Praktikumsauswahl, 2. Jahr Erzieherausbildung

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P0H4TU
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Registriert: Dienstag 9. Oktober 2018, 18:04

Praktikumsauswahl, 2. Jahr Erzieherausbildung

Beitrag von P0H4TU »

Guten Tag liebe Mitleser,

wie man schon im Titel erkennen kann befinde ich mich derzeit im zweiten Jahr der Erzieherausbildung. genauer in Niedersachsen. Mein abschließendes Praktikum beginnt Ende Januar und momentan bin ich auf der Suche nach einer Praktikumsstelle. Leider ist meine Fachschule in dieser Hinsicht desorganisiert und dem gesamten Jahrgang ist nicht klar wer wo arbeiten darf. Mir wird es wiedersagt in einer Einrichtung mit Kindern im Alter von 6/7-10/11 Jahren zu arbeiten, weil ich dort meine Prüfung in der Sozialassistenz gemacht hab. Anderen wiederum wird es erlaubt zum vierten Mal in einer Krippe zu arbeiten. Gibt es für das Land Niedersachsen dies bzgl. Regelungen zum nachlesen? Desweiteren tue ich mich derzeit schwer den richtigen Einrichtungstyp für mich zu finden. KiTa und Krippe sind für mich absolut nichts. Wohngruppen mit Wochenenddienst und Arbeitszeiten vom späten Nachmittag (17:30+) bis späten Abend sind für mich aus persönlichen Gründen ebenso nicht möglich. Ich habe bereits Praktika in einer KiTa, einem Hort und einem Kinderzentrum (OT) absolviert. Falls hierzu also jemand Vorschläge, Gedanken oder Hilfestellungen bieten kann, wäre ich für jegliche Antworten dankbar.

MfG P0H4TU

Judith
Leseratte
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Re: Praktikumsauswahl, 2. Jahr Erzieherausbildung

Beitrag von Judith »

S.unten.
Zuletzt geändert von Judith am Freitag 7. Dezember 2018, 16:36, insgesamt 1-mal geändert.

Judith
Leseratte
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Registriert: Freitag 15. Oktober 2010, 20:34

Re: Praktikumsauswahl, 2. Jahr Erzieherausbildung

Beitrag von Judith »

Was mir noch einfällt Mutter-Kind-Kur in der Kinderbetreung.
Alle Altersklassen an Kinder und Jugendliche vertreten. Alle 3 Wochen wechseln die Kinder.
Wo ist das nächstliegende bei dir?

Mutter-Kind-Haus. Betreuung der werdenden Mütter und jungen Mütter mit Baby. Planung von Aktivitäten bzgl. Was kann die Mutter mit Baby machen? (Bsp. Spielgruppe). Welche Förderungen gibt es? Begleitung zu Amtbesuchen usw.
Es kann auf zwei Seiten gesehen werden: entweder Betreuung Mutter oder Babybetreuung (das ähnelt im weitesten Sinne dann Krippe).
Gibt es in fast jeder großen Stadt.

Kinderheim. Da gibt es verschiedene Altersklassen. Tagesablauf strukturieren, unterstützen. Elternersatz.

Inobhutnahme. Da weiß man nie was kommt. Bei Anruf Kind. Bei Klingel Kind. Die Kinder sollen max.14 Tage bleiben, wechseln dann in Pflegefamilie, Heim oder zurück zu den Eltern. Oftmals bleiben die Kinder nur 2-3 Tage.
Ein Job der nicht einfach ist u d wo man auf einer Deite s
Von 0 auf 100 da sein muss, Geborgenheit geben muss, usw.. Kinder die Inobhut genommen werden haben meist Schlimmes erlebt - es liegt eine Kindeswohlgefährdung vor. Die Kinder brauchen Sicherheit, man ist für sie da. Und dann gehen sie wieder. Beziehungsaufbau: nein. Aber das Gefühl von Wärme, Geborgenheit, Sicherheit,... sind wichtig. Enge Zusammenarbeit mit dem Jugendamt. Wenn ein Elternteil zu Besuch kommt den Umgang begleiten und neutral bleiben. Egal was auch passiert ist: sie sind die Eltern. Einen Umgang damit finden was den Kindern zugestoßen ist. Distanz dazu halten.
Ein spannender, abwechslungsreicher Job. Verschiedene Arbeitszeitmodelle, oftmals Schicht.

Jugendamt. Familienhilfe. Betreuung von Familien welche Hilfe einfordern, aber auch von Familien, wo das Jugendamt die Hilfe anordnet. Sachlich und neutral bleiben. Oberstes Ziel: Kindeswohl halten, stärken und das Kind in der Familie zu halten. Überlegen welche Hilfen die Familie noch bekommen kann. Anordnen, bei der Suche unterstützen,... Schauen wie es dem Ki d geht. Vertrauen zur Familie aufbauen. Selbst schauen und entscheiden wie oft die Familie Hilfe braucht.
Aber: es kann auch sein, dass das Kindeswohl gefährdet ist und keine Hilfe anschlägt bzw. angenommen wird. Dann muss gehandelt werden: Inobhutnahme.
Meistens wird es den Eltern vorher angedroht, dass das passieren kann und oft führt es zum Umdenken, rüttelt die Eltern wach. Doch manchmal bringt auch das nichts.
Aber es gibt auch den Moment, wo man kommt und merkt, dass diese Missstände nicht während der Anwesenheit der Familienhilfe behoben werden können (bsp. Alkoholisierte Eltern). Dann muss das Kind sofort Inobhut genommen werden.
Beim Jugendamt gehen aber auch die anonymen Anzeigen ein welche alle protokolliert und geprüft werden müssen.
Das bedeutet, dass man ohne Vorankündigung bei einer Familie steht.

Ich habe 3 Monate beim Jugendamt in Kombination auch in der Inobhutnahme gearbeitet. Ich wollte unbedingt nach der Ausbildung beim Jugendamt arbeiten und habe mit gerade 20 da angefangen. Die Arbeit war abwechslungsreich und ich habe vieles gesehen und helfen können, Hilfen angeboten, ... Es war aber fordernd, denn ich musste mich durchsetzen und das ich noch sehr jung war war da nicht zum Vorteil. Aber ich habe es geschafft. Und zu sehen was man bewegen kann ist ein schönes Gefühl. Allerdings ist es auch viel Schreibarbeit, denn jedes Telefonat, jeder Besuch, an sich Alles, muss dokumentiert werden. Im Extremfall sind das die Unterlagen fürs Gericht.
Ich habe auch anonyme Hinweise/Anzeigen entgegen genommen. Ich habe bei Familien geklingelt die bis dato noch nichts mit dem Jugendamt zu tun hatten und nicht wussten dass ich komme. Undnun war ich da. Glücklicherweise öfter mal umsonst. Es gab aber auch Fälle wo ich die Hilfen einleiten musste.
Ich hatte eine 20h Stelle (Zeiten flexibel einzuteilen, 1×Woche mehrstündige Teamsitzung, ansonsten oft alleinige Arbeit, Hausbesuche, Begleitung beim Umgangsrecht eines Elternteiles,...).
80h im Monat habe ich in der Inobhutnahme gearbeitet. Bei Anruf Kind. Bei Klingel Kind. Man weiß nie was kommt. Ein gutes Nähe-Distanz-Verhalten ist da enorm wichtig. Man muss schnell auf neue Situationen eingehen können. Schichtdienst: da ich aber nur 80h Monat da war war es etwas anders bei mir. Ich habe auch 24h-Dienst am Wochenende gemacht (woraus such mal 72 geworden sind wegen Krankheit/Urlaub von Kollegen.) Die Zeit vergeht. Ich stand unter Adrealin und erst wenn ich zu Hause war konnte ich abschalten. Die Zeit dort war intensiv.
Nach 3 Monaten habe ich gekündigt, weil ich als Familienhilfe ein Kind überprüfen und Inobhut nehmen lassen. Es ist so, dass öfter vor der direkten Inobhutnahme noch eine Überprüfung einer Kollegin erfolgt (nicht, dass ich es nicht mehr neutral sehen kann, noch nicht alle Hilfen ausgeschöpft habe,...). Zu 99% endet das aber in der Inobhutnahme. Und das konnte ich gefühlsmäßig nicht. Wochenlang kein Kind Inobhut nehmen müssen (allerdings auch keine Anträge prüfen müssen, denn dafür gibt es extra Mitarbeiter). Und nun musste ich die Überprüfung veranlassen und wusste was folgen wird - und gefolgt ist. Ich habe dann gekündigt, weil ich mir nicht vorstellen konnte das dauerhaft zu machen. Ich denke, manche können es, andere nicht. Ich konnte das nicht gut haben. Auch wenn die Kollegen mir sagten"das erste Kind ist das Schwerste", "du vadt alles richtig gemacht" "du handelst zum Kindeswohl".
Die 3 Monate möchte ich nicht missen. Ich habe da viel gesehen und Eindrücke bekommen welche für die Kitaarbeit auch von Vorteil sein kann (bsp. Zusammenarbeit Kita-Jugendamt).

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