17 Kinder in einer Krippengruppe

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Stockente
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17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von Stockente » Dienstag 19. Mai 2015, 22:45

Ich habe mir heute eine Einrichtung angesehen, die nach einem offenem Konzept arbeitet. Derzeit werden 15 Kinder zwischen ein und drei Jahren von vier Erzieherinnen betreut, ab Herbst sollen es 17 Kinder mit fünf Erzieherinnen sein.
Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten kann man die Gruppe eigentlich nur aufteilen, indem man mit einigen Kindern in den Garten oder spazieren geht - bei schlechtem Wetter ist auch das nur bedingt möglich.

Der Betreuungsschlüssel ist ja nicht so schlecht, aber die Gruppengröße? Findet ihr das in Ordnung? Ist das heute normal? Gibt es denn keine gesetzlichen Vorgaben zur Gruppengröße im Kleinkindbereich?

Johanna2
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Re: 17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von Johanna2 » Mittwoch 20. Mai 2015, 20:50

Hallo Stockente!

Darf ich fragen, in welchem Bundesland das Desaster stattfindet?

Johanna

Stockente
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Re: 17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von Stockente » Donnerstag 21. Mai 2015, 07:11

Hallo Johanna,

Tatort ist Baden-Württemberg.

Ich habe inzwischen meine Entscheidung getroffen: Ohne mich!

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Re: 17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von Johanna2 » Donnerstag 21. Mai 2015, 07:38

Das kann ich verstehen. Von Baden-Württemberg hatte ich bessere Bedingungen erwartet. Die Stadt brauchst du gar nicht zu nennen. Es wird Stuttgart sein.

Johanna

Stockente
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Re: 17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von Stockente » Donnerstag 21. Mai 2015, 07:55

So ist es. Und den Träger hast du sicher auch erraten.

amaria
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Re: 17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von amaria » Donnerstag 21. Mai 2015, 08:17

Hallo Stockente,

in Stuttgart gibt es einige Träger, die in Betracht kommen.
Deine Antwort vorhin hat mich auf eine Idee gebracht: Anstatt der Threads "Als Erzieherin in Berlin/München arbeiten", in denen weitgehend ich Beiträge eingestellt habe, könnte es jetzt, wo sich der Streik länger hinzieht, sinnvoll sein, dass sich iErzieher/innen aus einer Stadt oder Region zu einem Gedankenaustausch vernetzen.

Eine Überschrift "Tatort xxx (Nameder Stadt)" müsste von den Medien aufgegriffen werden. Dass Unsummen für die Zertifizierung von Kitas durch allzu geschmeidig ans System angepasste Unternehmen gezahlt werden, muss doch nun wirklich nicht ohne Antwort der Erzieherinnen bleiben.

"Tatort Stuttgart" - allein über die Recherche im Internet lässt sich einiges aufstöbern!
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhal ... 16298.html Existiert dieses "aparte", mehrstöckige Containerprovisorium noch?
Wie finden Erzieherinnen die Hochhauskitas von "Polifant"? Ist der Zaun von "Belle maison" für eine Kita im siebten Stock sicher genug?

Selbstverständlich muss darauf geachtet werden, sich so auszudrücken, dass ein Träger, dem Stellungnahmen und Fragen von Erzieherinnen nicht passen, keinen Grund zum Verklagen hat.

Freundliche Grüße

amaria
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Re: 17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von Stockente » Donnerstag 21. Mai 2015, 09:09

Hallo amaria,

die Formulierung "Tatort" für die Zustände in manchen Kitas kannst du gerne übernehmen - ich fühle mich geschmeichelt. ;-)

Ich blicke ja in der aktuellen Kita-Szene noch nicht so ganz durch, weil ich lange Zeit etwas ganz anderes gemacht habe. Aber ich hatte auch schon den Eindruck, dass gerade in und um Stuttgart offene Konzepte neuerdings sehr en vogue sind. Die Einrichtung, die ich diese Woche angesehen habe, ist wohl ein Beispiel dafür, was passieren kann, wenn sich eine reine Krippeneinrichtung dem offenen Konzept verschreibt: Unter dem Mäntelchen eines modernen pädagogischen Ansatzes wird schlicht die Einrichtung bis zum letzten Quadratmeter mit Kindern vollgestopft; der Gesetzgeber schaut geflissentlich weg und verzichtet auf eine Begrenzung der Gruppengröße, weil man ja sonst gar keine Chance hat, den voreilig zugesicherten Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz in absehbarer Zeit zu erfüllen. Momentan denke ich, mit einem Container als Arbeitsplatz könnte ich mich notfalls arrangieren, aber bei überfüllten Krippengruppen hört für mich der Spaß auf.

Jetzt wäre es mal interessant zu sehen, wie es in offenen Einrichtungen mit einer breiteren Altersstreuung zugeht. Ich stelle mir vor, dass sich dort die Zwei- bis Dreijährigen von selbst zum Kindergartenbereich hin orientieren, so dass automatisch ein überschaubarer und geschützterer Rahmen für die ganz Kleinen entsteht. Ich bin mal gespannt, inwieweit sich die Realität mit meinen Vorstellungen deckt.
Zuletzt geändert von Stockente am Donnerstag 21. Mai 2015, 12:06, insgesamt 1-mal geändert.

amaria
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Re: 17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von amaria » Donnerstag 21. Mai 2015, 10:52

Im Artikel wird auch kurz auf die Arbeit in offenen Gruppen eingegangen.
http://www.morgenweb.de/mannheim/mannhe ... -1.2056128
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Re: 17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von Stockente » Donnerstag 21. Mai 2015, 12:55

*Seufz ...*

Es gibt hier in der Gegend noch einen kleineren kommunalen Träger, dem ich in den nächsten Tagen mal meine Bewerbungsunterlagen schicken werde. Offiziell arbeitet man dort zwar auch nach einem offenen Konzept, aber die einzelnen Einrichtungen haben wohl etwas Spielraum, um dieses Rahmenkonzept für sich passend zu machen. Teilweise wird dort wohl halboffen mit Stammgruppen gearbeitet, und einige Häuser haben einen separaten Kleinkindbereich. Wer weiß, vielleicht ist da ja eine Einrichtung dabei, die einen vernünftigen Modus für die Minis gefunden hat ... und eine Stelle zu besetzen hat.

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Re: 17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von Judith » Freitag 22. Mai 2015, 17:11

Leider ist das nicht nur in Baden-Württemberg so. Ich arbeite in NDS und hatte im letzten Jahr zeitweise 16 Kinder in der Krippengruppe und wir waren nur zu dritt (wobei genau in der Zeit häufig jemand fehlte und wir nur zu zweit waren). Ein Kind (u.a. Baby und am Anfang erst 4 Monate alt) galt als "Besucherkind" welches ein- bis dreimal die Woche für eineinhalb bis drei Stunden kam (im Vormittagsbereich). Die Mutter arbeitet währenddessen im Kindergarten. Chefin hat das so geregelt und es wurde geduldet. Das Baby hat uns nach ca. einem halben Jahr wieder verlassen, weil der Vertrag der Mutter nicht verlängert wurde (und das obwohl sie sehr gute Arbeit leistete, fanden wir Erzieher). Trotzallem war das Baby noch ab und zu zu Besuch, allerdings dann nur tageweise für max. ein bis zwei Stunden. Es hat immer gut geklappt, weil es ein u.a. pflegeleichtes Kind war.
Die Mutter hätte gerne einen offiziellen Krippenplatz in Anspruch genommen, wovon wir im Sommer 14 ja noch welche hatten, aber aufgrund, dass sie aus dem Nachbardorf kommt hat sie keinen bekommen.
Nun ist es so, dass genau diese Mutter höchstwahrscheinlich wieder eine Stelle bei uns antreten wird (vermutlich ab nächste Woche und erstmal nur für einen Monat). Das Kind (inzwischen 19 Monate) war diese Woche schon mal eine Stunde bei uns (als Mama sich vorstellte). Es lief prima. Es wird dann ein paar Mal in der Woche kommen, stundenweise, und wieder als Besucherkind laufen. Die Mutter könnte sofort bei ihrem Arbeitgeber wo sie derzeit in Elternzeit ist wieder anfangen, aber auch diesen Sommer bekommt das Kind keinen offiziellen Krippenplatz bei uns, weil es immer noch im Nachbardorf wohnt.
Eine weitere Mutter fragte an, ob ihr Kind (derzeit 9 Monate) für die Zeit wo sie arbeitet (im Kindergarten allerdings) bei uns sein könnte. Wir haben uns Bedenkzeit gegeben, wobei bei mir ein klares Nein kommt, weil wir dann 17 Kinder wären. Es wäre hier auch nur eine Notlösung, da Großeltern sich auch angeboten haben und ich schon gesagt habe, dass diese wohlmöglich die bessere Variante sei (nicht, dass ich uns schlecht finde, aber 17 Kinder, 3 pädagogische Fachkräfte, irgendwo hört es meiner Ansicht nach auch auf).
Und wenn wir jetzt hier Ja sagen, dann steht bald die nächste Mutter vor der Tür und sagt, mein Kind bitte auch. Und genau das will ich verhindern.

PS: Wir machen derzeit ein großes Projekt, brauchen viele helfende erwachsene Hände, viele sind berufstätig können daher nicht, wir sind über jeden dankbar der mithilft und kann, und die o.g. Mutter wird es leiten (einer muss ja mit "Chef" sein).

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Re: 17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von Stockente » Samstag 23. Mai 2015, 13:53

Hallo Judith,

ich habe schon mehr von dir gelesen und muss dir mal etwas sagen: Ich finde die Zustände in deiner Kita einfach haarsträubend!

Vor mehr als einem Vierteljahrhundert, anno 1987, habe ich ein Vorpraktikum in einer Krippe gemacht: Unsere Gruppenräume waren bessere Streichholzschachteln, der pädagogische Anspruch ging gegen Null, aber die reguläre Gruppengröße betrug damals zehn Kinder bei zwei Vollzeitkräften, je eine Kinderkrankenschwester oder Erzieherin und eine Kinderpflegerin. In besonders kleinen Gruppenräumen betrug die Gruppenstärke sieben Kinder, die von einer Erzieherin und vielleicht noch einer Vorpraktikantin betreut wurden. Ausnahme: Als "meine" Gruppe aufgelöst wurde, kamen die größeren in den Kiga und die jüngeren wurden samt meiner Wenigkeit in eine andere Kleinkindgruppe integriert; dort waren dann für ein halbes Jahr insgesamt zwölf Kleinkinder, zwei ausgebildete VZ-Kräfte und ich als Vorpraktikantin. Und das galt als viel zu große Gruppe!

Der reguläre Betreuungsschlüssel hat sich ja trotz Erziehermangel etwas verbessert, zumindest hier in BaWü kommt (rein rechnerisch) eine Erzieherin auf drei bis vier Kleinkinder. Aber was zum Teufel ist mit den Gruppengrößen passiert?? Mir kann doch kein Mensch weismachen, dass so ein Gewusel gut für Kleinkinder ist. Wieso schlucken die Eltern das, und warum machen die Erzieherinnen mit, statt solchen Aufbewahrungsanstalten einfach den Rücken zu kehren - der Arbeitsmarkt würde es doch hergeben.

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Re: 17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von Frips Fuchs » Donnerstag 9. Juli 2015, 16:27

tja Stockente, ich frag mich das auch, aber Eltern scheint es egal zu sein
Shalom
Frips

Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.

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Re: 17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von Juliala » Donnerstag 9. Juli 2015, 19:31

Hallo,

ich habe schon Krippengruppen mit 22 (!) Kindern auf drei Erzieher erlebt, aber denkt mal nicht, dass das alles Ganztagserzieher waren. Nein, davon haben zwei Erzieher sogar nur Teilzeit gearbeitet.
Bietet jemand noch mehr?

Julia
Erziehung: einen Kopf drehen, bis er verdreht ist - natürlich auf den neuesten Stand.“
―Karlheinz Deschner

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Re: 17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von Frips Fuchs » Freitag 10. Juli 2015, 09:43

wir sollten diese Erkenntnisse, natürlich geprüft ! in eine Art Lifeticker stecken und somit dokumentieren
Shalom
Frips

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Re: 17 Kinder in einer Krippengruppe

Beitrag von amaria » Samstag 11. Juli 2015, 08:17

Eine sehr gute Idee!
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
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