Argumente für Bindungstheorie in der Krippe

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njina
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Registriert: Mittwoch 23. Mai 2018, 12:27

Argumente für Bindungstheorie in der Krippe

Beitrag von njina »

Hallo :winke:

Ich mache gerade einen Fernlehrgang zur Fachkraft für Krippenpädagogik.
Dort habe ich jetzt eine Einsendeaufgabe und ich stehe grad etwas auf dem Schlauch was sie genau von mir wissen wollen :c090:

Ich hoffe ihr könnt mir schnell weiterhelfen...

Die frage heißt:

Elternabend: Treten sie den Sorgen der Eltern entgegen und begründen sie Ihre Argumente kurz aus der Sicht der Bindungstheorie.


Was soll ich jetzt antworten? Warum es gut ist, das die Kinder schon früh in die Krippe gehen? Also sie lernen schneller andere Kinder kennen, werden schneller teamfähig etc? Meinen die so etwas?

LG

Huba
Schnuppernase
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Re: Argumente für Bindungstheorie in der Krippe

Beitrag von Huba »

Es klingt danach, den Ängsten der Eltern entgegen zu wirken. Oft verstehen Eltern nicht, dass es eigentlich ein gutes Zeichen ist, wenn Ihr Kind bei den ersten Trennungen noch weint. (Sicheres Bindungsmuster) ...

Johanna2
Schriftsteller
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Re: Argumente für Bindungstheorie in der Krippe

Beitrag von Johanna2 »

njina hat geschrieben:
Donnerstag 24. Mai 2018, 20:40
Ich hoffe ihr könnt mir schnell weiterhelfen...

Die frage heißt:

Elternabend: Treten sie den Sorgen der Eltern entgegen und begründen sie Ihre Argumente kurz aus der Sicht der Bindungstheorie.


Was soll ich jetzt antworten? Warum es gut ist, das die Kinder schon früh in die Krippe gehen? Also sie lernen schneller andere Kinder kennen, werden schneller teamfähig etc? Meinen die so etwas?
Ich vermute, du liegst mit der Einschätzung darüber, was deine Lehrer hören wollen, richtig. Allerdings: Warum sollte es gut sein, wenn Kinder die Krippe besuchen? Sollte es dann im Umkehrschluss schlecht sein, wenn sie nicht in der Krippe betreut werden. Kleinkinder spielen eher nebeneinander her als miteinander. Das gemeinsame Spiel steht nicht im Vordergrund. Es erschließt sich mir auch nicht, warum es gut sein soll, wenn Kinder schnell "teamfähig" werden. Wobei in der Krippe ja oft eher von "Durchsetzungsfähigkeit mit Biss" die Rede sein müsste. In Elternforen klagen viele Eltern darüber, dass ihre Kinder in der Krippe häufig gebissen werden - und werden allen Ernstes oft damit beruhigt, dass das in diesem Alter "ganz normal" (!) wäre.

Zahlreiche Bindungsforscher, Kinderpsychologen und Kinderärzte warnen eindringlich davor, Kinder in der Krippe betreuen zu lassen. Es ist schon erstaunlich, dass man zeitgleich mit dem Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz festgestellt hat, was für ein vermeintlich wunderbarer Ort Krippen für Kinder sind. Zuvor gab es tatsächlich noch den Ausdruck "Kindergarten(un)reife". Er ist heutzutage verpönt - sollen/wollen oder "müssen" die Eltern doch beide arbeiten gehen. Durch Zeitungsartikel, in denen z.B. das Betreuungsgeld als "Herdprämie" oder "Taschengeld für Mutti" bezeichnet wurde, hat man klar suggeriert, was von Frauen zu halten war, die es vorzogen sich selber um ihren Nachwuchs zu kümmern.

Ich finde es auch ganz schrecklich, dass manchen Eltern sogar eingeredet wird, Tränen wären bei der Trennung von ihrem Kleinkind ganz normal. Tatsächlich haben die Kleinen wenig Zeitverständnis, sie können sich unter "kommt nachher wieder" oft nichts vorstellen. Dass die Kinder oft (je nach Ausdauer) nach kurzer Zeit das Weinen einstellen, wird von vielen ErzieherInnen positiv gewertet. Dabei bemerken Kinder oft nur, dass ihnen ihr Weinen nichts bringt und sie sich zwangsläufig damit abfinden müssen, dass ihre Mama (oder Papa) nicht zurückkommt. Dabei sind die Kinder in vielen Fällen einfach resigniert.

Huba
Schnuppernase
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Re: Argumente für Bindungstheorie in der Krippe

Beitrag von Huba »

Das klingt interessant. Aus welchen Gründen sollten Kinder den U3-Bereich einer Kita nicht besuchen?
Neugeborene und Säuglinge würde ich auch nicht in die Kita geben, aber was haben z.B. Zweijährige davon, nur mit Mutti den Tag zu verbringen?

Auch Kleinkinder spielen zusammen und lernen voneinander. Für eigene Bereiche der Entwicklung ist das Zusammensein mit anderen wichtig...

Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass auch Zwei/Dreijährige richtig "heiss" auf die Kita sein können und eine Trennung problemlos verlief.

Lenina
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Re: Argumente für Bindungstheorie in der Krippe

Beitrag von Lenina »

Was ich mich als erstes fragte war: WELCHE Sorgen der Eltern sind denn gemeint?

Das würde ich erstmal kalr haben wollen, bevor ich rumüberlege.
Denn es gibt Eltern, die sich Sorgen machen, weil ihr Kind fröhlich daon hüpft und sie nach dem bringen gar nicht mehr beachtet.
Es gibt Eltern, die eden Tag eine halbe Stunde "Kampf" haben, weil ihr Kind sich nicht trennen will, oder deren Kind nicht in DIESE kita will.

Usw.

Und Argumente für Bindungstheorie - die Fragestellung finde ich seltsam. Sollst du begründen, warum amn Bindungstheorie auch in der Kita anwednen kann? Oder wie sie sich zeigt?
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

Johanna2
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Re: Argumente für Bindungstheorie in der Krippe

Beitrag von Johanna2 »

Huba hat geschrieben:
Samstag 26. Mai 2018, 08:35
Das klingt interessant. Aus welchen Gründen sollten Kinder den U3-Bereich einer Kita nicht besuchen?
Neugeborene und Säuglinge würde ich auch nicht in die Kita geben, aber was haben z.B. Zweijährige davon, nur mit Mutti den Tag zu verbringen?
Was Zweijährige davon haben, den ganzen Tag mit Mutti (!) zu verbringen? Sehr viel. Von ihr können sie mehr lernen, als von allen anderen Krippenkindern zusammen. Ihre Mutter kann ihnen viel mehr die Möglichkeit geben sich frei zu entfalten - was auch bei liebevollem Personal in einer großen Kindergruppe einfach nicht möglich ist. Ich frage mich auch immer wieder, wie Menschen darauf kommen, dass Mütter sich mit ihren Kindern quasi in eine Art freiwilligen Hausarrest begeben - ohne soziale Kontakte.

Huba hat geschrieben:
Samstag 26. Mai 2018, 08:35
Auch Kleinkinder spielen zusammen und lernen voneinander. Für eigene Bereiche der Entwicklung ist das Zusammensein mit anderen wichtig...
Zwischen dem "gemeinsamen Spiel" und dem einfachen "Zusammensein" besteht aber ein großer Unterschied. Kleinkinder spielen kaum miteinander, wohl aber nebeneinander. Aber was sollen sie voneinander lernen, was ihnen Ältere nicht beibringen können?

Wenn es Kindern in der Krippe besser gefällt als zu Hause, würde ich dies zum Anlass nehmen darüber nachzudenken was zu Hause schiefläuft. Ich denke nicht, dass es positiv zu werten ist, wenn Kleinkinder sich an ihre Erzieherin klammern und nicht nach Hause wollen. Wobei es auch da Menschen gelingt, daraus zu schlussfolgern, dass dem Kind die Krippe ja so gut täte...

Johanna2
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Re: Argumente für Bindungstheorie in der Krippe

Beitrag von Johanna2 »

Lenina hat geschrieben:
Samstag 26. Mai 2018, 13:40
Was ich mich als erstes fragte war: WELCHE Sorgen der Eltern sind denn gemeint?
Interessant finde ich auch, dass die Lehrer die diese Aufgabe stellten, automatisch davon ausgehen, dass die Eltern diesbezüglich besorgt sein würden. Vielleicht doch nicht so grundlos.....

Huba
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Re: Argumente für Bindungstheorie in der Krippe

Beitrag von Huba »

Das Kontakt zu Gleichaltrigen bereits im Säuglingsalter sehr sinnvoll und wichtig ist - kann man ebenso in Büchern* nachlesen.
Es fördert das Sozialverhalten. Sicher, am Anfang spielen die Kinder noch sehr häufig nebeneinander, sie wissen einfach noch nicht, was sie mit dem anderen anfangen sollen. Aber sie sammeln Erfahrungen im Miteinander.

Sobald sie jedoch circa zwei Jahre alt sind, spielen sie zunehmend mit anderen, tauschen Spielzeuge aus und es entstehen Kontakte.
Es ist nicht so, dass der Kontakt zur der Mutter (z.B.) ausreichend ist. Anders ist es in Großfamilien, in denen sich viele Kinder und andere Generationen im Umfeld der Kleinkinder befinden. Spielplatzkontakte sind meist nicht besonders innig, da es sich um fremde Personen handelt.
Das gemeinsame Mittagessen, Schlafen, Spielen - das macht etwas mit den Kindern. Der Kontakt zu anderen Erwachsenen kann den Kindern auch helfen zu erkennen, dass Erwachsene unterschiedlich reagieren und handeln.

Ob "etwas zu hause schief läuft", wenn sich U3-Kinder auf die Kita freuen, halte ich für fragwürdig. In den Jahren die ich in der Krippe war, sah ich täglich, dass Kinder sich von den Eltern verabschiedeten und freudestrahlend in den Raum kamen. Beim Abholen freuten sie sich genau so auf die Eltern und hatten einen erlebnisreichen Tag.

Befremdlich finde ich das Verhalten von Kindern die beispielsweise erst mit drei/vier Jahren in die Kita gehen. Sie können sich so gut wie gar nicht von der Mutter trennen (so meine Beobachtungen) und sind auch sonst eher Alleingänger. Wirken unglücklich ohne die Mutter und sind besonders introvertiert. Das hatte ich bei vier Kindern, die die ersten drei Jahre nur bei der Mutter waren, so erlebt.

(*z.B. von: R. Jaszus, Büchin-Wilhelm, Berg und Gutmann)

amaria
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Re: Argumente für Bindungstheorie in der Krippe

Beitrag von amaria »

Hallo!

Dass etwas in Büchern nachgelesen werden kann, aber auch, dass etwas durch eine "wissenschaftliche Studie" ermittelt wurde, führt uns nicht immer zu wesentlichen Erkenntnissen. Jede Zeit hat ihre Moden und wer eine Studie finanziert, tut dies längst nicht immer ohne Hintergedanken.

Nicht die von dir genannte Frau Gutmann, sondern Frau Prof. Gutknecht hat beispielsweise in einem Buch über das Schlafen der Kinder in der Krippe am Ende tatsächlich empfohlen, dass Erzieherinnen Kinder gezielt beobachten und Protokolle führen sollen, um einen günstigen "Weckzeitpunkt" zu ermitteln. - An solchen Ratschlägen, die die Grundbedürfnisse eines Kleinkindes betreffen, lässt sich erspüren, woher der Zeitgeist weht. Erwachsene sollen Kinder wecken dürfen, damit ihre Eltern nicht abends von putzmunteren Kindern vom Schlaf abgehalten werden können. - Natürlich brauchen auch Eltern ihren Schlaf - aber in welchem System leben wir, wenn die Arbeitszeitenregelungen des Arbeitsmarktes dazu führen, dass Kinder sowohl morgens früh als auch am Nachmittag zwangsgeweckt werden dürfen?

Ob Krippenkinder überwiegend gern oder überwiegend ungern in die Krippe gehen, hängt bestimmt stark von der Persönlichkeit zumindest einer Erzieherin ab. Es kommt in Krippen vor, dass Eltern, sofern sie es einrichten können, ihr Kind daheim lassen oder zur Oma oder ehemaligen Kinderfrau bringen, wenn die Lieblingserzieherin ihres Kindes fehlt und nur die Fachkraft Dienst hat, bei der sich ihr Kind nicht wohl fühlt. Diese schnöde Feststellung ist im weitesten Sinne auch ein Beitrag zur Bindungstheorie.

Ich halte es für falsch, dass es Eltern im Zuge des "Rechtsanspruchs der KInder auf einen Betreungsplatz" ermöglicht wird, für die Kleinsten die 45-Stunden-Betreuung zu buchen. Sind wirklich so viele Kinder reif für eine frühe Langzeitbetreuung? Als ich noch in der Stadt gewohnt habe, fielen mir beim morgendlichen Joggen immer wieder Kleinkinder auf, die nicht in ihre Krippe gehen wollten. Ich bin aber davon überzeugt, dass Eltern, die ihr Kind in die Krippe bringen, einen ganz anderen Eindruck davon haben, wie es um das Wohlbefinden ihres Kleinkindes in der Betreuung bestellt ist.

Wäre die Honorierung der Tagesmütter nicht so unterirdisch, könnte ich mir durchaus vorstellen, Kinder in der Tagespflege zu betreuen. Aber zu den derzeitigen Konditionen würde ich auf gar keinen Fall als Krippenerzieherin arbeiten wollen.

Freundliche Grüße

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

Huba
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Re: Argumente für Bindungstheorie in der Krippe

Beitrag von Huba »


amaria
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Re: Argumente für Bindungstheorie in der Krippe

Beitrag von amaria »

Welchen Eindruck haben eigentlich Auszubildende von den Bindungen der Krippenkinder? Es soll ja nicht nur um Theorien gehen.
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

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