Welcher Kinderbetreuungsplatz ist zumutbar?

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amaria
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Welcher Kinderbetreuungsplatz ist zumutbar?

Beitrag von amaria » Mittwoch 16. Juli 2014, 12:30

Hallo!

In einem Artikel aus dem Handelsblatt heißt es nur: "Der Platz muss in zumutbarer Nähe liegen - bisher wird das überwiegend definiert mit rund einer halben Stunde Zeitaufwand für eine Strecke. Bei speziellen Wünschen wie einer integrativen Gruppe oder Montessori-Pädagogik sind Absagen wohl angesichts geringer Kapazitäten hinzunehmen."
http://www.handelsblatt.com/politik/deu ... 4-all.html


:200p: :200p: :200p:

Das ist ja wohl zu kurz gedacht!!!

Welche Anforderungen könnten an einen Rechtsanspruch noch gestellt werden, wenn wir

- das Wohl der Kinder
- das Wohl der Erzieher/innen und
- das Wohl der Eltern

endlich einmal berücksichtigen!

Wie würden Gerichte entscheiden, wenn die Eltern von Zwei- und Dreijährigen - angesichts zweier Stürze von Kindern aus den Fenstern ihrer (mehrgeschossigen!) Kitas im Juni 2014 - darauf bestehen würden, dass zumindest die unter Vierjährigen einen Rechtsanspruch auf eine Betreuung in ebenerdig gelegenen Räumen haben? Von einer derartigen Klage auf einen qualitativ besseren Betreuungsplatz habe ich bislang noch nichts gelesen, aber eigentlich müsste es doch auch diesbezüglich erste Klagen geben!

Würde der Deutsche Kinderschutzbund die Klage von Eltern auf einer höherwertigen Betreuungsplatz - zum Beispiel auf Betreuung in einem Kindergarten mit Garten! - unterstützen?

:c085: :c085: :c085:

Zu dem Thema ließe sich noch einiges anführen. Für eine Diskussion wäre es hilfreich, wenn sich auch Eltern zu Wort melden würden, die keine Lust haben, jeden x-beliebigen Platz für ihr Kind zu akzeptieren.

Die Qualität der Kinderbetreuung muss doch nicht weiterhin hinter dem erwarteten Ausbau der Betreuungskapazitäten hinterher hinken! Falls Eltern und Erzieherinnen nicht aktiv werden, wird die nächste Umfrage ergeben, dass 57% und mehr der Eltern einen Betreuungsplatz für ihr Kind nach dem Ende des Mutterschutzes erwarten. Erwartungshaltung immer steil ansteigend!

Welche Erwartungshaltungen können Erzieherinnen dem anstehenden weiteren Betreuungsplatzausbau entgegenhalten? Ich hoffe sehr, dass einiges zusammengetragen werden kann.
(Was momentan noch nach urlaubsbedingter Foren-Flaute aussieht, entspricht hoffentlich nicht der Geisteshaltung unserer Berufsgruppe.)

Freundliche Grüße

amaria
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Siria
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Re: Welcher Kinderbetreuungsplatz ist zumutbar?

Beitrag von Siria » Mittwoch 16. Juli 2014, 21:41

Danke für den link, amaria. Interessant fand ich den Abschnitt über die Kinderbetreuung im Ausland. Kindergartenpflicht in Österreich, Schmiergelder in Russland, viele Containermodule in Schweden – auf welche Weise Kinder betreut werden, ist sehr unterschiedlich. Leider sagen die kurzen Artikel nichts über die Qualität der Betreuung aus.

Bevor mein Sohn Ende der 1980er Jahre im Alter von 3 ½ Jahren in den Kindergarten kam, habe ich mir sämtliche Einrichtungen in Wohnortnähe angeschaut. Wichtig waren mir damals die baulichen Voraussetzungen (ansprechendes Gebäude, Größe der Gruppenräume, Außengelände), die Gruppenstrukturen (Anzahl der Kinder, Relation Erzieher – Kinder), die Sicherheit (ein Kindergarten mit einem niedrigen Zaun lag an einer stark befahrenen Straße, ein weiterer grenzte an einen kleinen Fluss), Tagesablauf, Angebote, vorhandenes Spielmaterial, Räumlichkeiten. Ein besonderes Augenmerk hatte ich auf den Umgang der Erzieher mit den Kindern, so strich ich einen Kindergarten sofort von meiner Liste, als ich bei einem Besuch Zeuge davon wurde, wie ein kleiner Junge von seiner Betreuerin beschimpft und lächerlich gemacht wurde.

Hat man heute noch die Wahl? Ich hätte damals für meinen Sohn in 4 Kindergärten einen Platz haben können.

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Re: Welcher Kinderbetreuungsplatz ist zumutbar?

Beitrag von amaria » Samstag 23. August 2014, 07:41

Hallo Siria,

heute haben Eltern nicht mehr die Wahl und auf eine mehrjährige Kindergartenzeit sollte auch bedacht werden, ab wann ein vormals noch akzeptabler Kindergarten unzmutbar wird.

Vielleicht würden eher Eltern auf diese Frage antworten, wenn sie in den Kita-Zeitungen gestellt wurde. Einfach eine Anleitung zu einem Fingerspiel weglassen und stattdessen auf Themen der Fachforen hinweisen. - So können Erzieherinnen Eltern signalisieren, dass sie nicht mit allem einverstanden sind, was ihnen und den Kindern zugemutet wird.

Sobald scheinbar gut eingewöhnte Kleinkinder im zweiten Kindergartenjahr öfter gegen den Kindergartenbesuch protestieren, werden manche Eltern nachdenklich. Welche Ursache gibt es für diese "Phase"? (Manche Kinder leiden darunter, dass die Neuen so viel Aufmerksamkeit beanspruchen und für sie selbst seltener ein Schoß frei ist.)

Freundliche Grüße

amaria
Zuletzt geändert von amaria am Mittwoch 17. September 2014, 09:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Welcher Kinderbetreuungsplatz ist zumutbar?

Beitrag von amaria » Samstag 23. August 2014, 08:23

Weil die Mutter einen Betreuungsplatz für ihr drittes Kind unzumutbar fand, hat sie es lieber ein Jahr länger daheim betreut. http://www.eltern.de/foren/betreuung-me ... lecht.html
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Re: Welcher Kinderbetreuungsplatz ist zumutbar?

Beitrag von amaria » Samstag 23. August 2014, 18:46

Die Rede ist von einer "Garantenpflicht" der Stadt, aber eine Frau darf weiterhin zwei Krippen führen, obwohl ein Pflegekind aus ihrer Familie genommen wurde.
Ohne weitere Informationen lässt sich nichts zur Situation in Erlangen sagen.
http://www.nordbayern.de/region/erlange ... -1.3748235

Mütter sammeln schon Unterschriften für den Erhalt der Krippe.
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Re: Welcher Kinderbetreuungsplatz ist zumutbar?

Beitrag von amaria » Mittwoch 17. September 2014, 09:24

Hallo!

Es gibt viele Ansatzpunkte, die zu der Frage führen können, ob ein Kinderbetreuungsplatz zumutbar ist oder nicht. Da gerade die Gesundheit ein hohes Gut ist - und Kinder mit dem Eintritt in den Kindergarten nicht selten über viele Wochen und Monate mehr krank als gesund sind, stellt sich die Frage, ob man es nicht auch als eine Form der gesellschaftlich akzeptierten Kindsvernachlässigung ansehen kann, wenn Kinder, denen beispielsweise der gelb-grüne Schodder aus den Nasen läuft, in Kindergärten betreut werden.

http://www.welt.de/gesundheit/article12 ... -Kita.html
Unübersehbar: Das Schriftzug der Firma Johnsen und Johnsen!

Wäre der Viehbestand auf einem Bauernhof so durchseucht wie manche Krippe oder Kita, würden Tierschützer empört sein. Während bei Kindern gesagt wird, dass es ihrem Immunsystem guttun würde, wenn es so gefordert wird, wie es in Institutionen geschieht, habe ich noch in keiner landwirtschaftlichen Fachzeitschrift gelesen, dass es für Kälber und Lämmer wichtig wäre, in ihrer Jugend viele Infekte durchzumachen. Die Massentierhaltung mit ihrem Antibiotikaeinsatz ist verpönt. Doch bei Kindern wird über weitere Impfungen und verpflichtende Schutzimpfungen nachgedacht! Und das Robert-Koch-Institut warnt schon seit Jahren vor Antibiotikaresistenzen!

Ist es so schwer sich vorzustellen, dass Kinderbetreuung anders und erheblich besser bewältigt werden könnte, als in den zu großen Gruppen der Krippen, Kitas und "Familienzentren"?

Freundliche Grüße

amaria
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Re: Welcher Kinderbetreuungsplatz ist zumutbar?

Beitrag von amaria » Mittwoch 19. Juli 2017, 06:33

Asbest im Kindergarten?

Die Stadt Bonn wusste schon seit einem Jahr Bescheid. Die Eltern wurden erst jetzt informiert. Probebohrungen fanden im Beisein der Kinder statt.
http://www.general-anzeiger-bonn.de/bon ... 07851.html

Saniert werden soll in den Ferien.

Würden Kinder bei der Stadt einen anderen Betreuungslatz bekommen, wenn sie den "sanierten" für unzumutbar halten würden? Welche Erzieherin würde angesichts der langen Phase des Schweigens und möglicher Gesundheitsgefahren kündigen?
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