Sollen Eltern Kita und Schule verklagen können?

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amaria
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Sollen Eltern Kita und Schule verklagen können?

Beitrag von amaria »

Hallo!

Ein Artikel von Martin Textor, der Eltern und Erzieherinnen zu kritischen Gedanken anregen kann.

http://www.eltern.de/familie-und-urlaub ... ldung.html

Freundliche Grüße

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

Kees_Kopf
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Re: Sollen Eltern Kita und Schule verklagen können?

Beitrag von Kees_Kopf »

Das Problem an dem Ausgangspunkt von Textor in diesem Interview ist, dass er bei Kindergarten von Bildugn ausgeht. Kindergärten sind nach Deutschem Recht definitiv KEINE Bildungseinrichtungen, sondern soziale Einrichtungen. So ist auch die Ausbildung der ErzieherInnen in diesem Bereich ausgerichtet UND die ErzieherInnen wehren sich weitgehend gegen der Vorstellung, ein Kindergarten als "Bildungseinrichtung" zu bezeichnen.

Solange aber der Kindergarten nicht eindeutig, sowohl rechtlich als im Verständnis des Personals, als Bildung eingestuft wird, kann und darf man die Anforderungen die Textor an der Einrichtung stellt nicht stellen. Das wäre als wenn man von eine Putzfrau im Krankenhaus erwarten würde, dass sie Krankheiten diagnostiziert.

Ich weiß, ich werde mit diese Position böse Blicken ziehen, damit aber kann ich gut leben.

In dem Augenblick, wo Kindergärten nicht nur organisatorisch, sondern auch räumlich und personell dem Bildungsbereich zugeordnet werden und das was heute schon gemacht wird endlich in alle Aspekten als Bildung anerkannt wird, kann man natürlich die Anforderugnen stellen. Da dies aber bedeuten würde, dass die ErzieherInnen mehr bezahlt bekommen würden, weil sie ein höher qualifizierten Arbeit machen als jetzt und da dies die Grenzen der momentanen mangelhaften Erzieherausbildung vieler Orts schmerzhaft aufzeichnen würde, wird es noch lange dauern, bis den Kindergarten nicht nur in den Munden der Politiker eine Bildungseinrichtung sein wird, sondern auch in der umgesetzten Praxis.

Kees
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Hexenmuddi
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Re: Sollen Eltern Kita und Schule verklagen können?

Beitrag von Hexenmuddi »

Ich gehe mir deinen Text mit, aber ich sehe noch eine andere negative Entwicklung .... Ich finde das in der Praxis den Eltern immer mehr Pflichten und Verantwortung abgenommen werden, durch die

amaria
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Re: Sollen Eltern Kita und Schule verklagen können?

Beitrag von amaria »

Hallo Kees,

den Eindruck, dass Erzieherinnen sich dagegen wehren würden, den Kindergarten als Bildungseinrichtung zu sehen, habe ich leider nicht. Mir kommt es so vor, als ob das ständige Gerede über Bildung sowohl an unserer Berufsgruppe als auch an Eltern nicht spurlos vorbei gegangen ist. Gerade Eltern lassen sich zum Teil ein beachtliches Anspruchsdenken anmerken. Das führt dann dazu, dass bestimmte "Kurse" und Förderangebote erwartet werden, als bestünde bereits selbstverständlich ein Anspruch darauf, dass Englisch und musikalisch Früherziehung angeboten werden müssten.

Textor hat in seinem Beitrag einiges so überspitzt dargestellt, dass die Schattenseiten der derzeitigen Bildungseuphorie klar aufgezeigt werden nach der Devise "Übertreibung macht klar!".

Für mich jedenfalls sind Eltern keine "Kunden" und ich finde, dass vor dem Beginn der "von-der-Leyen-Ära" zwar weniger über Qualität der Arbeit in Kindergärten geredet wurde, tatsächlich aber mehr Wert auf diese gelegt wurde als heute, wo meiner Meinung nach kostbare Zeit für werbewirksame Schaumschlägerei draufgeht. - Wie Hexenmuddi sehe ich es auch nicht als Vorteil an, wenn Eltern zu viel Verantwortung abgeben können. - Sie fehlt ihnen letztendlich doch irgendwann als Lebenserfahrung und als solide Basis für die weitere Erziehung ihrer Kinder.

Freundliche Grüße

amaria
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Kees_Kopf
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Re: Sollen Eltern Kita und Schule verklagen können?

Beitrag von Kees_Kopf »

@ Amaria:

EIn kleines Beispiel dafür, dass ErzieherInnen sich innerlich gegen dem Kindergarten als Bildungseinrichtung wehren:
Sie sehen sich nicht als Lehrpersonen, also als Menschen die Kinder, Jugendlichen oder auch Erwachsenen etwas lehren.

@Hexenmuddi

Das Abnehmen von Verantwortung findet nicht nur im Kindergarten statt, warum muss in der Schule Unterrichtszeit für Frühstück verwendet werden?

Kees
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Hexenmuddi
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Re: Sollen Eltern Kita und Schule verklagen können?

Beitrag von Hexenmuddi »

Ich möchte ( ohne das ich Stellung zum Thema beziehe) das noch einmal von einer anderen Seite beleuchten :
- viele Kitas und ihr dazugehöriges Personal sind es satt sich ihren gesellschaftlichen wichtigen Anteil am leben der Kinder rechtfertigen zu müssen, de Beruf wird von anderen nicht ernst genommen, er vermitteln de. Kindern nix - wir passen nur auf Wenn die kleinen spielen und und und und wenn man hinter den Kulissen schaut dann merkt man das viele Fachkräfte sich durch die Anerkennung einer Bildungseinrichtung erhoffen das der Beruf und ihre Arbeit endlich von den Eltern anerkennt wird und nicht nur von denen

Es sollte immer das wohl der Kinder im Vordergrund stehen und das tut es bei der von der lyen Politik nicht und bi so vielen Experten die Konzepte schreiben und nicht in geschehen sitzen
Und ein Statement gebe ich Preis : mir tun die Armen Kinder leid die in der Kita zeit von einen yogakurs zum Nächsten englisch Spieltreff und dann zum Mini krabbel Turn Kurs geschliffen werden

Hexenmuddi
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Re: Sollen Eltern Kita und Schule verklagen können?

Beitrag von Hexenmuddi »

Eine Kita sollte ein kooperative familienergänzende Einrichtung sein, Hauptakteure sind immer die Eltern
Natürlich ist eine Erzieherin entwicklungspsychologisch geschult und natürlich hat die Erzieherin die Aufgabe Kinder zu beobachten, Defizite zu erkennen, dokumentieren, ausgleichen ......Förderung ermöglichen
Aber warum kritisiert der Herr im Artikel die Erzieherin ??? Sid Eltern heutzutage nicht in der Lage bestimmte grundlegende Dinge an ihren eigenen Kind zu erkennen ??? Wir zb das es schwerhörig ist ? Besonders schlecht redet ???

Nordlicht35

Re: Sollen Eltern Kita und Schule verklagen können?

Beitrag von Nordlicht35 »

Ganz pauschal: JA! Denn wenn wir das unterbinden, öffnen wir rechtsradikalen Kitas und Einrichtungen Tür und Tor. Und der neuste Aufschrei in der NPD lautet: Wir brauchen rechte Erzieher/innen, denn so erreichen wir die nächste Generation von Anfang an. Und wenn diese Erzieher/innen dann erst mal in der Leitung sind, dann MÜSSEN Eltern klagen können. Erst vor zwei Monaten wurde einer rechtsradikalen Erzieherin vor dem OLG Recht gegeben, die gegen ihre Kündigung geklagt hatte. Fakto: Rechtsradikale Erzieher/innen dürfen unsere Kinder ideologisieren und betreuen !!! Wenn Eltern nicht mehr klagen dürfen, können wir einpacken !!!

Kees_Kopf
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Re: Sollen Eltern Kita und Schule verklagen können?

Beitrag von Kees_Kopf »

Zum Urteil des OLG-Oldenburg nur folgendes, damit dies in eine den Rechtsstaat gebührende Perspektive gesehen wird:

Nach dem Urteil des OLG-Oldenburgs ist allerdings nicht bewiesen, dass die Erzieherin selbst dem rechten Spektrum angehört. Der Anscheinsbeweis, weil ihr Mann eine hohe Funktion bei der NPD bekleidet und sie in NPD Kreise als Führungskraft in der Frauenarbeit genennat wird - ohne dabei ofiziell als solche in Parteistrukturen aufzutauchen - reichte das Gericht nicht.

Das Eltern und Stadt eine eindeutig andere Meinung haben und aufgrund der Beweise zu einem anderen Urteil kommen, ist für mich gut nachvollziehbar. Ich würde mich als Arbeitgeber so oder so von diese Mitarbeiterin trennen oder sie ggf. abordnen um Pinguine am Nordpol zu betreuen, auch wenn mir das viel Geld kosten würde. Gleichzeitg aber sollten wir grundsätzlich sehr zurückhaltend sein das Gericht zu kritisieren. Schließlich gilt -auch in Arbeitsrechtsfragen- Unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils. Wenn alleine schon der Verdacht für eine Verurteilung reichen würde, würde jetzt nicht weit von Oldenburg ein unschuldiger 18-Jährigen im Gefängnis sitzen.

Kees
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Hexenmuddi
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Re: Sollen Eltern Kita und Schule verklagen können?

Beitrag von Hexenmuddi »

Ohne frage !!! Rechtsradikale Erzieher dürfen definitiv nicht arbeiten bzw ihre ideologischen Auffassungen unseren Kindern vermitteln

Aber ich denke das dieses Thema sich nicht auf solche extremen Situationen beruft sondern auf den Artikel aus der Eltern Zeitschrift

Natürlich möchte ich auch das recht haben meine Erzieherin zu verklagen wenn diese ihre Aufsichtspflicht verletzt hat und mein Kind dabei zu Schaden gekommen ist
Ich möchte als Erzieherin aber nicht verklagt werden weil ich in meinen Dienst eine hörschädigung bei einem Kleinkind nicht erkannt habe
Eltern sollten rechte haben, ja, aber dabei ihre Pflichten nicht vergessen und versuchen andere zum Sündenbock zu machen

Gute Nacht

Kees_Kopf
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Re: Sollen Eltern Kita und Schule verklagen können?

Beitrag von Kees_Kopf »

Es gibt allerdings zwischen Eltern und ErzieherInnen ein wesentlichen Unterschied.

ErzieherInnen sind ausgebildet und sollten, aufgrund ihrer Ausbildung, in der Lage sein sowohl Defizite als auch einen Vorsprung in der Entwicklung eines Kindes zu erkennen. Nicht zuletzt deswegen wird eine sorgfältige Entwicklungsdokumentation gemacht und werden daraus die individuelle Entwicklungsziele eines Kindes festgelegt und mit den Eltern besprochen. Das gehört einfach zum professionellen Arbeiten, dafür werden sie (zugegeben schlecht) bezahlt. Nicht nur das Eltern bestimmte Defizite ihre Kinder nicht sehen und erkennen können, weil sie kein "Vergleichsmaterial" haben, es fehlt ihnen auch der beruflichen Distanz um diese Wahrnehmung wirklich machen zu können.

Das die Arbeitsbedingungen für ErzieherInnen häufig so sind, dass sie ihre Aufgaben nicht erfüllen können wird, und dafür stecke ich jetzt gerne Prügel ein, auch mit von diese selben verursacht bzw. getragen. Wieviele Arbeitgeber bekommen im Jahr schriftlich von der in ihre Einrichtungen arbeitenden Personal mitgeteilt, dass unter diese Bedingungen es zum Beispiel nicht möglich ist mindestens zweimal im Jahr eine gezielte Überprüfung der Entwicklung zu machen (nur als Beispiel)? Und wieviele Träger bekommen schriftlich vom Team mitgeteilt, dass die für die senso-motorische Entwicklung des Kindes sinnvolle, wenn nicht sogar notwendige, Bewegungsfreiheit ohne eigenen sicheren Außengelände nicht gewährleistet werden kann? Ich in mir sicher, würde ich von jeden Träger der dies im letzten Jahr von sein Personal schriftlich bekommen hat einen Vertreter zum Frühstück einladen, sie hätten in meiner Küche alle Platz. Und damit trägt das Personal eine Mitverantwortung für die Arbeitsbedingungen.

Ob das am Ende für Eltern ein Grund sein wird zu klagen, hängt im wesenlichen auch davon ab, wie ErzieherInnen, und in der spätere Folge auch der Träger, Eltern die Sorgen äußern begegnen. Wird verharmlost oder wird ernst genommen? Wird geschaut oder wird ignoriert, weil "ie wieder nerven..." Erfahrungsgemäß werden Eltern die das Gefühl vermittelt bekommen Ernst genommen zu werden, wenn es um ihr Kind geht, nicht so schnell juristische Schritte unternehmen. Nur dort wo Eltern das Gefühl bekommen gegen eine Wand zu laufen und (meinen zu) sehen, dass ihr Kind deswegen Schaden leidet, werden versuchen den (in ihre Augen) Verantwortlichen hierfür in Regress zu nehmen. Und das ist in meine Augen berechtigt, denn das nennt man "Verantwortung übernehmen".

Das die juristische Messlatte für eine aussichtsreiche Klage relativ hoch liegt in Deutschland kann man so oder so sehen, Tatsache ist, dass es nicht so einfach ist wie gerne im Fernsehen gezeigt wird und daher wird es eher eine Ausnahme bleiben, dass Eltern klagen. NIcht weil es kein Grund geben würde, denn die gibt es in meine Augen oft genug, doch einfach weil sich die meiste betroffene Eltern eine Klage aus wirtschaftliche Gründe einfach nicht leisten können. Leider.

Kees
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