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Wer hat einen Job neben der Vollzeitausbildung?

Verfasst: Sonntag 22. Juni 2014, 16:45
von Engelszungen
Hallo liebe Forengemeinde,

ich betreue seit mehreren Jahren nun Kinder auf selbstständiger Basis und möchte das ganze auf sichere Beinchen für die Zukunft stellen und werde mich in der nächsten Zeit um einen Ausbildungsplatz als Erzieher bemühen. Da ich nicht mehr bafögberechtigt bin, muss ich nebenher arbeiten. Zeitlich ist der Job, den ich machen möchte, möglich, nur wie sieht es mit der "Toleranz" der Schulen und Einsatzorte bei den Praktika aus?

Wie sind eure Erfahrungen?

Ich werde die Ausbildung, so Gott will :?: , in Berlin machen. Hier sind die Lebenskosten relativ gering, weshalb ich das durchaus drei Jahre durchziehen kann :wink: .

Re: Wer hat einen Job neben der Vollzeitausbildung?

Verfasst: Dienstag 5. August 2014, 08:26
von saskiah
In Berlin sind die Lebenshaltungskosten gering? Ist das wirklich so (außerhalb von Neukölln)?

Re: Wer hat einen Job neben der Vollzeitausbildung?

Verfasst: Mittwoch 6. August 2014, 20:20
von Judith
Ich habe vier Jahre Ausbildung machen müssen und drei davon nebenberuflich gearbeitet.

Es geht. Ich denke, es kommt auch mit darauf an, als was man arbeitet.
Eine Mitschülerin von mir hat 3-4 Abende in der Woche an der Kasse gesessen, immer die Abendschicht bis 22 bzw. 24 Uhr. Nächsten morgen musste sie mit Bus zur Schule, Abfahrt 7 Uhr. Da war der Schlaf sehr gering und sie oft unausgeschlafen. Sie brauchte einfach viel Schlaf, sagte selbst immer, unter 10h Nachtschlaf geht gar nichts. Wenn die also nur 5-6 kam war sie sehr müde und schlief zeitweise auch im Unterricht, was die Lehrer nicht so toll fanden.
Ein anderer Mitschüler hat am Wochenende als Türsteher gearbeitet, 12h Schichten gemacht und er sagt, es war gut machbar.

Ich habe als Kinderfrau in einer Familie 3 Kinder betreut (als ich anfing 7 Wochen, gerade 2 und 3 1/2 Jahre alt). Die Eltern waren beide zu 75% berufstätig, im Wechseldienst, wenn möglich (beide im Krankenhaus tätig). Doch auch Wechseldienste überschneiden sich, so dass ich mind. 2mal die Woche da war, manchmal auch 5mal. Die Eltern hatten meinen Stundenplan, passten sich den an. Das erste Jahr wo ich dort tätig war machte ich mein Praktikum im Kindergarten der Großen. Wenn ich um 12:30/13 Uhr frei hatte konnte ich die Große gleich mitnehmen, ca. 15 Minuten später war ich bei denen und die Mutter/Vater konnten zur Arbeit. Wenn ich Schule hatte ging frühestens ab 14 Uhr. Dann war aber Open End. Oft war ich abends da, bis 23, 24, 1, 2 Uhr und auch schon bis morgens um 7 Uhr. Da hatte ich dann schon wache Kinder wieder neben mir sitzen, die Große schon komplett angezogen, gewaschen, usw.. Sie musste dann nur noch in den Kindergarten gebracht werden. as schaffte ich zeitlich nicht (außer in den Ferien), weil die Betreuung da frühestens um 7:30 Uhr begann (damals, heute schon um 7 Uhr).
Die Kinder schliefen, zumindest sollten sie es (abends ging es ab 19/19:30 Uhr ins Bett, bis alle schliefen war eine Stunde vergangen oder auch mehr). Doch der Kleine schlief die erste Zeit nur auf meinem Arm oder direkt neben mir auf dem Sofa, die 2-jährige hatte ebenfalls oft so welche Tage. Mit Baby lernte ich noch vieles zu machen, Hausaufgaben machen mit Baby auf dem Arm, machbar, mit 2-jähriger neben sich liegend auch. Wenn die Große nicht schlief war eh alles vorbei, damit konnte man nicht lernen. Tagsüber arbeiten bedeutete für mich auch, dass ich abends Hausaufgaben machen musste, dass abends lernen muss bzw. auch Nächte wurden zum Lernen gebraucht. Und es schlaucht auch sehr, wenn man mehrere Tage bis 1,2 Uhr nachts die Kinder um sich rum hatte, und keinen Schlaf hatte. Und trotzdem wurde am nächsten Tag die Klausur geschrieben und egal wie müde ich eigentlich war, die Kinder warteten tageweise dann schon wieder auf mich, weil die Eltern arbeiten mussten.
(Ich muss dazu sagen, dass ich in einer Familie tätig war, wo beide Elternteile im Krankenhaus tätig waren und natürlich gibt es da einen Dienstplan, wo dann drauf steht, dass man um 24 Uhr Feierabend hat. Doch wie sagten beide Elternteile immer "Wenn ich genau dann noch um OP stehe, dann muss ich zu Ende operieren." Und das dauerte manchmal viele Stunden länger. Sie hatten wie erwähnt Dienstzeiten bis max. 24 Uhr [einer von beiden], doch es wurde öfter später. Niemals aber später als 7 Uhr, dafür passten die schon sehr auf.)
Die Eltern passten sich mit ihren Arbeitszeiten meine Schul- und Praktikumszeiten an. Da war ich denen schon sehr dankbar.

Die Schule passte sich dem null an. Das wäre auch gar nicht möglich gewesen, weil jeder was anderes gefordert hätte. Schule war immer Nr.1 und dessen Plan musste eingehalten werden. Praktikumsplatz zähle ich jetzt mal mit zur Schule. Wenn die entschieden, dass ich bis 16 Uhr arbeiten muss (egal wie kurzfristig), dann musste ich das. Einzig habe ich mir rausgenommen später zu sagen, dass sie es mind. einen Tag vorher ankündigen müssen und das machen die dann auch. Es zeigt Flexibilität beim Arbeitsplatz, zeitgleich standen die Eltern dann aber ohne Betreuung für ihre Kinder da. Denn sie bekamen kein frei nur weil die Kinderfrau ausfiel.

Die Eltern waren da gut organisiert, Oma/Opa reisten dann kurzfristig an. Ging nicht immer, deshalb gab es ja mich, aber wenn so welche Notfälle waren (auch bei Krankheit von mir bsp.) dann kamen die, wenn es irgendwie dort möglich war. Sie wohnen nun mal 2h pro Strecke entfernt, sonst wären die jeden Tag dort gewesen und hätten die Kinder betreut.

Tipp: Zu Prüfungszeiten die Stunden stark reduzieren bzw. eine Auszeit nehmen. Ich habe es vor den Prüfungen Sozialassistentin zu spät gemacht. Ich kam kaum zum lernen, machte mich selbst verrückt, dass ich es nicht mehr schaffen werde (dachte ich), die drei forderten auch mehr denn je (Phasen von Kinder :smile2: ) Letztendlich habe ich die Betreuung unterbrochen, hatte zum Glück Eltern, die das akzeptierten und unterstützen und Großeltern die für ein paar Tage anreisten und Vorort blieben. Wären die nicht so kurzfristig gekommen wäre die Stimmung der Eltern sicherlich anders gewesen. Ich hatte so Zeit zum Lernen.
Vor der Prüfung zur Erzieherin habe ich mir bewusst drei Wochen Auszeit genommen, früh genug angekündigt, war das überhaupt kein Problem.
Das kann ich wirklich nur mit dem Weg geben, denn man weiß nie wie Kinder in so einer Zeit sind. Selbst wenn sie sonst noch so pflegeleicht sind, da kann sich das schlagartig verändern (so war es zumindest genau da bei der inzwischen 4 1/2-jährigen).

Und die Prüfung nicht zu bestehen wegen eines Jobs wäre mehr als doof, finde ich.

Und nochmal speziell zum Thema Praktikum: Als ich im 1.Jahr zur Erzieherin war habe ich das Praktikum im Hort gemacht; ich hatte nie vor 16 Uhr frei, meist war es 17, 18 Uhr. Da ich nachmittags, abends arbeitete war es somit schwer meinen Job auszuüben und ich habe wenig machen können. Die Großeltern sind da viel mit eingesprungen. Das ging 10 Wochen lang so.
Im 2. Jahr Erzieherausbildung war ich in der Krippe, anderer Ort, nie vor 15 Uhr wieder in der Stadt, da haben die Eltern versucht ihre Dienste soweit wie möglich zu schieben, aber auch hier waren die Großeltern in den Woche mehr aktiv als sonst.
Während Blockpraktika noch richtig arbeiten zu gehen fand ich immer schwer, weil ich mind. 32,5h in der Einrichtung war und dann noch viel Schreibkram. Gut, das habe ich teilweise neben den Kindern gemacht, nur ohne ist es doch leichter. Und diese 10 Woche waren immer sehr entscheidend, sie machten die Praxisnote für das ganze Jahr aus.
Es war also auch anders anzusehen, als wenn man nur 2 Tage in der Woche in einer Einrichtung ist.

Re: Wer hat einen Job neben der Vollzeitausbildung?

Verfasst: Samstag 9. August 2014, 16:01
von leandra
Hallo,

mich wundert die Frage danach, wer einen Nebenjob neben der Ausbildung hat, etwas. Ich kenne (bis auf einige sehr wenige Ausnahmen) niemanden, der keinen Job hat und Geld verdienen muss! Entweder man sucht sich Ferienjobs, in denen man ganze Tage arbeitet oder etwas regelmäßiges. Es gibt viele Nebenjobs, bei denen man abends arbeitet, z. B. Kino oder aber auch nachmittags oder am Wochenende, z. B. beim Bäcker. Ich selbst habe während meiner Ausbildung jeden Samstag, Sonntag und Feiertag in der Gastronomie gearbeitet.
Die Schule ist an die Ausbildungs- und Prüfungsordnung gebunden. Das heißt, es ist vom Regierungspräsidium/Schulamt (je nach dem, wie das in Deinem Bundesland heißt) eine Stundentafel vorgegeben in der steht, welches Fach wie viele Stunden in der Woche unterrichtet werden muss. Wenn dort vorgeschrieben ist, dass die Wochenstunden insgesamt 38 Unterrichtsstunden umfassen muss, dann hat die Schule da keinen großen Spielraum, wie die Unterrichtszeiten gelegt werden können.
Wo Praktika absolviert werden können, legt die Schule fest. Sie genehmigt, ob ein Praktikum in einer Einrichtung gemacht werden kann. Bei uns muss eine Pratikumstelle innerhalb eines Radius von 50 km vom Schulstandort entfernt sein.

Grüßle,
leandra