Schwierige Eingewöhnung

Kaktus
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Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von Kaktus » Donnerstag 22. Oktober 2015, 23:12

Hallo!
Ich brauche mal ein paar Denkanstöße. Ich bin neu in einer KiTa und betreuen dort die U3 Kinder. Ich bin Gruppen Leitung und habe noch einen Praktikanten an meiner Seite. Es ist meine zweite Eingewöhnung und wir kommen nixht weiter.
Das Kind ist 20 Monate, ist sehr offen und neugierig und akzeptiert mich scheinbar. Ich darf zB trotz Mamas Anwesenheit helfen, es zeigt deutlich wenn es auch auf meinen Arm möchte (um zB eine Tür zu öffnen usw). Wickeln, Umziehen darf ich es aber noch nixht. Es spielt mit mir und nimmt meine Kontaktaufnahme an. Aber und das ist das Problem, trennen von der Mama geht nicht. Das Kind reagiert sehr heftig und ich bekomme es nicht getröstet. Einige kurze Versuche wurden dann abgebrochen, auch ein längerer von gut 15 Min endete mit einem durchgehend heftigst weinenden Kind. Nach den kurzen Versuchen akzeptierte es meine Kontaktaufnahme sehr schnell wieder. Ich kann auch gut eine halbe Stunde mit ihm spielen wenn wir uns beim Spielen zB in den Nebenraum begeben. Aber sobald es heißt Verabschieden geht nichts mehr. Es sind mittlerweile 3 Wochen und wir machen gefühlt eher Rückschritte. Die Mutter kann sich eigentlixh trennen, hat schon Angst ihr Kind gewöhnt sich an ihre Anwesenheit, möchte aber keine solangen untröstlich Schreiphasen als Eingewöhnung hinnehmen.
Was kann ich noch machen?

amaria
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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von amaria » Freitag 23. Oktober 2015, 10:00

Hallo!

Ganz kurz: Kann es sein, dass die Mutter ihr Kind mit anderen vergleicht, die vielleicht früher bei einer Tagesmutter betreut wurden oder älter sind? Nach nur drei Wochen ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Kind beim Weggehen seiner Mutter anhaltend protestiert.

Abends treffen bestimmt noch mehr Antworten ein.

amaria
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von Johanne » Freitag 23. Oktober 2015, 12:50

Manchmal hilft bei schwierigen Eingewöhnungen ein Wechsel der begleitenden Bezugsperson. Also nicht Mama begleitet das Kind sondern der Vater oder die Oma.

Und das Kind darf und sollte informiert werden, mit 20 Monaten versteht es schon sehr viel. "Du darfst hier mit mir spielen und Mama geht arbeiten. Mama kommt bald wieder."
Viele Grüße von Tagesmutter Johanne

Kaktus
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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von Kaktus » Freitag 23. Oktober 2015, 14:57

Danke schon mal fur die Anregungen.
Der große Bruder ist auch bei uns, aber in der ü3 Gruppe. Soweit ich weiß gab es keine Tagesmutter in der Familie und die Eingwöhnung von ihm bei uns war wohl auch nicht ganz einfach (hat aber meine Vorgängerin gemacht). Meine Chefin drängte jetzt auch etwas, dass wir vorwärts kommen müssen sonst würde er sich zu sehr an die mütterliche Begleitung gewöhnen. Aber ich dringe beim Trösten nicht zu ihm durch, er beruhigt sich nicht. Das verunsichert mich, denn beim Spielen nimmt er mich komplett an.

Begleitende Bezugsperson kann leider nicht gewechselt werden. Es gibt auch soweit keinen Termindruck, die Mutter muss baw nicht arbeiten, wir hätten also auch Zeit, aber die Leitung drängt eben.

Erklären geht nur bedingt, sobald ich oder seine Mutter vom Trennen/Gehen usw sprechen beginnt er sofort sich heftigst an seine Mutter zu klammern und es dringt nichts mehr durch. Wie lange kann ich die Trennung denn guten Gewissens aufrechterhalten, wenn er so panisch weint? Ich Sitze da zwischen den Stühlen, die Mama die ihn gern sofort trösten will und die KiTa Leitung die grundsätzlich meint 5 Minuten mehr geht immer.

Ich freue mich auf weiteren Input :)

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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von Kaktus » Samstag 24. Oktober 2015, 14:03

Hallo, danke für diese Idee. Ich muss diesen Ansatz mal durchdenken ehrlich gesagt. Denn wie du ja selbst schreibst, ist das Wegschleichen ausgesprochen kritisch. Die Leitung besteht eigentlich auf das Berliner Modell inkl Verabschiedung. Allerdings habe ich auch den Eindruck, dass die Verabschiedung hier enormen (unnötigen) Stress auslöst. Denn das Kind kann ohne Verabschiedung problemlos 1/2h mit mir alleine spielen und auskommen. Durch den großen Bruder kennt das Kind die Räumlichkeiten ja wirklich schon von Beginn an.
Wie hat das Kind bei dir reagiert, als es merkte, dass die Mama nicht mehr da ist? Ließ es sich dann trösten oder Ablenken? Und wie alt ist das Kind gewesen?

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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von Johanna2 » Sonntag 25. Oktober 2015, 14:41

Hallo Kaktus!

Ich bin der Meinung, dass das tiefe Vertrauen, dass das Kind seiner Mutter entgegenbringt, wenn es sie bei euch im Haus weiß, nicht dadurch in Gefahr gebracht werden darf, dass die Mutter klammheimlich verschwindet.

Freundliche Grüße

Johanna

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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von Kaktus » Dienstag 15. Dezember 2015, 21:27

Hallo!
Wir sind noch dabei. Wir haben erst eine Weile Trennungsversuche weiter gemacht, aber ich konnte das Kind partout nicht trösten. Es wurde auch immer schlimmer bzw nicht besser. Zum Schluss interpretierte es jede Ansprache der Mutter als Trennungsbeginn und wurde sofort panisch, dass sie gleich gehen würde.
Nachdem auch die Zeit (und die Gewöhnung) keine Besserung brachte, sprach ich mit meiner Chefin, die das Konzept ohne Verabschiedung ablehnte. Ich konnte sie umstimmen und so versuchen wir es seit dieser Woche so, dass die Mutter das Kind bringt und ankommen lässt. Dabei aber immer im Hintergrund bleibt und sich in einen separaten Raum setzt. Ich kümmere mich intensiv um das Kind und gehe, wenn ich es nichT ablenken kann kurz dort hin. Das Kind kann sich so in seinem eigenen Tempo abnabeln. Ich bin immer da und erste Kontaktperson. Wenn es nixht anders geht, gehen wir kurz zur Mama. Es reicht oft ein Blick und wir spielen weiter. Ich möchte so meine Bindung und das Vertrauen zum Kind stärken um es wirklich trösten zu können. Bisher sind wir der Meinung, dass es gut läuft. Es gibt längere Phasen wo es Mama nixht braucht. Diese wollen wir ausdehnen. Es ist kein Wegschleichen, das wollen wir natürlich nixht. Ich dringe besser zum Kind durch und das Kind hat heute beim Rausgehen sogar von alleine Tschüss zur Mama gesagt. Denke das ist ein super Schritt :)

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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von Lenina » Dienstag 15. Dezember 2015, 22:07

Danke für die rückmeldung.bitte berichte weiter! :-)
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von Kaktus » Dienstag 15. Dezember 2015, 22:24

Klar ! Diese Woche wollen wir noch genau so fortfahren und nach der Schließzeit wird es dann wieder spannend. :)

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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von Kaktus » Freitag 18. Dezember 2015, 12:43

Ich brauche nochmal eure Denkanstöße.
Seit dieser Woche machen wir es ja so wie i h zuvor schrieb und wir dachten es würde besser werden; bzw wurde es auch (erst?). Bereits gestern versuchte ich die Trennung zur Mama auszudehnen, ihn eben selbst zu trösten. Das klappte nur halbwegs. Es wollte immer mehr zur Mama. ich wollte ja seinen großen Bruder mit einbeziehen, den fordert er jetzt aber auch ständig. Ich habe fast das Gefühl, er sucht nun seinen Bruder als Bezugspunkt anstatt mich?
Sollte iCh jetzt so weitermachen oder nochmal umschwenken in der Taktik? Es steht natürlich die Ferienzeit an und wir begonnen dann von vorne.

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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von Kaktus » Sonntag 27. Dezember 2015, 09:01

Hallo!
Ich hoffe ihr hattet Frohe Festtage!
Kann denn keiner noch was beitragen? Mir lässt die Eingewöhnung keine Ruhe. Ich bin echt verunsichert. Wie lange wir an unser neues Konzept ohne Trennung festhalten können/sollen. Ab wann muss man wieder umschwenken? Meine Chefin sitzt mir ja im Nacken da "man sowas nicht macht!"

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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von amaria » Sonntag 27. Dezember 2015, 09:45

Hallo Kaktus,

als Fachkräfte dürfen wir uns die Frage stellen, ob es nicht eine angemessene Reaktion auf die Gefühle eines Kindes ist, wenn wir seinen Willen, sich nicht von seiner Mutter zu trennen, einfach respektieren.
Der Begriff "kindergartenreif" ist heute verpönt. "Krippenreif" scheint erst recht kein Thema für Erwachsene zu sein, aber das ändert nichts daran, dass Kinder in einem individuell sehr verschiedenen Maß heranreifen.

Da das Kind dich nicht ablehnt, obwohl du ihm in einer Situation gegenübertrittst, die es für sich zum längeren Aufenthalt ohne Mama nicht akzeptiert, könnte eine Abmeldung vielleicht eine Alternative sein, die zu einer überraschenden Wende führen könnte. Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, dass Kinder, deren Eingewöhnung (welch ein Wort!) nicht gelang, nach einer Pause problemlos und sogar richtig gern in den Kindergarten gehen.

Hast du der Mutter schon einmal die Frage gestellt, ob sie schon daran gedacht hat, ihr Kind einfach erst später den Kindergarten besuchen zu lassen? Früher wurden Kinder, die von den Lehrern nach der Einschulung als nicht schulreif angesehen wurden, vom Schulbesuch zurückgestellt. Dass entsprechenden Überlegungen bei Kleinkindern tabu zu sein scheinen, müssen wir nicht so ohne weiteres akzeptieren. Es gibt so viele Gründe, die man gegen eine "Eingewöhnung um jeden Preis" vorbringen kann. Wie sieht es mit dem "Wohlbefinden" der Kinder aus, die immer wieder miterleben müssen, dass sich ein anderes Kind dagegen sträubt, in der Krippe zurück gelassen zu werden?

Wenn ich unter den Bedingungen arbeiten müsste, die für dich leider angesagt sind, würde ich mich hilflos, erschöpft und ausgenutzt fühlen. Denn natürlich steht auch die Frage im Raum, was man den Erzieherinnen und Erziehern zumutet, die daran mitwirken sollen, dass ein Kind etwas ohne Protest hinnimmt, wogegen es sich sträubt.

Gut fände ich es, wenn jetzt nicht unverzüglich jemand auf die finanziellen Aspekte zu sprechen käme. In erster Linie sollte es um das Wohl des Kindes gehen.

Freundliche Grüße

amaria
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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von amaria » Sonntag 27. Dezember 2015, 14:32

Bei uns ist es allerdings so, dass die Kinder, die so früh in Einrichtungen gehen, dies müssen, weil die Mütter arbeiten gehen müssen. Sie werden vom Amt dazu angehalten schnell wieder arbeiten zu gehen, für die Kinderbetreuung ist ja, dank der vielen Krippen die gerade wie Pilze aus dem Boden schießen, gesorgt.
Sollen Ämter die Wahlfreiheit von Eltern, die der Auffassung sind, dass es ihr Recht ist, ihre Kinder erst einmal selbst zu betreuen, einfach so abschaffen können? Es ist eine Schande, wie Eltern unter Druck gesetzt werden. Es gibt keine Kindergartenpflicht! Egal ob die Eltern arbeiten wollen oder müssen - in Art 6 GG heißt es "Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvorderst ihnen obliegende Pflicht". Eltern sind also verpflichtet, ihr Kind vor seelischer Gewalt und anderen Maßnahmen zu schützen!

Wie interpretiert ihr den Absatz 2 des § 1631 BGB?
In §1631, Abs. 2 BGB http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1631.html ist nicht nur die körperliche Strafe verboten. Auch seelische Gewalt und andere Maßnahmen sind unzulässig.

Es kann sein, dass das Kind schon nächste Woche problemlos in den Kindergareten geht. Aber das grundsätzliche Problem bleibt. Und wenn wir einen erzwungenen Kindergartenbesuch eines Kindes nicht mit dem Piekser einer Schutzimpfung vergleichen möchten, müssen wir uns mit unbequemen Fragen auseinandersetzen.

Freundliche Grüße

amaria
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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von Kaktus » Donnerstag 21. Januar 2016, 09:14

So, jetzt ich auch mal wieder...

Die Grundsatzdiskussion wollte ich gar nicht aufbringen und in meinem Fall hat mich die Mutter bereits gefragt ob das Kind evtl noch gar nicht KiTa reif ist. Und sie sagte auch, sie würde im Fall der Fälle die EZ verlängern, auch wenn es wohl in der Tat finanziell äußerst schwierig wäre.
Die Mutter hat indessen vorgeschlagen, den Vater begleiten zu lassen, das klappt minimal besser. Aber es ist insgesamt äußerst zäh und langwierig. ich merke aber auch, dass ich immer wahnsinnig aufgeregt und unsicher bin wenn es an die Trennung mit dem Kind geht. Leider gibt es keine Alternative innerhalb der KiTa, ich bin ja die einzige Kraft im U3 Bereich.

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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von Kaktus » Sonntag 24. Januar 2016, 15:38

Sagte ich, es läuft besser mit dem Papa?? Die Entwicklung ist ähnlich wie bei der Mutter... :/

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