Kirche/Bildung/Gleichstellung alles nur eine Farce?

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Kirche/Bildung/Gleichstellung alles nur eine Farce?

Beitrag von Bildungsexperte » Montag 3. April 2017, 19:15

Guten Tag.

Liebe Eltern und andere Lesende.

Heute habe ich mal wieder ein Quell an Übel erleben dürfen, das ich gerne teilen möchte.

Ich bewerbe mich gerne und ziele dabei auf bestimmte Träger ab, um zu schauen ob diese Ihrer nach außen gezeigten Kompetenz, auch intern Leben.

Diesmal galt mein Augenmerk der katholischen Kirche im Rhein Main Gebiet.

Diese sucht "dringend" Erzieher.
Ich bewarb mich dort.
Als Antwort erhielt ich folgende Aussage.

Zitat:
Sehr geehrter Herr XXXXXX,

herzlichen Dank für die ausführliche und freundliche Antwort.

Die Frage nach der Konfession ist für unsere katholischen Einrichtungen eine sehr wichtige, da wir durch die sogenannte Grundordnung des kirchlichen Dienstes derzeit nur Personen mit christlicher Konfession beschäftigen können.

Es tut uns leid, dass wir Ihre Bewerbung daher nicht berücksichtigen können.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Bewerbungsphase und alles Gute.

Mit freundlichen Grüßen

XXXXX XXXXXX


Personalmarketing kath. Kitas Frankfurt

Dezernat Kinder, Jugend und Familie
Abteilung Kindertageseinrichtungen
Tituscorso 2B, 60439 Frankfurt a.M.

Tel.: (069) 13307790-15/-22
Fax: (069) 13307790-25

Mail: kita.personal.ffm@bistumlimburg.de

Zitat Ende ( BDSG daher keine Namen )


Ich schrieb zuvor:

Ich schrieb zuvor auf die Frage von denen, welcher Konfession ich angehöre:

Liebe Frau XXXXX,

ich lebe und beherzige den christlichen Glauben.
So habe ich an einer katholischen Schwestern Schule (meinen Erzieher und ) meine evangelische religionspädagogische Ausbildung absolviert und bin als gebürtiger Perser, abstammend, aus einer islamisch geprägten Gesellschaft.

Somit habe ich exzellente Einblicke in die Welt des Glaubens und bin hervorragend gebildet.
Multiprofessionelle Glaubenskenntnisse.
Ich war nie in einer Glaubensgemeinschaft und lehne dies auch ab. Da meine Kompetenz als Erzieher nichts mit dem Glauben, zumindest laut bundeseinheitlicher Ausbildungsverordnung, zu tun hat.

Wenn Sie an einem qualifizierten und christlich denkenden Menschen Interesse haben, um die Vielfalt in Ihren Einrichtungen auch aktiv zu leben, freue ich mich sehr, erneut von Ihnen zu lesen.

Mit vollster Hochachtung verbleibend

Zitat Ende.


Nun, die Kirche schreibt andauernd wie wichtig es sei, alle zu respektieren und alle sind gleichwertig, bla bla bla.
Aber nicht wenn man als Erzieher für die arbeiten möchte. Somit entzieht man nämlich den Kindern die Möglichkeit ganzheitlich Erfahrungen zu sammeln. Das wiederspricht klar dem Bildungsplan!
Den Vielfallt wird eben verhindert!
Für mich persönlich, ist die katholische Kirche ein Quell, fortwährender Diskriminierung und Scheinheiligkeit. Sie fordert Dinge die sie selbst nicht lebt und auch nicht zulässt. Prangert es aber gerne bei anderen an.

Die Kirche sucht dringend Erzieher, wobei der Beruf nichts mit der Kirche zu tun hat, fordert aber den Kirchenbeitrag und nimmt es daher billigend und vorsätzlich in Kauf, das Kinder nur bedingt betreut werden können, weil Erzieher nur mit katholischer Glaubensbekenntnis, dort arbeiten dürfen. Sorry, wie wichtig können dann demnach die Kinder der Kirche wirklich sein?

Hätte ich ein Kind, so wäre dies schon der Punkt, mein Kind aus der Einrichtung zu nehmen und/oder zumindest im Elternbeirat eine offizielle Stellungnahme zu verlangen welche Leute für die Einrichtung tätig sein dürfen und ob dies so richtig ist.
Aber das Geld, nehmen die Kirchen dennoch gerne von allen Personen, eben auch von denen die nicht in der Kirche sind. Fördergelder etc.

Eine so arge soziale Minderwertigkeit habe ich bis dato wahrlich nur dort erlebt.
Hoffentlich macht es keine Schule und sorgt vielmehr dafür dass die Qualität in den Einrichtungen signifikant leidet und es zur Reduktion solcher Einrichtungen kommt.
Ich bin ehrlich gesagt, stinksauer und habe immer mehr Groll gegen die Kirchen!
Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist

Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand.

Arthur Schopenhauer
(1788 - 1860), deutscher Philosoph

Adrasteia
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Re: Kirche/Bildung/Gleichstellung alles nur eine Farce?

Beitrag von Adrasteia » Montag 3. April 2017, 20:50

Das tut mir wirklich leid für dich.
Meine Erfahrung als Bewerberin als Erzieherin in einer katholischen Kita war anders.
Obwohl ich "nur" Atheistin bin (und zeitlebens war), hätte ich die Stelle haben können. Die Entscheidung, diese Stelle nicht anzunehmen, lag bei mir und hatte wenig mit der Religion aber viel mit tariflichen Gegebenheiten zu tun.

amaria
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Re: Kirche/Bildung/Gleichstellung alles nur eine Farce?

Beitrag von amaria » Montag 3. April 2017, 22:34

Bildungsexperte hat geschrieben:
Montag 3. April 2017, 19:15

Für mich persönlich, ist die katholische Kirche ein Quell, fortwährender Diskriminierung und Scheinheiligkeit. Sie fordert Dinge die sie selbst nicht lebt und auch nicht zulässt. Prangert es aber gerne bei anderen an.

Die Kirche sucht dringend Erzieher, wobei der Beruf nichts mit der Kirche zu tun hat, fordert aber den Kirchenbeitrag und nimmt es daher billigend und vorsätzlich in Kauf, das Kinder nur bedingt betreut werden können, weil Erzieher nur mit katholischer Glaubensbekenntnis, dort arbeiten dürfen. Sorry, wie wichtig können dann demnach die Kinder der Kirche wirklich sein?

Hätte ich ein Kind, so wäre dies schon der Punkt, mein Kind aus der Einrichtung zu nehmen und/oder zumindest im Elternbeirat eine offizielle Stellungnahme zu verlangen welche Leute für die Einrichtung tätig sein dürfen und ob dies so richtig ist.
Aber das Geld, nehmen die Kirchen dennoch gerne von allen Personen, eben auch von denen die nicht in der Kirche sind. Fördergelder etc.
Hallo!

Und außer der römisch-katholischen Kirche könnte man auch zahlreiche Erzieherinnen der Scheinfrömmigkeit bezichtigen. Sie tun so, als ob sie nach der engen Moral der katholischen Kirche leben würden, haben jedoch einen Partner mit dem sie zusammenleben, ohne verheiratet zu sein. Diejenigen, deren Liebster bereits geschieden ist, verheimlichen dies und eingeweihte Pfarrer tun so, als ob sie nichts wüssten. "Bitte leben Sie nur nicht mit Ihrem Freund direkt im Ort. Das würde Gerede geben".

Ich fände es gut, wenn die Kirche darauf verzichten würde, so zu tun, als ob sie von ihren ledigen Angestellten Keuchheit bis zur Eheschließung erwarten würde. Vermutlich arbeiten bei der Kirche mehr junge Menschen, die selbstverständlich nicht so leben, wie es formal von der Kirche erwartet wird. Es kann doch nicht richtig sein, dass die Kirche - zum Beispiel im vom Katholizismus geprägten Rheinland - ihre potentiellen Angestellten dazu animiert, in ihrem Sinne unaufrichtig zu sein. Es wäre ein Fortschritt, wenn die Kirche aus freien Stücken endlich einmal auf Macht verzichten würde.

Schlimm finde ich es auch, dass die Kirche sich den gesellschaftlichen Erwartungen an moderne Krippen und Kitas anbiedert, Einrichtungen als "Familienzentren" zertifizieren lässt und Gelder für den Krippenausbau und 24-Stunden-Kitas gern annimmt. Solange die Kinderbetreuung der Kleinsten unter ziemlich miesen Bedingungen stattfinden muss, hätte die Kirche ruhig mal "ohne uns" sagen können. Aber die 24-Stunden-Kitas - die die Eltern eher nicht wünschen, sind wohl gerade deshalb so genehm, weil katholische Krankenhäuser und Heime ihr Personal dank der 24-Stunden-Kitas besser im Nachtdienst einsetzen können.

Als ich zuletzt wegen eines pfarramtlichen Zeugnisses zum Pfarrer hätte gehen sollen, habe ich ihm gesagt, dass ich aus triftigen persönlichen Gründen nicht kommen könne, aber Zeit für einen Hausbesuch hätte. Ich hätte die Stelle sausen lassen, wenn er darauf bestanden hätte, dass ich persönlich vorbei komme. Das Telefonat dann war recht oberflächlich. Der Pfarrer vermied brisante Themen und informierte mich dahingehend, dass die meisten bei Kirchenbesuch "gelegentlich" angeben würden. Da dies in meinem Fall auch die zutreffende Antwort war, konnte ich die Stelle haben.

Immer wenn ich bei der Kirche gearbeitet habe, habe ich mir gedacht, wie gut es doch ist, dass Erzieherinnen Kinder religiös nicht indoktriniert haben.

Besonders wichtig scheint es mittlerweile einigen Eltern zu sein, dass ihr Kind in einen konfessionellen Kindergarten geht. Sie möchten im Falle eines Streiks davon profitieren, dass evangelische und katholische Erzieher/innen nicht wie die Erzieherinnen anderer Träger streiken dürfen.

Vieles ist tatsächlich eine Farce - und es kann sein, dass dein nächstes Bewerbungsgespräch bei der Kirche erfolgreich ist, sofern man dich unbedingt haben will und dir deshalb nur unverfängliche Fragen gestellt werden.

Gern lese ich Berichte über weitere Vorstellungsgespräche.

Freundliche Grüße

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

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