Neid auf die Bezahlung der Erzieherinnen

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amaria
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Neid auf die Bezahlung der Erzieherinnen

Beitrag von amaria » Donnerstag 12. April 2018, 10:48

Hallo!

Den einen verdienen die Erzieherinnen zu wenig, den anderen zu viel. Erzieher und vor allem Erzieherinnen schweigen sich meist aus zum Thema und immer noch akzeptieren viele Verträge, über die sich verhandeln ließe.

https://www.tagesschau.de/multimedia/ku ... n-101.html
Wie wirken die zahllosen Neiddebatten auf euch? Zu Streikzeiten lassen sie sich je nachdem wo jemand wohnt, nicht mehr ignorieren. Vor allem Akademiker neigen sehr dazu, auf dem Gehaltsabstand zu ihrem eigenen Berufs zu bestehen und weil unser Beruf ja so viel schöner und leichter ist, sollen Erzieherinnen doch bitte weniger verdienen als diejenigen, die in der Alten- und Krankenpflege als Fachkräfte arbeiten...

Eine Erzieherin sagte mir mal: "Bevor meine Kinder in der Pubertät waren, war für mich mein Verdienst okay. Aber von ihnen bekam ich nach der Scheidung immer wieder zu hören, wie peinlich es sei, dass ich so wenig verdienen und nicht mehr Geld für mein Outfit ausgebe."

Kindermund tut Wahrheit kund? Es gibt noch viele Aspekte.

Freundliche Grüße

Angelika
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

Herr Uhl
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Re: Neid auf die Bezahlung der Erzieherinnen

Beitrag von Herr Uhl » Donnerstag 12. April 2018, 20:49

Endlich ist mal jemand neidisch auf uns.

Lenina
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Re: Neid auf die Bezahlung der Erzieherinnen

Beitrag von Lenina » Donnerstag 12. April 2018, 23:53

Ich finde ja inzwischen, dass das Einstiegsgehalt einigermaßen ok ist. Wenn man vom "normalzustand" nach der Ausbildung ausgeht: jung, keine Kinder, keine großen finanziellen Verpflichtungen, eigene Wohnung, evtl Auto - das lässt sich in den meisten gegenden einigermaßen gut hinkreigen.

Aber: Es kommt dann einfach keine ernünftige Steigerung. Und das ist echt ein Problem. Ich warte 4 Jahre auf eine Steigerung on 200 Euro BRUTTO. Und nichts, was ich tue, egal, wie ich mich fortbilde oder engagiere, ändert was daran. Und das, was man sich dann auf Jahre "erarbeitet" hat, muss man sich beim Trägerwechsel hart erkämpfen.

Ich kann nicht einfach zum Chef ehen und sagen: ich mache gute arbeit, bin zuerlässig, bezahl mir entsprechend mehr.
Mein Freund lacht sich kaputt, wenn ich ihm die Steigerungsstufen zeige. Das frisst die Inflation auf.
Aber das wird nie erwähnt.
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

Huba
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Re: Neid auf die Bezahlung der Erzieherinnen

Beitrag von Huba » Freitag 13. April 2018, 06:35

Neid entsteht sicher auch dann, wenn erwachsene Menschen andere in Schubladen stecken. Jeder sollte, bevor er über den Verdienst eines anderen spekuliert, selbst einmal in dem entsprechenden Job gearbeitet haben.
Sich über das überbezahlte und unfähige Reinigungspersonal aufzuregen ist genau so kleingeistig, wie ungefragt anderen Berufsgruppen mehr zu gönnen.

Jeder hat die Möglichkeit sich zu verbessern, zu wechseln oder weiter zu bilden.

@Lenina - Es war schon schwer für mich mit Ende 30 und zwei Kindern eine berufsbegleitende Ausbildung mit nur 1000,- netto über drei Jahre auszuhalten. Wenn man vorher mehr verdient hatte, merkt man den Unterschied gewaltig. Trotzdem war es mir den Wechsel wert, denn ich wollte wieder "Spass" an meiner Arbeit haben und den hatte ich vorher nicht mehr...

Jetzt muss ich zwar warten um, je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit, hochgestuft zu werden - bin jedoch grundsätzlich positiv gestimmt, da es ja überhaupt diese Anpassungen gibt.

Die Menschen die die neidischen Kommentare zu solchen Beiträgen (Neid auf Erziehergehalt) schreiben, haben einfach keinen Einblick in das tatsächliche Berufsbild. Wenn ich lesen, dass der "IT-ler" die Arbeit im Kindergarten als "einfache Arbeit" bezeichnet, dann macht er das nur, weil er uns auf die Außenwirkung von "Kaffee- oder Basteltanten" reduziert.

Einfach weglächeln und weiter machen.

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