Dialekt im Kindergarten

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amaria
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Dialekt im Kindergarten

Beitrag von amaria » Mittwoch 2. April 2014, 21:15

Hallo!

Eine 31jährige Richterin möchte, dass ihr Sohn im Kindergarten Dialekt sprechen kann, ohne von den Erzieherinnen verbessert zu werden.
http://www.augsburger-allgemeine.de/bay ... 97316.html
Wie haltet ihr es in der Praxis? Sprechen alle Erzieherinnen perfekt Hochdeutsch? Wie reagieren Kinder und Eltern, wenn eine Erzieherin wirklich richtig gut Dialekt spricht?

Ich lasse Kinder Dialekt sprechen, spreche selbst aber Hochdeutsch mit einem rheinischen Zungenschlag.

Freundliche Grüße

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

Zenobia
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Re: Dialekt im Kindergarten

Beitrag von Zenobia » Mittwoch 2. April 2014, 21:32

Ja, ja,die Bayern. Gehen wir mal davon aus, dass eine türkische Mutter möchte, dass ihr Kind in der Kita Türkisch spricht. Was gäbe das für einen Aufstand und Entsetzen. Die Mutter würde sich der Integration verweigern. Böse, böse.......

Ich kenne keine Kinder, die einen deutschen Dialekt/Plattdeutsch in der Kita gesprochen haben.
Entscheidend ist doch, dass das Kind auch einen Ort hat, wo ausschließlich Hochdeutsch gesprochen wird. Es sei denn, das Kind wird sein Leben lang in Bayern zu Hause sein und in den Schulen wird auch nur Bayerisch gesprochen.

Ist die bayerische Mundart u.U. vom Aussterben bedroht?

Matushka
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Re: Dialekt im Kindergarten

Beitrag von Matushka » Mittwoch 2. April 2014, 23:18

Hallo,

Man muss ja auch nicht gleich auf Konfrontation gehen. Dieses Entweder-Oder... Wie mich das nervt. Das Thema kann auch entspannter behandelt werden.

In einem niederlaendischen Kindergarten auf dem Lande (im Rheinland ;-) ) wird bei Tisch Mundart gesprochen und in der Anleitung, im Spiel, etc. Standard-Niederlaendisch. So lernen auch zugroasde Kinder -- sogar solche aus dem Ausland -- gleich beides.

Der Freund meiner Tochter hat nach seiner Einwanderung in Deutschland auf dem Gymnasium Deutsch und Latein gleichzeitig gelernt. Sein Deutsch ist tadellos, allerdings nicht akzentfrei. Nun spricht er fabelhaft und mit relativ starkem Akzent... und sie akzentlos mit Bremer Einschlag und dafuer Fall-Fehlern. Zusammen sprechen sie Deutsch und sind gluecklich. Auch das Studieren klappt -- trotz sprachlicher Imperfektionen.

Vielleicht sollten sich alle bei der Thematik ein bisschen locker machen? Das gilt auch fuer die Richterin (obwohl ich die Geschichte gern aus erster Hand gehoert haette -- meistens steckt mehr dahinter).

Gruss,

Sabine

Lenina
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Re: Dialekt im Kindergarten

Beitrag von Lenina » Sonntag 6. April 2014, 17:33

Solange ich die Kinder verstehe, ist es mir wurscht. (hihi)

Warum soll man sie in dem Alter schon zwingen, ihre gewohnten Sprachbegebenheiten zu verändern?

Auch andere Sprachen würde ich persönlich nicht unterbinden sondern stärken - allerdings nicht mit mir, weil ichs nicht verstehe :lach:

Ich bemühe mich, möglichst "normal" zu sprechen, kriege das aber auch nicht immer hin. Und wer sich krampfhaft um so etwas bemüht, der wirkt auch nicht authentisch...
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

Johanne
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Re: Dialekt im Kindergarten

Beitrag von Johanne » Freitag 11. April 2014, 03:59

Ich betreue nun schon das vierte Kind einer Familie aus meiner "Kleinst"stadt in der Pfalz. Die Mutter spricht zu Hause mit den Kindern ziemlich starken Dialekt, mit mir allerdings Hochdeutsch. Und die Kinder ebenso! Sie können sich ziemlich gut an ihren Gesprächspartner anpassen.

Ich verbessere nicht direkt die Sprache meiner Tageskinder - antworte aber natürlich in meinem (realtiv reinen) Hochdeutsch. Auch meine eigenen Kinder brachten aus dem Kindergarten lustige pfälzer Ausdrucksweisen - und sprechen heute ein gutes Hochdeutsch.
Viele Grüße von Tagesmutter Johanne

ferdinandel
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Re: Dialekt im Kindergarten

Beitrag von ferdinandel » Freitag 11. April 2014, 10:53

dialekt ist doch wie eine eigene sprache. ich spreche mit mienen kindern reines luxemburgerisch. das ist sehr lustig, weil es kaum jemand versteht, was manchmal sehr gut war und ist.

de schauten hot schlieferchen gehau on du haot de tromat seich schliffferchen on de fonger jehau.mon dieu das überfordert jeden nicht dialekt sprechenden.

wir haben das zu hause das ausschlieslich gesprochen und haben dazu noch deutsch, franz. und in der schule auch noch englich gelernt, ohne das uns die zunge abgefallen ist. nur in öffentlichen einrichtungen sollte schon hochdeutsch gesprochen werden.

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magdavoss
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Re: Dialekt im Kindergarten

Beitrag von magdavoss » Montag 21. April 2014, 18:42

Nun, wir in Sachsen-Analt haben ja nur einen leichten Dialekt, wo sich berlinerisch mit sächsisch vermischt. Ich finde, man sollte sich bemühen, hochdeutsch mit den Kindern zu sprechen. Wenn ich merke, dass ein Kind z.B. Schwierigkeiten mit "Sch" und "ch", dann versuche ich schon ganz bewusst, da gegenzusteuern!

amaria
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Re: Dialekt im Kindergarten

Beitrag von amaria » Donnerstag 16. Februar 2017, 08:26

Zenobia hat geschrieben:Ja, ja,die Bayern. Gehen wir mal davon aus, dass eine türkische Mutter möchte, dass ihr Kind in der Kita Türkisch spricht. Was gäbe das für einen Aufstand und Entsetzen. Die Mutter würde sich der Integration verweigern. Böse, böse.......
https://www.welt.de/regionales/bayern/a ... etten.html

Auf dem Bild sieht es aus, als ob eine ErzieherinKindergartenkinder beschulen möchte.

Immerhin enthält der Artikel einen kritischen Unterton.
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