Schulrückstellung. Erz. sehen Jungen fit für die Schule , Eltern nicht.

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Bine89
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Schulrückstellung. Erz. sehen Jungen fit für die Schule , Eltern nicht.

Beitrag von Bine89 » Mittwoch 2. Mai 2018, 18:42

Hallo in die Runde.

Ich benötige Rat in Sache ' Schuklückstellung'.
Und zwar ist der Stichtag in Berlin am 30.September . Wenn die Kids bis dahin 6 geworden sind, sollten sie im Sommer in die Schule kommen. Natürlich ist jedes Kind individuell in seiner Entwicklung .
Meine Situation ist gerade so, das ich ein Kind habe, dass 5 Tage vor Stichtag sechs Jahre wird. Nach meiner Meinung und die des gesamten Teams ist der Junge in überwiegend allen Entwicklungsbereichen Fit. Könnte also ohne Bedenken in die Schule gehen. Auf die Entwicklung des Jungen möchte ich jetzt gar nicht weiter eingehen.
Dennoch ist ein wichtiger Punkt , dass der Junge eine hochgradige und lebensbedrohliche Erdnussallergie hat. Kurz dazu ; In der Kita haben wir dieses Thema gut im Griff. Der Junge weiß, dass er Essen was nicht aus unsere Küche kommt, nicht anfassen bzw essen darf. Auch der Kontakt mit seiner Haut und einer 'Erdnuss' kann lebensbedrohlich sein. Die anderen Kids in der Kita wissen auch Bescheid.

Weiter zum Thema. Die Eltern möchten nicht das er in die Schule kommt, zumal 'Angst' aufgrund der Allergie, seine Freunde kommen erst 2019 in die Schule und diverse andere Sachen.

Der Entwicklungsbericht unsererseits ging zur Schulärztin. Im Bericht standen die Sachen so, wie wir den Jungen sehen - fit für die Schule. Jedoch nicht überspitzt geschrieben , ganz normal eben. 1 Woche später kam die Ablehnung für die Rückstellung.
Nächstes Elterngespräch. Weiter haben die Eltern sich an den Senat gewandt. Der Entwicklungsbericht ging auch dahin. Kurze Zeit später Erneute Ablehnung durch den Senat.

Nun habe ich eine sehr verzweifelte Mama und natürlich Papa. Diese fordern nun einen erneuten Bericht, wo unser Fazit nochmal ,sozusagen, überspitzter geschrieben werden soll und außerdem die Sachen ,die die Eltern sehen... also worin er noch gefördert werden soll , mit hinein sollen.
Klar habe ich Mitgefühl mit den Eltern da diese schon sehr verzweifelt sind und ihren Jungen noch ein weiteres Jahr in der Kita lassen möchten. Jedoch möchte ich nichts im Bericht schreiben,was überspitzt wird oder was wir nicht so sehen. Dann kommt der Punkt noch dazu ,dass wir natürlich Familiengerecht arbeiten und Kind,Eltern und Erzieher auf einen guten Nenner kommen.

Nun meine Frage: Hat jemand von euch schon mal so eine Situation durchlebt? Wie kann man handeln? Sind weitere Abläufe bekannt ? Was kann ich tun ?

Ich bedanke mich im Vorraus.

Gruß S.K.

Adrasteia
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Re: Schulrückstellung. Erz. sehen Jungen fit für die Schule , Eltern nicht.

Beitrag von Adrasteia » Donnerstag 3. Mai 2018, 05:54

Bei so jungen Kindern - insbesondere bei Jungen - würde ich IMMER eine Rückstellung ins Auge fassen.
Die meisten Kinder profitieren von dem Jahr mehr Reifezeit bis zur Einschulung. Und Jungs eben ganz besonders.
(Wie immer: Ausnahmen bestätigen die Regel)

In diesem speziellen Fall spricht ja noch einiges darüber hinaus dafür, das Kind zurückzustellen.


Es ist das Kind dieser Eltern, nicht eures. Sie werden es sein weiteres Leben lang begleiten. Ihr nicht. Und das Kind und sie sie müssen die Folgen ausbaden, wenn es zu früh eingeschult worden ist. Nicht Ihr.


Ich würde den Eltern diesbezüglich keine Steine in den Weg legen und den Bericht durchaus überspitzter formulieren, wenn sie das wünschen.


(Mal abgesehen davon, dass ich bei der derzeitigen Situation in Berlin gar kein Kind dort einschulen wollte ... aber das ist Politik und nicht Pädagogik.)

amaria
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Re: Schulrückstellung. Erz. sehen Jungen fit für die Schule , Eltern nicht.

Beitrag von amaria » Donnerstag 3. Mai 2018, 09:46

Hallo Bine!

Von den Eltern finde ich es verantwortungsbewusst, dass sie Wert darauf legen, dass ihr Kind gemeinsam mit den Kindern in die Schule gehen kann, die um seine Allergie wissen. Mir wäre es auch ein Bedürfnis, den Wunsch dieser Familie zu unterstützen, denn in den Schulen ist es durchaus denkbar, dass ein Kind trotz Aufklärung über die möglichen Folgen "spaßeshalber" den Jungen mit einer Erdnuss bewirft oder sie ihm in den Hemdkragen steckt. Es gibt immer wieder Kinder, die einfach nicht glauben wollen, was ihnen gesagt wird und die mal den Klassenclown spielen wollen oder in einem Streit zu weit gehen. Sind jedoch bereits einige Kinder in der Klasse, die selbstverständlich darauf achten, dass dem Jungen nichts geschieht, was allergische Reaktionen auslösen kann, ist das doch eine wesentlich bessere Voraussetzung für einen Schulstart und ein angstfreies Lernen als ein früherer Schulbeginn in einer Klasse, in der der Jungen kaum ein Kind kennt.

In vielen anderen Ländern kennt man übrigens keine Schulpflicht (manche haben eine Kindergartenpflicht, aber keine Schulpflicht). Deutsche können beispielsweise in den USA Asyl erhalten, weil die Schulpflicht als Verstoß gegen die Menschenrechte angesehen werden kann.

Habt ihr als Einrichtung die Möglichkeit, euch wegen der Abgabe der Erklärung juristisch beraten zu lassen? Hier fände ich eine Rechtsberatung sinnvoll. Es kommt leider öfter vor, dass Entscheidungen über die Schulpflicht so getroffen werden, als sei die Beachtung des "Stichtages" wichtiger als das Kindeswohl.

Freundliche Grüße

amaria
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Bine89
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Re: Schulrückstellung. Erz. sehen Jungen fit für die Schule , Eltern nicht.

Beitrag von Bine89 » Donnerstag 3. Mai 2018, 19:45

Hallo und danke für eure Antworten.
Natürlich ist das Thema 'Allergie' ein heikles Thema,gerade in der Schule. Jedoch bedenke ich auch hierbei ,dass es nächstes Jahr immer noch genau so aussehen wird, andere Kinder etc. Zudem ist zu sagen , dass die Schule die gleiche Fortbildung zu diesem Thema hatte, wie wir in der Kita auch (wie ist damit umzugehen, wie wird die Notfallspritze gehandhabt u.s.w).
Was aus meiner 1. Schilderung vielleicht nicht ganz deutlich geworden ist, dass der Junge nicht zu früh in die Schule kommt. Er ist zu Schulbeginn 6 Jahre. Außerdem ist er ein sehr kluges und cleveres Kind,dass Herausforserungen benötigt. Wir als Team und vielleicht auch ihr kennt das vielleicht ,wenn die Kinder in der Kita aufgrund einer Rückstellung oft gelangweilt sind und sich unterfordert fühlen. Diesen Faktor sehen wir für den Jungen. Wir sind eine Kita mit 65 Kindern. Und wir werden ihm hinsichtlich seines Inputs den er fordern wird,nicht jeden Tag gerecht werden können. Und die Erfahrung aus den vielen letzten Jahren bestätigt nun mal, dass die Kids die sich unterfordert fühlen einiges an Blödsinn anstellen . Das ist doch auch nicht Sinn und Zweck 🤔 Oder?

Gruß Bine

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Re: Schulrückstellung. Erz. sehen Jungen fit für die Schule , Eltern nicht.

Beitrag von Johanna2 » Donnerstag 3. Mai 2018, 21:34

Hallo!

Ich würde den Eltern den Gefallen tun und den Bericht etwas schärfer formulieren. Gerade wenn Kinder von Einschränkungen betroffen sind, profitieren sie sehr davon, in der Schule von Anfang an Rückhalt durch Freunde zu haben.

Ich habe einige Kinder kennengelernt, die sehr unglücklich darüber waren, für "schulreif" erklärt worden zu sein. Wollten sie doch auch das "letzte" Kindergartenjahr zusammen mit ihren Freunden verbringen. Die vielbefürchtete Unterforderung habe ich so eher nicht erlebt. Ein besonders schlaues Kind gab sich sogar alle erdenkliche Mühe durch den Schultest durchzufallen. Es sprach undeutlich, weigerte sich den Teddy abzulegen und gab auf einfache Fragen falsche Antworten. Tatsächlich hätte er die erste Klasse vermutlich überspringen können - aber er hatte klar gezeigt was er wollte. Bzw. was er nicht wollte.

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Re: Schulrückstellung. Erz. sehen Jungen fit für die Schule , Eltern nicht.

Beitrag von Zenobia » Donnerstag 3. Mai 2018, 21:43

Das Schlimmste, was Kindern passieren kann, ist Schule/ Schulunterricht. Der Staat braucht neue Zinnsoldaten, also schicken wir die Kinder in die Schule. Je früher, desto besser.
Und so ist wieder ein Platz für ein neues Krippenkind frei.

Der Schulabschluss kann ein Jahr früher erreicht werden. Schließlich sollen sie frühzeitig in die Rentenkasse einzahlen.

Die Eltern können ihr Kind zu Hause intellektuell fördern, wenn ihr dafür keine Kapazitäten frei habt.

Schade, dass diese Familie keine weisere Erzieherin/Leitung bekommen konnte.

Adrasteia
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Re: Schulrückstellung. Erz. sehen Jungen fit für die Schule , Eltern nicht.

Beitrag von Adrasteia » Sonntag 6. Mai 2018, 19:48

Ich hatte schon verstanden, dass der Junge offiziell "schulreif" ist und nicht zu jung eingeschult wird.
Er wird jedoch einer der Jüngsten in der Klasse sein. Immer.
Und das macht was mit dem Kind. Er muss mit Kindern mithalten, die ein ganzes Jahr älter sind als er - und fast noch schlimmer: er wird an ihnen gemessen werden.

Es sind meist Jungs, denen ADHS diagnostiziert wird - weil sie in der Schule "auffällig" sind. Dabei bringt eine spätere Einschulung ganz einfach ganz viel von dieser Problematik zum Verschwinden. Weil Jungs eben tatsächlich oft zu früh eingeschult werden. Kognitiv fit ist nunmal nicht alles, was in der Schule zählt.


Der Junge soll eingeschult werden - aus eurer Sicht - während seine Freunde noch in der Kita verbleiben. Freunde geben Sicherheit und das ist in seiner gefährdeten gesundheitlichen Situation noch wichtiger als sonst schon.
Dein zweiter Beitrag liest sich als würdet Ihr (als Kita-team) das Kind nicht mehr da haben wollen ... weil es zu anstrengend sein könnte.

Da fallen mir eine ganze Menge Kinder ein, die hin und wieder anstrengend und herausfordernd sind....
Die Schule nimmt sie aber leider nicht - sie sind erst drei und vier und fünf...

hallihallo
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Re: Schulrückstellung. Erz. sehen Jungen fit für die Schule , Eltern nicht.

Beitrag von hallihallo » Montag 7. Mai 2018, 12:17

Wie toll, wenn man solche Eltern hat, die ihr Kind lieber noch ein Jahr länger von der Schule fernhalten wollen. Was sagt das Kind denn überhaupt dazu?
Bezüglich Unterforderung seid ihr einfach gefragt. Wir hatten bei unserer Tochter das Glück, dass fast alle Kinder (es waren 14 Stück) allesamt nach dem Stichtag Geburtstag hatten. Das heißt, dass die Erzieher 14 sehr fitte Kinder über ein Jahr "bespassen" mußten. Nehmt es als Chance, Spass und Herausforderung an und denkt nicht an mögliches "Negatives".

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