Miserabler Arbeitsplatz in Kita

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Pejay
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Miserabler Arbeitsplatz in Kita

Beitrag von Pejay » Donnerstag 20. Juli 2017, 20:42

Hallo liebes Forum,

vielleicht sind hier ja ein paar Mitstreiter die eine ähnliche Situation kennen und einen Rat haben :daumen:

Nur kurz vorweg: ich bin 41 und habe seit Abschluss meiner Erzieherausbildung durchweg in der Behindertenhilfe gearbeitet, vorwiegend mit Erwachsenen.
Die letzten knapp 2 Jahre war ich in einer Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung.

Da ich aber aus gesundheitlichen Gründen keine Nachtbereitschaften machen darf hat mein Arbeitgeber angeordnet ganz auf einen Tagesarbeitsplatz zu wechseln, also ganz ohne irgendwelche Schichten.

Ich entschied mich für die integrative Kita. Von Grund auf war Kita Arbeit nie mein Favorit aber bei der Hospitation wollte ich aufgrund der Situation es einfach mal probieren.
Dies war ein Fehler wie sich jetzt herausstellt.
Wie dort kommuniziert wird bin ich in der Gruppe gelandet die quasi am schwierigsten, lautesten ist usw.
dies hat sich vollkommen bestätigt und ich voll ohne Kita Erfahrung stehe da mit knapp 20 kids und ganz egal ob die erfahrene Kollegin da ist oder nicht, die kinder hören keinen Meter!
sie grinsen dir ins Gesicht reagieren auf nix und laufen einfach heraus und das den ganzen tag quasi.
Seit ich dort angefangen habe bin ich nur am brüllen. man kann keine Angebote machen, spiele gehn nur kurzweilig und alle 10 Minuten kloppen sie sich.
Auch im Morgenkreis ist zuhören und mitmachen extrem schwer für sie.
Und einzelne tolle Kollegen die irgendwelche doofen kommentare abgeben statt neue Kollegen mal zu unterstützen. natürlich diejenigen die die ganz kleinen u 3 betreuen und eine kleine Gruppenstärke haben.
Ich habe bei meiner Kollegin aus der Gruppe auch schon zweimal angesprochen das so eine gruppe wenn ich alleine mit der Anerkennungspraktikantin bin so gut wie nicht zu lenken ist.
Diese Kollegin ist ab montag drei Wochen im Urlaub und die andere kommt wieder ist aber nur Dienstag bis Donnerstag in der Gruppe....

Ich würde einfach mal wissen wollen ob ihr für die Zeit wo ich da arbeite einen kleinen Tip habt wie man so eine Gruppe wenigstens etwas lenken kann denn sonst bin ich bald krank :sorry:

Tat gut es mal los zu werden. :daumen:

Adrasteia
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Re: Miserabler Arbeitsplatz in Kita

Beitrag von Adrasteia » Donnerstag 20. Juli 2017, 22:52

Schwierig.
Zuallererst: nimm es nicht persönlich. Ganz offensichtlich können diese Kinder nicht anders.

Tipps zu konkretem Handeln sind schwer.
Aus der Ferne kann man immer wenig dazu sagen. Die Umstände sind schwer zu beurteilen um passenden Rat geben zu können.
Dinge, die bei mir funktionieren, können bei dir furchtbar nach hinten losgehen.


Überlege zunächst:
Was ist dir wichtig? Prio 1 .... , Prio 2 ...., Prio 3 .... (nicht zuviel auf einmal)
Was hält die Kinder von 1., 2., 3. ab?
Was könntest Du tun, damit die Kinder 1., 2., 3. tun können? Es muss ja nicht gleich perfekt sein.

Dann überlege, wie du die Kinder ruhiger bekommst.
Woran liegt dieses ständige Gerenne, Gebrüll und Gekloppe?
Haben die Kinder zu wenig Bewegung?
Liegt es am Lärm, dass sie nichts hören? Müssen sie den Lärm übertönen um sich untereinander zu verständigen?
Dann wären vielleicht Stilleübungen etwas für euch. Frag Google nach Stilleübungen oder Ruheübungen.

Gibt es zu wenig Material, das den Interessen und Bedürfnissen der Kinder entspricht? Oder vielleicht auch zuviel Material?
Wie ist der Raum gestaltet? Liebevoll? Überladen? Unmengen an Tischen und Stühlen?

Die ewig gleichen Tischspiele ... langweilig.
Ausmalblätter ... öde.


Finde heraus, was die Kinder interessiert und guck, ob du ihnen diesbezüglich Angebote machen kannst.

Biete ihnen Sachen an, die sie normalerweise nicht nutzen können/dürfen.
Oder räume alles Spielzeug weg und gib ihnen Decken, Klammern, Pappröhren ...

Werde zur Abenteuer(er)finderin. Macht eine Schatzsuche mit Schatzkarte oder erfinde eine eigene Geschichte (ob die Feenprinzessin Hilfe braucht oder die Waldgnome etwas geklaut haben...). Gemeinsam erlebte Abenteuer schweißen zusammen und unterstützen die soziale Entwicklung.


Und am allerwichtigsten:
Wie ist der Umgang mit den Kindern? Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass der Umgang liebevoll und empathisch ist. Aber genau das brauchen Kinder.
Der Weg dazu führt über Beziehungsaufbau und Verständnis.

....

Darum mal zurückgefragt: würdest Du gerne ein Kind in eurer Gruppe sein?

amaria
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Re: Miserabler Arbeitsplatz in Kita

Beitrag von amaria » Freitag 21. Juli 2017, 07:52

Hallo!

Die Hinweise von Andrasteia am Schluss kann ich nur bestätigen. Als ich noch als Springerin für verschiedene Träger gearbeitet habe, ist mir aufgefallen, dass dort, wo die Kinder wirklich gut behandelt wurden, zwar auch nicht alle Kollegen gleichermaßen gemocht oder geschätzt wurden, aber niemand wurde herablassend und verständnislos behandelt.

Um schnell einen tragfähigen Kontakt zu den Kindern herzustellen, ist es zuerst wichtig, für die Kinder eine gute Zuhörerin zu sein. Wer viele Angebote machen will und sich dabei unter Druck setzt, gibt Kindern nicht die Zeit, die sie brauchen, um selbst einen Kontakt zu der Neuen herzustellen. Ansonsten hilft es meist, wenn bekannte Spiele so abgewandelt werden, dass die Kinder merken können, dass "die Neue" eigene Ideen hat und dass es sich für sie lohnt, sie kennenzulernen. Das, was deine Kolleginnen gut machen, wirst du für die Kinder nicht unbedingt besser machen können. Deshalb rate ich zu anderen Büchern, anderen Spielen und lediglich beim Singen würde ich bei den vertrauten und beliebten Liedern bleiben.

Das altbekannte Bewegungsspiel (mit oder ohne Musik) "Feuer, Wasser, Erde, Blitz", kann beispielsweise um die Variante bereichert werden, dass Kinder auf den Ruf "Schneesturm" oder "Hagel" zu mehreren unter einer Decke Zuflucht suchen. Lässt du sie einmal unter "einer Decke stecken" (es gibt ja diese Redewendung) werden auch Kinder, die sich vorher weniger mochten, schnell miteinander "warm" und die Atmosphäre in der Grupe kann sich verbessern, wenn der Moment der Stille unter der Decke lange genug anhält. Bei neuen Gruppen bin ich am Anfang immer selbst zu den Kindern hingegangen, habe natülich das Unwetter nachgeahmt und dazu mit den Fingerspitzen mal ganz leicht, mal etwas härter, auf den Köpfen der Kinder gerumgetrommelt. Es kommt darauf an, die Kinder die Situation lange genug auskosten zu lassen, bis dann wieder schönes Wetter angesagt ist. - Zu dem Spiel möchte ich anmerken, dass sich die Erzieherin zwar bei der Einführung der Spielvarianten zum Unwetter eine dominate Rolle anmaßt (man ist quasi der Wettergott :wink: ), aber später werden Kinder einbezogen und wenn sie selbst Ideen einbringen, , was wiederum wichtig ist.

Überhaupt bewährt es sich,wenn man zu Beginn einiges anders macht als die Kolleginnen. Neue sollen schließlich schnell ein Vertrauensverhältnis zu den Kindern aufbauen und das geht leichter, wenn Kinder die Erfahrung machen, dass sie ihnen (auch) etwas anderes zu sagen hat als die anderen Erzieherinnen.

Bilderbücher, die ich für Kinder verschiedenen Alters empfehlen kann, sind die von Daniel Napp über Dr. Brumm: https://www.amazon.de/Dr-Brumm-versteht ... 3522434706
Oder ein wundervoll witziges Buch in eingängigen Reimen: https://www.amazon.de/Kamfu-mir-helfen- ... 3888975689
Bei Jungen und Mädchen sehr beliebt ist auch diese "Adoptionsgeschichte", die mir selbst auch sehr gut gefällt, wie du meinem Blog entnehmen kannst: http://www.kindergartenkritik.de/jojoba/
Falls die Kinder sehr unruhig sind, kann es in deinem Interesse sein, wenn du kurz vor der Abholzeit vorliest. Sollte das Buch nicht zu Ende gelesen werden können, können die Kinder eben allein weiter über die Geschichte nachdenken und am nächsten Tag dafür sorgen, dass du sie in Ruhe zu Ende lesen kannst.
Solange noch nicht viele Kinder im Raum sind, kann man mit dem Vorlesen beginnen. Kommen mehr Kinder, kann die Praktikantin nach Absprache übernehmen. Oder Eltern werden einbezogen.

Einmal mit ein paar Kindern Popcorn für alle machen oder einen Kuchen backen. Es besteht auch die Möglichkeit, Kuchen mit Natron zu backen, die ohne Mixer gerührt werden können. - Lieber nur wenige, nicht allzu viel Zeit beanspruchende Angebote für Kinder, damit du Zeit hast, die einzelnen Kinder besser kennenzulernen.

Weniger ist mehr! Vielleicht sind die Kinder auch gar nicht so extrem laut. Wenn ich lange nicht mehr bei Kindergartenkindern oder Grundschülern war, kommen mir die Kinder manchmal auch sehr laut vor, obwohl es "der übbliche Geräuschpegel" ist.

Freundliche Grüße

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

Pejay
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Re: Miserabler Arbeitsplatz in Kita

Beitrag von Pejay » Dienstag 25. Juli 2017, 20:43

Hai Andrasteia und Amaria :kuschel:

ganz lieben Dank für Eure langen und hilfreichen Antworten!

Es hat sich letzten Freitag noch etwas getan, denn ich hatte mittags bereits ein Gespräch mit der Bereichsleiterin.
Habe ihr alles geschildert und sie hat auch gut reagiert wie ich finde.
Nun muss ich wieder ein Gespräch vereinbaren mit dem Menschen von der Personalabteilung um zu besprechen das ein interner Wechsel ansteht.
Selber schaue ich im Intranet der Firma immer mal nach freien Stellen.
Das ist die einzige Lösung denn auf Dauer weiß ich schon jetzt das ich dort nicht arbeiten will und kann.
Es bestätigt sich ja täglich.

Dennoch sind Eure Tips für die Zeit solange ich dort arbeite sehr hilfreich.
Besonders auch wie man in einzelnen Situationen vorgehen kann und die Frage einfach grundsätzlich Dinge in der gruppe mal zu überdenken...

Die Kollegin die 4 Wochen im Urlaub war und ich haben uns heute auch mal kurz zusammensetzen können und in dem Gespräch waren wir uns auch einig das viele Dinge und abläufe in der Gruppe eine kleine Änderung vertragen können...

Im Grunde können die Kids ja auch nix für die Lage, schon bevor ich im Juni angefangen habe waren die Zeiten recht schwer weil auch in dieser Kita der Personalmangel sehr spürbar war.
Wenn die Gruppe durch so eine Phase so gut wie keinerlei Struktur hat weil die Erzeiherinnen sich ja auch nicht vierteilen können ist es ja klar das sie auch neben der Spur sind, das spüren sie ja auch sehr.
Ich denke dieses ständige Schimpfen und meckern der Erzeiherinnen geht mittlerweile auch einfach durch sie hindurch weil es einfach täglich so abläuft und keine Regeln ziehen irgendwann mehr.

Nun ja,meine Entscheidung ist gefallen denn ich möchte mich auch nicht so verbiegen.

Einen schönen Abend Euch :winke:

Herr Uhl
Schnuppernase
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Registriert: Sonntag 3. November 2013, 13:32

Re: Miserabler Arbeitsplatz in Kita

Beitrag von Herr Uhl » Samstag 5. August 2017, 12:29

Hallo,
ich möchte noch etwas zu deiner Rolle ergänzen.
Du hast geschreiben, dass du den ganzen Tag am Brüllen bist.
Ich vermute, die Kinder sind das auch durch andere Fachkräfte gewöhnt.

Durchbrich das und mache das Gegenteil.

Nimm dir ein Buch mit Bildern oder eine Zeitung (auch am besten mit Bildern), die du interessant findest und setze dich damit in die Gruppe. Fang an zu lesen und es wird nicht lange dauern, bis die Kinder kommen und fragen, was du machst. Lass sie mitlesen. Lese ihnen aus deinem Buch vor.

Die Kinder werden dich anders erleben und du wirst von den Kindern, offen oder verdeckt, die Aufforderung erhalten, mit ihnen ihre Bilderbücher anzusehen.

Oder: Setze dich in die Bauecke und baue mal los. Du wirst schnell Interesse wecken. Vergiss bei alldem allerdings bitte nicht, dass du ein Erwachsener bist und das Spiel(zeug) den Kindern zugedacht ist.

Und: Strafe nicht, aber sei konsequent. Wer Chaos macht, räumt auf. Wer Dreck macht, putzt. Und wer prügelt, kümmert sich um Wiedergutmachung.

Viel Erfolg.

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