Anderes Kind misshandelt unseren Sohn

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MiBu
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Anderes Kind misshandelt unseren Sohn

Beitrag von MiBu » Montag 17. November 2014, 22:06

Hallo liebe Erzieher(-innen),

unser Sohn (gerade 3) ist seit Anfang August im Kindergarten und konfrontiert uns gleich mit einer Situation, auf die man als Eltern nicht vorbereitet wird. Ich hoffe hier kann uns jemand Rat geben.

Unser Sohn Max spielt im Kindergarten am liebsten mit Jannes (4) und Philip (5) (Namen von der Red. geändert), dabei ist Philip als ältester der Anführer der Gruppe. Vor zwei Wochen haben wir erfahren, dass Philip unseren Max in einem kleinen Spielhaus in einer uneinsichtigen Ecke des Pausenhofs gedemütigt hat, indem er ihn zwang die Hose auszuziehen, dann seine Pobacken auseinander zog und seinen Po untersucht hat und ihn mit dem nackten Po auf den Boden schmieß.

Von den Eltern von Jannes, mit denen wir befreundet sind, haben wir wir erfahren, dass Philip mit Jannes vor etwa einem Jahr das gleiche im gleichen uneinsichtigen Häuschen gemacht hat. Nachdem sie das Gespräch mit der damaligen Erzieherin gesucht haben, war das Thema erst mal durch (oder ist zumindest nicht wieder aufgefallen), nun hats bei unserem Max wieder angefangen. Also haben wir das Gespräch mit der neuen Erzieherin (inzwischen gabs einen Wechsel) gesucht, die versprach da ein Auge drauf zu haben.

Heute gab es wieder einen Zwischenfall, wieder in dem uneinsichtigen Häuschen, bei dem Philip Max wieder gezwungen hat sich auszuziehen und diesmal versucht hat ihn mit einem Stock zu vergewaltigen. Das Ergebnis ist in Form von blauen Flecken an seinem Po zu sehen. Zum Glück nicht im Analbereich, aber es läßt erahnen, was passiert wäre, wenn Philip technisch geschickter vorgegangen wäre.

Bei erneutem Besuch im Kindergarten war die Erzieherin sichtlich betroffen, aber meiner Meinung nach mit der Situation überfordert. Als Ergebnis kam raus:
- Sie wird mit Philips Eltern sprechen
- Sie wird in der Kindergartenrunde noch mal ansprechen, dass es ganz wichtig ist, dass die Kinder laut nein sagen, wenn andere Kinder etwas machen, was sie nicht möchten, und mit den Erzieherinnen sprechen.
- Philip wird an der kurzen Leine gehalten (sprich darf nicht mehr alleine aus dem Sichtradius der Erzieherin); ein Status, den er wegen anderer Auffälligkeiten auch schon vorher hatte.
- Sie will das Thema in die nächste Kollegiumssitzung mitnehmen.
- Auf mein Drängen hin, wird diese Hütte vorerst dicht gemacht

Als schaler Nachgeschmack bleibt, dass ich nun keineswegs das Gefühl habe, dass sich so ein Vorfall nicht wiederholen wird, und kein gutes Gefühl habe Max wieder in den KiGa zu schicken.

Daher meine Fragen an die erfahrenen Erzieher:
- Sind die Maßnahmen der Erzieherin angemessen? Ist sie überhaupt in der Lage eine solche verschärfte Beaufsichtigung durchzuführen, wenn sie zu zweit 20 3-6 jährige betreuen müssen?
- Natürlich wäre es uns am liebsten, wenn Philip gar nicht mehr in unserer Kindergartengruppe wäre. Gibt es dafür eine rechtliche Handhabe?
- Max fand das ganze nicht besonders schlimm. Als er mittags aus dem Kindergarten kam, war er etwas verstört, am Nachmittag freute er sich wieder mit Philip zu spielen. Hätte Jannes von dem Vorfall nicht seiner Mutter erzählt, hätten wir vermutlich gar nichts mitbekommen. Sollen wir das thematisieren, damit er mitbekommt, dass da was schlimmes passiert ist und in Zukunft besser reagieren kann, oder den Segen der Unwissenheit auf ihm lassen?
- Abgesehen vom Kindergarten haben wir mit Philips Familie nichts zu tun. Aber ein 5-jähriger, der versucht einen 3-jährigen mit einem Stock zu vergewaltigen und das ganze "Papidoktor" nennt, lässt viel Raum für Spekulationen. Würdet ihr diesbzgl. etwas unternehmen, und wenn ja, was?


Liebe Grüße,
MiBu

Lenina
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Re: Anderes Kind misshandelt unseren Sohn

Beitrag von Lenina » Montag 17. November 2014, 23:06

Hier ist es ganz, ganz schwierig, etwas zu raten.

Die Maßnahmen der Erzieher sind wohl die, die in so einem Fall getroffen werden. Ob sie eingehalten werden können, bezweifelst du zu Recht, denn man kann ein Kind nciht immer im Auge behalten.

Was ich an Stelle der Erzieher allerdings machen würde, wäre mir Hilfe zu holen in Bezug auf Misshandlung von Philip. Denn als normale Aktionen würde ich das jetzt - immer aus der Ferne beurteilt - nicht betiteln. Da scheint mir etwas im Busch zu sein (Papidoktor für diese Aktionen - dem muss das Team nachgehen, ohne hier konkrete Anschuldigungen stellen zu wollen).

Ich würde an deiner Stelle mit deinem Sohn reden, dass er nichts mit sich machen lassen muss, was ihm weh tut oder ihm komisch vorkommt. Auch nicht von Freunden und anderen Kindern. Das ist nicht einfach. Aber du kennst ihn am besten und weißt bestimmt, ob ein Gespräch mit ernster Miene (ohne Vorwürfe, hach, schwer zu beschreiben) bei ihm ankommt.

Um ihn zu schützen würde ich auch ein zumindest vorrübergehendes Spielverbot in Erwägung ziehen, was allerdings sehr, sehr schwer umzusetzen ist.

Aber ich würde darauf achten und pochen, dass die Erzieher am Ball bleiben und das Ganze nicht nach wenigen Tagen im Sande verläuft (was manchmal auch angesichts solcher Fälle passiert).

Ansonsten würde ich erstmal hören, was die anderen hier dazu sagen, die vielleicht auch schon ähnliche Erfahrungen als Erzieher mit so einer Situation gemacht haben.

Edit: Achso: Bestärke deinen Sohn, in seinem Wesen und seinem Tun. Je selbstbewusster und körperbewusster er ist desto eher wird er sich wehren. Vielleicht kannst du ihm auch schon erklären, dass das, was das andere Kind tut, nicht rihctig ist und ihm weh tun kann. Das musst allerdings du entscheiden, wie weit er das verstehen kann. Dabei dann den richtigen Grad finden und nicht Ängste schüren ist allerdings wohl auch nciht einfach.
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

ferdinandel
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Re: Anderes Kind misshandelt unseren Sohn

Beitrag von ferdinandel » Freitag 21. November 2014, 19:05

Mit dem Träger eine Lösung suchen . Mit dem Träger deshalb, weil dieser in der obersten Verantwortung steht, also eine Garatenstellung gegenüber den Kindern hat. Garantenstellung bedeutet, dass der Träger garantiert, dass das Kind gesund an Leib und Seele bleibt. Die meisten Erzieher stehen solchen Situationen hilflos gegenüber. Ich würde an Deiner Stelle keinen Tag warten und wie gesagt dem Träger ansprechen. Diese haben meist bessere Lösungen als Kita intern

Kees_Kopf
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Re: Anderes Kind misshandelt unseren Sohn

Beitrag von Kees_Kopf » Samstag 22. November 2014, 19:43

Aus der hir geschilderte Geschichte geht hervor, dass dieses Kind nicht erstmalig auffällig geworden ist. Das gibt ernsthaft zu denken!

Nicht unbedingt über die Rolle der ErzieherInnen, obwohl diesen Vorfall (Vorfälle) natürlich dokumentiert sein musste(n) und bei der Pbergabe der Gruppe an eine neue Erzieherin weiter geleitet werden sollten. Aber das Kind (Täter) hat ein ernstes Problem und das Problem kann man nicht im Kindergarten lösen. Dieses Kind benötigt dringend professionelle Hilfe, sein Verhalten hat einen Grund und einen Anlaß. Obwohl es nicht ungewöhnlich ist, dass Kinder (und Jugendlichen) neugierig nach der anatomischen beschaffenheit von anderen Kindern (inner halb der Peergroup) sind und es in diesem Zusammenhang duchaus auch zu gegenseitiges ausziehen kommt, geht dieses Kind eien Schritt weiter. Stellt sich die Frage, woher er die Idee hat? Was bringt ihm dazu sich so zu verhalten wie er das tut? In diesem Fall ist aus meiner Sicht das Jugendamt gefordert um ein Blick (oder mehrere Blicke) in der Familie zu werfen.

Natürlich muss auch der Träger aktiv werden zum Schutz der anderen Kinder, ich würde als Eltern aber selbst direkt die Eltern des anderen Kindes ansprechen und sie klar machen, dass ich nicht zögern würde selbst Meldung über die Vorfälle beim Jugendamt zu machen, falls ihr Sohn sich noch einmal an meinem Kind vergehen würde. Ungeachtet was der Träger da unternimmt, denn manche Träger sind sehr Träge.

Kees
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MiBu
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Re: Anderes Kind misshandelt unseren Sohn

Beitrag von MiBu » Montag 24. November 2014, 20:40

Hallo,

danke für die Antworten. Wir hatten noch ein Gespräch mit der KiGa-Leitung, die das Thema sehr ernst genommen und gut reagiert hat. Zum einen haben sie sich externe Unterstützung beim Kinderschutz-Team vom Kreis geholt. Die Bindung von Philip muss nun nicht durch die Gruppenleiterin allein gestemmt werden, sondern wird nun gruppenübergreifend durch mehrere Erzeiher gemacht, Jugendamt ist eingeschaltet worden, das Thema ist per Aushang öffentlich gemacht worden (wars nach kurzer Zeit per Flurfunk eh schon) und es gibt auch noch vermehrt Informationen an Eltern und Kinder wie sie sich in solchen Situationen verhalten sollen.

Max und Philip werden nun auch getrennt, was bisher allerdings mehr schlecht als recht funktioniert hat, da es die beiden zueinander zieht.

Im Gespräch mit der KiGa-Leitung haben wir mitbekommen, dass beide gemeldeten Vorfälle nicht bis zur Leitung durchgedrungen sind, also ganz großes Kommunikationsproblem, an dem die nun hoffentlich arbeiten werden.

Ansonsten schicken wir Max erst mal wieder mit einem guten Gefühl in den KiGa.

Gruß,
MiBu

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