Schwierige Eingewöhnung

amaria
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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von amaria » Sonntag 24. Januar 2016, 16:06

Hallo Kaktus!
Kaktus hat geschrieben: Die Grundsatzdiskussion wollte ich gar nicht aufbringen und in meinem Fall hat mich die Mutter bereits gefragt ob das Kind evtl noch gar nicht KiTa reif ist.
Es geht auch gar nicht um eine Grundsatzdiskussion. Immer wieder gibt es Kinder, für die ein ihnen abverlangter Aufenthalt in Krippe oder Kindergarten eine Qual ist und wenn das so ist, dann ist es barbarisch, den Willen von Kleinkindern zu ignorieren. Während wir als Erwachsene entscheiden können, ob wir uns ein Fußballspiel im Stadion ansehen wollen oder eine Großveranstaltung besuchen möchten, wird der deutlich gezeigte Wille von Kindern nicht selten als nachrangig angesehen. Er ist aber nicht unwichtig, denn gerade Kleinkinder spüren intuitiv sehr wohl, was ihnen guttut und was nicht.

Wo steht in einer Abwägung der Wille der Kinder?
Manchmal stehen Erzieherinnen unter Druck, weil die Abmeldung eines Kindes den Personalschlüssel tangiert. Mal tut ihnen die allein stehende Mutter leid, die ohne Betreuungsplatz nicht arbeiten kann und von den Ämtern entsprechend unter Druck gesetzt wird.

In meinen Augen ist es keine Schande, den Eltern zu raten, ihr Kind aus der Einrichtung zu nehmen, wenn das Kind sich nicht an den Alltag in Krippe oder Kita gewöhnen kann. Dadurch erspart man auch anderen Kindern die Präsenz eines Kindes, das gegen seinen Willen im Kindergarten zurück gelassen wird.

Freundliche Grüße

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von Kaktus » Montag 25. Januar 2016, 17:13

Ok, nur woran erkenne ich, ob es grundsätzlich noch nicht beteit ist? Mit Begleitung st das Kind super gerne hier, spielt und freut sich sehr (und das ohne dauernde Rückversicherung ob/dass Mama/Papa noch da sind). Es klappte die ersten Tage mit der Trennung und dann plötzlich wieder nicht. Es ist wirklich schwer einzuschätzen für mich. Ehrliches Feedback von Kollegen/Leiting gibt es hier kaum, entweder gab es tatsächlich noch kein Kind, dass noch nicht KiTa reif ist oder es wird ignoriert. Ich bin zu kurz hier um das beurteilen zu können.
Es sind immer wieder kleine Situationen in denen ich denke jetzt ist der Knoten geplatzt und dann 1,2 Tage später geht wieder gar nichts. Das Kind weint wirklich bitterlich - ganz wie anfangs mit der Mutter.

amaria
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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von amaria » Montag 25. Januar 2016, 19:13

Hallo Kaktus,

niemand, nicht einmal die Eltern können stets sicher beurteilen, ob ein sich phasenweise gegen den Aufenthalt im Kindergarten sträubendes Kind durch einen erzwungenen Aufenthalt im Kindergarten traumatisiert wird. - Aber es spricht einiges dafür, dass Tränen, Verzweiflungsaussprüche, Schwitzen, Erröten oder Erblassen wahre Gefühle sind, die wir im Interesse der Kinder respektieren sollten.

Wenn vor einem Strafgericht etwas nicht aufgeklärt werden kann, wird "in dubio pro reo" entschieden, also im Zweifel für den Angeklagten. Im übertragenen Sinne (es geht nicht um die Schuld von irgendwem) könnten wir uns, überlegen, ob ein Kriterium "Im Zweifel zählt, was das Kind zum Ausdruck bringt" uns weiterhelfen könnte.
Hat ein Kind ein Elternhaus, in dem es unserer Meinung nach gut und verlässlich betreut wird - und das dürfte immer noch sehr oft der Fall sein - lässt sich mit vielen guten Argumenten vertreten, dass es besser für das Kind ist, wenn es aus dem Kindergarten genommen wird oder zumindest nicht gegen seinen Willen dort gefangen gehalten wird.

Anders kann es aussehen, wenn ein Kind Eltern hat, die gewalttätig sind oder im Alkohol oder Drogenrausch oder aufgrund einer Intelligenzminderung beispielsweise nicht in der Lage sind, auf ihr Kind einzugehen. Dann ist es unter Umständen wirklich nötig, ein überfordertes Kind weiterhin zu betreuen und sich außerdem darum zu kümmern, dass den Eltern geholfen wird.

Eine Frage, die wir uns auch stellen können: Wie würden wir entscheiden, wenn es unser Kind wäre. Diese Frage lässt sich meist schnell beantworten.

Freundliche Grüße

amaria
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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von Kaktus » Dienstag 26. Januar 2016, 14:59

Ich danke dir, amaria, für deine hilfreichen Worte und werde das in Ruhe noch mal durchdenken.

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Re: Schwierige Eingewöhnung

Beitrag von amaria » Samstag 30. Januar 2016, 12:31

Hallo Kaktus,

schade ist, dass es für die Einrichtungen eine finazielle Einbuße bedeutet, wenn ein Kind außerplanmäßig abgemeldet wird. Gerade wenn die Jüngsten lange betreut werden, fließt mehr Geld und Eltern, die einen Kindergartenplatz haben, müssen es sich aus profanen Gründen überlegen, ob sie auf den Platz verzichten wollen. Wenn nämlich vorgeschrieben ist, dass in Regelgruppen beispielsweise sechs Zweijährige neu aufzunehmen sind, haben Dreijährige im Folgejahr oftmals gar keine Chandce auf einen Platz.

Freundliche Grüße

amaria
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