Gut oder schlecht?

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Lenina
Schriftsteller
Beiträge: 1250
Registriert: Samstag 2. Juli 2011, 15:16

Gut oder schlecht?

Beitrag von Lenina »

Hallo

Folgende Frage, bei der ich mir wirklich unschlüssig bin:

Ich habe vor ca. 1/2 Jahr ein damals 10 Monate altes Mädchen eingewöhnt mit sehr langer Eingewöhnung. Sie hat sich gut auf mich eingelassen und ein Stück weit (so wie es in der Krippe möglich ist) an mich gebunden. Auch das Wiederkommen nach den langen Sommerferien war kein Problem.

Nun ist es seit ca. 2 Monaten so, dass sie mir nicht "verzeiht" wenn ich mal nicht da bin. Es fing an Ende Oktober nach einer Woche Urlaub. Da hat sie mich erst nach Stunden wieder angeschaut, die Annahme morgens, die sonst immer von Arm zu Arm problemlos und mit einem Lächeln ging, komplett verweigert. Meine Kollegin musste es dann machen.

So ging es von da ab jedesmal, wenn ich mal nicht da war (Fobi, krank, etc.) Es waren nicht viele Tage und ich habe mich immer gleich mit ihr beschäftigt. Auch heute wieder nach zugegebenerweise langer Zeit (4 Wochen) konnte ich sie nicht annehmen, sie hat geweint, getobt udn wollte mich nicht bei sich haben. bei meiner Kollegin war es kein Problem. Im Laufe des Tages habe ich immer wieder Annäherungen gemacht, so dass ich sie nach dem Mittagsschlaf dann aus dem Raum tragen und der Mutter übergeben konnte. Da hat sie dann auch wieder gelächelt.

Hattet ihr das schon mal, dass sich ein Krippenkind so verhält und einem Abwesenheit nicht "verzeiht"? Sie zeigt auch sonst sehr stark, was sie gut findet, was nicht.
Würdet ihr das ganze als positiv bewerten, weil ich eine Bezugsperson bin, von der sie Anwesenheit verlangt oder negativ, weil sie so ablehnend reagiert?

ich bin mir da echt unsicher. Was sind eure MEinungen?
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

Zenobia
Schriftsteller
Beiträge: 669
Registriert: Montag 27. April 2009, 21:20
Wohnort: Berlin

Re: Gut oder schlecht?

Beitrag von Zenobia »

Zwischen gut und schlecht liegen kleine Welten. :unschuldig:

Für mich erscheint diese Reaktion des Kindes ganz normal, und du solltest sie nicht überbewerten.

Die Kleine fühlt sich von Mama, Papa und verschiedenen Erwachsenen allein gelassen. :schnief:

Das ist ihre ureigene Art, mit Verlusten umzugehen. :c090:

Hab` sie einfach lieb und sei für sie da, wenn sie es zulässt und wünscht.

Hummelbiene
Beiträge: 6
Registriert: Dienstag 4. März 2014, 17:19

Re: Gut oder schlecht?

Beitrag von Hummelbiene »

Ich kann Zenobia nur zustimmen. Das Verhalten des Kindes erscheint mir nicht besonders auffällig zu sein, sondern eher normal für ein Kind, dass schon so früh in eine Tagesbetreuung gegeben wird. Ich denke, das Kleine hat Probleme mit der Entscheidung, wen sie nun als ihre Bezugsperson annehmen soll. Mach dir keine Sorgen, an dir liegt es nicht, du hast schließlich nichts falsch gemacht.

ferdinandel
Leseratte
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Registriert: Freitag 17. Februar 2012, 16:19

Re: Gut oder schlecht?

Beitrag von ferdinandel »

manchmal musss man einfach akzeptieren, dass ein mensch einfach abstand haben möchte. wenn sie wieder kontakt zu dir haben möchte, dann kommt sie von selbst.

Judith
Leseratte
Beiträge: 367
Registriert: Freitag 15. Oktober 2010, 20:34

Re: Gut oder schlecht?

Beitrag von Judith »

Ich habe es genau so schon öfter erlebt, insbesondere bei jüngeren Kindern. Als du sie eingewöhnt hast war sie 10 Monat, jetzt so ca. 18 Monate, vermute ich mal. Da ist es für die Kinder noch schwierig zu verstehen, dass du ein paar Tage nicht da bist. Sie müssen sich an andere gewöhnen. Wenn man dann zurück kommt ist Sorge da, dass man gleich wieder geht. Daher halte ich mich dann meist bei der Angabe morgens zurück, lasse es meine Kollegen machen, die es die Tage zuvor auch schon gemacht haben. Am Tag selbst versuche ich mit ihr ins Spiel zu kommen, Nähe wieder aufzubauen. Das funktioniert meistens ganz gut. Manchmal dauert es auch ein paar Tage. Das ist allerdings auch normal, weil wie gesagt, die Sorge ist da, dass man wieder gehst.
Es gibt natürlich auch umgekehrte Fälle. Da sieht das Kind einen und es lässt sich morgens gleich annehmen. Aber ich habe es auch schon gehabt, dass es dann enorm geklammert hat, mich keine Sekunde aus den Augen gelassen hat, überall mit hingenommen werden wollte, eigentlich nur auf dem Arm getragen werden wollte, usw.. Da wurde besonders deutlich, dass das Kind mich auf irgendeiner Art und Weise vermisst hat und dieser dann wieder Loslassprozess dauert auch an. Und dabei war das Kind bei meinen Kollegen als ich nicht anwesend war auch gut anzunehmen, zu beschäftigen, usw.. Keineswegs so, dass es da nur geweint hat, usw..
Kinder sind da grundlegend verschieden,

Ich finde, ältere Kinder verstehen das besser. Die können verstehen, wenn jemand im Urlaub ist und somit ein paar Tage nicht kommt. Zwar haben die auch noch kein Zeitgefühl und drei Tage wirkt teilweise genauso lang wie zwei Wochen, aber sie können mit Urlaub, Krankheit, usw. schon was anfangen, wohingegen das bei Jüngeren schwieriger ist.

Hummelbiene
Beiträge: 6
Registriert: Dienstag 4. März 2014, 17:19

Re: Gut oder schlecht?

Beitrag von Hummelbiene »

In diesem Zusammenhang fällt mir auf, wie wichtig es für den Erzieher Beruf ist, flexibel sein zu können. Jedes Kind hat seine eigenen Bedürfnisse, dazu kommen altersspezifische Eigenheiten. Auf jedes einzelne Kind muss man eingehen, sich Gedanken machen, was das Lütte grad braucht, nicht braucht, will oder nicht will. Das kann schnell zur Überforderung ausarten.

Lenina
Schriftsteller
Beiträge: 1250
Registriert: Samstag 2. Juli 2011, 15:16

Re: Gut oder schlecht?

Beitrag von Lenina »

Ich kann ja mal berichten, wie es nun ist:

Wir haben uns wieder "angenährert". Allerdings hat es nun wirklich etwas gedauert. Meine Kolleginnen haben sich vorwiegend um die Kleine gekümmert, ich mich um andere. Wenn ich mich beim Einschlafen zu ihr legte, hat sie sogar geweint. Also hat das meine Kollegin gemacht. Ähnlich das Annehmen morgens.

Nun ist es so, dass ich iimmer wieder den Kontakt gesucht habe. Zunächst über Augenkontakt/Mimik, dann Sprache. Habe auch mal andere Kinder ihr zugunsten "abgewiesen" (also Kind X vom Schoß runter gesetzt und mich mit ihr beschäftigt und zwar so, dass sie es mitbekommt).

Das hat jetzt geholfen. Wir machen wieder ein bisschen Quatsch, ich darf sie wieder hoch nehmen, sie kommt zum trösten lassen. Letztens ist es mir sogar gelungen, sie zum Schlafen zu bringen - ganz ruhig.
Es ist immer noch ein bisschen vorsichtig und ich bin nicht ihre erste Wahl, aber es ist in Ordnung.

Ja, es ist nicht immer einfach, das richtige zur richtigen zeit zu machen. Aber ich versuche immer, heraus zu kriegen, was los ist.

Und wenn man seine Pappenheimer kennt, dann weiß man meistens ja schon vorher, was sie als nächstes aushecken :lach:
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

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