Wutbrief einer Lehrerin

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amaria
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Wutbrief einer Lehrerin

Beitrag von amaria »

Hallo!

In diesem Artikel wird über eine Grundschullehrerin berichtet, die sich in einem Brief an die Eltern ihrer Kinder gewandt hat.
http://www.mopo.de/nachrichten/grundsch ... tem,1.html

Die Zahl der Zuschriften zum Artikel steigt noch an.

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
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Kees_Kopf
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Re: Wutbrief einer Lehrerin

Beitrag von Kees_Kopf »

Wäre interessant zu hören, wie sich diese Sache entwickelt hat.

Die erste Reaktion die ich gelesen habe (und damit die letzte die gepostet wurde) weist darauf hin, dass "es Kinder sind..." und genau da liegt das Problem. Die Eltern sind in der Pflicht ihre Kinder einige Grundsätze des Benehmens beizubringen. Das ist keine Aufgabe der Schule, die kann (soll, darf, muss) höchstens darauf aufbauen.

Kees
Je suis Charlie!

Landra
Schnuppernase
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Re: Wutbrief einer Lehrerin

Beitrag von Landra »

Ich empfinde es generell eher als unpassend die Schuld immer anderen aufbinden zu wollen. Als gäbe es einen einzigen, der dafür verantwortlich ist, dass sich unsere Gesellschaft in dieser Weise entwickelt. Es ist nicht nur diese Schule, in der die Erstklässler sind wie sie sind. Man hört Ähnliches überall und das bereits in den Kindergärten. Es schürt aus meiner Sicht nur Unmut, der den Kindern nicht weiterhilft, wie es etwa ein Begreifen einer Erziehungspartnerschaft tun würde. Es ist zwar aus Deiner Sicht verständlich Kees, die ich auch nachvollziehen kann, zu sagen es soll darf muss höchstens auf den Grundsätzen des Benehmens aufgebaut werden. Doch stelle ich mir hier die Frage, wie ich denn überhaupt Einfluss nehmen soll auf gesellschaftliche Entwicklungen dieser Art? Der Schulunterricht reicht von 8 bis 16 Uhr. Wie sollte ich als Mutter denn die 5 Tage die Woche noch Einfluss nehmen auf mein Kind in dieser Zeit? Das Zuhause ist wie eine Kapsel eines Lebens der Vergangenheit oder auch der Gegenwart in einer anderen Art zu sein und das nur eine sehr kurze Zeit. Die meisten Eltern müssen oder arbeiten freiwillig bereits ab dem ersten Lebensjahr ihres Kindes und das bis zu Vollzeit.

Bild

An sich ist das wahr, wie in diesem Bild beschrieben. Aber wer hilft mir denn als Mutter? Wie stellst Du Dir das denn vor mit den Grundsätzen des Benehmens sie zu vermitteln in den Abendstunden und am Wochenende? Das Hauptleben findet nicht bei den Eltern statt. Manche Werte bilden sich erst in dem Zusammenleben mit der Gesellschaft, in Gesellschaft mit anderen. Genau jenes Zusammenleben findet in dem Kindergarten ab 1 Jahr, später dann in der Schule Raum. Hier ist bei beiden Einrichtungen nicht die Möglichkeit der Erziehung gegeben, mangels Vielem. Zudem herrscht weit die Meinung vor, dass dort die Erziehung auch gar nicht die Grundsätze des Benehmens vermitteln sollen. Für mich beißt sich hier die Katze in den Schwanz. Noch nicht einmal die Schule verweigern könnte ich rechtmäßig, würde ich die Meinung konsequent vertreten und durchziehen wollen die Bildung meiner Zöglinge selbst in die Hand zu nehmen durch Privatlehrer würde ich mir dies leisten wollen/können.
Zuletzt geändert von Landra am Dienstag 14. Februar 2017, 16:44, insgesamt 1-mal geändert.

Matushka
Schriftsteller
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Re: Wutbrief einer Lehrerin

Beitrag von Matushka »

Liebe Landra,

Ich moechte dir mal eben Mut machen, auch wenn mir selbst derzeit oft zum Heulen ist. Hoffentlich lehne ich mich dabei nicht mal wieder zu weit aus dem Fenster. :-)

Selbst wenn du Recht hast, dass der gesellschaftliche Strom unsere Kinder mitreisst -- teilweise korrumpiert -- so sind sie diesen Stroemungen dennoch nicht machtlos ausgesetzt. Denn sie haben das Glueck, Eltern zu haben, fuer die das Ziel echte bzw. zeitlose Werte zu vermitteln noch eine wirkliche Bedeutung hat.

Rufe dir ruhig immer wieder in Erinnerung, wie sehr deine Kinder von der Zeit, etc., die du ihnen widmest, profitieren. Die Basis, die ihr fuer eure Kinder als Familie legt, hat einen tiefen Wert. Sie ist sozusagen der Hafen, in den dein Sohn am Ende eines langen Tages noch viele Jahre lang zurueckkehren wird.

Auch, wenn sie auf diese Weise entgegen den Vorgaben des Zeitgeistes erzogen werden, so werden die Grundlagen der ersten Jahre sie ihr Leben lang begleiten. Und wer weiss, welchen Einfluss sie in 20 oder 30 Jahren noch auf ihre Umwelt haben werden? ;-)

Meine nun 14-Jaehrige hat vor drei Jahren darum gebettelt, zuhause unterrichtet zu werden. Fuer mich war das immer ein Schritt zu weit, obwohl es hier erlaubt waere. Inzwischen zahlen wir natuerlich den Preis dafuer, dass wir uns entschieden haben, sie dem Mainstream zu ueberlassen: Wenngleich sie im Vergleich zu anderen Jugendlichen immer noch sehr "unschuldig" rueberkommt, kommt definitiv ein Verhalten hinzu, das dem negativen Einfluss anderer Jugendlicher geschuldet ist (zumindest ist das meine Interpretation). Aber ich sehe auch, dass ihr Anderssein ihr viel Kraft gibt, die Widrigkeiten des pubertaeren Alltags zu umschiffen bzw. zu ueberstehen.

Mir ist klar, dass dieser Beitrag von einigen Mitmenschen leicht laecherlich gemacht werden koennte. Sowohl in Foren als auch in der Realitaet wird man schnell angegangen fuer das, was fuer Andere nicht als normal gilt. Das hat viel mit Kultur, aber oft (meistens?) auch etwas mit dem "persoenlichen Gleichgewicht" des einzelnen Mitmenschen zu tun. Und ich kann dir nicht wirklich etwas Handfestes raten, denn nach Jahren im Ausland hatte ich vor zehn Jahren in Deutschland unter aehnlichen Beobachtungen gelitten wie du...

Ich denke, du wirst dich auch weiterhin darauf einstellen muessen, dass die Realitaet sich etwas anders gestaltet als deine innigsten Wuensche fuer deine Kinder. Aber das ist okay. Du wirst bestimmt immer wieder kreative Wege finden, damit umzugehen! Manchmal kostet das viel Kraft, aber oft erwaechst eine Antwort auf die Frage "Was nun?" sich auch aus der Einzelsituation.

Das Foto, das du verlinkt hast, ist toll. Ein ganz aehnliches haben wir mit der Juengsten und unserer damaligen Curlie-Coat-Retriever-Dame! In einem anderen schlecken zwei Kleinkinder und ein Hund zusammen verschuettete Cerealien vom Fussboden. Igitt!! (Das eine Kleinkind war mein Neffe -- meine Schwester war zuerst entsetzt und dann entzueckt... :) ).

Ich gruesse herzlich zum Wochenanfang,

Edit: Vieles, was in der Schule vergurkt wird, kann zuhause aufgearbeitet werden. So koennen Sachverhalte, die in der Schule einen bestimmten Rahmen einnehmen, zuhause von den Eltern neu beleuchtet werden. Somit lernt das Kind zumindest, mehr als nur einem Blickwinkel zu trauen.

Sabine

Matushka
Schriftsteller
Beiträge: 997
Registriert: Freitag 5. Oktober 2012, 16:04

Re: Wutbrief einer Lehrerin

Beitrag von Matushka »

Hallo nochmal,

Nur bedingt in Zusammenhang mit der Ueberschrift des Threads -- oder doch nicht?

http://www.srf.ch/player/tv/sternstunde ... f9c1e00054

Interview mit Norbert Bolz. Ich mag den ja.

Fuer Landra vielleicht interessant ab der 24. Minute. ;-)

Gruss,

Sabine

Teforning
Beiträge: 9
Registriert: Mittwoch 1. Oktober 2014, 10:30

Re: Wutbrief einer Lehrerin

Beitrag von Teforning »

Ich beobachte auch schon lange das was diese Lehrerin anprangert.
Der schwarze Peter wird hier immer hin und her geschoben und niemand ist Schuld.
Ich denke, das Problem läßt sich nur durch die Zusammenarbeit aller lösen.Probleme in Schule/Kita müssen zuhause aufgearbeitet werden und auch die Eltern müssen Einfluss auf das Verhalten der Kinder nehmen.
Zunehmend ist es aber so, dass Eltern alles auf Schule schieben und nach Feierabend einfach keinen "Bock" mehr haben, den Kids Benehmen beizubringen.

Markus-David121292
Beiträge: 31
Registriert: Donnerstag 19. März 2015, 18:17

Re: Wutbrief einer Lehrerin

Beitrag von Markus-David121292 »

Hallo,

ich finde nicht die Schule ist für die Erziehung der Kinder verantwortlich sondern die Eltern.
Man kann nicht erwarten sein ungezogenes Kind in die Schule zu schicken und dann ein Musterkind wieder zu erhalten.
Wäre ja zu einfach.

Liebe Grüße :)

ellie1980
Beiträge: 9
Registriert: Samstag 23. Juli 2016, 06:02

Re: Wutbrief einer Lehrerin

Beitrag von ellie1980 »

Es ist nicht immer leicht, weder für die Eltern noch für die Lehrer. Ich kann das auch beobachten an meiner Tochter, die jetzt in die zweite Klasse kommt. Die Ansichten sind aber auch sehr verschieden, da ist es nicht immer leicht auf einen Nenner zu kommen

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