Was in aller Welt ist eigentlich "INKLUSION"?

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Frips Fuchs
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Was in aller Welt ist eigentlich "INKLUSION"?

Beitrag von Frips Fuchs » Freitag 12. Dezember 2014, 18:09

Moin,
Inklusion, die einen mögen das Wort nicht mehr hören, andere verdienen eine goldene Nase damit.

Teil-habe wird oft im gleichen Atemzug verwendet.
Wer nimmt teil an der Gesellschaft?
Wer nimmt Teile der Gesellschaft für sich?
Wer teilt?
Wer teilt ein?
Wer teilt aus?
Wer hat und dann wie viel?
Wer entscheidet, was wer haben darf und wann?
Wer teilt die Habe?
Hä?

Also, wir haben einen geistig behinderten Schüler, der ein Anrecht auf Fahrdienst hat. Nun sind die Plätze in den Bussen verteilt, für ihn gibt es keinen Platz mehr und die Familie muss ein Formular nach dem anderen ausfüllen (inzwischen sind acht Wochen vergangen) und noch immer fehlt angeblich Information, warum er einen Fahrdienst braucht. Nun muss die Schule eine Begründunge schreiben, warum das Kind nicht von seinen Eltern zur Schule gebracht und abgeholt werden kann (Absurd!). Ein anderer Schüler, der als 6. Kind in eine andere Klasse der Schule zugeteilt wurde (5 geistig behinderte Schüler sind laut Standard vorgesehen und nicht mehr. Öffentlich in den behördlichen Internetseiten zu lesen), das aus dem nördlichsten Stadtteil in den Süden per Taxi jeden Tag befördert wird. Unser Schüler wohnt im Stadteil der Schule ... Es wirkt auf mich wie Schikane, die Familie hat einen Migrationshintergrund.
Jetzt frage ich mich, wer ist so arrogant und verteilt die Teil-habe des Jungen. Eine Taxifahrt, die eine Beförderung für ihn bedeuten würde, weil die Busse besetzt sind, ist teuer, also bewilligt man sie nicht. Die Habe wird ver-teilt, aber nicht gerecht.
Anderes Beispiel. Ein schwer mehrfach behindertes Kind soll als 6. Kind in eine Inklusionsklasse ohne persönliche Assistenz, weil da ja schon drei Erwachsene sind (Sonderpädagogin, zwei Assistenzen). Die Argumentation ist nicht, was braucht das Kind um teilhaben zu können, sondern, eine persönliche Assistenz, in dem Fall eine pflegereische Fachkraft ist anscheinend zu teuer.
Wieder die Arroganz eines Nichtbehinderten Habe zu verteilen oder eben nicht.
Mittlerweile kenne ich viele Teil-habe- märchen im Sch(m)utz-wort Inklusion, dass es mir schlecht wird.

So, dass musste ich mal los werden ...
Shalom
Frips

Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.

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Juliala
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Re: Was in aller Welt ist eigentlich "INKLUSION"?

Beitrag von Juliala » Freitag 12. Dezember 2014, 19:08

Hallo Frips,

deine Frage ist berechtigt und mir kommt wieder der Mageninhalt bzw. die Kotze hoch, wenn ich das lese.
Deine Schilderungen decken sich mit meinen eigenen Erfahrungen (ich arbeite ebenfalls in der Inklussion) heißt es immer wieder "Ärmel hochkrempeln, die Stirn bieten und NICHTS gefallen lassen".

Nicht das Wohl und die Bedürfnisse des Kindes stehen im Vordergrund, sondern das Geld.
.

Julia
Zuletzt geändert von Juliala am Donnerstag 26. Januar 2017, 20:23, insgesamt 2-mal geändert.
Erziehung: einen Kopf drehen, bis er verdreht ist - natürlich auf den neuesten Stand.“
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Frips Fuchs
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Re: Was in aller Welt ist eigentlich "INKLUSION"?

Beitrag von Frips Fuchs » Montag 15. Dezember 2014, 14:23

dazu müssten wir mal Missstände sammeln, kleine konkrete Beispiele (derer viele übe Nicht-Teilhabe) der Misswirtschaft im Bildungswesen. Wäre unsere Senatorin eine Fussballtrainerin eines bekannten Clubs, dann wäre sie schon längst gefeuert worden.

In unserem Fall wird sich der Behindertenbeauftragte unserer Stadt einsetzen und der ist Gut! Weil sich an diesem Beispiel eine Nicht-Teilhabe beeinträchtigter Menschen, verursacht durch Arroganz, Sparen und Dummheit durch Behördenseite, verdeutlicht. Ich bin gespannt!
Shalom
Frips

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Re: Was in aller Welt ist eigentlich "INKLUSION"?

Beitrag von Frips Fuchs » Dienstag 20. Januar 2015, 18:00

wir warten immer noch auf die dem Kind zustehende Maßnahme!...

:200p:
Shalom
Frips

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Re: Was in aller Welt ist eigentlich "INKLUSION"?

Beitrag von Frips Fuchs » Donnerstag 5. Februar 2015, 15:45

Teil-Habe
Kinder haben teil, sollen sich nicht so haben!
Shalom
Frips

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Re: Was in aller Welt ist eigentlich "INKLUSION"?

Beitrag von Frips Fuchs » Dienstag 10. Februar 2015, 15:04

Willkürliches Wegradieren von Behinderung durch Vermeidung von "bösen" Worten schafft die Behinderung ab.

geistige Behinderung klingt so hart
geistige Beeinträchtigung klingt schon milder

Reden wir im Zuge der Inklusion Behinderung weg?
"Bist behindert oder was?", ist eine Beleidigung
"bist beeinträchigt oder was?", schimpft niemand

Ist die Behinderung dann auch nicht mehr da?

Ich erlebe im Zuge der Inklusion in meiner Stadt, dass Kindern mit speziellen Bedürfnissen im Schulalltag, diese Bedürfnisse weg- geredet werden und sie somit in menschenunwürdigen Rahmenbedinungen beschult werden und diese Inklusion KEINE Inklusion ist, sondern ein reines Sparen auf dem Rücken der Schwachen.
ERschreckend dabei ist, dass es die Öffentlichkeit nicht interessiert.
Shalom
Frips

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Re: Was in aller Welt ist eigentlich "INKLUSION"?

Beitrag von amaria » Dienstag 10. Februar 2015, 15:26

Wer weiß, ob überhaupt noch viele Menschen Kinder in die Welt setzen würden, wenn es keine Sterblichkeit gäbe. Könnten Erwachsene immer weiter arbeiten und arbeiten, würden Kinder gar nicht mehr gebraucht. Die Gesellschaft könnte sich die Kosten für Krippen, Kitas und Schulen sparen. Für Kinder würde dann immer weniger getan werden... Social Freezing ist ein Schrittchen auf dem Weg dahin und die Missachtung der Bedürfnisse Behinderter ist es auch.

Mir tun auch diejenigen leid, die beispielsweise auf Krankenkassen arbeiten und sich immer wieder gedrängt fühlen, Anträge abzulehnen. Diese Arbeitsbedingungen sind auch menschenverachtend.

Es gibt Familien, in denen Inklusion klappt, ohne dass jemand mit demBegriff "Inklusion" etwas anfangen könnte. Ich denke an ein Mädchen mit Down Syndrom. Ihre Brüder haben mit ihr so viel Fußball gespielt, dass sie wunderbare Pässe hinbekam (und im Kindergarten als Knochentreterin im Fußballspiel gefürchtet war). Nach dem Spiel aber war das Mädchen wieder freundlich und liebevoll zu den kleinsten Kindern im Kindergarten. So wie sie es daheim und im Kindergarten von den Erwachsenen kannte.

Nach der didacta werde ich mir die Videos zum Thema "Inklusion" auf youTube ansehen.

amaria
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Re: Was in aller Welt ist eigentlich "INKLUSION"?

Beitrag von Juliala » Dienstag 10. Februar 2015, 15:46

Hallo Frips,

doch, die Öffentlichkeit interessiert sich für die Inklusion, aber nur unter dem Aspekt, dass man bloß nicht zu viel Rücksicht nehmen muss und dass sich bloß kein Nichtbehinderter benachteiligt fühlen darf. Inklusion darf nur stattfinden, solange sich nichtbehinderte Menschen nicht benachteiligt fühlen und eine Benachteiligung empfinden die Menschen bei diesem Thema oft sehr schnell.

Hast du mal unter den diversen Zeitungsartikeln zum Thema Inklusion die Lesermeinungen gelesen?
Das ist echt abartig, welch gequirlten Müll da so manch ein Leser von sich gibt. Viele fühlen sich durch die Inklusion behinderter Menschen benachteiligt, vor allem Eltern nichtbehinderter Schulkinder, die um die Bildung ihrer gesunden Kinder fürchten und einen Sündenbock suchen. Die Sparmaßnahmen machen es natürlich nicht besser.

Julia
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Re: Was in aller Welt ist eigentlich "INKLUSION"?

Beitrag von Frips Fuchs » Dienstag 10. Februar 2015, 20:28

nein, lese ich bewußt nicht, weil ich den Müll hier hautnah miterlebe und Behörde unter dem Deckmäntelchen Inklusion teams und Schulleitungen derart unter Druck setzt, dass die Dienstleister, die die Assistenz erbringen und ohne die es keine Inklusion gäbe oft klein bei geben, bei ihnen sonst die GElder für die Fachkräfte gekürzt werden ...
Inklusion ein Wintermärchen!
Shalom
Frips

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Re: Was in aller Welt ist eigentlich "INKLUSION"?

Beitrag von Klaudiia » Donnerstag 19. Februar 2015, 13:50

was für ein Wort.. da musste erstmal Google her :D

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Re: Was in aller Welt ist eigentlich "INKLUSION"?

Beitrag von Frips Fuchs » Freitag 20. Februar 2015, 15:56

und was sagt Tante Guugel?
Shalom
Frips

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