Bis zu welchen Grad darf ich eine emotionale Bindung zu einem Kind aufzubauen

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FeelingsAusDerAsche
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Bis zu welchen Grad darf ich eine emotionale Bindung zu einem Kind aufzubauen

Beitrag von FeelingsAusDerAsche » Donnerstag 20. Juli 2017, 20:09

Hallo liebe Kollegen/Kolleginnen
ich möchte hier einmal meine Situation schildern und einfach meine Gedanken von der Seele schreiben und eventuell einige Meinungen dazu einholen.

Ich bin 19 Jahre jung und frischgebackener Sozialassistent, in meiner Ausbildungszeit habe ich in 2 Jahrespraktika in 2 verschiedenen KiTas absolviert.
Im ersten Ausbildungsjahr war ich kurz davor meine Ausbildung zu schmeißen da das Team hat mich meist, bis auf meine Anleitung, kollektiv ausgeschloßen hat.(ich war der einzige Kerl unter 10 Frauen) Ab ca Mitte des 1. Ausbildungsjahres bin ich nur noch für die Kinder hingegangen, speziell für einen Jungen der mich sehr mochte und ich ihn auch. So naiv wie das ganze klingen mag, wir waren mehr oder weniger ein Herz und eine Seele, ich habe in diesem Jahr eine sehr starke emotionale Bindung zu ihm aufgebaut und denke noch sehr oft an ihn.

So weit so gut. Im zweiten Ausbildungsjahr lief es besser, ich hatte das Glück in einem starken Team mit toller Leitung zu arbeiten und mein päd. Wissen und Handlungsverständnis sehr gut auszubauen, jetzt ist auch dieses Jahr vorbei, und auch hier merke ich wieder dass ich einige Kinder doch ziemlich lieb gewonnen habe und im nachhinein vermisse.

Trotz dieser Erlebnisse behaupte ich trotzdem alle Kinder gleich und leibevoll behandelt zu haben und im Großen und Ganzen, gemessen an meiner Qualifikation, gute pädagogische Arbeit geleistet zu haben, aber über solche Dinge macht man sich dann doch des öfteren nach Feierabend Gedanken.

Was ich gerne wissen würde, ist das normal? Bleiben einem einige Kinder einfach stärker in Erinnerung als andere? Inwiefern darf ich so etwas überhaupt an mich ranlassen, beziehungsweise bis zu welchem Grad kann/darf ich emotionale Bindungen aufbauen? Hattet ihr ähnliche Erlebnisse und wie geht ihr damit um?

Ich bedanke mich schonmal im Voraus für eventuelle Antworten :kappe:

Adrasteia
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Re: Bis zu welchen Grad darf ich eine emotionale Bindung zu einem Kind aufzubauen

Beitrag von Adrasteia » Donnerstag 20. Juli 2017, 22:06

Ja.
Selbstverständlich wird es Kinder geben, die dir mehr in Erinnerung bleiben werden.
Selbstverständlich darfst Du eine emotionale Bindung zu einem Kind aufbauen. Musst Du sogar, wenn du Du deinen Job gut machen willst.
Meine Meinung.
Vor Erziehung kommt Beziehung.
Das Schwierige ist die Balance zu finden zwischen angemessener professioneller Beziehung und einem Zuviel an Bindung.
Das ist von Kind zu Kind verschieden. Die einen brauchen mehr und die anderen weniger.

Bei mir ist es so, dass ich eine Menge Beziehungsarbeit investiere - gerade in der Eingewöhnungszeit, aber auch wenn ein Kind nicht so gut "funktioniert". Natürlich heißt das, dass auch ich eine Bindung zum Kind entwickle.
Ich muss mich allerdings darauf einlassen können und wollen.
Kinder sind zwar klein aber nicht blöd, die merken, wenn es nur aufgesetzt und geheuchelt ist.

Aber: es sind nicht meine Kinder, da ist z.B. eine Grenze.

amaria
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Re: Bis zu welchen Grad darf ich eine emotionale Bindung zu einem Kind aufzubauen

Beitrag von amaria » Freitag 21. Juli 2017, 11:00

Hallo!

:kappe: Du hast einen interessanten Nick und dein Thema hat mich auch immer wieder mal beschäftigt. Ehrlich gesagt suche ich für meine Webseite http://www.kindergartenkritik.de/ noch Leute, die Lust haben und sich trauen, etwas über "Lieblingskinder" zu schreiben. Über eigene Lieblingskinder werde ich bald etwas dort einstellen. Aber ich weiß noch nicht, welche Texte ich nehmen werde. - Im Laufe der Jahre gibt es schließlich viele Lieblingskinder.

Ein ziemlich blöder Satz, der in der Erzieherausbildung früher nicht unüblich war, lautete "Die pädagogische Liebe schleicht sich aus." - Womit mal wieder klar ist, dass früher nicht alles besser war. Und wenn heute Kleinkinder besonders früh und lange in Institutionen betreut werden, brauchen wor uns nicht darüber zu wundern, dass sie besonders geliebt werden wollen und es mit ihrem Charme auch leicht erreichen können. Gerade Praktikanten leiden manchmal sehr, wenn sie eine Gruppe - und damit vielleicht auch ein ihnen sehr ans Herz gewachsenes Kind verlassen müssen. Und umgekehrt leiden auch immer wieder Kinder. Es kommt gar nicht so selten vor, dass Kinder wieder einnässen oder gar einkoten, wenn jemand die Einrichtung verlässt, den sie ganz besonders gemocht haben.

Sobald ich Zeit habe, suche ich noch ein paar Links zum Thema raus. - Die gesetzlichen Grenzen sind klar, aber vieles andere ist es nicht.

Freundliche Grüße

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

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Frauke
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Re: Bis zu welchen Grad darf ich eine emotionale Bindung zu einem Kind aufzubauen

Beitrag von Frauke » Montag 14. August 2017, 14:29

Ich denke das Problem hat jeder Erzieher :c085: Denke da hilft nur Erfahrungen sammeln und lernen professionell damit umzugehen und einen guten Mittelweg zu finden :)

Neuhier
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Re: Bis zu welchen Grad darf ich eine emotionale Bindung zu einem Kind aufzubauen

Beitrag von Neuhier » Freitag 18. August 2017, 14:50

Erziehung geht nun mal nur über Beziehung. Ich habe zu jedem Kind in meiner Gruppe eine besondere Beziehung, anders würde es auch gar nicht gehen. Man setzt sich eben nur für diejenigen ein, die einem wichtig sind...
Allerdings kann ich mich gut abgrenzen, die Kinder meiner Gruppe sind eben nur das: die Kinder in meiner Gruppe. Und wenn ich sie außerhalb der Einrichtung treffe, ist auch ganz klar, dass ich nicht für sie verantwortlich bin!

Manche Kinder/Menschen liegen einem eben mehr als andere, ich empfinde das als menschlich...

Andererseits erwarte ich von den Betreuern meiner eigenen Kinder, dass sie eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Jeder Mensch hat zu jedem anderen eine Beziehung, nur dadurch kann sich etwas bewegen.

Wichtig finde ich, dass man da reflektiert bleibt und eine professionelle Distanz wahrt.
Sei stolz auf dich, niemand außer dir weiß, wie viel Kraft, Tränen, Mut und Vertrauen es dich gekostet hat dort zu sein, wo du jetzt bist. Marianna Jermakova

Jessy87
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Re: Bis zu welchen Grad darf ich eine emotionale Bindung zu einem Kind aufzubauen

Beitrag von Jessy87 » Freitag 6. Oktober 2017, 16:42

Hallo,
das du manche Kinder vermissen wirst, ist völlig normal. Das wird dir auch weiterhin so gehen, wenn z.B. die Schulanfänger verabschiedet werden. Da fließen bei mir jeden Sommer viele Tränen.
Wichtig finde ich aber, dass eine gewisse Professionalität an den Tag gelegt wird. Man muss sich immer wieder bewusst machen, dass es nicht die eigenen Kinder sind.
Ich finde es nicht in Ordnung, wenn Kinder abgeknutscht werden. Das beobachte ich leider öfters. Diese Art von Körperkontakt, steht nur der Familie des Kindes zu ( Großeltern etc. inbegriffen). Aber auch da sehen das viele anders.
So oder so musst du deine Erfahrungen machen und schauen mit was du am besten klarkommst.

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