Ein Hoch auf die Erzieher

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amaria
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Ein Hoch auf die Erzieher

Beitrag von amaria » Mittwoch 15. Juni 2016, 07:39

Hallo!

Eine Journalistin lobt die Erzieherinnen und die Kita, die ihre Tochter besucht hat.
http://www.tagesspiegel.de/berlin/absch ... 01174.html
Und es wird dazu indirekt noch ein bisschen Werbung für den Kochbus gemacht.

Tut jedes Lob gut? Ingesamt wurden Erzieher/innen in den letzten Jahren in den Medien sehr ausgiebig gelobt. Als ob es zum guten Ton gehören würde, sie zu loben. Es gab "Wertschätzungskampagnen" und es wurde um Erzieher geworben...

Freundliche Grüße

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
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Tobias84
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Re: Ein Hoch auf die Erzieher

Beitrag von Tobias84 » Mittwoch 15. Juni 2016, 15:44

Es wird ja immer gesagt, ErzieherInnen bekommen zu wenig Anerkennung. Ich frage mich, von wem ihr Anerkennung wollt. Was die Gesellschaft allgemein über Erzieher denkt, interessiert mich herzlich wenig. In meinem Freundeskreis habe ich Rückhalt für meine Entscheidung bekommen, Erzieher zu werden, was mir viel wichtiger ist. Von vielen Menschen bekomme ich sehr viel Anerkennung für das was ich tue, diese Menschen sind zwischen 6 und 10 Jahre alt und zeigen mir sehr direkt, dass ich meine Arbeit mit und an ihnen gut mache. Übrig bleiben noch die Eltern der Kinder, hier ist Anerkennung natürlich sehr wichtig.

Ich glaube, dass die Lohntüte relativ wenig mit Anerkennung zu tun hat. Hier ist eher das Problem, dass Erzieher nichts produzieren und Dienstleistungen generell schlecht bezahlt werden. Leider denkt der Staat meist viel zu kurzfristig, denn jeder Euro den er mehr investiert würde in höhere Bildung und besseres Sozialverhalten der zukünftigen Generation fließen. Die Skandinavier haben das viel besser erkannt.

amaria
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Re: Ein Hoch auf die Erzieher

Beitrag von amaria » Samstag 20. August 2016, 14:11

Hallo!

Mich würde interessieren, ob ihr das Gefühl habt, dass Mitmenschen es unterschiedlich bewerten, wo ihr als Erzieher/in arbeitet?
Heimerziehern traut man vielleicht mehr Durchsetzungsfähigkeit zu, während von "den Tanten" zu Streikzeiten durchaus schon mal gesagt wurde, dass sie wohl im normalen Berufsleben (also außerhalb der Krippe oder des Kindergartens, die ich nicht als unnormale Arbeitsorte bezeichnen würde) nicht würden bestehen können.

Als ich in der Kinder. und Jugendarbeit, insbesondere, als ich in einem emanzipatorischen Mädchentreff gearbeitet habe, habe ich einen deutlichen Unterschied zu spüren bekommen. Die Jugendarbeit war höher angesehen. Nich bei allen, aber die Resonanz war doch eindeutig. (Diese Erfahrungen machte ich vor dem Einsetzen der Wertschätzungskampagnen.)

Schade, dass hier nicht mehr Heimerzieher schreiben.

Freundliche Grüße

amaria
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Matushka
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Re: Ein Hoch auf die Erzieher

Beitrag von Matushka » Mittwoch 26. April 2017, 12:38

Hallo amaria,

Es gibt in diesem Forum zahlreiche Hinweise auf deine Arbeit im "emanzipatorischen" bzw. "interkulturellen Mädchentreff".

Handelt es sich bei der Gründerin um die in diesem Artikel beschriebene Frau? https://ozguruz.org/de/2017/04/26/frueh ... rden-will/

Gruss, Sabine

amaria
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Re: Ein Hoch auf die Erzieher

Beitrag von amaria » Mittwoch 26. April 2017, 19:38

Hallo Sabine,

Ja! Allerdings hat sie zu der Zeit, in der ich in der Azade war, bereits bei Gülistan gearbeitet. Wir kennen uns von daher leider kaum. Es gab aber noch mehr interessante Frauen, die für "Frauen lernen gemeinsam" gearbeitet haben und viele der Mädchen, die die Azade besucht haben, haben sehr davon profitiert, dass sie mit selbstbewussten Frauen ihre Zeit verbringen konnten. Es entstanden Freundschaften und es war einfach etwas Besonderes, in einer Einrichtung zu arbeiten, in der - anders als allgemein üblich - die Besucherinnen freiwillig erschienen und nicht, weil sie angemeldet waren.

Freundliche Grüße

Angelika
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Re: Ein Hoch auf die Erzieher

Beitrag von Matushka » Mittwoch 3. Mai 2017, 02:25

Danke für die Antwort, Angelika. Wie klein doch die Welt manchmal ist.

Alles Gute,

Sabine

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