erzieherberuf mit diversen und albernen Berufsbezeichnungen beglückt. Ich glaube, keine andere Berufsgruppe wäre erfreut, wenn man sie so verunglimpfen würde.
Ein Zahnarzt ist ein Zahnarzt und der will auch nicht Brückenbauer genannt werden.
Ja Jelka, da kann ich mich mit Kindergärtnerin noch eher identifizieren, denn damit verbinde ich auch etwas Positives.

Bei der Herumeierei mit den Begrifflichkeiten im Bereich der Behinderung fasse ich mir allerdings auch an den Kopf.
Viel wichtiger würde ich es finden, wenn wir ENDLICH unsere Barrieren im Kopf überwinden würden. Diese Neuerfindungen verschleiern die Tatsachen.
Viel wichtiger ist es doch, dass wir alle Menschen so akzeptieren und anerkennen wie sie sind und ohne Ausnahme an unserer Gesellschaft teilhaben lassen. Das ist viel wichtiger als aufgehübschte neue Wortschöpfungen, die eh nichts als heiße Luft sind.
Alle Wörter im Zusammenhang mit Behinderung wurden und werden als Schimpfwörter missbraucht. Das wird auch mit den neuen Wortschöpfungen passieren.
Das Wort "Idiot" wäre vermutlich gar nicht so schlimm, wenn man geistig behinderte Menschen völlig akzepziert und angenommen hätte. Damals war das ein gebräuchlicher Fachbegriff, nur leider wurden diese Menschen in einer dunklen Zeit isoliert und sogar getötet, daher ist das Wort "Idiot" natürlich zu Recht negativ besetzt. Ich finde es auch fürchterlich.
Verstehst du, was ich sagen will? Ich finde die Wörter "Behinderung, Lernbehinderung oder geistige Behinderung" nicht schlimm., doch versuche ich den Mensch vorne heranzusetzen - also Mensch mit Behinderung und NICHT Behinderter.

Nichtbehinderte Menschen finden eine Behinderung fürchterlich.
Viele Menschen mit Behinderung haben sich mit ihrer Behinderung arrangiert und haben sie angenommen. Sie kennen es teilweise gar nicht anders, weil sie ab Geburt diese Behinderung haben. Sie ist ein Teil von ihnen und sie betiteln sich meist selbst als behindert oder Mensch mit Behinderung und wollen keine neue Wortschöpfung, weil "behindert" genau das beschreibt, was sie unter anderem sind, während sich Menschen ohne Behinderung nicht mit einer Behinderung identifizieren und das Wort daher als schlimm und meidenswert erachten.

Genau so ist es mit dem Wort "Zigeuner". Das darf man ja auch nicht mehr sagen. Die meisten Zigeuner betiteln sich wohl selbst als Zigeuner. Diskriminieren die Zigeuner sich jezt selber?

Aber Hauptsache immer schön politisch korrekt sein und dann weiter verachtend mit diesen Menschengruppen umgehen. Scheinheiligkeit auf höchster Stufe ist das! Pfui!

Julia
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Re: Fachunwörter

Beitrag von amaria » Dienstag 6. Januar 2015, 19:07

Juliala hat geschrieben:Da wurden wir z.B. als "Aua-Wegpuster" bezeichnet. Oh mein Gott. Geht es noch dümmer?
Ich stelle mir vor, wie es ankäme, wenn Besucher der didacta raten könnten, wie hoch die Anzahl der albernen Bezeichnungen für uns ist. Der Gewinner könnte einen kleinen Preis bekommen und auf den Fluren zu den Sälen gäbe es Plakatwände mit den Worthülsen und Bildern der Imagekampagnen. Wer nicht glauben kann, auf welche Weise Erzieherinnen "wertgeschätzt" werden, könnte nachzählen.

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Re: Fachunwörter

Beitrag von amaria » Montag 19. Januar 2015, 11:50

Wie viele "Kognitivräume" gibt es eigentlich schon in Kitas? Dolles Wort, nä?

:lach:

Macht sich gut in Bildungsdokumentationen!

"Albert sucht regelmäßig unseren Kognitivraum auf..."

Freundliche Grüße

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Re: Fachunwörter

Beitrag von Johanna2 » Montag 19. Januar 2015, 20:05

Bringen die Erzieherinnen den Kindern im Kognitivraum eigentlich die verschiedenen Lerntheorien bei? Damit diese Kinder theoretisch in der Schule einen Vorteil gegenüber den Kindern haben, die nie einen Kognitivraum von innen gesehen haben?

Auch ich finde den Ausdruck "Kognitivraum" albern.

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Re: Fachunwörter

Beitrag von amaria » Montag 19. Januar 2015, 22:21

Den Ausdruck "Kognitivraum" muss man einfach länger auf sich wirken lassen. Vielleicht sind "Kognitivräume" der Hit auf der nächsten didacta in Hannover? Was zum "Kognitivraum" erklärt wird, ist schnurzpiepegal. Der Begriff ist 150% vermarktungsfähig! Nach den altbewährten, eigens angelegten Barfusspfaden für die Füße nun die Barfusstrampelpfade für die grauen Zellen!
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