und es wird in Zukunft noch schlimmer

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Frips Fuchs
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und es wird in Zukunft noch schlimmer

Beitrag von Frips Fuchs » Freitag 22. November 2013, 15:18

Moin,
gerade las ich diese Stellenanzeige:
...
Für einen jugendlichen Schüler mit Autismus suchen wir einen bodenständigen Mann, der als Assistent in Schulen tätig werden möchte. Es handelt sich um eine sogenannte Stelle der ungelernten Drittkraft. Dafür sind keinerlei pädagogische Erfahrungen notwendig. Ein entsprechendes Einfühlungsvermögen sowie Zuwendung zu dem Jungen wie auch Geduld und Ruhe sind aber notwendig.
...


Ich habe intensiv mit Kindern aus dem autistischen Sprektrum gearbeitet und es braucht unbedingt eine fachliche Kompetenz im Thema Autismus.

Lieb und einfühlsam sein reicht nicht, auch keine Bodenständigkeit!

Eins ist aber sicher, diese Kollegen sind sprsam, sie kosten nicht viel ...

ich kann es nicht mehr fassen, was bei uns in der Stadt gerade im Thema Inklusion abgeht!

Children with SPECIAL NEEDS brauchen eben SPECIAl ausgebildetes und gut bezahltes Fachpersonal!

:200p: :nein:
Shalom
Frips

Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.

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amaria
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Re: und es wird in Zukunft noch schlimmer

Beitrag von amaria » Samstag 23. November 2013, 13:03

Hallo Frips!

Der Satz gilt auch für andere Bereiche. Aber für Kleinkinder und Menschen, die besonders viel Zuwendung brauchen, ist es ganz besonders schlimm.

Würden nicht so viele Kleinkinder unter einem unzureichenden Personalschlüssel schlecht betreut, könnten mehr Erzieherinnen als Fachkräfte Menschen mit besonderem Förderbedarf begleiten.

Verrückt! - Diejenigen, die zum Teil noch gar nicht betreut werden sollen, werden aus dem Schlaf geholt und in die "U-3-Betreuung" gebracht - und diejenigen, die wirklich betreut werden müssen, weil ihre Eltern ansonsten früher oder später zusammenbrechen, sollen leer ausgehen. (Für die Wirtschaft uninteressant...)

Besonders ärgerlich finde ich in diesem Zusammenhang das Schweigen der großen Kirchen und des Deutschen Kinderschutzbundes. Würden kirchliche Kitas (ebenso wie die gemeinnützigen und die Betriebskitas!) nicht überwiegend von den Fördermitteln für den forcierten Betreuungsplatzausbau profitieren, würde es den Kirchen und dem Kinderschutzbund wohl leichter fallen, eine Betreuung nach dem Grad der Bedürftigkeit zu betonen. Aber sobald Geld eine Rolle spielt, werden die Prioritäten verschoben und es wird diskret geschwiegen. Sowohl über die Missstände in der Betreuung gesunder und kranker Kinder als auch über eine verantwortungslos schlecht organisierte Kranken- und Seniorenbetreuung. Diejenigen, die hohe Posten und hohe Gefhälter haben, scheuen sich nicht, andere zu schickanieren. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Misere. Taxifahrer, die Kinder mit besonderem Förderbedarf und kranke Erwachsene fahren, leisten oft mit jeder Fahrt unbezahlte Hilfe und bekommen ihre Honorare oft nur schleppend und zum Teil gekürzt überwiesen. Wer aufmuckt, bekommt keine Aufträge mehr. Und Erzieherinnen lassen sich leider meist (du nicht!) einschüchtern, bevor sie überhaupt ausprobiert haben, was alles möglich wäre, wenn alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um etwas, was nicht akzeptabel ist, nicht zu akzeptieren.

Alles Gute!

amaria
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Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
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Re: und es wird in Zukunft noch schlimmer

Beitrag von Frips Fuchs » Donnerstag 28. November 2013, 19:03

Moin,
der Ausverkauf der Qualität in inklusiver Schule geht weiter!
Es scheint sich kaum einer dafür zu interessieren.

:c090: :nein:
Shalom
Frips

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Re: und es wird in Zukunft noch schlimmer

Beitrag von amaria » Donnerstag 28. November 2013, 19:37

Dabei trifft man eigentlich nur noch Erzieher und Lehrer, die erschüttert darüber sind, wie miserabel die Bedingungen sind.
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Re: und es wird in Zukunft noch schlimmer

Beitrag von OKVerein » Freitag 7. Februar 2014, 14:42

Schon krass diese Stellungsanzeige. Spiegelt nur die Profitgier vieler Träger. Denke auch, dass es für ein von Autismus betroffenes Kind umso wichtiger ist, wenn das Gegenüber fachliche Kompetenz besitzt und die Reaktionen & "sonderbaren" Verhaltensweisen richtig deuten kann.
Aber mich wundert diesbezüglich in D nicht mehr so viel ... sehr viel Bigotterie im Spiel :ugeek:

Frips Fuchs
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Re: und es wird in Zukunft noch schlimmer

Beitrag von Frips Fuchs » Freitag 7. Februar 2014, 16:05

hier will nicht der Träger sparen, hier spart die Politik!

Behinderte Kinder sind nichts wert, also braucht man auch nicht in sie zu investieren, an ihnen wird gespart!
Shalom
Frips

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Re: und es wird in Zukunft noch schlimmer

Beitrag von Zenobia » Freitag 7. Februar 2014, 20:55

An uns allen wird gespart. :200p:

Gut, wir können jetzt lamentieren und den PolitikerInnen, die wir demokratisch gewählt haben, die Schuld geben, aber ich halte das für kontraproduktiv.

ErzieherInnen müssen gewerkschaftlich und politisch organisiert sein. Sie müssen endlich ihren Arsch hochkriegen und Widerstand leisten. Jammern, wer Schuld hat, bringt uns alle nicht weiter.

Da können Petitionen, Artikel, Bücher, Flashmops, Blogs ins Leben gerufen werden. :kappe:

Jetzt, wo Fachkräftemangel herrscht, könnten wir Bedingungen für unsere Arbeit stellen. :daumen:

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Re: und es wird in Zukunft noch schlimmer

Beitrag von amaria » Freitag 7. Februar 2014, 22:44

Ein offener Brief an Manuela Schwesig könnte auch nicht schaden!
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Re: und es wird in Zukunft noch schlimmer

Beitrag von Frips Fuchs » Samstag 8. Februar 2014, 17:39

moin,
wo war ich heute?
auf dem Bahnhofsplatz, um mich zu einem flashmob Pflege am Boden zu beteiligen
Wieviele wir waren?






























sechs Menschen

nur

wo sind wir?
Erzieherinnen
Pflegende

WO
Shalom
Frips

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Re: und es wird in Zukunft noch schlimmer

Beitrag von amaria » Samstag 8. Februar 2014, 18:15

:daumen:

Hallo!

Ich hoffe sehr, dass in Bonn mehr Menschen zusammen kommen.
http://www.fr-online.de/panorama/kindes ... 86030.html
Bezeichnend finde ich auch, dass der Deutsche Kinderschutzbund das Buch von Michael Tsokos und Saskia Guddat "Deutschland misshandelt seine Kinder" als "zu polemisch" kritisiert. Als 2009 die Sozial- und Erziehungsdienste gestreikt haben, haben mir Sozialarbeiter auf eine Weise von ihrem Arbeitsalltag berichtet, die zu dem passte, was im sehr gehaltvollen Buch von Droemer geschildert wird. - So ist es kein Wunder, dass mir der Deutsche Kinderschutzbund als "zu ignorant" erscheint, wenn es um den Kinderschutz im wahrsten Sinne des Wortes geht.
http://www.fr-online.de/panorama/kindes ... 86030.html
Im vor drei Tagen in der Frankfurter Rundschau erschienenen Artikel heißt es:
"Die tägliche Arbeit dagegen wird outgesourct an Träger, die damit Geld verdienen. Aber das System ist einseitig und überaltert. Es schützt die Täter. Denn es geht davon aus, dass die Eltern die Familie sind und nicht die Kinder. Die Träger verdienen nur Geld, solange die Kinder in den Familien sind, also in den Händen ihrer Peiniger. Sie aus der Familie herauszunehmen, gilt als ultima ratio. Mit diesem System verdienen die Träger, auch kirchliche wie die Caritas, Millionen. In Deutschland sterben die Kinder für Geld."

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Re: und es wird in Zukunft noch schlimmer

Beitrag von Frips Fuchs » Sonntag 9. Februar 2014, 10:06

moin,

viel zu viele Kinder werden durch die zwermürbende zerstörende Kraft der Mühle des Wechselbades Struktur und Schutz z. B. in KITA und dem "ZUhause" in Gewalt und Missbrauch zerrieben. Das ist auch eine Form von Tod. Die Nebenwirkungen sind vielfältig und belasten wiederum das soziale Gefüge.
Shalom
Frips

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Beitrag von amaria » Dienstag 3. März 2015, 09:36

amaria hat geschrieben: http://www.fr-online.de/panorama/kindes ... 86030.html
Bezeichnend finde ich auch, dass der Deutsche Kinderschutzbund das Buch von Michael Tsokos und Saskia Guddat "Deutschland misshandelt seine Kinder" als "zu polemisch" kritisiert. Als 2009 die Sozial- und Erziehungsdienste gestreikt haben, haben mir Sozialarbeiter auf eine Weise von ihrem Arbeitsalltag berichtet, die zu dem passte, was im sehr gehaltvollen Buch von Droemer geschildert wird. - So ist es kein Wunder, dass mir der Deutsche Kinderschutzbund als "zu ignorant" erscheint, wenn es um den Kinderschutz im wahrsten Sinne des Wortes geht.
http://www.fr-online.de/panorama/kindes ... 86030.html
Im vor drei Tagen in der Frankfurter Rundschau erschienenen Artikel heißt es:
"Die tägliche Arbeit dagegen wird outgesourct an Träger, die damit Geld verdienen. Aber das System ist einseitig und überaltert. Es schützt die Täter. Denn es geht davon aus, dass die Eltern die Familie sind und nicht die Kinder. Die Träger verdienen nur Geld, solange die Kinder in den Familien sind, also in den Händen ihrer Peiniger. Sie aus der Familie herauszunehmen, gilt als ultima ratio. Mit diesem System verdienen die Träger, auch kirchliche wie die Caritas, Millionen. In Deutschland sterben die Kinder für Geld."
http://www.dksb.de/Content/shownews.aspx?news=251
Aha: Hätte der Kinderschutzbund nicht schon längst drakonische Geldstrafen für die Planung nicht kindgemäßer Kindergärten verlangen können? Wenn es um "Geld" geht, wird Interesse geweckt...

:schnarch: :schnarch: :schnarch:
Kindergärten ohne Garten, mehrgeschossige Kitas - kein Thema für den Kinderschutzbund? Erst wenn Erzieherinnen und Erzieher Pornos gucken würden, gäbe es mediale Beachtung?
Wie Inklusion angesichts viel zu schlechter Rahmenbedingungen funktionieren soll? Wird schon versucht, Inklusion "zu ermöglichen", indem man Schwarzfahrer Sozialstunden in Einrichtungen ableisten lässt?

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