Bluttests zur Erkennung von Gendefekten bei Schwangeren

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amaria
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Bluttests zur Erkennung von Gendefekten bei Schwangeren

Beitrag von amaria » Sonntag 16. März 2014, 15:13

Hallo!

Hier ein Artikel zu den neu entwickelten Bluttests, die eine frühe Diagnose von Erbkrankheiten ermöglichen.

http://www.spiegel.de/gesundheit/schwan ... 58721.html

Es wurden schon einige Kommentare von Lesern geschrieben.

Freundliche Grüße

amaria
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Zenobia
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Re: Bluttests zur Erkennung von Gendefekten bei Schwangeren

Beitrag von Zenobia » Sonntag 16. März 2014, 16:33

Hierzu empfehle ich das Buch:

http://www.amazon.de/Deutsche-Medizin-D ... 3100393104

Es ist von 2001 und wem noch nicht schlecht ist, dem wird es nach der Lektüre. Ab wann wollen wir unseren potenziellen Nachwuchs am Leben hindern/behindern? Nach welchen Kriterien wollen wir vorgehen? Wann ist ein Leben nicht mehr Lebenswert und wer hat dies zu entscheiden?
Die Nächsten sind dann die Föten, die nicht der Norm entsprechen, die andere festsetzen.

Dies ist auf Dauer nicht mein Land.

Maibrit
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Re: Bluttests zur Erkennung von Gendefekten bei Schwangeren

Beitrag von Maibrit » Sonntag 15. Juni 2014, 13:38

Ich finde es nicht schlimm, wenn Eltern wissen wollen, ob ihr Ungeborenes einen Gendefekt hat. Manche Erbkrankheiten gehen mit einer kurzen Lebensdauer für die betroffenen Kinder einher. Ich weiß nicht, aber ich möchte schon, dass mein Kind erwachsen werden kann. Ich denke in der Hinsicht ist nichts Verwerfliches daran, wenn man sich für Gentests entscheidet.
Wenn es natürlich nur darum geht, ein Kind nach Maßstab zu bekommen, sind die Tests kritisch zu betrachten. Nicht unbedingt deshalb, weil es diskriminierend ist, sondern weil Kinder so als Produkt, als eine Sache, betrachtet werden.

ferdinandel
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Re: Bluttests zur Erkennung von Gendefekten bei Schwangeren

Beitrag von ferdinandel » Sonntag 15. Juni 2014, 19:27

was hat das mit derm erzieherforum zu tun ???

Johanna2
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Re: Bluttests zur Erkennung von Gendefekten bei Schwangeren

Beitrag von Johanna2 » Sonntag 15. Juni 2014, 19:41

ferdinandel hat geschrieben:was hat das mit derm erzieherforum zu tun ???
Der Beitrag steht in der Rubrik "Schwangerschaft und Geburt"!

ferdinandel
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Re: Bluttests zur Erkennung von Gendefekten bei Schwangeren

Beitrag von ferdinandel » Sonntag 15. Juni 2014, 19:45

hä ich dachte dass es ein forum für erzieher ist. schwangerschaft und geburt na ja da war ich noch nie lol

Maibrit
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Re: Bluttests zur Erkennung von Gendefekten bei Schwangeren

Beitrag von Maibrit » Freitag 20. Juni 2014, 16:12

Hehe, ja, hier gibt es auch noch Themen für Eltern ;)

Was nicht heißt, dass man als Erzieher nicht auch bei diesem Thema etwas zu sagen hätte.
Bestandteile der Frühdiagnostik in der Schwangerschaft sind ja eher ein gesamtgesellschaftliches Streitthema.

Landra
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Re: Bluttests zur Erkennung von Gendefekten bei Schwangeren

Beitrag von Landra » Mittwoch 25. Juni 2014, 07:03

Im Endeffekt wirkt sich das aber auch für Erzieher aus:

Wenn wir Eltern uns früh testen lassen und eine Mehrheit entscheidet selbst bei "kleinen" Gendefekten abzutreiben, je weniger Integrationskinder aufgrund von geistiger oder körperlicher Behinderung wird es geben. Der Trend dass das "Normkind" geschaffen wird, ohne Makel liebenswert macht ist aus meiner Sicht allerdings sehr zweifelhaft. Aktuell fängt es bei Trisomie an, die man dadurch erkennt und dem Embryo bzw leider sogar immer noch Fötus aus meiner Sicht, den man seines zukünftigen Lebens beraubt.

Generell finde ich solche Tests nicht schlecht. Nicht ein jeder ist so abgebrüht und greift gleich zu Maßnahmen, die den Tod des Ungeborenen bedeuten. Es gibt ein Gefühl von Sicherheit zu wissen, ob es dem Baby gut geht, liebt man es auch mit Genveränderungen ab der Norm. Zudem ist es leichter alle Hilfsmaßnahmen zu ergreifen, weiß man um die Behinderung eines Babys nach der Geburt. Je früher man bescheid weiß, je eher kann man sich um all die Bürokratie kümmern, die eine Behinderung des Kindes mit sich bringen wird. Auch kann man sich an Hilfsorganisationen wenden, bevor man dann im Wochenbett liegt und eigentlich seine Ruhe braucht. Die Geburt selbst kann dann auch entsprechend gestaltet werden, weiß man um die Schwierigkeiten, die einen erwarten und man entscheidet sich dann besser für einen Kaiserschnitt etc.

Ich finde es insgesamt sehr gut wie weit die Frühdiagnostik voranschreitet, auch ohne das Leben von Mutter und Kind zu gefährden wie bei der Fruchtwasserentnahme. Wegen mir könnte das noch viel schneller vorangehen. Nur eine Änderung im Denken der Gesellschaft wäre mir persönlich sehr lieb. Ich empfinde es bei all den Hilfsmaßnahmen die es für behinderte Kinder gibt, zusätzliches Betreuungsgeld für die Eltern, Integrationserzieher mit 1 zu 1 Betreuung, Tagespflegen und Heime sowie vieles mehr, sehr schade wenn es oft gleich um Abtreibung geht, hört man von Pränataldiagnostik wie in diesem Artikel.

Völlig verrückt aus meiner Sicht, das zu verbieten. Da wäre es doch wesentlich schlüssiger Gesetze zur Abtreibung etwas zu verschärfen, wie es allen zu erschweren, die behinderte Kinder großziehen möchten.

Juliala
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Re: Bluttests zur Erkennung von Gendefekten bei Schwangeren

Beitrag von Juliala » Mittwoch 25. Juni 2014, 14:16

Hallo Landra,

ich glaube nicht, dass strengere Gesetze Abhilfe schaffen.
Abtreibungen gab und gibt es schon immer.....auch unter Androhung der Todesstrafe. Frauen sind erfinderisch. Frauen riskieren auch ihr eigenes Leben, oder sie fahren in Nachbarländer, um eine Abtreibung dort durchzuführen.
Das hat uns die Geschichte gelehrt.

Da ich selbst ein Kind mit Behinderung habe, weiß ich um die Benachteiligung in der Gesellschaft und um die kräftezehrende Auseinandersetzung mit der Umwelt, mit den Institutionen und Ämtern.
Leider steht man mit seinen Sorgen und Problemen meist alleine da. Man muss um jede Hilfe und Unterstützung meist bis aufs Blut kämpfen und klagen.....und das ist der eigentliche Knackpunkt.

Ich bin daher für Aufklärung, so früh wie möglich.....am besten schon in der Schule.
Es ist fatal, dass das Thema Behinderung aus der Gesellschaft ausgeklammert wird. Dabei kann es JEDEN treffen....ganz plötzlich innerhalb weniger Sekunden kann sich das Leben schlagartig ändern.
Hilfen müssten ohne Kampf bereitgestellt werden. Ämter müssten ihrer Beratungspflicht nachkommen.
Ärzte müssten sich über Hilfsangebote informieren und Schwangere aufklären.
Infomaterial müsste in jeder Arztpraxis offen in den Regalen und auf den Tischen liegen.
Den Eltern wird meist zu einer Abtreibung geraten, ohne über Alternativen nachzudenken.
Die meisten Menschen haben keinen Kontakt zu Menschen mit Behinderung. Dabei wäre es so wünschenswert, mal über den Tellerrand zu schauen und Orte aufzusuchen, wo sich Menschen mit Behinderung aufhalten. Man wird feststellen, dass man dann schon viele Vorurteile und Ängste zur Seite legen kann.

Nicht die Behinderung ist das Schreckgespenst, auch wenn man erst einmal geschockt über diese Tatsache ist und auch in ein tiefes Loch fallen kann.
Mit der Behinderung eines Kindes kann man sich trotzdem meist gut arrangieren und zurechtkommen.
Die meisten Eltern, die ihr Kind trotz Behinderung bekommen haben, sind froh über diese Entscheidung. Ich will hier nicht rosarot reden. Das Leben kann natürlich auch hart sein, aber das eigentlich schwere Drama ist wirklich das "Drumherum" und die Auseinandersetzung mit der Umwelt. Überall lauern Hürden, steinige Wege, ignorante Menschen, Klugscheißer, knickrige und unmenschliche Sachbearbeiter usw.
Diese Missstände könnte man mit Aufklärung und leicht zugänglichen Hilfsangeboten abmildern oder gar völlig beseitigen.

Es ist daher eine Schande für Deutschland, dass Menschen mit Behinderung oftmals so sehr um Hilfen und Unterstützung kämpfen müssen und alleine gelassen werden. Menschen mit Behinderung werden doch oft nur als Kosten-und Störfaktor gesehen. Da müssen wir uns nicht wundern, wenn man ungeborene Kinder mit Behinderung lieber abtreibt.

Man kann in der Schwangerschaft auch nur ganz bestimmte Behinderungen erkennen.
Ein negatives Testergebnis bedeutet nicht automatisch, dass ein gesundes Kind heranwächst.
Außerdem kann während der Schwangerschaft und Geburt noch so viel passieren.
Man sollte sich mit diesen Tests nicht zu sehr in Sicherheit wiegen, aber das blenden viele Schwangere leider aus......man ist ja guter Hoffnung.

Julia
Erziehung: einen Kopf drehen, bis er verdreht ist - natürlich auf den neuesten Stand.“
―Karlheinz Deschner

Zenobia
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Re: Bluttests zur Erkennung von Gendefekten bei Schwangeren

Beitrag von Zenobia » Mittwoch 25. Juni 2014, 17:02

Mhm, "eine Schande für Deutschland".......in vielen anderen Ländern, ich denke da an Indien, gibt es kaum oder gar keine Hilfe für Familien mit behindertem Kind.

Es muss jeder Frau frei stehen, ob sie ein Kind, das von Behinderung bedroht ist, austragen oder abtreiben will. Schließlich muss sie auch für ihr eigenes seelisches Wohl sorgen. Manche Partner können es auch nicht ertragen, Vater eines behinderten Kindes zu werden.

Kritisch wird es bei der Definition, wer/was behindert ist. So könnten auch Mütter gezwungen werden, der Norm nicht entsprechende Föten abzutreiben. Hier denke ich an Kinder, die von psychischer Behinderung bedroht sind u.ä.m..

Viele Behinderungen/Schwerstbehinderungen entstehen erst nach der Geburt. Dieses Schicksal möchte ich mit keiner Familie tauschen.

Juliala
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Re: Bluttests zur Erkennung von Gendefekten bei Schwangeren

Beitrag von Juliala » Mittwoch 25. Juni 2014, 18:20

Hallo,

ja, es gibt Hilfen in Deutschland, aber schau dich mal in Foren von Eltern behinderter Kinder oder in Selbstbetroffenenforen um, wie hart die Kämpfe um diese Hilfen sind.
Viele geben auf, sind ausgebrannt und kraftlos, weil sie diese Kämpfe nicht aushalten.
Neben der Pflege eines schwerstbehinderten Kindes auch noch Kämpfe auszutragen.....das schafft nicht jeder. Die Pflege allein ist schon kräftezehrend.
Viele Familien wissen gar nicht, was hnen zusteht, weil sie niemand aufklärt, oder sie trauen sich nicht zu klagen.
Es wäre schön, wenn es so einfach wäre, an diese Hilfen auch zu kommen.
Und wenn wir Eltern mal nicht mehr sind, wer kämpft dann für unsere Kinder? Niemand wird so um Hilfe kämpfen, wie wir Eltern es tun. So viele hilflose Menschen bleiben unversorgt.
Es kann nicht sein, dass nur die starken Kämpfernaturen (eventuell) zu ihrem Recht kommen und auch die Starken haben es nicht verdient, so behandelt zu werden. Verstehst du, was ich meine?

Zenobia, Deutschland ist ein reiches Land.
Doch, es ist eine Schande für Deutschland, dass Banken gerettet werden und neue Flughäfen, die vor sich hinmodern, massenhaft Gelder verschlingen, während das Geld woanders dringend benötigt wird.
Ich sage dir, wenn man nicht so in der Materie steckt, bekommt man die himmelschreienden Ungerechtigkeiten nur am Rande oder gar nicht mit.
Da nutzt mir der Vergleich mit Indien rein gar nix.
Ich mag darüber jetzt auch gar nicht weiter diskutieren. Ich bin bei diesem Thema sehr verletzbar. Zu oft habe ich das Gefühl, nicht verstanden zu werden und gegen Windmühlen mag ich auch nicht rennen.

Julia
Erziehung: einen Kopf drehen, bis er verdreht ist - natürlich auf den neuesten Stand.“
―Karlheinz Deschner

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