(K)ein Aprilscherz

Johanna2
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(K)ein Aprilscherz

Beitrag von Johanna2 » Freitag 1. April 2016, 22:07

Die Familienministerin Nordrhein-Westfalens zieht es in Erwägung Kitas mit Tablets auszustatten.

http://www.derwesten.de/staedte/warstei ... 91719.html

:200p:

FultaMarti
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Re: (K)ein Aprilscherz

Beitrag von FultaMarti » Sonntag 3. April 2016, 14:59

Wirklich jetzt? Oder doch ein Aprilscherz...

Das ist einfach zu früh.

amaria
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Re: (K)ein Aprilscherz

Beitrag von amaria » Dienstag 5. April 2016, 09:03

Es ist ebensowenig oder doch ein faustdicker Aprilscherz wie manches andere.

In diesem Zusammenhang stelle ich mal die Frage, wann das Fräulein Pädagogibold aus dem hoch gelobten Programm "Papilio" denn Geburtstag hat? Und ob die blassen Bausteine aus so einem Papilio-Kindergarten dann einen Ausflug machen und mit ihr feiern?

Einen schönen Tag noch!

:kappe:

amaria
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Lenina
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Re: (K)ein Aprilscherz

Beitrag von Lenina » Mittwoch 6. April 2016, 17:54

Ich finds nicht schlecht.

Aber erstmal sollte die Technik bei den Erziehern ankommen. Das würde so manches einfacher machen.

Aber mal eben Musik mitnehmen, nen Bild anschauen, etwas nachschlagen - sparsam eingesetzt durchaus positiv.
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

amaria
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Re: (K)ein Aprilscherz

Beitrag von amaria » Mittwoch 6. April 2016, 21:44

Von älteren Fachkräften mal abgesehen, die teilweise mit der Technik nichts zu tun haben wollen, sind Tablets und Smartphones doch bei jungen Erziehern und Erzieherinnen ebenso weit verbreitet wie sonst in der Bevölkerung.

Es gibt Praktikantinnen und Erzieherinnen, die simsen während ihrer Zeit im Kindergarten aus privaten Gründen. Babys werden gestillt, während zeitgleich von ihren Müttern elektronische Medien genutzt werden. Und dieser Aushang, über den gerade diskutiert wird https://www.ndr.de/nachrichten/niedersa ... ta752.html zeigt, dass es die Nutzung von Handys und Tablets in gewisser Hinsicht süchtig machen kann. - Will man Kinder dem freiwillig schon früh aussetzen. Reicht nicht der starre Blick von Kleinkindern auf einen Fernsehschirm, um sich vorzustellen, dass es in den ersten Lebensjahres Wichtigeres gibt, als virtuelle Bilder?

Welche Vorteile sind für Kinder zu erwarten, wenn sie schon früh an den Umgang mit Tablets herangeführt werden? Die Gefahr von Weitsichtigkeit wird vermutlich minimiert :wink: und die Kurzsichtigkeit begünstigt...
http://www.deutschlandfunk.de/gesundhei ... _id=332996

Den Artikel könnten wir sogar zum Anlass nehmen, um die einem Kindergarten gespendeten Tablets zurück zu schicken.

Noch etwas Kurioses, was als Zeitungsente oder Aprilscherz durchgehen könnte:
"In Taiwan hat man daraus sogar schon die Vorschrift abgeleitet, dass Schulkinder jeden Tag 120 Minuten ins Freie müssen. Mit Erfolg: Daraufhin sank dort die Rate an kurzsichtigen Erstklässlern von 50 Prozent auf 45 Prozent." (Zitat aus dem oben verlinkten Artikel)

Freundliche Grüße

amaria
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Re: (K)ein Aprilscherz

Beitrag von Lenina » Donnerstag 7. April 2016, 09:35

Ich sag ja nicht, dass die Kinder ne halbe Stunde und mehr davor verbringen sollen. Im Gegenteil. Man könnte ihnen zeigen, was man mit den Dingern sonst noch anstellen kann.
Wie gesagt: Wie umständlich ist es manchmal, in bestimmten Räumen oder grad im Freien Musik zum Tanzen anzustellen? Tiergeräusche abzuspielen, die die Kinder nachmachen können?
Es als Erzieher selbst zu nutzen, um mal kurz den Entwicklungsstand einzutragen, statt ewig im Teamzimmer zu sitzen?
Ein Video aufzeichnen, es danach anschauen?

Es gibt viele Möglichkeiten. Klar könnte man das auch mit anderen Geräten alles machen, aber warum nicht auch das nutzen?

Es wird eh am Geld scheitern...

Und ja, auch wenn ich anfangs rigoros dagegen war, nutzt mein Kleiner mit 13 Monaten ab und an mein tablet. Wir schauen uns das ein oder andere kurze Video von ihm als Baby an oder hören Musik. Und es ist erstaunlich, wie intuitiv er das selbst bedienen kann (leider?)
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

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Re: (K)ein Aprilscherz

Beitrag von amaria » Donnerstag 7. April 2016, 12:31

Dass man grundsätzlich Kindergartenkinder nie ans Tablet lassen sollte, sage ich auch nicht. Allerdings bekommen Erzieher oft genug mit, dass die Kinder getrennt lebender Eltern nicht selten mit Computerspielen beschenkt werden und in Gesprächen geben diese Kinder dann auch noch an, dass der "Papa ganz viel Fußball geguckt oder gearbeitet hat."

Die Kinder von Anthroposophen haben wohl keinen Schaden dadurch erlitten, wenn es in ihren Elternhäusern keinen Fernseher gab. Selbst Computerexperten gehen davon aus, dass ein wesentlich höheres Alter ausreicht, um Kinder mit der Technik vertraut zu machen.

Bedenkt man, welch hohe Sehkraft unter Naturvölkern normal war, gibt es doch sehr zu denken, dass Kurzsichtigkeit zugenommen hat. Dank der Kontaktlinsen fällt es allerdings nicht mehr so sehr auf wie früher. Unsere Sprache ist auch sehr aussagekräftig, wenn es um die Sehkraft geht. Weitsichtig zu sein, wird mit "vorausschauend" und weise assoziert, kurzsichtig zu sein aber weckt eher Assoziationen an naiv, dumm und hilflos. Und ein Buch über die "digitale Demenz" ist auch schon erschienen.

Kann es sein, dass es für Erwachsene, die als Kinder von der Technik ferngehalten wurden, ein besonders Erfolgserlebnis ist, wenn ihr Kind damit unbefangen umgeht? In meiner Kindheit standen die Fernseher oft so hoch, dass Kinder möbel hätten rücken müssen, um den Apparat anzustellen, was ihnen meist verboten war. (Außerdem gab es nicht durchgängig Programm. Am frühen Nachmittag hätte man nur das Testbild angucken können.)

Freundliche Grüße

amaria
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Re: (K)ein Aprilscherz

Beitrag von Matushka » Donnerstag 7. April 2016, 16:32

Hellooo,
amaria hat geschrieben:Die Kinder von Anthroposophen haben wohl keinen Schaden dadurch erlitten, wenn es in ihren Elternhäusern keinen Fernseher gab.
Naja. Die Kinder von Anthroposophen haben dafuer oft genug mit nachhaltigen Rechtschreib- und Matheproblemen zu kaempfen, die ihnen beim evtl. Uebergang in eine Regelschule einen massiven Nachteil verschaffen. ;-)
amaria hat geschrieben:Bedenkt man, welch hohe Sehkraft unter Naturvölkern normal war, gibt es doch sehr zu denken, dass Kurzsichtigkeit zugenommen hat.
Was ich persoenlich viel beunruhigender finde, sind die ADHS-Symptome, die inzwischen auch in vielen Erwachsenen zu beobachten sind. Ich hoerte ueber Dritte von einer Psychologin, die sinngemaess sagt: "In 15 Jahren haben wir alle ADHS".
amaria hat geschrieben:Kann es sein, dass es für Erwachsene, die als Kinder von der Technik ferngehalten wurden, ein besonders Erfolgserlebnis ist, wenn ihr Kind damit unbefangen umgeht?
Sein kann alles. ;-) Das sind Logik-Spielereien, die m.E. ob der Faktenlage gehaltlos sind.

Fakt ist, dass diese ganzen Geraete nicht mehr wegzudenken sind. Welche Konsequenzen Einzelne daraus ziehen, ob sie die Geraete nun moegen oder nicht, betreffen nur diese(n) Einzelnen.

Gestern gerade sprach ich mit einer Deutschen, die hier 14-jaehrige Zwillinge grosszieht. Sie war als junge Frau in Ostdeutschland sozialisiert worden. Obwohl sie absolut ihre Kinder erzieherisch begleiten moechte, hat sie in Bezug auf Social Media, Umgangsformen usw. im Netz (und leider dadurch auch Anforderungen durch die Schule) komplett den Anschluss verpasst.

Wem, bitte, hilft es, wenn sich ErzieherInnen dem fortschreitenden Zeitgeist -- allein auf eigenen Befindlichkeiten basierend -- schlichtweg verweigern?

Wer oder was bestimmt, was "zu frueh" ist?

Gruss,

Sabine

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Re: (K)ein Aprilscherz

Beitrag von amaria » Donnerstag 7. April 2016, 17:43

Hallo Sabine,

schlechte Rechtschreibung ist heute derart weit verbreitet, dass man diese kaum noch an der Schulform festmachen kann. Du würdest dich wundern, mit welchen Fehlern Kinder in Deutschland noch eine Eins bekommen können.

Kann ja sein, dass die Psychologin in 15 Jahren ADHS bekommt, bei mir rechne ich im Rentenalter definitiv nicht damit. :wink: Nur weil diese Psychologin an der Uni ein Diplom erworben hat, schenke ich ihrer Aussage keinen Glauben. Dass alle mal zumindest ein bisschen Schnupfen kriegen, würde ich als Aussage nicht bestreiten, aber wenn eine Psychologin meint, in 15 Jahren hätten wir alle ADHS, dann bezweifele ich, dass sie kompetent genug ist, um zutreffende Diagnosen zu stellen.

Dass "die gebeugte Gneration" jedoch stärker als Menschen in früheren Zeiten von ADHS betroffen ist, kann ich mir vorstellen. Während wir früher nach Arbeit und Sport rechtschaffen müde waren, stellt sich diese entspannende Müdigkeit nach Daddeln nicht ein.
(jedenfalls nicht bei mir. Bin ich aber vielleicht selbst schuld, da dabei keine Ausdauer habe.)
Matushka hat geschrieben:.

Wem, bitte, hilft es, wenn sich ErzieherInnen dem fortschreitenden Zeitgeist -- allein auf eigenen Befindlichkeiten basierend -- schlichtweg verweigern?
Sabine, der Zeitgeist ist doch eigentlich immer etwas oberflächlich und nicht so intelligent und flexibel wie Individuen es sein können. Bloß weil die Geräte von heute nicht mehr wegzudenken sein sollen (sie werden irgendwann verschwinden), müssen Einzelne doch nicht ihre individuellen Befindlichkeiten ignorieren. Es ist keineswegs per se sinnlos, sich dem Zeitgeist zu verweigern. Auch das kann Fortschritte bewirken.

Kann man nicht mal anders an die Frage, ob Kindergartenkinder von Tablets profitieren, herangehen? Welche positiven Wirkungen sind zu erwarten? Und welche Nachteile drohen KIndergartenkindern, die konsequent von Tablets ferngehalten werden?

Und natürlich kann man auch überlegen, welche Vorteile die Markenhersteller von Tablets haben ...
Sie in der Natur einzusetzen, finde ich eigentlich überflüssig. Ein Waldspaziergang muss kein Tanzfest werden und überhaupt brauchen Kinder vielleicht weniger Animationen.

Freundliche Grüße

amaria
Zuletzt geändert von amaria am Donnerstag 7. April 2016, 17:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: (K)ein Aprilscherz

Beitrag von Matushka » Donnerstag 7. April 2016, 17:44

Antwort folgt spaeter -- zum Auseinanderpulen hab' ich grad keine Zeit. Wir kriegen das hin! ;-)

Juliala
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Re: (K)ein Aprilscherz

Beitrag von Juliala » Donnerstag 7. April 2016, 17:48

Hallo,

bei uns im Gruppenraum steht ein Laptop. Die Kinder sehen, dass wir Erzieher diesen nutzen.
Bei Fragen der Kinder, die wir nicht beantworten können, schauen wir gemeinsam im Internet nach.
Eigentlich sind es meist die Vorschulkinder, die Interesse haben.
Themen sind z.B. Dinosaurier, Weltall, Polizei in verschiedenen Ländern und dann wollen sie mehr wissen und Fragen beantwortet haben.
Da sind Googel und Laptop unsere Freunde und Helfer. :)

Auch Bilder, die auf Ausflügen und Kinderreisen gemacht wurden, schauen wir uns oft gemeinsam auf dem Laptop an und dann dürfen die Kinder das Ding auch selbst bedienen, was sie wirklich sehr gut können. Wenn es Probleme gibt, dann fangen sie an zu überlegen, woran es liegen könnte und weisen mich auch auf bestimmte Dinge hin: "Schau mal, da musst du draufdrücken" oder "Probiere das da mal aus". :)

Im normalen Alltag spielt die Technik allerdings keine große Rolle bei uns. Ich denke, die Kinder machen zu Hause eh ihre Erfahrungen mit diesen Geräten. Oft kennen sie sich besser aus als ich, obwohl ich auch nicht hinter dem Mond lebe.
Ich finde, Kinder dürfen auch mal besser sein als wir Erzieher. :)

Julia
Erziehung: einen Kopf drehen, bis er verdreht ist - natürlich auf den neuesten Stand.“
―Karlheinz Deschner

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Re: (K)ein Aprilscherz

Beitrag von Lenina » Donnerstag 7. April 2016, 23:32

Ja, genauso meinte ich das, Juliala.
Nur, dass ein tablet meist einfach handlicher ist. Man muss es nicht hochfahren, kann es einfach in ne Schublade legen, irgendwo gemütlich sitzen statt am Tisch zu hocken usw.
(Ich kling hier wie nen Verkäufer :-D )

Auf nen Waldspaziergang muss ich es jetzt auch nicht unbedingt mitnehmen. Aber wenn ich im Sommer mal eben draußen Turnen mache mit den Kindern und dabei Musik oder was auch immer brauche, musste ich bis jetzt erstmal den (meist) einzigen Player suchen, nen Verlängerungskabel usw. Jetzt schnapp ich mir das Ding und fertig.

Und es ist einfach nicht wegzudenken.
Und deswegen kann/sollte man auch einen Umgang vorleben, der einfach sehr zielgerichtet ist.
Und ich glaube nicht, dass solche DInge wieder verschwinden. Sie werden sich verändern, viellteicht kleiner werden, an Implantation mag ich nicht denken oO Das ist für mich eine undenkbare Entwicklung und gehört in SciFi-Filme.

Ich fände es extrem fortschrittlich und enorm arbeitserleichternd, wenn jeder Gruppe son Ding zustünde, zugleich mit W-Lan und einer einfachen Dokumentationssoftware, in der man durch minimalen Aufwand eine gute Dokumentation incl. Film-und Fotomaterial hinbekomme könnte. Aber solange sich die Mehrheit gegen jegliche Neuerungen wehrt, kommen wir nicht voran.
Wenn ich daran denke, wie manache meiner Kolleginnen (alle zwischen 20 und 40) teilweise den Laptop massakrieren und keine Ahnung haben, was sie tun, fass ich mir an den Kopf...
Gehört einfach dazu.
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

amaria
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Re: (K)ein Aprilscherz

Beitrag von amaria » Freitag 8. April 2016, 08:27

Hallo Lenina,

dafür, dass jeder Erzieherin ein Tablet (oder auch Laptop) zur Verfügung gestellt wird, bin ich unbedingt und schon lange. Sie soll auch entscheiden, inwieweit sie Geräte mit den Kindern benutzen möchte.
Mein Hinweis darauf, auch die heute weit verbreiteten Tablets vom Markt verschwinden werden, sollte aufzeigen, dass es für die gedeihliche Entwicklung von Kindern nicht immens wichtig ist, die heute auf dem Markt befindlichen Geräte bedienen zu können, denn selbstverständlich kommen neue auf den Markt. Wichtig ist, dass die Kinder generell lernen, differenziert zu denken. - Und dafür bietet sich gerade für Kinder ein Aufenthalt in der Natur an. Naturkreisläufe sind bestimmt nicht weniger anregend als Schaltkreise. Kinder, die Tannennadeln aufheben, brauchen nur selten spezielle Übungen zur Förderung der Feinmotorik.

Aber wenn Kindern! Tablets zur Verfügung gestellt werden, können diejenigen, die sie spenden noch Eindruck schinden und als fortschrittlich und kinderfreundlich zugleich glänzen. - Würde man es dagegen "nur" den Erzieherinnen zukommen lassen, wäre das ein Eingeständnis, dass die Ausstattung der Kindergärten mit Medien höchst unzureichend ist. Ein uralter PC im Personalzimmer für das gesamte Team und ein besserer im Büro der Leiterin - so sieht es hier noch vielfach aus! Kein Wunder, dass Erzieherinnen die Dokumentationsarbeiten immer noch oft zu Hause erledigen! (Ich habe sogar schon mal für Aufzeichnungen, die gerade nötig waren, den Wickeltisch benutzt.)

Freundliche Grüße

amaria
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Re: (K)ein Aprilscherz

Beitrag von Matushka » Freitag 8. April 2016, 16:35

Hallo amaria,
amaria hat geschrieben:Hallo Sabine,

schlechte Rechtschreibung ist heute derart weit verbreitet, dass man diese kaum noch an der Schulform festmachen kann. Du würdest dich wundern, mit welchen Fehlern Kinder in Deutschland noch eine Eins bekommen können.

Kann ja sein, dass die Psychologin in 15 Jahren ADHS bekommt, bei mir rechne ich im Rentenalter definitiv nicht damit. :wink: Nur weil diese Psychologin an der Uni ein Diplom erworben hat, schenke ich ihrer Aussage keinen Glauben. Dass alle mal zumindest ein bisschen Schnupfen kriegen, würde ich als Aussage nicht bestreiten, aber wenn eine Psychologin meint, in 15 Jahren hätten wir alle ADHS, dann bezweifele ich, dass sie kompetent genug ist, um zutreffende Diagnosen zu stellen.

Dass "die gebeugte Gneration" jedoch stärker als Menschen in früheren Zeiten von ADHS betroffen ist, kann ich mir vorstellen. Während wir früher nach Arbeit und Sport rechtschaffen müde waren, stellt sich diese entspannende Müdigkeit nach Daddeln nicht ein.
(jedenfalls nicht bei mir. Bin ich aber vielleicht selbst schuld, da dabei keine Ausdauer habe.)
Matushka hat geschrieben:.

Wem, bitte, hilft es, wenn sich ErzieherInnen dem fortschreitenden Zeitgeist -- allein auf eigenen Befindlichkeiten basierend -- schlichtweg verweigern?
Sabine, der Zeitgeist ist doch eigentlich immer etwas oberflächlich und nicht so intelligent und flexibel wie Individuen es sein können. Bloß weil die Geräte von heute nicht mehr wegzudenken sein sollen (sie werden irgendwann verschwinden), müssen Einzelne doch nicht ihre individuellen Befindlichkeiten ignorieren. Es ist keineswegs per se sinnlos, sich dem Zeitgeist zu verweigern. Auch das kann Fortschritte bewirken.

Kann man nicht mal anders an die Frage, ob Kindergartenkinder von Tablets profitieren, herangehen? Welche positiven Wirkungen sind zu erwarten? Und welche Nachteile drohen KIndergartenkindern, die konsequent von Tablets ferngehalten werden?

Und natürlich kann man auch überlegen, welche Vorteile die Markenhersteller von Tablets haben ...
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Freundliche Grüße

amaria
Ich werde heute, weil es schnell gehen muss und ich trotzdem reagieren moechte, ganz allgemein antworten:

Ich bin ja schon lange weg, und viele Entwicklungen in Deutschland kann ich gar nicht mehr nachvollziehen.

Dafuer habe ich mir im Lauf der Jahre einen anderen Blickwinkel angeeignet, der teils meinem kulturellen Umfeld, und teils meinem Blick "von aussen nach drueben" geschuldet ist. So entstand eine neue eigene persoenliche Sichtweise, die ich natuerlich fuer ausgewogen halte, ... und die es selbstverstaendlich nicht ist. ;-) Die spiegeln meine Beitraege hier mit Sicherheit oft wider.

Zumindest erlaubt mir dieser Blick aber die Einsicht, dass die Deutschen selbst ein ganz spezielles Voelkchen sind. Viele der Diskussionen, die hier gefuehrt werden, sind "sehr deutsch". Manchmal macht es mir Spass, ein bisschen darauf hinzuweisen -- sozusagen die "deutschen Verhaeltnisse" zu beleuchten. ;-)

Ich sehe in Bezug auf Diskussionen, die im weiten Sinne damit zu tun haben, "ob Kinder noch Kinder sein duerfen", oft den groesseren Kontext, dass viele Deutsche nach wie vor eine romantische Idealvorstellung haben, die u.A. bei Rousseau liegen duerfte. https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Jacques_Rousseau

Ausgestattet mit einem Ur-Vertrauen in die Natur und einem tiefen Misstrauen fuer Technik und Fortschritt im Allgemeinen, faellt es uns Deutschen entsprechend leicht, Werturteile ueber die Notwendigkeit von "technischem Geraet" zu faellen.

Ich denke, dass es ErzieherInnen und LehrerInnen gut taete, sich die Urspruenge einiger sich fest weiter haltenden Tugenden in unseren deutschen Seelen bewusst zu machen.

Gruss zum Wochenende,

Sabine

Johanna2
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Re: (K)ein Aprilscherz

Beitrag von Johanna2 » Sonntag 10. April 2016, 20:39

Hallo!

Ich bin gewiss keine Gegnerin der neuen Technologie, sehe aber erhebliche Problematiken, die diese mit sich bringt.
So finde ich es nicht nur unnötig, sondern sogar gefährlich, wenn bereits Kindern die teilweise noch gar nicht laufen können, bereits die neuesten technischen Errungenschaften unter die Nase gehalten werden. Profitieren sie davon, wenn man ihnen Tiergeräusche vorspielt, damit sie diese nachahmen können? Verpassen sie etwas, wenn sie sich keine Aufnahmen von sich anschauen? Und braucht es wo man geht und steht Konservenmusik, anstatt selber zu singen?

Kürzlich sprach ich mit einem Lehrer einer weiterführenden Schule. Eine Schulregel besagt, dass im Unterricht benutzte Handys, Tablets & Co eingezogen werden und erst am Folgetag wieder im Sekretariat abgeholt werden können. Er sprach von Schülerreaktionen, die ähnlich bei Junkies ausfallen könnten, wenn man sie daran hindert sich Stoff zu besorgen.

So bettelte und flehte eine Schülerin. Sie würde freiwillig nachsitzen, die Schulordnung abschreiben oder auch mehrere Stunden nachsitzen, wenn sie nur ihr Tablet wiederbekäme. Ihre Beine knickten etwas ein, sie war im Begriff auf die Knie zu fallen. Daran gehindert wurde sie von zwei Freundinnen, die sie stützten als hätte sie gerade einen schweren Schicksalsschlag erlitten.

Man kann in Cafés und Restaurants Paare beobachten, die ihr Dinner fotografieren, aber vor, während und nach dem Essen überwiegend auf ihr Handy starren.

Ich denke, dass der technische Fortschritt, der Menschheit großen Gewinn gebracht hat. Krankheiten werden schneller erkannt und effektiver behandelt. Aber heute erfahren auch etliche Menschen dank modernster Verfahren, dass sie bspw. an einem inoperabelem Aneurysma leiden, an dem sie mit fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit sterben werden. Und da ist es fraglich, ob einem mit neuesten Erkenntnissen immer gedient wurde.

Aber um wieder auf den pädagogischen Bereich zurückzukommen: In vielen Bereichen ist es sicher wichtig, technisch auf dem allerneuesten Stand zu sein. Im Kigabereich kann ich diese Notwendigkeit nicht sehen. Und ich denke, dass nicht alle Erzieherinnen sich (und die Kinder) permanent WLAN bestrahlen lassen möchten.

Gehirntumore können heute auch oft (dank des medizinischen und technischen Fortschritts) geheilt werden. Aber auch die Wahrscheinlichkeit des Auftreten eines solchen könnte um 50 Prozent gesenkt werden, wenn die Handynutzung eingeschränkt wird.....
Die Quellenangabe könnte ich nachreichen.

Freundliche Grüße

Johanna

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