Herzkranke Kinder in Regelkrippengruppen bzw. -kitas

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Judith
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Herzkranke Kinder in Regelkrippengruppen bzw. -kitas

Beitrag von Judith » Freitag 27. Februar 2015, 18:52

Ab Montag wird ein "herzkrankes" Kind in die Krippengruppe kommen in der ich arbeite. Es hat immer wieder erhöhte Herzfrequenzen, hat über ein Jahr Medikamente bekommen, jetzt seit ein paar Wochen nicht mehr. Mit Medikamente war es gut, keine erhöhte Herzfrequenz mehr, seitdem dieses abgesetzt auch noch nicht wieder aufgetreten.
Kinderkardiologe und Kinderarzt sagen, dass es jederzeit wieder auftreten kann. Es gibt keine wirklichen Zeichen, die das vorher sagen.
Die Mutter hat mir in einem Gespräch erklärt welche Anzeichen das Kind damals hatte (letztes Mal gehabt vor einem Jahr, danach unter Medikamente gestanden). Wenn eines dieser Zeichen auftritt soll umgehend die Mutter verständigt werden (und ich würde im Extremfall auch jederzeit den Notruf tätigen).
Das Kind ist 18 Monate alt, Entwicklungsstand von ca. 12 Monaten. Es ist ein Frühchen, hat wochenlang auf der Frühchen- und Kinderstation gelegen, ehe es nach Hause kam. Mutter ist alleinerziehend, muss wieder arbeiten gehen aus finanzieller Sicht, daher muss das Kind in eine Betreuung. Und das ist nun mal die Krippe geworden.

Ich werde die Eingewöhnung des Kindes übernehmen. Eigentlich hätte meine Kollegin es eingewöhnen sollen (so wollte es Chefin). Sie hat Angst davor, äußert diese verbal nicht, zeigt es aber deutlich durch ihre verbalen Äußerungen dazu. Daher habe ich ihr angeboten die Eingewöhnung zu übernehmen, was sie sehr dankend annahm.

Das Kind soll u.a. auch bei uns schlafen. Meine Kollegen haben große Angst davor, dass genau dann was passiert. Sie finden, dass dieses nicht geht und ich genau das der Mutter vermitteln muss. Das möchte ich nicht, denn ich weiß aus Erzählung der Mutter, dass das Kind meist nur 30-45 Minuten schläft und dann wieder wach ist und in den ersten 30 Minuten kaum was passieren wird (laut Kinderkardiologe). Wenn dann eher danach. Da würde ich mich dann auch bereit erklären ggf. mit der Mutter abzusprechen ihn zu wecken oder ihn doch evtl. an seinen Monitor anzuschließen (was die Mutter für unnötig hält in der Krippe und ich denke auch, es geht ohne).
Wenn das Kind erhöhte Herzfrequenzen hatte, dann bis jetzt nie wenn es geschlafen hat.

Ich finde, dass dem Kind ein normaler Krippenalltag geboten werden sollte. Die Mutter sagte auch, dass es keine Sonderstellung bekommen soll. Es soll wie ein normales Kind behandelt werden.
Ob es wirklichen einen Mehraufwand deshalb geben wird, das zeigt die Zeit.

Im Sommer (August) folgt ein weiteres Kind mit Herzerkrankung.Es wird dann 1,5 Jahre alt sein.

Dann sind zwei "herzkranke" Kinder in der Gruppe.
Beide ohne I-Status.
Drei Betreuungskräfte für 15 Kinder.

Chefin weiß von dem Ganzen, sagt dazu, dass das alles nicht so schlimm sei und wir das hinkriegen werden.

Beide Kollegen haben Angst davor (wie gesagt, sie sagen es nicht verbal, aber das was sie dazu äußern zeigt es deutlich). Ich hoffe, dass diese Angst mit der Zeit gehen wird, denn sonst stelle ich es mir schwierig vor. Denn Kollegen die Angst haben können diese Angst unbewusst auf Kind (und Mutter) übertragen.
Ich bin derzeit die Einzige (aus der Gruppe), die dem Ganzen mit hohem Respekt, aber keiner Angst entgegen sieht.

Hat jemand "herzkranke" Kinder in einer Regelgruppe und kann mir sagen, wie das läuft? Gibt es einen Mehraufwand, wenn ja welchen? Was sollte ich beachten?

Judith
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Re: Herzkranke Kinder in Regelkrippengruppen bzw. -kitas

Beitrag von Judith » Mittwoch 15. April 2015, 18:50

Ich möchte mal berichten, wie es derzeitig aussieht, mit einem herzkranken Kind in der Gruppe. Das Kind ist jetzt 19 Monate alt.
Die Eingewöhnung verlief sehr gut. Die Mutter teilte mir am ersten Eingewöhnungstag mit, dass sie das Kind eigentlich nur bringt und dann zur Arbeit muss. Das konnte ich verhindern, indem ich ihr verdeutlichte, wie wichtig eine Eingewöhnung für das Kind ist. Somit blieb sie 3 Stunden mit dem Kind bei uns. Es löste sich sehr gut, nahm das Spielzeug an, Mutter saß nach kurzer Zeit auf einem Stuhl in der Ecke und schaute dem Ganzen zu. Am zweiten Tag trennten wir zum ersten Mal (für 1,5 Stunden) und es klappte wunderbar. Die Mutter teilte mir da auch mit, dass sie am Folgetag unbedingt arbeiten muss (sie hätte ja schon ab dem ersten Tag müssen, somit entschlossen wir gemeinsam anstatt 30 Minuten eine Trennung von 90 Minuten zu machen). Am dritten Tag wurde das Kind morgens gebracht und nach 4 Stunden wieder abgeholt. Und es klappte alles wunderbar und das bis heute. Wir haben abgemacht, dass wenn was ist, dass wir jederzeit anrufen können und sie dann ggf. auch kommt.
Und so ist das auch. Wenn wir anrufen nimmt sie sich Zeit für uns, erklärt uns Dinge, usw.. Da ist sie wirklich sehr toll.
Inzwischen sieht man immer deutlicher, dass das Kind entwicklungsverzögert ist. Es läuft, wobei dieses noch sehr wackelig ist und es kaum eigene Körperspannung hat und entsprechend viel hinfällt. Es spricht gar nicht, es lallt vor sich hin. Essen alleine geht überhaupt nicht, selbst wenn wir dem Kind immer wieder zeigen wie der Löffel zum Mund geführt wird, dem Kind dabei auch helfen, das Kind führt es alleine gar nicht aus. Das Kind wird somit noch komplett gefüttert.
Das Kind ist ein offenes Kind, passt sich neuen Situationen an, hat zu allen einen guten Kontakt, selbst zu den Vertretungskräften hat es diesen schnell aufgebaut.
Mutter und Vater leben getrennt voneinander und haben kein gutes Wort für einander über. Der Eine macht den anderen schlecht und es läuft jetzt vieles über das Jugendamt und vermutlich bald (laut Aussage des Vaters) auch über das Familiengericht. Das finde ich für das Kind sehr schade. Das Kind lebt hauptsächlich bei der Mutter, sieht den Vater regelmäßig, schläft dort auch einmal die Woche.

Seine Herzerkrankung ist uns allen bewusst und wir achten da auch drauf.
Am Montag geschah das, wovor für uns alle (auch ich) gefürchtet haben. Das bekam einen sehr schnellen Herzschlag). Ich rief sofort die Mutter an, die schnell kam (ca. 7-8 Minuten später war sie da, laut Aussage meiner Kollegen). In diesen Minuten und auch schon davor hielt ich dem Kind einen nassen Waschlappen bzw. einen Kühlakku (aus dem Kühlschrank) ins Gesicht (immer wieder mit kurzen Pausen). Das Kind verlor komplett an Körperspannung, verlor dann auch kurzzeitig das Bewusstsein. Mutter traf ein, legte dem Kind dann Kühlakkus aus der Tiefkühltruhe auf das Gesicht und sagte dazu, dass es jetzt besser werden würde. Der Herzschlag wurde ein wenig langsamer, das Kind wirkte trotzdem abwesend (apathisch). Die Mutter wollte selber mit dem Kind zum Kinderarzt fahren, was ich ihr dann untersagte, u.a. mit dem Satz, dass ich mit die Verantwortung tragen würde und falls was passieren würde auf dem Weg dahin, dass ich das nicht verantworten könnte. Ich setzte dann den Notruf ab und es dauerte nur wenige Minuten, da war der Notarzt mit einem Sanitäter da und übernahm die medizinische Versorgung. Angeschlossen an dem EKG stand schnell fest, dass der Herzschlag immer noch viel zu schnell ist. Rettungswagen mit zwei Sanitätern kamen später dazu. Ca. eine halbe Stunde fand die Erstversorgung noch im Kindergarten statt, dann noch mind. eine halbe Stunde im Rettungswagen, ehe dieser in die Kinderklinik abgefahren ist. In dem Moment war das Kind schon stabil.
Was genau im Krankenhaus gewesen ist, dass weiß ich ja nicht, weil die Eltern mit im Krankenhaus waren (Vater ist auch zum Kindergarten gekommen, nachdem die Mutter ihn angerufen hat) . Das Kind ist am selben Tag noch wieder mit nach Hause gekommen und die Eltern haben uns, auf unserem "Muss" hin, ein Attest des Kinderkardiologen zukommen lassen, worin steht, dass das Kind kindergartentauglich ist.
Desweiteren wurde darin vermerkt, dass die Eltern sich wünschen, dass sie beim nächsten Mal das Kind mitnehmen dürfen und kein Rettungswagen gerufen wird. Und das macht mir große Sorge. Was ist, wenn doch auf dem Weg nach Hause was passiert (denn, dass sie dann zum Kinderarzt fahren wollen, davon steht da nichts und sagten die Eltern auch nicht, die reden immer nur von zu Hause).
Der Notarzt hat deutlich gesagt, dass wenn keine Reaktion erfolgt wäre (und die erste erfolgte ja schon durch die Kühlakkus aus dem Kühlschrank), dann wäre der Herzschlag immer schneller geworden und niemand kann sagen, ob in den nächsten Minuten oder Stunden der Herzstillstand gekommen wäre. Fakt ist, er wäre gekommen.
Meine Chefin sagt, dass wir das Kind dann mitgeben sollen, insofern die Eltern das so wünschen (sie hat das Attest vom Kinderkardiologen auch gelesen). Ich habe da ein ungutes Gefühl.
Meine Kollegen haben auch ein ungutes Gefühl. Bei denen geht es sogar soweit, dass sie vor mir mehrfach am Montag gesagt haben, dass sie gar nicht mitbekommen haben wie ernst der Zustand des Kindes sei. Sie hätten das gar nicht als das wahrgenommen, was es letztendlich war. Zumal von den Symptomen, die die Mutter und genannt und auch schriftlich gegeben hat, nichts aufgetreten war. Trotzdem war die Situation für das Kind sehr bedrohlich.
Gestern war das Kind schon wieder da, ich allerdings nicht, weil ich zur Vertretung in der anderen Krippe war. Meine Kollegen sagten mir heute, dass einer sich eigentlich nur um das Kind gekümmert hat. Heute war ich wieder da, konnte nochmal mit der Mutter sprechen und sie sagte mir, dass alles soweit ok sei und das uns ja auch das Attest vorläge. Sie sagte auch noch "dass sie zu danken hätte". Somit wird sie auch wohl wissen, dass der Notruf der richtige Weg gewesen ist. Ich habe das Kind heute wie immer im Blick gehabt, natürlich mit dem Wissen, was passieren kann. Ich habe heute fast eine halbe Stunde mit dem Kind gekuschelt. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wir beide das brauchten um das zu verarbeiten, was Montag geschehen ist (so komisch das auch klingt). Danach spielte es wie immer, war auch wie immer drauf.
Das Kind bekommt jetzt wieder Medikamente, dann soll es besser werden. Das hoffe ich sehr, denn so etwas wie Montag möchte ich nicht noch einmal erleben. Ich habe alles live mitbekommen, war Ersthelferin, habe danach die Mutter beruhigt (Vater ist im Rettungswagen mitgefahren). Das war nicht gerade angenehm und habe selbst mehrere Minuten noch gebraucht, ehe ich wieder voll einsatzfähig war und eigentlich habe ich erst abends (Stunden später) den "Schock" richtig überwunden.

Johanna2
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Re: Herzkranke Kinder in Regelkrippengruppen bzw. -kitas

Beitrag von Johanna2 » Mittwoch 15. April 2015, 19:58

Judith, bitte setze in so einer Situation SOFORT den Notruf ab, ohne auf die Mutter zu warten. Ob die Mutter des Kindes damit einverstanden ist, ist völlig egal. In einer lebensbedrohlichen Situation zählt jede Minute. Und du schreibst zwar, dass die Mutter bereits nach 7 bis 8 Minuten eintraf und so viel Zeit wurde vertan, bis der Notruf gewählt wurde. Außer dem beschleunigten Herzschlag hat das Kind bereits sogar kurzzeitig das Bewusstsein verloren. Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, was dich da Zögern ließ.

Schön, dass das Kind sich offenbar gut erholt hat.

Kees_Kopf
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Re: Herzkranke Kinder in Regelkrippengruppen bzw. -kitas

Beitrag von Kees_Kopf » Donnerstag 16. April 2015, 16:03

Leider habt ihr rechtlich keine Möglichkeit die Eltern zu untesagen ihr Kind im privaten Fahrzeug zu einem Kinderarzt zu fahren.

Warum nicht?

Nun, die Eltern entscheiden für das Kind und solange sie das Sorgerecht uneinegschränkt haben steht es ihnen frei zu entscheiden ob und wenn wie sie das Kind behandeln lassen.

Das ein Notarzt bei einer Tachykardie zunächst die Transportstabilittät sicher stellt ist ganz normal, auch dass dann ggf im RTW noch weiter gearbeitet wird. Problem ist dabei, dass die meiste Notärzte die in der Regel am Einsatzort eintreffen kein Kindernotärzte sind, sondern "normale". Sie werden dann meistens auch anders agieren als ein Kindernotarzt (so die Erfahrung in meiner Zeit auf dem RTW).

Das der Muskelspannung bei ein Tachykardie weitgehend wegfällt ist auch normal, wichtig ist, ob es konkrete Anzeigen einer Sauerstoffmangelversorgung zu erkennen gibt. Es ist durchaus möglich dass die elektrische Funktion des Herzens (gemessen am EKG) ein ganz anderes Ergebnis zeigt als die mechanische Überprüfung. Ist das Kind atemstabil udn gibt es keine direkte Anzeichen für Mangelversorgung sieht die Sache zwar dramatisch aus, ist es aber in der Regel nicht. Der Wunsch der Eltern keinen Notarzt zu rufen wenn sie selbst anwesend sind muss demnach respektiert werden.

Wenn natürlich eine Kollegin in eine erste Reaktion sofort einen Notruf absetzt und sich dann realisiert, dass auch die Eltern angerufen werden müssen, muss sich der Notarzt mit den Eltern herumstreiten. Aber auch der kann nicht hne weiteres zur Einweisung in einer Klinik oder irgend einer Behandlung entscheiden wenn die Erziehungsbrechtigten vor Ort sind. Geben die Eltern nicht nach, muss auch der NA über das Ordnungsamt (wenn geschlossen über den Polizeigruppenführer vom Dienst) ein entsprechende Weisung beantragen. Bekommt er diese, muss die Entscheidung innerhalb 24 Stunden, spätestens jedoch am nächsten Werktag, von einem Richter Überprüft und ggf bestätigt werden.

Die tatsache, dass bei diesem Kind Tachykardien bekannt sind und das es bis jetzt keine Bedenken seitens der behandelnden Fachärzte für ein Besuch am Kindergarten gibt deutet darauf hin, dass eine Anordnung zur Behandlung aller Wahrscheinlihkeit nach nicht erfolgen wird. Bleibt für euch also nur übrig, die Eltern in Frieden mit dem Kind abziehen zu lassen, so schwer wie das auch sein mag. Wenn ihr ernste Bedenken in Bezug auf dem Wohl des Kindes haben würdet, müsstet ihr sowieso Meldung beim Jugendamt machen.

Kees
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Re: Herzkranke Kinder in Regelkrippengruppen bzw. -kitas

Beitrag von Judith » Donnerstag 16. April 2015, 16:36

@Johanna2
Als ich die Mutter angerufen habe hatte das Kind einen schnellen Herzschlag und wenig Körperspannung.
Erst während der Zeit bis die Mutter eintraf verschlechterte sich der Zustand in Form von noch mehr Verlust von Körperspannung und kurzzeitigen Bewusstseinsverlust. In dem Moment wo ich den Notruf absetzen wollte traf die Mutter ein. Daher hatte ich die Hoffnung, dass sie ihrem Kind helfen kann (sie hat bei Aufnahme des Kindes immer gesagt, dass sie den Herzschlag selbst minimieren kann). Nach ein paar Minuten stand fest, dass es dieses Mal nicht klappt. Dann setzte ich den Notruf ab.
Minuten die vergingen und natürlich auch entscheidend sind. Doch es hätte ja auch sein können, dass die Mutter ihrem Kind hätte helfen können. Zumal ich ihr sofort sagte, dass ich den Rettungswagen rufen will, sie darauf verwies ihrem Kind selbst helfen zu können. Da habe ich dann erstmal gezögert.

Ich betreue im privaten Umfeld auch ein Kind mit Tachykardie und weiß daher, dass es Möglichkeiten gibt den Herzschlag selbst zu minimieren. Besonders Eltern werden für so welche Situationen geschult.

Das soll kein Grund sein nicht den Notruf abzusetzen. Ich würde es auch wieder machen.

Johanna2
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Re: Herzkranke Kinder in Regelkrippengruppen bzw. -kitas

Beitrag von Johanna2 » Donnerstag 16. April 2015, 18:54

Ja, es hätte sein können, dass der Mutter es gelingt. "Hätte sein können" finde ich aber deutlich zu vage. Außerdem hätte die Mutter dies ggf. auch vor dem Eintreffen des Notarztes tun können. Es schadet auf keinen Fall umgehend beide zu verständigen.

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Re: Herzkranke Kinder in Regelkrippengruppen bzw. -kitas

Beitrag von Judith » Dienstag 27. Oktober 2015, 19:07

Inzwischen ist ein halbes Jahr nach meinem letzten Thread vergangen. Also schreibe ich mal, wie der aktuelle Stand ist.

Nach einen Elterngespräch mit Mutter und Vater (der allerdings nur kam, weil ich ihn eingeladen habe und wollte, dass er dabei ist) wurde Frühförderung beantragt. Die Entwicklungsrückstände sind zu hoch. Seit ca. zwei Monaten bekommt er nun Frühförderung, einmal die Woche, nachmittags (Mama bringt ihn hin und holt ihn ab).
Letzte Woche hatte ich die Frühförderpädagogin zu Gast in der Krippe und hatte ein Gespräch mit ihr, was einiges aus unserer Sicht bestätigte. Das Kind ist 2;2 Jahre alt; entwicklungsmäßig aber erst max. 1;6 Jahre (eher niedriger).
Wenn ich ein 18 Monate altes Kind sehe, entwicklungsmäßig, dann sehe ich in vielen Punkten ihn. Bei einem 2-jährigen entsprechend nicht mehr.
Was passiert jetzt? Die Frühförderung läuft weiter, es wird geschaut, wie sich alles entwickelt. Es besteht die Möglichkeit auf einen Entwicklungsschub. Anfang des Jahres muss dann entschieden werden, in welcher Betreuungsform es für ihn weiter geht. Ob Regelkindergarten, Integration oder Heilpädagogik. Frühförderin sieht ihn in der Integration oder Heilpädagogik; ich tendiere zur Integration. Beides bieten wir nicht in der Kita an, wo er derzeit ist. Es würde ein Einrichtungswechsel bedeuten.
Es gibt aber auch positives aus seinen Familienumfeld zu berichten: Seine Eltern sind weiterhin getrennt lebend, aber derzeit ist kein Familiengericht mehr eingeschaltet, das Jugendamt arbeitet noch, aber normal und nicht mehr unter "schwierig". Die Eltern sprechen normal miteinander, der Vater darf sein Kind regelmäßig sehen und bei Bedarf auch an zusätzlichen Terminen betreuen (wenn Mama bsp. am Nicht-Papa-Wochenende arbeiten muss). Die Eltern verstehen sich besser. Und das wirkt sich auch positiv auf das Kind aus.
Seine Tachykardien sind medikamentös gut eingestellt. Somit keine weiteren Anfälle.
Eine Zeit lang stürze er täglich und war ziemlich blau, hatte offene Wunden, usw, aber auch das ist inzwischen wieder besser. Warum das so war weiß niemand. Man konnte noch so gut auf ihn aufpassen, ihn immer an der Hand haben, ließ man einmal los, lag er da. Ursache ungeklärt (Kinderarzt sagt, dass so was passieren kann).
Die Mutter ist und bleibt ein Fall für sich, wie ich finde. Ich hatte ja schon beim Anfall der Tachykardie zu hören bekommen, dass kein Rettungswagen gerufen werden muss usw.. Als ich sie jetzt mal anrufen musste wegen einer offenen Wunde (die auch blutete) kam sie ca. 40 Minuten später vorbei und gab mir anschließend deutlich zu verstehen, dass ich sie deshalb nicht nochmal anzurufen hätte. Es hätte nicht mehr geblutet als sie gekommen sei und ein Pflaster würde da vollkommen ausreichen. Ich habe sie beim nächsten Mal wieder angerufen und sie in Kenntnis darüber gesetzt, dass was passiert ist. Somit war ich auf der sicheren Seite (fand ich), da sie nicht kommen wollte.


Seit August haben wir ein weiteres herzkrankes Kind in der Gruppe. Es ist 1;11 Jahre alt, altersgerecht entwickelt. Die ersten Lebenswochen waren schwer, danach war alles gut und das bis heute. Wir wissen, dass es zu Tachykardien oder auch Herzabfällen kommen kann, dann muss reagiert werden. Die Mutter sagt, dass die Möglichkeit, dass was passiert sehr gering sei. Das Kind bekommt keine Medikamente. Es hat allerdings einen anerkannten Herzfehler, der irgendwann mal (wenn es genug wiegt) operiert werden muss.

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