Freinet-Pädagogik

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Steffi_282
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Freinet-Pädagogik

Beitrag von Steffi_282 » Donnerstag 5. Februar 2009, 18:57

Da bereits nach der Freinet-Pädagogik gefragt wurde, schreibe ich mal nieder, was ich in meiner Ausbildung dazu an Infos bekommen habe.

Freinet's Bild vom Kind:
"Da wir augenblicklich nicht behaupten dürfen, dass wir die Kinder sowohl methodisch wie wissenschaftlich so führen können, dass jedem von ihnen die ihm persönlich angepasste Erziehung zuteil wird, begnügen wir uns damit, ihnen ein ihre Interessen förderndes Milieu zu schaffen und ein entpsrechendes Arbeitsmaterial und kindgemäße Techniken zu entwickeln, die ihre Bildung fördern, ihnen die Wege ebnen, auf denen sie je nach ihrer Veranlagung, ihren Neigungen und ihren Bedürfnissen weiterschreiten werden." (Freinet)

Kinder sind in der Lage, eigene Bedürfnisse zu erkennen, auszudrücken und handeln zu bewältigen
Erwachsene sollten nicht für Kinder oder an deren Stelle, Bedürfnisse und Interessen forumlieren und festlegen.

"Das Kind ist hungrig nach Leben und Aktivität" (Freinet)
Kinder leben im Hier und Jetzt. Sie sind stets angefüllt mit Erlebnissen, Erfahrungen und Handlungsideen. Sie erleben eigene Persönlichkeit, nicht Defizite. Es liegt im Entscheidungsprozess des Kindes, Schattenseiten und Mängel von sich selbst zu entdecken.
Erfährt das Kind Respekt, kann es genügend Selbstbewusstsein entwickeln und so Schwierigkeiten leichter überwinden.

Das Kind ist selbst Akteur seiner Entwicklung
Das Kind befindet sich im Selbstbildungsprozess, bei dem ihm Erwachsene helfend zur Seite stehen sollten. Es ist dabei auch in der Lage, seinen persönlichen Rhythmus zu finden und ihm zu folgen. Erwachsene sollten ihm die Entwicklung dieser Dinge ermöglichen, in dem sie dem Kind die erforderlichen Freiräume dafür schaffen, sich selbst zu entdecken.

Kinder besitzen die Fähigkeit zur Verantwortung
Kann das Kind seinen physischen und psychischen Bedürfnissen entsprechend agieren und auch eigenem Antrieb und eigenen Zielen folgend handeln, übernimmt es selbst Verantwortung für sein Tun und muss nicht in starre Reglements "gepresst" werden.
Kinder sind keine Gefäße, die man füllt, sondern Feuer die man entzündet!

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Re: Freinet-Pädagogik

Beitrag von Steffi_282 » Donnerstag 5. Februar 2009, 19:03

Merkmale und Besonderheiten der Freinet-Pädagogik:
- ist ein kindzentrierter Ansatz, der unmittelbar aus der Praxis entstanden ist: Das Kind steht mit seinen Interessen und Bedürfnissen im Mittelpunkt
- Freinet-Pädagogik will Kinder nicht bevormunden; sondern will sie tasten, experimentieren, versuchen und selbst entdecken lassen
- Jedem Kind wird sein eigener Rhythmus, seine eigenen Wege und Umwege zugestanden. Fehler und Rückschläge werden einkalkuliert.
- Kindern wird zugehört und ihnen "das Wort gegeben"
- Kinder versuchen, die Welt um sich herum zu erfahren, zu verstehen und sie im eigenen Interesse entsprechend ihren Bedürfnissen zu gestalten
- Kinder experimentieren, geben ihrem Handeln einen persönlichen Sinn und bewerten es nach eigenen Maßstäben
- Sie gehen dabei auf Entdeckungsreisen und suchen auf eigene Art nach Perfektionierung. Vorgaben der Erwachsenen sind nicht unmittelbarer Maßstab
- Die "Wiederentdeckung" des Alltags" als pädagogische Größe in kitas und Schulen gilt als Verdienst der Freinet-Pädagogik.
- Organisationsform, Arbeitsweisen, Methoden und Arbeitsmittel wurden und werden im Dialog mit den Kindern selbst gefunden
- Arbeitsmethoden werden mit den Kindern gemeinsam entwickelt, nicht über sie hinweg
- Pädagogen üben eine sehr starke Zurückhaltung im Bewerten der kindlichen Produkte
Kinder sind keine Gefäße, die man füllt, sondern Feuer die man entzündet!

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Re: Freinet-Pädagogik

Beitrag von Steffi_282 » Donnerstag 5. Februar 2009, 19:09

Noch etwas zu Freinet selbst
Er lebte von 1896 bis 1966 in Frankreich, war Dorfschullehrer und französischer Reformpädagoge
Sein pädagogischer Weg wurde maßgeblich durch einen Lungenschuss beeinflusst, den er sich 1916 im ersten Weltkrieg zuzog. Freinet war danach den Anforderungen des üblichen Frontalunterrichtes nicht mehr gewachsen. Er war deshal gezwungen, nach Alternativen zu suchen.
Freinets Vorgehensweise sollte vor allem ihn selbst entlasten und ihm helfen, in den Hintergrund zu treten. Er löste die gewohnte Unterrichtsform auf und bot den Kindern Möglichkeiten zur Selbsttätigkeit.

Freinets Bild vom Lernen:
"Wenn Sie das Kind etwas lehren, so hindern Sie es daran, es selbst zu entdecken. Sie stiften Schaden." (Jean Piaget)

- von der Hand in den Kopf: Nach Freinets Verständnis steht bei Kindern die Bearbeitung von Dingen und Erfahrungen an erster Stelle und ist Voraussetzung zur Fähigkeit der Verarbeitung. Selbständiges Tätigksein der Kinder wird gefördert, ja sogar gefordert!
Kinder sind keine Gefäße, die man füllt, sondern Feuer die man entzündet!

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Re: Freinet-Pädagogik

Beitrag von Steffi_282 » Donnerstag 5. Februar 2009, 19:10

Und auch hierzu noch einen Link zu einem interessanten Artikel im Online-Handbuch:

http://www.kindergartenpaedagogik.de/403.html
Kinder sind keine Gefäße, die man füllt, sondern Feuer die man entzündet!

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Re: Freinet-Pädagogik

Beitrag von Florera » Donnerstag 5. Februar 2009, 21:31

Vielen Dank Steffi....ich glaube mich daran erinnern zu können, dass ich da mal doch kurz was zu in der Ausbildung hatte! Aber schön, dass ich hier mein Wissen etwas auffrischen konnte!

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Re: Freinet-Pädagogik

Beitrag von MadameMimm » Freitag 6. Februar 2009, 17:40

Hallo Steffi,

danke für deine Ausführungen. Der Mann spricht mir aus der Seele. Das ist genau der Weg, den wir im Moment bei unserer Umstrukturierung einschlagen wollen. Die offene Arbeit kommt hier nämlich richtig gut zum Tragen. Ich werde mir da mal ausführlichere Literatur zulegen!
Liebe Grüße von Tanja




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Re: Freinet-Pädagogik

Beitrag von Susifrau » Freitag 13. September 2013, 21:56

Vielleicht hilft dir dieser Blog weiter: http://moderne-schulen.blogspot.ch auf welchem jeden Montag kurze Impulse zum offenen Unterricht veröffentlicht werden.

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Re: Freinet-Pädagogik

Beitrag von Kees_Kopf » Sonntag 15. September 2013, 08:48

Erstaunlich, dass für ein eigentlich selbstverständlicher Form der Arbeit, der basiert auf Respekt für dem Kind und seine Persönlichkeit, ein eigener "Pädagogik" gelehrt werden muss.

Kees
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