Ein Hoch auf die Fremdbetreuung der Jüngsten

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amaria
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Ein Hoch auf die Fremdbetreuung der Jüngsten

Beitrag von amaria » Sonntag 4. September 2016, 09:52

Hallo!

Eine Journalistein ist geradezu begeistert von der Fremdbetreuung: http://www.noz.de/deutschland-welt/fami ... dbetreuung

Diesen Link hätte ich gern in dem seit der Abmeldung von Krümelmonster nicht mehr zur Verfügung stehenden, von Krümelmonster gestarteten Thread eingestellt, dessen genauen Betreff ich nicht benennen kann. ("Positive Auswirkungen der Krippe oder der Krippenbetreuung" Wie genau lautete die Threadüberschrift? Bestimmt erinnern sich einige... Es gab diesen Thread als Gegengewicht zu "Negative Folgen der Krippenbetreuung".)

Hat jemand eventuell noch Beiträge aus diesem Thread gespeichert? Für einen neuen Artikel würde ich gern alles, was von verschiedenen Usern geschrieben und verlinkt wurde lesen und nun geht das nicht.

Freundliche Grüße

amaria
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Johanna2
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Re: Ein Hoch auf die Fremdbetreuung der Jüngsten

Beitrag von Johanna2 » Sonntag 4. September 2016, 11:50

Hallo!

Als ich den Beitrag gelesen habe, habe ich mich zuerst gefragt, ob es sich um Satire handelt. Der Text erinnert stellenweise an diese witzigen Postkarten, auf denen die Schlechtschreibung alles sagt... Aber die Journalistin scheint es tatsächlich ernst zu meinen. Allerdings bezweifele ich, dass ihre Aussagen andere überzeugen.

Johanna

Tobias84
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Re: Ein Hoch auf die Fremdbetreuung der Jüngsten

Beitrag von Tobias84 » Sonntag 4. September 2016, 12:43

Naja, die Kolumnistin meint in einem anderen Beitrag, dass sie Babykram langweilig findet. Nicht jede Frau mutiert nach der Geburt zu einer Vollblutmama, bei der sich alles nur noch um ihr Kind dreht. Manche können oder wollen sich nicht 24/7 um ihr Kind kümmern und da macht eine gute Fremdbetreuung doch Sinn.

amaria
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Re: Ein Hoch auf die Fremdbetreuung der Jüngsten

Beitrag von amaria » Sonntag 4. September 2016, 14:05

Ein gute Betreuung durch Fachkräfte oder Babysitter macht immer Sinn, wenn niemand sonst da ist, der das Kind besser betreuen würde.

Mir kommt es oft so vor, als ob Eltern, die unbedingt arbeiten wollen oder müssen, dazu neigen, sich die Betreuung ihrer Kinder schöner vorzustellen als sie es für ihr Kind ist. Sieht das Kind auf dem Bild so aus, als ob der Aufenthalt in der Einrichtung für es besonders toll wäre?
Mir fallen momentan in öffentlichen Verkehrsmitteln die Kleinkinder der Flüchtlinge auf, die in den engen Flüchtlingsunterkünften viel Kontakt zu ihren Müttern, Vatern und Verwandten haben. So sehr scheinen mir die Augen von früh und lange betreuten Krippenkindern nicht zu strahlen.

"Nach zwei Tagen dann Strategiewechsel: Auf dem Arm der Bezugserzieherin Kind 2 brüllen lassen, ich daneben, später nach aktiven „Tschüß, Kind 2, bis später“-Sagen vor der Tür." http://www.noz.de/deutschland-welt/fami ... dbetreuung
Derartige Sätze überzeugen mich nicht. Und ohne die fett gedruckte Überschrift Corinna Berghahn anlasten zu wollen, moniere ich auch das saloppe "Erst das Gebrüll, dann kommt der Spaß". Man stelle sich einmal vor, ein Vergewaltiger würde einen derartigen Satz im Gerichtssaal von sich geben!

Findet ihr es in Ordnung, dass sich eine Krippenerzieherin dazu hergibt, wie beschrieben ein "brüllendes" und sich auch mit Körperkraft sträubendes Kind gegen seinen Willen festzuhalten?
Johanna und ich haben heute früh über den Atikel gesprochen. Für uns ist er kein "Hoch" sondern ein "Tief" auf die Fremdbetreuung.

Ich glaube, diese Journalistin hat noch nicht begriffen, was Gewalt gegen Kinder ist.

amaria
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Tobias84
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Re: Ein Hoch auf die Fremdbetreuung der Jüngsten

Beitrag von Tobias84 » Sonntag 4. September 2016, 15:12

Wenn die Eingewöhnung ganz ohne Tränen abläuft, würde ich mir Sorgen machen. Das würde nämlich auf eine unsicher-vermeidende Bindung zwischen Eltern und Kind hindeuten. Bei einer sicheren Bindung weint das Kind oft nach der Trennung von den Eltern, lässt sich aber auch von den Erziehern beruhigen. Erst wenn das Kind sich gar nicht beruhigen lässt, würde ich die Eingewöhnung verschieben. Der saloppe Satz "Erst kommt das Gebrüll, dann der Spaß" klingt aber eher nach sicherer Bindung und halbwegs gelungener Eingewöhnung, auch wenn man das anhand des Artikels natürlich nicht wirklich beurteilen kann. Von einem sich mit Körperkraft sträubenden Kind steht in dem Artikel nichts. Ich finde es jedenfalls in Ordnung, wenn man die Eingewöhnung nicht gleich beim ersten Schrei abbricht, sondern erstmal schaut, ob sich das Kind beruhigen lässt oder nicht.

Johanna2
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Re: Ein Hoch auf die Fremdbetreuung der Jüngsten

Beitrag von Johanna2 » Sonntag 4. September 2016, 15:34

Tobias84 hat geschrieben:Wenn die Eingewöhnung ganz ohne Tränen abläuft, würde ich mir Sorgen machen. Das würde nämlich auf eine unsicher-vermeidende Bindung zwischen Eltern und Kind hindeuten.
Ich finde nicht, dass Tränen in der Eingwöhnungszeit als gutes Zeichen zu verstehen sind. Im Gegenteil. Läuft die Eingewöhnung ohne Tränen ab, kann dies auch ein Zeichen dafür sein, dass dem Kind die Zeit gegeben wird die es braucht. Unabhängig davon, was die Ersteller diverser Konzeptionen und Eingewöhnungsmodelle davon halten. Besorgniserregend finde ich es jedoch, wenn Kinder sich direkt ins Geschehen stürzen ohne die Eltern überhaupt zu beachten. Oder auch wenn ein neues Kind zu der Erzieherin, die ihm noch völlig unbekannt ist, auf den Schoß klettern möchte.

Selber mache ich mir eher Sorgen darüber, wie leicht Erwachsene sagen, dass die Kinder "da eben durchmüssen" und in dem Leid der Kinder noch etwas Positives zu erkennen meinen.

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amaria
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Re: Ein Hoch auf die Fremdbetreuung der Jüngsten

Beitrag von amaria » Sonntag 4. September 2016, 16:16

Ich bin zwar keine erfahrene Krippenerzieherin, aber so wie ich Kinder erlebt habe, zeigt ihre Muskelanspannung, dass sie nicht auf dem Arm eines weniger vertrauten Menschen bleiben wollen, wenn ihre Mutter in der Nähe ist. Bislang habe ich von Krippenerzieherinnen noch nicht zu hören bekommen, dass Kinder entspannt "brüllen", wenn etwas nicht nach ihrem Willen verläuft.

Viele Einrichtungen nehmen Kinder erst ab einem Jahr auf, weil die Erzieherinnen es vermeiden möchten, Kinder ausgerechnet in der Fremdelphase einzugewöhnen. Die Erzieherinnen denken dabei vielleicht auch an die Gefühle, die der Abschiedsschmerz eines Kindes bei den anderen auslöst. Während viele Menschen fasziniert davon sind, wie Wale und Delfine Mitgefühl angesichts der Situation ihrer Artgenossen haben, scheint das Thema "Mitgefühl von Kindern mit Krippenkindern" von Wissenschaftlern noch nicht besonders beachtet worden zu sein. Oder?

Übrigens hat der Krippenbefürworter Fthenakis seinen Sohn aus der Krippe genommen, nachdem er gesehen hat, wie er reagiert hat. http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2007/02/21/a0148

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Re: Ein Hoch auf die Fremdbetreuung der Jüngsten

Beitrag von amaria » Donnerstag 22. September 2016, 17:07

Krippengeld: Chance oder Scheck für Gutverdiener?

Liegt es daran, dass die Berufstätigkeit beider Eltern gesellschaftspolitisch gewollt ist oder sind unter Dreijährige in Krippen und Kitas derart gut aufgehoben, dass "nur" daheim betreute unter Dreijährige überwiegend Nachteile und nicht Vorteile gegenüber den in Krippen und Kitas betreuten Kleinkindern haben?

"Das ist ein guter Tag für die Kinder, weil die frühkindliche Bildung in den Mittelpunkt rückt", sagte SPD-Fraktionschef Ralf Stegner.
http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig ... g3080.html
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Re: Ein Hoch auf die Fremdbetreuung der Jüngsten

Beitrag von amaria » Dienstag 7. März 2017, 12:23

Hallo!

Hier ein Beitrag, der zwar nicht als "Hoch" auf die Fremdbetreuung der Jüngsten verstanden werden kann http://www.noz.de/deutschland-welt/familie/art ... 0&0&848137 , der aber als Kontrast zum ersten verlinkten Beitrag besonders nachdenklich stimmen könnte.

Und dann steht noch eine Frage unbeantwortet im Raum: Wo bleiben eigentlich die Beiträge von Erzieherinnen, die von der Krippenbetreuung oder der Betreuung der Kleinsten in altersgemischten Gruppen derart überzeugt sind, dass sie ihr eigenes Kind unbedingt möglichst früh und ziemlich lange in einer Krippe oder Kita betreuen lassen möchten?

Ein Hoch auf die Fremdbetreuung der Jüngsten ist kein richtiges Hoch, wenn das große Lob der Erzieherinnen ausbleibt.

Freundliche Grüße

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Re: Ein Hoch auf die Fremdbetreuung der Jüngsten

Beitrag von Lenina » Dienstag 7. März 2017, 14:01

Amaria, die lesen hier wohl ehee nicht miz..
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

amaria
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Re: Ein Hoch auf die Fremdbetreuung der Jüngsten

Beitrag von amaria » Dienstag 7. März 2017, 15:36

Lenina, das ist mir auch klar. Aber ist so ein Forum nicht eine wunderbare Möglichkeit unorthodox zu dokumentieren, dass diejenigen, die mit Bildung Geld verdienen, sich nicht darum kümmern, was Erzieherinnen bewegt?

Da ich besonders oft online bin, kann ich sagen, dass besonders schlimme Zustände eher nicht im Forum für lange Zeit nachzulesen sind. (Man kann sich per PN austauschen.) Sobald Eltern oder Angestellte des Trägers anhand von Fakten feststellen können, dass sich Klagen und Fragen auf die Zustände in ihrer "hoch gelobten Kita" beziehen, müssen Erzieherinnen diskret sein. Und wenn frustrierte oder wütende Erzieherinnen es nicht sind, werden sie von aktiven Vielschreibern darauf hingewiesen, dass sie im eigenen Interesse besser Schilderungen rausnehmen oder abändern. (Das geschieht dann auch meist.)

Solange hier nicht die frühe Betreuung von Kleinkindern in Krippen und Regelgruppen konkret, überzeugend und anschaulich gelobt wird, ist es realistisch, davon auszugehen, dass viele Erzieherinnen ein eigenes Kind weder besonders früh, noch besonders lange in einer Einrichtung betreuen lassen möchten.
Die Aachener-U3-Studie kam zu Ergebnissen, die meine Vermutung bestätigen. http://www.erzieherin.de/die-aachener-u3-studie.html
"Unter den aktuellen Bedingungen wären nur 45,1% der U3-Erzieherinnen ohne Bedenken bereit, ihr eigenes Kind bereits in diesem Alter in einer Kita betreuen zu lassen. Viele halten die Betreuung durch eine Tagesmutter in diesem Alter für besser."

Ein Hoch auf die Fremdbetreuung wäre es, wenn Erzieherinnen davon ünberzeugt wären, dass ihr Kind in der Gruppe eindeutig besser aufgehoben sei als bei ihnen oder Verwandten daheim.

Es ist doch nicht so, dass alle Mütter und Väter, die ihre Kinder länger selbst betreuen, ihren Kindern den Kontakt mit anderen Kindern vorenthalten würden!

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Re: Ein Hoch auf die Fremdbetreuung der Jüngsten

Beitrag von Lenina » Dienstag 7. März 2017, 22:56

Was ich jetzt aber doch mal schreiben muss:
Ich (als Krippengegner) bin im Moment eigentlich ganz zufrieden damit, dass mein 24-Monatiger Sohn in seine Kita geht.
Er geht wirklich gerne und es tut ihm auch gut.

Aber die Eingewöhung war trotzdem echt hart und schwer für uns. Da war er 18 Monate alt.

Ich muss aber auch sagen, dass diese Kita wirklich klasse ist. Sie gehlrt zu einer Freien Schule und Nicht-Direktivität schreibt sich dort ganz groß.
Der Personalschlüssel ist an guten Tagen hervorragend (2 Erzieher (mann/Frau), 1 AP, 1PIA, 1 Bufdi für zur Zeit max. 7 !Kinder. Augenommen werden können 10) und die Kinder haben durch eine Wohnungsähnliche Struktur viel Platz und Rückzugsmöglichkeiten. An zwei Tagen steht zusätzlich ein großer Raum zum Toben und Klettern zur Verfügung und in das kleine, aber für 10 Krippenkinder aureichend große Außengelände können sie jederzeit. Wirklich. Sie müssen nur sagen, dass sie raus wollen und werden angezogen.
Die Atmosphäre ist ruhig und von großer Achtung vor dem Kind geprägt. hier geschieht nichts gegen den Willen der Kinder und doch werden die paar Regeln, die es gibt, einfach eingehalten.

Er geht auch "nur" von 8:15 bis 12:45 hin, geöffnet ist auch nur bis 14 Uhr.

So möchte ich auch arbeiten. Man merkt die Zufriedenheit der Leute dort sofort. Ich bin sehr froh, dass ich diese Kita gefunden habe, als es aus finanziellem Müssen heraus notwendig wurde.
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

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