Waldorf-Pädagogik

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Sandy791
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Waldorf-Pädagogik

Beitrag von Sandy791 »

Hallo!
Ich bin HEP und befinde mich derzeit in der Weiterbildung zum HEP im Erziehungsdienst. Bis zum nächsten Unterrichtsmodul soll ich eine Vortag zum Thema Waldorf-Pädagogik ausarbeiten. Kann mir von Euch jemand sagen, welches Spielzeug bei Waldorf genau angeboten wird? Ich habe schon gegoogelt, aber die Sachen, die ich finde sind SEHR umfangreich - ich bin mir nicht sicher, ob da wirklich alles zu Waldorf gehört....!
Vielen lieben Dank und liebe Grüße,
Sandy
LinaLina
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Re: Waldorf-Pädagogik

Beitrag von LinaLina »

Der Beitrag ist alt aber vielleicht sucht es ja noch jemand...

Grundsätzlich gibt es: Spielständer, die variabel umfunktioniert werden können. Tücher, Tücher, Tücher... in allen Farben. Sandsäcke, „Schneckenbänder“ - das sind gehäkelte Seile

Aus Spielständen, den Tischen im Raum und Tüchern werden von den Kindern meistens Häuschen gebaut

Daneben das eigentliche Spielzeug... hier werden Spielsachen mit wenig fertigen Funktionen angeboten, aus Naturmaterialien. Also zB ein Auto aus einem Stück Ast mit Rädern aus Baumscheiben, ein wenig zurecht geschnitzt... statt dem fertigen Auto mit Lack und Farbe, Feuerwehrsirene und allem Schnickschnack.
Es geht darum der kindlichen Phantasie Anregung zu geben, aber auch Raum den das Kind selbst mit der Vorstellung ausfüllen kann.

Und Spielsachen, die möglichst selbst von den Erwachsenen, oft sogar vor Ort, angefertigt werden können. Z.B. Geschirr und Löffel für die Puppenecke, genähte Puppen, Filztiere, Puppenhäuser aus Holz usw

Baumaterialien: Rinden, Äste, Baumstämme, naturfarbene Bauklötze...

Tannenzapfen, Kastanien, Eicheln, Muscheln
Basti85
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Re: Waldorf-Pädagogik

Beitrag von Basti85 »

Anthroposophie
Die Waldorfpädagogik ist mit der Anthroposophie Rudolf Steiners untrennbar verbunden. Steiner entwickelte sein pädagogisches Konzept auf der Basis seiner anthroposophischen Lehre. Die Anthroposophie, die „Weisheit vom Menschen“ (griech. ánthropos = Mensch; sophia = Weisheit), bezeichnet die ganzheitliche, „kosmologische“ Anschauung des Menschen und behauptet, eine Anleitung zu dessen Selbst- und Welterkenntnis zu liefern.

Nach Steiner ist die Anthroposophie eine „Geisteswissenschaft“, verstanden als wissenschaftliche "Ergänzung zu den Naturwissenschaften. Sie will dem materiellen Wissen die unsichtbaren geistigen Aspekte hinzufügen"

Bis jetzt steht für mich außer Zweifel, daß Rudolf Steiner (1861-1925) die Fähigkeit besaß, Erkenntnisse von höheren Welten zu gewinnen. Hätte ich diese Überzeugung nicht, so würde ich dem, was er darüber gesagt und geschrieben hat, keine besondere Aufmerksamkeit schenken.

Was ich dagegen sehr wohl bezweifle, und dies in zunehmendem Maße, war seine Urteilsfähigkeit in allen anderen Dingen und vor Allem seine Fähigkeit zu wissenschaftlicher Arbeit. Diesbezüglich, so mein sich stetig verstärkender Eindruck, wird Steiner von seinen Anhängern maßlos überschätzt.
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LinaLina
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Re: Waldorf-Pädagogik

Beitrag von LinaLina »

Steiner hat nicht wissenschaftlich gearbeitet. Denn dazu gehört es, Quellen anzugeben. Darauf hat er verzichtet und entzieht sich somit jeglichem wissenschaftlichen Diskurs.

Ich finde vieles was er schreibt ziemlich schräg und verschwurbelt. Auf der anderen Seite machen viele Waldorfpädagogische Einrichtungen (wie auch biodynamische Höfe) vieles richtig. Es würde die heutige Waldorfpädqgogik aber m.M.n. stärken, sich zu trauen sich von Steiner auch hier und da zu distanzieren. Neuere Autoren stellen da viel auf wissenschaftliche Fundamente. Das ist gut so. In der Praxis dienen Steiner Zitate wohl manchmal als Totschlagargumente und das find ich dann schwach.

Gefragt wurde hier nur nach Spielzeug bei Waldorf.
Basti85
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Re: Waldorf-Pädagogik

Beitrag von Basti85 »

Ich arbeite sehr gerne wissenschaftlich.
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LinaLina
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Re: Waldorf-Pädagogik

Beitrag von LinaLina »

Basti85 hat geschrieben: Freitag 5. März 2021, 17:46 Ich arbeite sehr gerne wissenschaftlich.
Äh ja. Mit der Antwort kann ich jetzt nichts anfangen.

Wenn es stimmt, dann vielleicht eine Anregung zu Objektivität, die ja im wissenschaftlichen Arbeiten wichtig ist: Ich würde Sie bitten von meinem ersten Post (siehe oben) der rein informativ die Frage beantwortet hat, die gestellt wurde, nicht auf meine Überzeugungen zu schließen und das dann in andere Teile des Forums zu übertragen. Das ist nicht nur eine voreilige Schlussfolgerung sondern auch irritierend und unsachlich.
Basti85
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Re: Waldorf-Pädagogik

Beitrag von Basti85 »

Die Objektivität gibt es nicht, da empfehle ich Max Weber. Wir haben immer eine subjektive Meinung.
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LinaLina
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Re: Waldorf-Pädagogik

Beitrag von LinaLina »

Schon klar. Wissenschaft arbeitet trotzdem mit einer Annäherung an Objektivität. Wenn es da um den Austausch subjektiver Meinungen ginge wäre es nicht Wissenschaft sondern ein Kaffeeklatsch ;)

Ich glaube Sie haben meinen Punkt schon verstanden.

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Basti85
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Re: Waldorf-Pädagogik

Beitrag von Basti85 »

Natürlich verstehe ich Sie, mehr als gut. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass Weber wirklich die Objektivität zu recht anzweifelt. Da wir alle kulturell und soziale bereits geprägt sind und es eben diese objektive Haltung nicht gibt. Das ist wirklich so und auch belegbar.

Ich arbeite sehr gerne ethnografisch in meiner Forschung.

:comp:
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Basti85
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Re: Waldorf-Pädagogik

Beitrag von Basti85 »

Ich würde Sie gerne auf einen Kaffee einladen.

Wie trinken Sie ihren?
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Bette
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Re: Waldorf-Pädagogik

Beitrag von Bette »

Hy! Ich finde, der Beitrag erklärt schon ganz gut, was das typische Waldorf - Spielzeug so ausmacht. Ich habe auch längere Zeit in einem W. Kindergarten gearbeitet und möchte dazu noch einiges ergänzen - auch wenn es sich jetzt eher auf die Pädagogik bezieht als unmittelbar auf das Spielzeug.

Mein erster Eindruck - der sich auch recht lange gehalten hat war: Mensch ist das SCHÖN! Ist das HARMONISCH. Ist das IDILLISCH.
Nach und nach haben sich aber in meine Beobachtungen massive Zweifel eingeschoben und ich habe viel über Rudolf Steiner und Antroposophie gelesen.

Ich bin nicht dumm, aber durch diese Denkweisen hindurch zu steigen war mir schlicht unmöglich. Diese ganzen Sichtweisen sind derart vielfältig, verschroben und entziehen sich jedem normalen, gesunden Menschenverstand.
Erst als ich "Eine kurze Kritik" von Andre Sebastiani gelesen habe, erschlossen sich mir die Dinge mehr und mehr.

Klipp und klar: ich gehöre NICHT zu den erleuchteten und gehorsamen Gefolgsleuten des Herrn Steiner.
Mein Ziel ist nicht Kinder zu dessen Gefolgsleuten zu erziehen, sie klein und angepasst, unwissend und demütig in einer Art Parallelgesellschaft zu halten.

Es gibt Kinder, die passen von Natur aus gut in solche Konzepte, weil sie sehr anpassungsfähig und duldsam sind. Aber wehe denen, die damit nicht konform gehen. Die Probleme haben und machen, die behindert sind, die nicht arischer Gestalt sind ... Meist gelangen sie gar nicht in die heiligen Hallen der waldorfschen Welt. Sie werden schon im Anmeldeverfahren als untauglich aussortiert.

Was auch verwundert ist, welche Leute in solchen Kindergärten überhaupt tätig sind. Eine fundierte pädagogische Ausbildung ist eher Nebensache - weil die Waldorfszene erhebliche Probleme hat noch geeigneten Nachwunchs zu finden. Eine Psychatriekrankenschwester die sich selbst für sehr erleuchtet hielt und die sich entsprechend benahm. Eine Frau die eigentlich ein Cafe leitet. Hurra. Besseres Personal war nicht aufzutreiben.
Was das für Auswirkungen hatte, könnt ihr euch sicher vorstellen.
(Wisst Ihr eigentlich, dass auch in Waldorfschulen viele "Lehrer" kein Studium absolviert und staatlich anerkannt sind? Es reicht aus, wenn an deutschen Waldorfschulen ein bestimmter Prozentsatz ein Studium vorweisen kann. Alle anderen können IRGENDWER sein! ...)

Weil sie darauf aus sind ihre heile Welt nach außen hin vollkommen abzudichten und perfekt darin sind, den schönen Schein zu wahren, wissen auch viele Eltern nicht, was IM Kindergarten so abgeht. Wenn man klever ist, kann man das ganze Waldorf Gedöns im Jahresablauf einfach ablesen und machen. Zack. Das ist das Hauptgerüst der Pädagogik. Kinder werden in Kategorien eingeteilt und als unmündige Wesen verstanden und gelenkt.
Unmündigkeit bezieht sich dabei nicht aufs Alter!

Der normale Eigenantrieb des Kindes sich selbst Wissen anzueigenen wird bis in die 4 Schulklasse hinein quasi unterdrückt und die Kinder werden einfach "umhüllt" gehalten. Alles was sie aus dem Zustand der Umhüllung herausreißt ist verwerflich, wird sofort im Keim erstickt.

Was mich eines Tages ungemein schockiert hat, war als die Psychatrie - Kollegin mir persönliche Notizen gab damit ich lernen konnte den Waldorfschen Jahreskreislauf ordentlich abzuarbeiten. Sie wusste wohl selbst nicht mehr, was sie Jahre zuvor dort hineingeschrieben hatte.

In dieser Kladde konnte man nämlich nicht nur was über Jahresfeste lesen sondern auch persönliche Beobachtungen über Kinder. Unangepasste Kinder, die nicht zu händeln waren wurden dort als "BESESSEN" bezeichnet.
Ich würde sagen, ich war damals grenzenlos fassungslos hinter die Fassade dieser ach so schönen Welt zu blicken.

Heute noch fürchte ich die gnadenlose Macht und menschenverachtenden Haltungen die sich hinter all dieser schönen Fassade verbirgt.
Und lieber verzichte ich auf all diesen Kram, als mich noch einmal auch nur in die Nähe dieser Leute und ihrer Welt zu begeben.

Sagt Euch der Begriff "versteinert" etwas?

Wer sich dauerhaft mit Steiner und seinen Gefolgsleuten kritisch auseinander setzen will, sollte sich DIE ZEIT zu Gemüte führen. Dort findet sich viel Wissenswertes und Aufschlussreiches - immer wieder. Es lohnt sich auch in den online Ausgaben die in jüngster Vergangenheit zu diesem Thema Beiträge enthalten zu blättern. Es gehen einem die Augen auf!

Bette
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