Kontroverse Diskussion Pro/Kontra offene Arbeit

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Dimpel
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Kontroverse Diskussion Pro/Kontra offene Arbeit

Beitrag von Dimpel » Montag 15. Dezember 2014, 19:10

Mich würde eure Meinung zur offenen Arbeit immense interessieren!
Argumente die auf eigenen Erfahrungen beruhen sind mir ebenso wichtig, wie Querdenker oder lediglich interessierte!

Was verstehe ich unter offener Arbeit:
Bedürfnisorientierte Arbeit, in der die Partizipation, sowie selbstbestimmtes Handeln den großteil des Tagesablaufs strukturieren!
Es gibt keine Gruppen sonder Aktionsbereiche
die Kinder strukturieren sich Ihren Tag überwiegend alleine
Offene Arbeit bedeutet für mich den Kindern Angebote zu machen welche nicht verpflichtend sind. Damit meine ich, dass Kinder sich aussuchen, woran und ob sie teilnehmen. Einmal entschieden ist dieses Angebot verpflichtend! (Ausnhamen, je nach Situation sind klar)

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Kurze Anregung:

in der Offenen Arbeit ist es schwieriger einen Überblick über seine "Bezugskinder zu behalten". Man ist extrem auf dritte angewiesen.
oder
Kinder die einen engeren Rahmen brauchen, diese haben es in der offenen Arbeit wesentlich schwerer.
oder
es sind viel mehr Erfahrungsmöglichkeiten vorhanden, durch größere und besser Ausgestattete Bereiche.
oder
die Kinder lernen ein besseres soziales miteinander, da sie sich mit einer größeren Gruppe von Kindern arrangieren muss.
.....

Übere eine kontroverse Diskussion würde mich mich sehr freuen !!!
Auf auf!!! :klatsch:

Dimpel
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Re: Kontroverse Diskussion Pro/Kontra offene Arbeit

Beitrag von Dimpel » Donnerstag 18. Dezember 2014, 20:18

Okay,

ich gehe einmal davon aus, dass die Thematik ausgelutscht ist :/

Schade

Zenobia
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Re: Kontroverse Diskussion Pro/Kontra offene Arbeit

Beitrag von Zenobia » Freitag 19. Dezember 2014, 12:06

Nachdem ich bereits in den 80er Jahren offen gearbeitet habe und jetzt noch einmal knapp drei Jahre, bin ich davon überzeugt, dass es ausschließlich darum geht, mit möglichst wenig Personal möglichst viele Kinder zu betreuen/zu verwahren...........

Kinder schätzen kleine Familienverbände und keine Ansammlungen von unkontrolliert vielen Kindern.
Viele Kinder sind mit dem offenen Konzept überfordert.

Ich verweise gerne auf folgende Situation, die ihr sicherlich auch kennt. Im Einkaufsladen: "Friedrich, welchen Yoghurt möchtest du? Den roten, den Fruchtzwerg, den Bananenyoghurt,...........

Zu viel Wahlfreiheit kann Kinder verzweifeln lassen.......alles kann, nichts muss.

Wir überfordern Kinder jeden Tag. Und das offene Konzept trägt seinen Anteil hierzu bei.

Dimpel
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Re: Kontroverse Diskussion Pro/Kontra offene Arbeit

Beitrag von Dimpel » Samstag 20. Dezember 2014, 00:50

Also. Im Prinzip stimme ich deinem Kommentar zu. Aber nur unter der Voraussetzung, dass du bisher keine guten Erfahrungen mit der offenen Arbeit gemacht hast. Ich denke, dass auch in der Offenen Arbeit eine Strukturierte, Angebots-/begrenzte und -verpflichtende wie auch anleitende Kinderbegleitung stattfinden kann.
Es ist ja stets eine Frage der organisation und auch des Personals. Personaleinsparung, dies dachte ich vorerst auch. Dennoch ist es so, dass prinzipiell mehr Personal benötigt wird oder zumindestens die selbe Anzahl! Davon aber einmal abgesehen schreibst du
Zu viel Wahlfreiheit kann Kinder verzweifeln lassen.......alles kann, nichts muss.
Zu wenig Wahlfreiheit ist ein Kreativitätskiller. Die Problematik ist doch, dass Kinder es nicht gewöhnt sind wählen zu können oder zu dürfen.


Wir überfordern Kinder jeden Tag. Und das offene Konzept trägt seinen Anteil hierzu bei.
Wir unterfordern Kinder sicherlich noch viel öfter, als dass wir sie überfordern. Deshalb, weil wir Ihnen nichts zutrauen! Eine Frage der Anleitung, meiner Ansicht nach.

Wo ich aber zustimmen muss ist, dass egal ob Offenes Konzept oder Gruppenarbeit, das meißte am Personalschlüßel scheitert.!

Ich arbeitete einmal in einer Kita mit 18 Kindern, 3 Erzieher, 2 Vollzeit, 1 Teilzeit, zusätzlich eine Kinderpflegerin. Elterninitiative. Im Prinzip war dies eine Offene Arbeit, denn im Verhältnis zu der Kinderanzahl und zum Gebäude, waren die Spielbereiche ausreichend Groß!

Kees_Kopf
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Re: Kontroverse Diskussion Pro/Kontra offene Arbeit

Beitrag von Kees_Kopf » Samstag 20. Dezember 2014, 05:40

Ich arbeite sehr offen, allerdings nicht im Rahmen einer offenen Arbeit, sondern in ein -von mancher als extrem gewerteten- situationsbezogenen Ansatz. Ohne die pädagogische Ziele der gesamten Arbeit und die individuele Ziele der Kinder aus dem Augen zu verlieren (60 kinder in 5 Gruppe die je einen Tag der Woche in meine Zuständigkeit fallen) absolut eingehend auf das was die Kinder einbringen und wie sie auf einen Impuls reagieren, kann ich nicht in ein offenes Konzept arbeiten.

Die ständig notwendige Rückmeldung die ich brauche um die Kinder weitere Impulse für die Entwicklung von Ideen und Arbeit zu bieten, fehlt wenn die Kinder mal hier, mal da sind.

In der PRaxis zeigt sich in viele mir bekannte Einrichtungen wo nach ein offenes Konzept gearbeitet wird, dass die Arbeitsbelastung des Personals dermaßen ist, das ein intensive Austausch im gesamten Team über die Entwicklung einzelner Kinder oft auf der Strecke bleibt. Nur wenn ein Kind (bisweilen extrem) problematisch ist, findet einen Austausch stattm der dann nicht selten zeigt, dass ein Kind sich über längeren Zeit nicht ohne erheblichen Mehraufwand hat beobachten lassen, wodurch eine Einschätzung seiner Entwicklung und die für eine gesunde Entwicklung notwendige Impulse erschwert wird.

In ein feste Gruppen kann man, auch bei hoher Arbeitsbelastung und auch bei mangelhafter Dokumentation, in aller Regel einfacher eine Einschätzung über die Entwicklung eines Kindes und seine individuelle Probleme bekommen, auch wenn ein Kind nicht negativ auffällt.

Ein weiteres Argument aus meiner Sicht gegen offener Arbeit ist, dass die Verbindlichkeit die ein Mensch benötigt um bestimmte Fähigkeiten zu erwerben schnell verloren geht. Bleibt ein Bild unfertig weil das Kind heute mal wo anders ist oder hat das Kind seine Arbeit verlassen, weil es keine Lust mehr hat sich die für diese Arbeit notwendigen Fähigkeiten zu erarbeiten? Kinder brauchen, gerade um ihr kreatives Potential wirklich entfalten zu können, unbedingt auch Verbindlichkeit und Übung. Aus meiner Beobachtung von sowohl Kinder aus Einrichtungen mit einem offenen Konzept meine ich schließen zu müssen, dass diese Kinder zwar oft sehr kreativ erscheinen, aber genau so oft an Grenzen ihrer Kreativität gelangen, weil sie über die für die Weiterentwicklung von Ideen notwendigen Ausdauer und Techniken nicht verfügen. Es bleiben dann etwss überspitzt gesagt geniale Dilletanten, die alles ine wenig können aber keine Bereitschaft entwickelt haben an eine Sache drann zu bleiben. Das gilt besonders dann, wenn ein Kind einen Entwicklungsvorsprung hat bei gleichzeitige Asynchronie der Entwicklung (immerhin 15% der Kinder hat überdurchschnittlich kognitive Fähigkeiten). Je weiter der Vorsprung ist, desto schneller blicken die Kinder wie sie Anstrengung und Übung vermeiden können. Aus Bequemlichkeit genießen sie die Unterforderung ohne dabei bewußt zu sein (wie könnten sie das auch in ihrem Alter) dass ihr Unwohlfühlen gerade von der chronische Unteforderung verursacht wird.

Im Kindergarten fällt das meist nicht so extrem auf (nur ein Bruchteil der Kinder mit ein erheblichen Entwicklungsvorsprung wird im Kindergarten tatsächlich erkannt, Symptome die auf chronische UNterforderung deuten werden häufig als zu Defizite gehörend identifziert), in der Schule setzt sich dann eine negativ-entwicklung fort und geraten die Kinder in Probleme.

Die in der offene Arbeit so hervor gehobene Entscheidungsfreiheit der Kinder und die damit zusammenhängende Förderung ihrer Entwicklung ist meiner Beobachtung nach besser zu gewährleisten in ein "geschlossenes" Konzept basierend auf situationsorientiertes Arbeiten (und damit meine ich keine Klinken- oder Schwellenpädagogik!).

Kees
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Re: Kontroverse Diskussion Pro/Kontra offene Arbeit

Beitrag von Kees_Kopf » Samstag 20. Dezember 2014, 05:43

Dimpel hat geschrieben:Okay,

ich gehe einmal davon aus, dass die Thematik ausgelutscht ist :/

Schade
Nicht ausgelutscht, es soll aber vorkommen das Forumsmitglieder hier so ab und zu auch mal eine Arbeitsstelle besuchen müssen um sich die Raten für ihren Computer leisten zu können und das sie in der Zeit danach lieber für Nachwuschs sorgen als sich um den Nachwuchs zu kümmern (sprich: mal eben nichts was mit Arbeit und Beruf zu tun hat, sondern einfach mal abschalten, Hirn auf Null und Blick auf Endlos, damit man sich mit frischem Widerwillen an alles was mit der Arbeit zu tun hat herangehen kann).

:kappe:

Kees
Je suis Charlie!

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Re: Kontroverse Diskussion Pro/Kontra offene Arbeit

Beitrag von Jelka » Samstag 20. Dezember 2014, 16:31

Dimpel hat geschrieben:Okay,

ich gehe einmal davon aus, dass die Thematik ausgelutscht ist :/

Schade
Dass dieses Thema ausgelutscht ist, denke ich auch nicht.
Ich selbst sehe vieles bei pro und vieles bei kontra. Mich näher dazu zu äußern, dazu fehlt mir momentan die Kraft, zumal sich hier etliche tummeln, die prinzipiell gegen alles sind. Das erschwert einen fachlichen Austausch zusätzlich.
Ich bin aber weiterhin neugierige Mitleserin.
Liebe Grüße Jelka

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Re: Kontroverse Diskussion Pro/Kontra offene Arbeit

Beitrag von amaria » Mittwoch 4. Oktober 2017, 07:41

Hallo!

Hier wurde über lange Zeit insgesamt sehr wenig geschrieben. Schade. Denn das Thema ist sehr wichtig und immer dann, wenn aus Gründen der Personalknappheit die Arbeit nach dem offenen Konzept angeordnet wird, ist es wichtig, dass Erzieher gut argumentieren können,um ihre Meinung bestens vertreten zu können.

Wenn das Personal für eine vernünftige Kinderbetreuung nicht reicht, muss das auch gesagt werden. Ansonsten kann es für einige Kinder wirklich schrecklich sein.
Ein aktueller Artikel: http://www.ksta.de/region/leverkusen/st ... --28523222
Und noch ein Beitrag aus meinem Blog: http://www.kindergartenkritik.de/blog/o ... dergaerten
Kommentare erwünscht!

Freundliche Grüße

Angelika
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

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