Stundenkürzungen

Frips Fuchs
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Stundenkürzungen

Beitrag von Frips Fuchs »

moin,
in diesem Schuljahr wurden massiv Assistenzstunden gekürzt und durch "Helfertätigkeiten" ersetzt ...
und das ist erst der Anfang.

Inklusion ist eine Mogelpackung
Shalom
Frips

Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.

© Kurt Marti

Matushka
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Re: Stundenkürzungen

Beitrag von Matushka »

Hallo,

Ich habe heute die Lokalnachrichten aus dem Umland gelesen. In Anbetracht der anstehenden Haushaltskuerzungen wird sich auch in der kommenden Zeit mehr auf ehrenamtliche Mitarbeit aus den Kommunen verlassen werden (muessen?!).

Eine bessere Vernetzung mit Teilnahme "von unten" ist bitter noetig.

Mir erscheint aber ein grosser Teil der Bevoelkerung, Politiker eingeschlossen, als ziemlich phlegmatisch und/oder unkreativ.

So kurz vor den Wahlen nimmt der Druck nochmal zu. Das koennte theoretisch auch Vorteile bringen.

Ich wuensche euch so sehr alles Gute,

Sabine

Frips Fuchs
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Re: Stundenkürzungen

Beitrag von Frips Fuchs »

moin,
es muss sich etwas bewegen hier und anderswo.
Dienst nach Plan und nicht mehr mehr.

Es ist so schade, dass es vielen Eltern egal ist oder wenig Interesse herrscht wie Inklusion hier in Schule von Behördenseite umgesetzt wird, weil kein Geld investiert wird, sondern eher die Inklusion als Sparmaßnahme mißbraucht wird. Das dient nicht den Kindern, die spezielle Bedürfnisse haben und deren Fachkräfte, die sie erziehen und unterrichten.
Nenne es wie man will, Integration, Inklusion, man male nette Graphiken dazu. Es funktioniert nicht, wenn es von Politik nicht gelebt wird.
Die Posistivbeispiele sind viel zu rar.
Shalom
Frips

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Juliala
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Re: Stundenkürzungen

Beitrag von Juliala »

Hallo Frips,

ich habe ein erwachsenes behindertes Kind und ich kann dir nur sagen, wir Eltern kämpfen wie die Löwen. Es ist nicht wahr, dass es uns Eltern egal ist. Diese Behauptung verletzte mich jetzt doch ein wenig.
Wir werden leider kaum erhört. Nur zaghaft ändet sich etwas.

Ihr könnt euch alle nicht vorstellen, wie unser Alltag aussieht. Wer es nicht selbst erlebt hat, weiß oft nicht, wovon ich rede. Die meisten Eltern kämpfen jahrelang....ach was Jahrzehnte mit Ämtern und Behörden zusätzlich zum Alltag, der auch bewältigt werden muss.
Es werden uns überall Steine in den Weg gelegt. Um JEDEN Kack müssen wir kämpfen, Widersprüche schreiben und Klagen einreichen. Das kostet enorme Kräfte und zerrt an den Nerven. Ich habe es soooo satt. Das kannst du dir nicht vorstellen.
Ich könnte mittlerweile ein Buch über die Arroganz und Willkür der Kostenträger schreiben. Irgendwann geht auch den engagiertesten Eltern die Puste aus und GENAU DAS ist so gewollt. Das ist die Taktik der Ämter und Behörden.

Bitte glaubt nicht, uns Eltern behinderter Kinder ist diese Entwicklung egal. NEIN, aber wir brauchen auch Nichtbetroffene an unserer Seite, die mit uns kämpfen, sonst versickert unser Kampf im Nichts.

Bitte denkt daran bei der bevorstehenden Wahl. Das Thema geht uns ALLE etwas an. Das Leben kann sich von einer zur anderen Sekunde schlagartig ändern und dann befindet man sich urplötzlich auf der anderen Seite und ist auf ein soziales und menschliches System angewiesen, in dem man nicht nur einen Kostenfaktor darstellt.

Julia
Erziehung: einen Kopf drehen, bis er verdreht ist - natürlich auf den neuesten Stand.“
―Karlheinz Deschner

Juliala
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Re: Stundenkürzungen

Beitrag von Juliala »

Hallo,

ich muss noch ergänzend hinzufügen, dass es natürlich auch Eltern gibt, die sehr besorgt sind und die Inklusion unter den derzeitigen Bedingungen ablehnen.
Förderschulen sind meist bestens ausgestattet an Personal, Räumlichkeiten und Material.
Die Inklusion ist noch nicht soweit, um diese Bedingungen zu bieten.
Schwerstmehrfachbehinderte, verhaltensauffällige, stark geistig behinderte und autistische Kinder können leider unter diesen Bedingungen noch nicht optimal gefördert werden, daher gibt es auch Eltern, die um den Erhalt der Förderschulen kämpfen.

Wir brauchen die Medien, die uns erhören und permanent über Missstände berichten. Natürlich müssen unbedingt auch die positiven Beispiele gezeigt werden, aber ich kenne bisher überwiegend nur die "Inklusion-Light", bei der angepasste und nur gering pflegebedüftige behinderte Kinder im Schulalltag gezeigt werden......angeführt von ewig lächelnden Kindern mit Down-Syndrom. In Deutschland scheint nur das Down-Syndrom bekannt zu sein. Andere Behinderungen scheint es nicht zu geben. Sie werden bei der öffentlichen Diskussion um Inklusion fast völlig ignoriert und ausgeblendet .

Wo findet die Inklusion statt, in der z.B. auch schwer verhaltensauffällige Kinder und schwerstbetroffene Autisten willkommen sind? Wo findet man Inklusion mit schwerstmehrfachbehinderten Kindern mit hohen Pflegebedarf?
Ich wäre über die Nennung von Schulen sehr dankbar, aber ich glaube, es gibt einfach keine Schule, die echte Inklusion praktiziert und daher kann ich auch Eltern verstehen, die ihr Kind lieber zur Förderschule schicken.

Julia
Erziehung: einen Kopf drehen, bis er verdreht ist - natürlich auf den neuesten Stand.“
―Karlheinz Deschner

Frips Fuchs
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Re: Stundenkürzungen

Beitrag von Frips Fuchs »

Moin,

Inklusion ist machbar, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.
Ich wollte dich nicht verletzen, ich sprach auch von viele Eltern, nicht allen.
Ich habe beide Gruppen kennen gelernt und die kämpfenden Eltern schätzen!
Leider habe ich auch Eltern in den vergangenen Jahren kennengelernt, die sich in keinster Weise engagiert haben für ihre Kinder. Und eine Grupee von Eltern mit Migrationshintergrund, die sich in behördlichen Dingen nicht auskennen und es scheint, dass ihnen nicht alle Rechte erklärt werden. Was sie nicht wissen, können sie nicht beantragen.
Momentan haben wir fünf recht "Fitte" Kinder in der Inklusionsklasse und ein verhaltensauffälliges, das so erst einmal nicht gruppenfähig ist. Es fehlt ein Differenzierungsraum und wir sind auch nicht Therapeutisch ausgebildet, dieses Kind wurde von der Behörde rumgschickt, bis sich eine Schule nicht mehr wehren konnte, wir.
Es soll im Ganztag beschult werden und ist damit überfordert. Eine langsame Anbahnung wäre pädagogisch sinnvoll ...
Das team ist bereit so gut es geht auch diesem Kind gerecht werden zu wollen, aber wir können das nicht, weil Politik keine Rahmenbedingungen schafft.
Im letzten Schuljahr habe ich ein schwer mehrfach behindertes Kind in einer 1:1 Betreuung begleitet. Es war willkommen und wurde so gut es ging inkludiert (ich hasse dieses Wort, denn eigentlich brauchen wir das Wort nicht).
Auch hier fehlte es an Rahmenbedingugnen, wie simpel Buzzer für automatisch öffnende Türen. Manche Türen hat es einfach nicht alleine aufbekommen, weil sie zu schwer aufgingen. Die Antwort der Behörde: moderne Türen sind zu teuer ...

So viel zu Inklusion, wenn es an einfachen Rahmenbedingungen, wie Räume, technische Hilfsmittel und Fachkräfte, die in Schulen arbeiten und nicht Helferberufe für die Begleitung eingestellt werden. Gelder für die Schüler für Grundausstattungen etc sind ebenfalls gekürzt worden ...
Ich finde es dem Kind gegenüber nicht gerecht, wenn ein schwer mehrfach behindertes Kind nur eine Helferkraft bekommt, so betreut eine Hauswirtschafterin ein fast blindes, inkontinentes nichtsprechendes Kind. Ich finde jedes Kind hat ein Recht auf eine Fachkraft.

Die hier in unserer Stadt mögliche Inklusion hat nichts mit einem Menschenrecht zu tun. Ich habe Tony Booth zuhören können, das was hier in den von Politik geschaffenen Rahmenbedingungen abgeht ist menschenunwürdig.
Ja ich schildere das drastisch, vielleicht schreiben dann noch andere etwas.
Shalom
Frips

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© Kurt Marti

Juliala
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Re: Stundenkürzungen

Beitrag von Juliala »

Hallo Frips,

es ist bitter, wenn man gewillt ist, gute Inklusion zu leisten, aber nicht die optimalen Rahmenbedingungen zur Verfügung gestellt werden, weil dann alle leiden - Kinder, Eltern und Erzieher.
Bei uns im Kindergarten ist es ähnlich.
Wir hatten ein hochgradig schwerstverhaltensauffälliges Mädchen. Letztes Jahr kam es in die Schule. Es benötigte eine durchgehende 1:1 Betreuung.
Du kannst dir nicht vorstellen, was das für ein Kampf war. Er ging über mehrere Monate. Ein echtes Armutszeugnis in der deutschen pädagogischen Inklusionslandschaft.
Das Traurige an der ganzen Sache ist, dass die Kostenträger "Hoheitsrecht" genießen und man deren Willkür ausgeliefert ist. Es gibt keine übergeordneten Stellen, die diese Abläufe im Blick haben.
So kann Inklusion erschwert oder völlig verhindert werden.
Mich macht das so wütend.

Andererseits habe ich leider auch schon erleben müssen, dass Kinder mit sehr leichten Auffälligkeiten und Verzögerungen zu I-Kindern gemacht wurden, um den ohnehin schon knappen Personalschlüssel konstant zu halten. Den Kindern wurden dann weitere Störungen angedichtet und vorhandene Auffälligkeiten noch ein wenig ausgeschmückt.

In unserem Land herrscht in Sachen Inklusion eine völlige Schieflage. Unsere Einrichtung arbeitet "echt" inklusiv und ist auch weiterhin bereit, inklusiv zu arbeiten. Bei uns ist JEDES Kind willkommen, aber wir brauchen unsere Ernergie für die Kinder und wollen nicht mit den Kostenträgern streiten.
Wir wollen unsere Arbeit qualitativ und menschlich gut machen, aber oft werden uns Steine in den Weg gelegt.
Wir wollen - wie jeder andere Arbeitnehmer auch - unsere Arbeit in Ruhe und unter guten Bedingungen machen.
Manchmal vergleiche ich meine Arbeit mit einem Büroangestellten, dem weder Tisch, PC noch Papier zur Verfügung gestellt werden, er aber trotzdem volle Leistung erbringen soll.

Ich kenne durch das Internet viele Eltern, die um Schulbegleiter kämpfen. Manche Kinder sind ohne Begleiter nicht schulfähig und können nicht zur Schule, weil ihnen ein Begleiter verwehrt wird. Man muss sich das mal vorstellen, was in unserem Land alles so abgeht.
Dann gibt es Kinder, denen wird der Schulbesuch durch Schule und Schulamt verweigert, weil sie als untragbar eingestuft wurden. Oft handelt es sich um Autisten, AD(H)Sler oder Kinder mit anderen Störungen im sozial-emotionalen Bereich.
Sagt mir bitte, WARUM ist das hier in Deutschland zu Zeiten von Inklusion möglich?

Und wenn ich lese, dass bei euch an der Schule Inklusion schon an einfachen Dingen wie elektrischen Türöffnern scheitert, dann wirt mir wirklich bitterübel.
Wir leben doch nicht in der hintersten Ecke eines armen Landes sondern in Deutschland.

Bitte, lasst uns endlich endlich um bessere Bedingungen kämpfen. Solche Zustände gehören an die Öffentlichkeit. Wäre der Behindertenbetauftrage die richtige Anlaufstelle? Viel Macht besitzt dieser Mensch zwar nicht, aber vielleicht wäre das ein Anfang.
Wen könnte man noch mobilisieren?

Ja Frips, es gibt sicher Eltern, die keinen Kampfgeist haben und denen egal ist, wie ihr Kind gefördert wird. Diese Eltern sind aber ganz gewiss nicht die Regel.
Einige Eltern haben ganz einfach den Überblick, die Kraft und den Mut verloren, anderen ist es vielleicht tatsächlich egal.
Kaum eine Stelle klärt über die Ansprüche von Leistungen auf. Man muss als Elternteil wirklich auf Zack sein, um den Überblick zu behalten.
Menschen mit Migrationshintergrund und ohne Deutschkenntnisse und Menschen aus einfacheren Verhältnissen benötigen meist kompetente Hilfen. Von den Ämtern und Behörden ist schnelle unbürokratische Unterstützung in den meisten Fällen nicht zu erwarten. Das ist jedenfalls meine Erfahrung - privat wie beruflich.
In manchen Fällen begleite ich auf Wunsch Eltern zu den Ämtern und Ärzten.

Puh, ganz schon lang der Text, aber das alles musste mal raus.
Ich hoffe so sehr, dass in Sachen Inklusion der berühmte Stein ins Rollen kommt.
Inklusion ist machbar, wenn NICHT gespart wird.

Julia
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Jelka
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Re: Stundenkürzungen

Beitrag von Jelka »

Frips Fuchs hat geschrieben:Ja ich schildere das drastisch, vielleicht schreiben dann noch andere etwas.
Du schilderst nicht drastisch, es ist drastisch.
Letztes Jahr betreuten wir einen autistischen Jungen (2 Jahre alt), der keiner Gefahr aus dem Weg ging. Motorisch sehr geschickt, konnten weder der Oberbalken der Schaukel, noch der höchste Schrank ihn schrecken. Offene Türen waren für ihn generell eine Einladung, weshalb er sie innerhalb von Millisekunden auch Richtung Ausgang unter den Armen mancher Eltern hindurch passierte. Abgesehen davon, bunkerte er alles, was er fand (Steine, Stecknadeln, Perlen, Murmeln ...) im Mund. Mehr als einmal öffnete er in unbeobachteten Momenten seine Windel und verteilte den Inhalt im Raum, während wir uns gerade um ein anderes Kind kümmerten.
In dem Jahr habe ich die Erfahrung gemacht, Inkluision bedeutet, sie findet für alle anderen Kinder statt, während wir dieses Kind betreuen. Zusatzstunden für ihn gab es 20, die Betreuungszeit betrug ca. 35 Stunden. Zieht man von den Zusatzstunden der Kollegin noch den Urlaub, Fehlzeiten und Zeit für Elterngespräche ab, ahnt jeder, wie die Realität aussah.
Liebe Grüße Jelka

Juliala
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Re: Stundenkürzungen

Beitrag von Juliala »

Hallo Jelka,

ja, so ähnlich sah es auch bei uns aus. Ich weiß nur zu gut, wovon du sprichst! Die höchste Zahl an Stunden, die man für I-Kinder erhält sind 20, auch wenn das Kind deutlich länger in der Einrichtung betreut wird. Was passiert bitte in den übrigen Stunden?
Da läuft doch gewaltig etwas schief.

Die Frage ist: WARUM um alles in der Welt sind solche Zustände zulässig und WARUM lassen wir uns Erzieher solche Bedingungen gefallen?
Sie schaden allen Kindern und Erziehern?

Wer hält den Kopf für mich hin, wenn unter diesen katastrophalen Bedingungen etwas passiert? Ich kann diese Zustände nicht mehr länger vertreten, aber ich muss.
Leute, ich habe so oft Bauchschmerzen.

Im Grunde meines Herzens liebe ich diesen Beruf, aber die Rahmenbedingungen lassen mich verzweifeln.

Julia
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―Karlheinz Deschner

amaria
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Re: Stundenkürzungen

Beitrag von amaria »

Wer hat schon mal Artikel zum Thema für Fachzeitschriften geschrieben? War es leicht, kritische Stellungnahmen gedruckt zu bekommen? Wie war die Resonanz von Berufskollegen?

Wirklich schade, dass die Journalisten, die für etablierte Medien schreiben, sich nicht die Zeit nehmen, nach engagierten Erziehern und Heilpädagogen zu suchen, die etwas zum Alltag mit Kindern und ihren Erfahrungen mit Inklusion zu sagen haben.
Wenn man bedenkt, wie viele auf Facebook angemeldet sind - und wie wenige die Fachforen der Erzieherinnen zur Kenntnis nehmen...

Solange Menschen in den sozialen Berufen noch "funktionieren" anstatt angemessen auf Zumutungen und unsinnige Vorschriften zu reagieren, wird sich nicht viel ändern.

Und anstatt verspätet zu reagieren, könnten Erzieherinnen auch einfach mal handeln. Grenzen setzen. So wie Frips und die Kollegen in Bremen. - Es müssten nur insgesamt mehr sein! Viel mehr!

Alles Gute!

amaria
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Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

Juliala
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Re: Stundenkürzungen

Beitrag von Juliala »

Hallo amaria,

Grenzen setzen - ja, das tun wir, aber wen interessiert es?
Lehnen wir die Betreuung eines Kindes aufgrund schlechter Rahmenbedingungen ab, interessiert es keine Sau.
Dem Amt ist es egal, ob der Platz vergeben ist oder unbesetzt bleibt. Dem Amt ist es egal, was mit dem Kind passiert.
Wer sind dann die Leidtragenden? Das Kind und die Eltern, die vor verschlossenen Türen stehen. Das kann doch nicht die Lösung sein.

Ich könnte hier noch so viel mehr schreiben, aber aus Gründen der Schweigepflicht weiß ich nicht, wie weit ich mich hier öffentlich äußern darf.
Ich kann euch auch aufgrund meiner zusätzlich privaten Erfahrungen sagen, dass dieses System an vielen Stellen unmenschlich ist. Es wird auf Kosten hilfebedürftiger Menschen gespart, während an anderer Stelle öffentliche Gelder verschleudert werden.
Es ist zum Haareraufen.

Julia
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amaria
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Re: Stundenkürzungen

Beitrag von amaria »

Vielleicht müssten Menschen in sozialen Berufen einmal so streiken, dass ihre Forderungen mit einer Absenkung der "Diäten" der Politiker verknüpft werden.
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Matushka
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Re: Stundenkürzungen

Beitrag von Matushka »

Hallo,

Vorweg: Ich schreibe als Nichtbetroffene, was man sicher merkt. Entschuldigung im Voraus, wenn ich Euch zu nahe trete.

Aber amaria, du schreibst
Wirklich schade, dass die Journalisten, die für etablierte Medien schreiben, sich nicht die Zeit nehmen, nach engagierten Erziehern und Heilpädagogen zu suchen,
.

Mir kaeme eher der Gedanke, sich an bereits etablierte Journalisten anzuhaengen statt darauf zu warten, dass sie einen entdecken.

Welche(r) Politiker tritt fuer die verschiedenen Interessengruppen (Erzieher, berufstaetige Muetter, Eltern mit behinderten Kindern...) ein? Wieso nicht Kontakt aufnehmen?

Dokumentieren, Missstaende melden, ein Exempel statuieren?

Wie weit geht Euer "Grenzen ziehen?" Wer traut sich womoeglich, die eigene Karriere aufs Spiel zu setzen?

Ich rate keinem zum Whistleblowing. Aber ein "Aufschrei" verhallt doch vielleicht in Kuerze wieder, wenn man an der Sache nicht dranbleibt. Kleine Erfolge locken evtl. weitere Mitmacher aus einer aengstlichen Reserve.

Habt Ihr Forenschreiberlinge untereinander Kontakt? Das Internet macht eine flaechendeckende Vernetzung moeglich. Koennt Ihr eine Arbeitsgruppe bilden?

Wer ist Euer Ansprechpartner in der Politik?

-----

Sorry fuer meine Naivitaet. Gerade lese ich zum Thema, wieso manche "Bewegungen" es in die Politik schaffen und manche nicht.

Gruss,

Sabine

Juliala
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Re: Stundenkürzungen

Beitrag von Juliala »

Hallo,

ich habe das Wahlprogramm von "Die Linke" studiert. Im Wahlprogramm werden wir Erzieher erwähnt. :)
Unser Ansehen und die Bedingungen sollen verbessert, das Gehalt angehoben und der Beruf akademisiert werden.
Na wenn das mal keine guten Aussichten sind. :)
Ob so ein Wahlprogramm tatsächlich umgesetzt wird, steht natürlich in den Sternen, aber dass unser Beruf in einem Wahlprogramm erwähnt wird macht doch Hoffnung, oder?
Ich muss mir jetzt noch weitere Programme zur Brust nehmen. Mal sehen, was die so zu bieten haben.

Ja Sabine, wir müssten uns untereinander vernetzen. Danke für deine Tipps!

Julia
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amaria
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Re: Stundenkürzungen

Beitrag von amaria »

Hallo Sabine,

die Bereitschaft der Presse über soziale Themen eingehend zu berichten, wird wohl - zumindest hierzulande - überschätzt. Es ist längst nicht so, dass Redakteure sich engagiert auf die Aufgabe stürzen würden, über Ungerechtigkeiten und menschliches Elend schreiben zu können. Wenn ich mal einen jungen Journalisten oder eine Journalistin auf etwas aufmerksam gemacht hatte und sie spontan versprochen hatte, einer Sache nachzugehen, dann versandete es, weil der Chefredakteur oder sein Stellvertreter die Angelegenheit an sich gezogen haben...
:pfiff:

Allein schon daran, dass in der Presse immer wieder bekundet wird, dass Erzieherinnen "mehr Anerkennung" verdienen würden, kann man doch erkennen, dass die wesentlich wichtigere Erkenntnis, dass wir bessere Arbeitsbedingungen und auch mehr Geld brauchen, nur als Randthema vorkommt. Aber sobald wirklich konkret und anschaulich beschrieben würde, welche personellen Engpässe in der Kinderbetreuung auftreten, mutet man Eltern etwas zu: Sie können sich nicht mehr so gut wie zuvor einreden, dass ihr Kind es in seiner Kita besonders gut angetroffen hätte. Deshalb nimmt das Loben von Projekten, Fördermassnahmen und dem freundlichen gelben Anstrich der Kitas in den Sommerferien mehr Raum ein als handfeste Kritik.

Es wäre zu schade, wenn Erzieherinnen es als Berufsgruppe beim "kollektiven Dornröschenschlaf" belassen würden. - Warum nicht aufwachen? - Immer öfter Nein sagen und bloß nicht darauf warten, bis "Prinz verdi" die Erzieherinnen mal eben wachküsst. In diesem Jahr sollte sich eigentlich abzeichnen, dass Erzieherinnen nicht gewillt sind, Verschlechterungen in der Kinderbetreuung, die zugleich auch Verschlechterungen ihrer Arbeitsbedingungen sind, hinzunehmen. Warum nicht die Rücknahme von Verschlechterungen fordern?

Freundliche Grüße

amaria
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