Erfahrungen mit Münchner Eingewöhnungsmodell

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Paulina1a
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Erfahrungen mit Münchner Eingewöhnungsmodell

Beitrag von Paulina1a » Montag 17. April 2017, 16:15

Hallo Zusammen,

ich bin auf der Suche nach Kitas in der Region Köln/Wuppertal, die Kinder nach dem Münchner Eingewöhnungsmodell eingewöhnen. Ich habe dieses Modell gefunden, als ich nach einer Alternative zum Berliner Modell gesucht habe, und finde es plausibel.

Da ich es gerne im Team vorstellen möchte, hätte ich Interesse daran, mich mit Pädagogen auszutauschen, die damit arbeiten; evtl. würde ich auch gerne einen Tag in einer solchen Einrichtung hospitieren. Wenn ich über Google anfange zu suchen, finde ich überwiegend Kitas in Bayern oder auch Berlin.

Natürlich bin ich auch an Erfahrungen hier im Forum interessiert. Gerne auch im Vergleich zum Berliner Modell, falls jemand mit beiden Modellen bereits gearbeitet hat.

Im Voraus danke für eure Hilfe!
Paulina

Judith
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Re: Erfahrungen mit Münchner Eingewöhnungsmodell

Beitrag von Judith » Mittwoch 19. April 2017, 11:50

Die Kinder meiner Cousine wurden beide nach dem Münchner Modell eingewöhnt. Kind 1 mit 17 Monaten; Kind 2 mit 14 Monaten. Meine Cousine sagt, dass es gut funktioniert hat, aber es ist langwieriger als das Berliner Modell, jeder Rückschritt kostet gleich 3-4 Tage und da die Krippe, wo ihre Kinder hingehen (bzw. das Ältere ist jetzt im Kindergarten) es auch nicht abwandelten, obwohl Kind 2 zeigte, dass es eigentlich schneller eingewöhnt werden kann, dauerte es auch da minimum 6 Wochen ehe das Kind 6-8 Stunden alleine da bleiben kann. Sie sagt, bei Kind 1 war es sinnvoll; das Kind hat die lange Eingewöhnungszeit von 12 Wochen gebraucht (zuletzt haben die Großeltern eingewöhnt, weil sie selbst wieder zur Arbeit musste). Kind 2 wäre aber nach 3-4 Wochen schon eingewöhnt gewesen. Trotz allem würde sie jederzeit wieder nach dem Modell ihre Kinder eingewöhnen, denn als das Älteste in den Kindergarten kam ging es fast per Hau-Ruck-Aktion und das konnte das Kind gar nicht verarbeiten.
Sie lebt in Münster.

Paulina1a
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Re: Erfahrungen mit Münchner Eingewöhnungsmodell

Beitrag von Paulina1a » Mittwoch 19. April 2017, 17:10

Hallo Judith,

danke für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. Ich selbst habe bislang nur das Buch dazu gelesen ("Anfang gut? Alles besser!" von A. Winner und E. Erndt-Doll). Dort heißt es, dass für eine normal verlaufende Eingewöhnung ca. 3 Wochen eingeplant werden sollten. Die erste Trennung erfolgt in der Regel etwa am 12. Tag. Von da an wird, wenn alles gut verläuft, die Zeit jeden Tag verlängert.
Da sich das Münchener Eingewöhnungsmodell ausdrücklich als Vorschlag/Anregung/Inspiration sieht, verstehe ich nicht, warum man sich an das, was man sich einmal vorgenommen hat, so penibel hält, zumal es ja auch die regelmäßigen Reflexionsgespräche gibt, in denen ein zuvor aufgestellter Zeitplan durchaus verändert werden kann, wenn es sich zeigt, dass das Kind etwas anderes braucht. Das geht m. E. etwas in eine nicht so gute Richtung. Trotzdem, wie du schreibst, sicher besser, als abrupte Trennungen, die dem Kind schaden.

Liebe Grüße
Paulina

Judith
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Re: Erfahrungen mit Münchner Eingewöhnungsmodell

Beitrag von Judith » Donnerstag 20. April 2017, 17:31

Nach dem Münchner Modell ist es auch so, dass die Mutter (gehen jetzt mal davon aus, dass die Mutter eingewöhnt, kann natürlich auch Vater, Oma, Opa, Tante, Kinderfrau, usw. sein) die erste Zeit durchgehend mit da ist. Anfangs war meine Cousine zwei Stunden mit ihrem Kind da, ein paar Tage später schon drei Stunden, usw..Letztlich hat sie 4-5 Stunden mit dem Kind in der Krippe verbracht ehe erstmals getrennt wurde. Das passt dann schon mit ca. 12.Tag. Und es wird langsam getrennt, anfangs nur 10 Minuten (ähnlich wie beim Berliner Modell). Und danach wurde nicht gleich nach Hause gegangen, sondern weiter gespielt. Alle neuen Situation, sei es Essenssituation, Schlafen, nach dem Schlafen weiter spielen, wurde da in den ersten Tagen mit der Mutter zusammen gemacht. Auch wenn das Kind schon vier Stunden alleine blieb, dann kam die Mutter wieder und begleitete es weiter durch den Tag. So, dass das Kind bei neuen Situationen immer die Mutter dabei hatte. Das ist sehr zeitaufwändig.
Wie schon geschrieben, Kind 1 hat 12 Wochen gebraucht bevor es 7-8h alleine da bleiben konnte. Für 4h (nur vormittags) hat es schon 9-10 Wochen gebraucht. Kind 2 ist vom Typ her ganz anders und da hat die Mutter ab dem 4./5.Tag in der Ecke gesessen und nichts getan, da ihr Kind mit der Erzieherin bzw. anderen Kindern gespielt hat. Trotzdem wurde sich da an das Modell gehalten und erst Tage später getrennt. Da war das Kind schon 4 Stunden mit Mama in der Krippe. Und es folgten langsame Trennungen, die dann aber doch etwas vorschnellt wurden, als ersichtlich war, dass das Kind gut mitmacht und es auch schafft. Doch 6 Wochen waren da schon schnell eingewöhnt und nicht normal.
Die Zeit dafür muss man erstmal haben. Letztlich wurde besonders Kind 1 in der Endzeit (ab 7-8 Wochen) tageweise von Oma und Opa weiter eingewöhnt weil meine Cousine wieder arbeiten musste und ihr Mann sich nicht jeden Tag frei nehmen konnte. Es hat funktioniert, doch war auch für Oma und Opa eine ganz neue Erfahrung und die kennen das so gar nicht. Früher war alles doch noch ganz anders. Da sie bei Kind 2 wussten was auf sie zukommt war da schon ab der 3.Woche die Großeltern mehr mit eingespannt.
Nach Hause gehen bei Trennung durfte man da übrigens erst, wenn das Kind 3 Stunden gut alleine überstanden hat. Und bei neuen Situation (bsp. Schlafen) musste man mind. 3 Mal noch im Nebenraum warten. Die drei Mal sind die Male, wo die Erzieher das Kind in den Schlaf begleiten und nicht die Mutter, die vorher auch 2-3mal oder mehr mit dabei war.
Meine Cousine findet das Modell gut, besonders für Kind 1. Findet es aber zeitweise auch fraglich. Sie sagt, ihre Kinder hätten auch nach dem Berliner Modell eingewöhnt werden können und dann hätte Kind 1 vermutlich 6-8 Wochen gebraucht und Kind 2 vielleicht nur 2 Wochen.

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