Lerngeschichte

Antworten
kerbrauner
Beiträge: 3
Registriert: Dienstag 6. Februar 2018, 20:00

Lerngeschichte

Beitrag von kerbrauner »

Momentan bin ich im Praktikum. Einer der vielen Aufgaben, die wir bekommen haben lautet: schreiben sie ihre eigene Lerngeschichte.
Wie fange ich an? :comp:
amaria
Stammgast
Beiträge: 8932
Registriert: Samstag 12. Juni 2010, 15:17
Kontaktdaten:

Re: Lerngeschichte

Beitrag von amaria »

Hallo Kerbrauner,

über die eigene Entwicklung nachzudenken und darüber zu schreiben, ist meist eine sinnvolle Beschäftigung, die dir auch den Einstieg in den Beruf erleichtern kann. Allerdings frage ich mich, ob deine Aufzeichnungen nur für dich bestimmt sind oder ob Lehrer oder Praxisanleiter sie lesen werden. Falls letzteres der Fall ist, dürft ihr euch alle fragen, ob ihr eine derart persönliche Fragestellung zulassen wollt.

Früher haben Lehrer jahrelang Kinder ihre Ferienerlebnisse aufschreiben lassen. Erst nachdem Eltern zunehmend mehr Anstoß an der Aufgabenstellung genommen haben, wurde darauf verzichtet, die Kinder quasi über ihr Familienleben schreiben zu lassen. (Der Verzicht hat natürlich auch seine Schattenseiten.)

Solange keine Vorgaben gemacht werden, kannst du froh sein und die Freiheit nutzen - es sei denn, dass du die Aufgabe aus triftigen Gründen nicht machen willst. Ein Tipp: Die Klasse kann auch einen Alternativvorschlag machen.

Abschließend noch eine Frage: Machst du deine Ausbildung in Berlin, wo besonders viel Wert auf Lerngeschichten gelegt wird? Für Auszubildende ist es oft vorteilhaft, anzugeben, in welchem Bundesland sie die Ausbildung absolvieren.

Freundliche Grüße

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer
kerbrauner
Beiträge: 3
Registriert: Dienstag 6. Februar 2018, 20:00

Re: Lerngeschichte

Beitrag von kerbrauner »

Hallo amaria!
Die Ausbildung ist in Sachsen und die Lerngeschichte soll mit in unser Portfolio, das auch bewertet wird.
Ist die Lerngeschichte nicht fast so wie die Wochenreflexion die ich schreibe? Ich find es sehr verwirrend. Irgendwie find ich kein Anfang...
liebeskind96
Schnuppernase
Beiträge: 55
Registriert: Freitag 25. Dezember 2020, 12:14

Re: Lerngeschichte

Beitrag von liebeskind96 »

Hallo,

genau die Aufgabe nehmen wir gerade in der Schule durch.
Thema Lerngeschichten und die 5 Lerndispositionen.

Vielleicht könnte mir da jemand nochmal genauer was zu sagen.

Was ist dadurch der Gewinn des Kindes, der Eltern, des Teams und der pädagogischen Fachkraft?
Bei dem Gewinn des Kindes habe ich als Antwort, dass das Kind seine eigenen Interessen und seine Kreativität entwickelt.
Bei dem Gewinn der pädagogischen Fachkraft, dass diese nun weiss, welche Interessen das Kind hat und somit optimal auf das Kind eingehen kann.

Aber das scheint mir noch zu wenig. Hat jemand bessere Antworten??

LG,
Liebeskind
Basti85
Schriftsteller
Beiträge: 1326
Registriert: Sonntag 28. Oktober 2012, 11:45
Wohnort: Bern
Kontaktdaten:

Re: Lerngeschichte

Beitrag von Basti85 »

Ich hoffe, dass du deine Antworten noch mehr ausdifferenzieren wirst, denn so wäre mir das zu wenig. Aber eine Lerngeschichte braucht sehr viel Zeit und ist auch arbeitsintensiv.

Wenn du magst kann ich dir aber was zusammenstellen und auf deine Fragen eingehen.
https://www.unerzogen-magazin.de/hefte/

Zwischen den Welten zu Hause
Basti85
Schriftsteller
Beiträge: 1326
Registriert: Sonntag 28. Oktober 2012, 11:45
Wohnort: Bern
Kontaktdaten:

Re: Lerngeschichte

Beitrag von Basti85 »

Lerndispositionen nach Carr



Interesse zeigen

sich Dingen und Personen aufmerksam zuwenden

Bereitschaft und Fähigkeit, sich für eine bestimmte Zeit auf etwas einzulassen

Fähigkeit, auch bei Schwierigkeiten und Unsicherheiten eine Tätigkeit auszuführen

Bereitschaft, sich mit anderen auszutauschen, sich ihnen mitzuteilen, sowie die Übernahme von Verantwortung



Diese Lerndispositionen sollten noch um den Faktor Vorwissen ergänzt werden:

Die LOGIK-Studie zeigte, dass bereichsspezifische Vorkenntnisse bedeutsamer für den Lernerfolg waren, als die allgemeine kognitive Leistungsfähigkeit.
https://www.unerzogen-magazin.de/hefte/

Zwischen den Welten zu Hause
Basti85
Schriftsteller
Beiträge: 1326
Registriert: Sonntag 28. Oktober 2012, 11:45
Wohnort: Bern
Kontaktdaten:

Re: Lerngeschichte

Beitrag von Basti85 »

Das Konzept der Bildungs- und Lerngeschichten”

Der Ansatz der Bildungs- und Lerngeschichten basiert auf den „Learning stories“, die Margaret Carr in und für Neuseeland entwickelt hat. Das Deutsche Jugend Institut (DJI) hat die Grundlagen für deutsche Kindertageseinrichtungen umgearbeitet.

Im Mittelpunkt stehen die individuellen Lernprozesse des Kindes. Zur Überwindung von Schwächen wird an Stärken und Ressourcen der Kinder angesetzt.

Es geht darum, die Bildungs- und Lernwege von Kindern zu verstehen und zu unterstützen und den Kindern so schrittweise eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

Grundlagen der Bildungs- und Lerngeschichten:

Margaret Carr nennt fünf Lerndispositionen, die grundlegende Vorrausetzungen für Lern- und Bildungsprozesse sind.

Diese Lerndispositionen sind das Fundament für lebenslanges Lernen.

Eine Lerndisposition ist die Motivation und Fähigkeit, sich mit neuen Anforderungen und Situationen auseinander zu setzen und sie mitzugestalten.

Die fünf Lerndispositionen:

Interessiert sein
Engagiert sein
Standhalten bei Herausforderungen und Schwierigkeiten
Sich ausdrücken und mitteilen
An einer Lerngemeinschaft mitwirken und Verantwortung übernehmen
Lerndispositionen sind bei Tätigkeiten unterschiedlichster Art und in beliebigen und alltäglichen Situationen zu beobachten.

Von der Beobachtung zur Lerngeschichte:

Kinder werden von den Erzieherinnen in kurzen Abstand zwei oder- mehrmals beobachtet. Diese Beobachtungen werden zuerst von jeder Beobachterin anhand der Lerndispositionen ausgewertet und dann im kollegialen Austausch besprochen.
Hierbei werden Interessen und Vorlieben des Kindes gesehen und weitere pädagogische Handlungsverläufe geplant.
Die Beobachtung gibt also Informationen über Stärken und Interessen des Kindes als Ausgangspunkt der Unterstützung.
Aus diesen Beobachtungen schreibt eine Erzieherin eine Bildungs- und Lerngeschichte, die dann in das Bildungsbuch des Kindes abgeheftet wird.
Anschließend wird mit dem Kind die Lerngeschichte besprochen und es werden Gedanken ausgetauscht. Auch dieses Gespräch kann im Bildungsbuch aufgenommen werden.
Die Bildungs- und Lerngeschichten bilden auch die Grundlage für Gespräche mit Eltern.
Das Bildungsbuch

Ein Bildungsbuch (in der aktuellen Diskussion auch Portfolio genannt) dokumentiert den Bildungsprozess eines Kindes. Jedes Kind hat dabei selbstverständlich sein eigenes Bildungsbuch.

Die Bildungsbücher stehen in den Gruppenräumen und sind den Kindern jederzeit zugänglich. Das einzelne Kind ist verantwortlich für die Gestaltung und darf sagen, was es im Bildungsbuch haben möchte und was nicht. Ein Bildungsbuch dokumentiert die gesamte Kindergartenzeit.

Im Bildungsbuch können sehr verschiedene Dinge Platz finden und jedes Bildungsbuch sieht anders aus.

Mögliche Inhalte können sein:

* Vorstellung des Kindes, der Familie
* Fotos von verschiedenen Aktivitäten im Kindergarten
* Selbstgestaltete Bilder
* Lerngeschichten (geschrieben von den Erzieherinnen)
* Dokumentationen verschiedener Projekte/ Tage
* Mein erster Kindergartentag
* Beiträge der Eltern

Die Bildungsbücher sind Eigentum des Kindes und dürfen nur mit dessen Zustimmung und der Einverständnis der Eltern angeschaut werden. Das heißt, Sie dürfen das Bildungsbuch Ihres Kindes jederzeit anschauen, aber das von anderen Kindern nur, wenn die Mutter/ der Vater es Ihnen ausdrücklich erlaubt hat. Dies ist wichtig, um das Persönlichkeitsrecht jedes einzelnen Kindes zu schützen.

Verlässt das Kind den Kindergarten (zum Beispiel durch Wechsel in die Schule) nimmt es das Bildungsbuch selbstverständlich mit.
https://www.unerzogen-magazin.de/hefte/

Zwischen den Welten zu Hause
Basti85
Schriftsteller
Beiträge: 1326
Registriert: Sonntag 28. Oktober 2012, 11:45
Wohnort: Bern
Kontaktdaten:

Re: Lerngeschichte

Beitrag von Basti85 »

Zur Arbeit mit Bildungs- und Lerngeschichten

• Beschreiben
• Diskutieren
• Dokumentieren
• Entscheiden


Beschreiben heißt zunächst beobachten. Im Vordergrund stehen hierbei die Aktivitäten und Handlungen des jeweiligen Kindes. Es wird beobachtet und beschrieben, vor welchem Hintergrund diese Aktivität des Kindes stattfindet. Gemeint sind hiermit z.B. Merkmale der gegenständlichen und sozialen Umwelt, in der das Kind handelt.

Die Beobachtungen werden aufgezeichnet, anschließend im Team diskutiert und mit den Beobachtungen des gleichen Kindes durch andere pädagogische Fachkräfte verglichen. Ebenso werden die Beobachtungen mit den Kindern selbst sowie mit deren Eltern besprochen. Ziel ist es, übereinstimmende Deutungen zu finden und dabei die Erfahrungen der Eltern sowie die Sicht der Kinder auf ihr eigenes Lernen einzubeziehen. Darüber hinaus tragen die Gespräche zur Reflexion des eigenen pädagogischen Handelns bei. Die pädagogischen Fachkräfte überlegen gemeinsam wie auf das Kind am angemessensten reagiert werden kann und welche neue Herausforderung es benötigt.

Um wichtige Formen kindlichen Lernens transparent zu machen und um ein Kind wirkungsvoll zu unterstützen, werden die Beobachtungen und Diskussionen dokumentiert. Hierfür wurde vom Projektteam ein entsprechender Bogen entwickelt. Dieser „Beobachtungsbogen“ enthält außer den wichtigsten Angaben zur Beobachtungssituation Raum zum Notieren der Handlungen des Kindes. Am Ende des Beobachtungsbogens gibt es die Möglichkeit eine zusammenfassende Einschätzung vorzunehmen. In dem darin vorgesehenen Feld wird (in Stichworten) notiert , was die Hauptinhalte der beobachteten Tätigkeit des Kindes sind, welche Lernaspekte des Kindes in der beobachteten Situation sichtbar sind, welche Fragen das Kind stellt und welche Lerndispositionen in welchen Verhaltensweisen zum Ausdruck kommen. Neben der Dokumentation anhand des Beobachtungsbogens besteht zudem die Möglichkeit, Bildungs- und Lernprozesse mit Fotos oder mit der Videokamera festzuhalten.

Der vierte Arbeitsschritt im Verfahren ist die Entscheidung darüber, was das Kind als nächstes braucht. Um über nächste Schritte entscheiden zu können, müssen sich die pädagogischen Fachkräfte über ihr eigenes erzieherisches Verhalten sowie über ihre Vorstellungen von Fortschritt bewusst werden. Unter anderem die folgenden Fragen können den Entscheidungsprozess unterstützen: Werden die Interessen, Fähigkeiten, Strategien des Kindes komplexer? Tauchen bestimmte Fähigkeiten oder Strategien bei unterschiedlichen Aktivitäten auf? Haben die Fachkräfte Antworten auf diese Fragen gefunden, erleichtert es ihnen, nächste Schritte für das einzelne Kind zu formulieren und das Kind dabei gezielt zu fördern.
https://www.unerzogen-magazin.de/hefte/

Zwischen den Welten zu Hause
Engelglück
Leseratte
Beiträge: 479
Registriert: Sonntag 16. Dezember 2018, 23:04

Re: Lerngeschichte

Beitrag von Engelglück »

Bei so vien Anregungen und Informationen sollte es doch nicht so schwierig sein. Die Ausbildung fordert einen und je nachdem wie weit ich mich ernsthaft mit der Materie beschäftige,komme ich gut damit klar und auch voran. LG Engelglück
Basti85
Schriftsteller
Beiträge: 1326
Registriert: Sonntag 28. Oktober 2012, 11:45
Wohnort: Bern
Kontaktdaten:

Re: Lerngeschichte

Beitrag von Basti85 »

Ich würde auch gern dann mal die Ausarbeitungen sehen und drüber lesen
https://www.unerzogen-magazin.de/hefte/

Zwischen den Welten zu Hause
Antworten

Zurück zu „Praktika“