Heim verbietet als Strafe den Umgang mit den Eltern

Hier können Eltern ganz allgemein Fragen stellen...
Antworten
saradarfdas
Beiträge: 1
Registriert: Dienstag 8. September 2015, 19:07

Heim verbietet als Strafe den Umgang mit den Eltern

Beitrag von saradarfdas »

Hallo,
ich bin mir sehr unsicher was die rechtliche Lage dazu sagt und finde leider auch nichts weiteres dazu. Evtl. kann jemand helfen.
Und zwar geht es darum, dass meine Schwester( wird im Oktober 17 ) im Mutter-Kind-Heim ist und ihre Tochter Ende Oktober Anfang November zu Welt kommt. Die Gründe für ihren Aufenthalt dort sind sehr viele und sehr unterschiedliche. Allerdings haben wir immer noch regelmäßigen Kontakt zu ihr und versuchen alles um ihr zu helfen im Hinblick auf ihre neue Rolle. Leider läuft es in diesem Heim nicht ganz rund meiner Meinung nach. Die angeblich pädagogischen Maßnahmen die dort angewandt werden halte ich mittlerweile als eine Art Mobbing. Es wird bestätigt dass sie ihre Aufgaben immer erfüllt und sich an die Regeln hält. Allerdings fallen dennoch Strafen an für z.B. keine Kontaktaufnahme zu den anderen Bewohnerinnen. Deswegen wurde ihr das Handy abgenommen über mehrere Tage hinweg. ( Die Regel ist 2 mal am Tag für 2 Std das Handy haben zu dürfen) Nachdem sie den Kontakt zu den anderen suchte in dem sie in die Spielgruppe des Hauses ging hieß es dann von der Betreuuerin sie haben hier nichts zu suchen da sie ja noch gar kein Kind hat und wurde weggeschickt. Ihr Handy wurde ihr weiterhin entzogen mit den Worten " du suchst ja immer noch keinen Kontakt ".
Jetzt wurde meinem Vater am Telefon mitgeteilt, dass meine Schwester nicht übers Wochenende nach hause darf, da sie zwei Aufgaben nicht erledigt hatte. Der genaue Wortlaut war " Ein Umgangsverbot". Allerdings haben meine Eltern immer noch das Sorgerecht für meine Schwester. Ich bin der Meinung dass das nicht rechtens ist. Zwar bin ich Erzieherin aber auch gerade erst fertig geworden, habe aber nicht viel Ahnung im Bereich der Heimerziehung.
Auch die Tatsache das wir Anträge stellen müssen um das Baby sehen zu dürfen und wir es auch nicht z.B über Weihnachten zuhause haben zu dürfen lässt mich enorm stocken.
Evtl. kann mir jemand etwas Genaueres sagen, am Montag findet ein Gespräch statt bei dem ich gerne etwas gewappneter rein gehen würde.


Ich weiss das ist ziemlich viel auf einmal aber schon mal Danke im Vorraus.

Sara

Adrasteia
Besucher
Beiträge: 149
Registriert: Mittwoch 8. April 2015, 14:41

Re: Heim verbietet als Strafe den Umgang mit den Eltern

Beitrag von Adrasteia »

Wer hat das Aufenthaltsbestimmungsrecbt für deine Schwester?
Warum ist sie in diesem Heim?
Wie steht es mit dem Verhalten und der Wahrnehmung und Reflexion deiner Schwester?
Ist das alles so oder fühlt sie sich nur ungerecht und unfair behandelt?

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es nicht rechtens ist, wenn das Heim den Umgang verbietet/unterbindet.
Schließlich werden damit auch die Eltern/Angehörigen bestraft, die selbstverständlich ein Recht auf Umgang haben.
Ich würde das Kindesentziehung nennen und mich beim Jugendamt erkundigen, welche Regelungen rechtens sind und welche nicht.
Vielleicht aber würde ich mich zuvor noch bei einem Fachanwalt für Familien- und Sozialrecht informieren damit ich nicht über den Tisch gezogen werde.
Das habe ich auf die sehr harte Tour lernen müssen: immer schön über die eigenen Rechte informieren.

Zenobia
Schriftsteller
Beiträge: 669
Registriert: Montag 27. April 2009, 21:20
Wohnort: Berlin

Re: Heim verbietet als Strafe den Umgang mit den Eltern

Beitrag von Zenobia »

Das ist hier genauso, wie in einer psychiatrischen Klinik. Dort kann auch der Umgang mit der Familie zum Wohle der Patientin für gewisse Zeit untersagt werden. Ich halte dieses Vorgehen für rechtens. Und ein Handy-Entzug ist sicherlich auch angebracht.

Wir wissen doch gar nichts über die Umstände, die zu einem Heimaufenthalt geführt haben.

Hier kann man/frau nur Vertrauen haben zu den Heimerziehern. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht liegt sicherlich beim Jugendamt. Und das ist sicherlich auch sinnvoll.

Adrasteia
Besucher
Beiträge: 149
Registriert: Mittwoch 8. April 2015, 14:41

Re: Heim verbietet als Strafe den Umgang mit den Eltern

Beitrag von Adrasteia »

Ein Mutter-Kind-Heim ist aber keine psychiatrische Klinik und auch keine sonstige geschlossene Unterbringung.
Es ist kein Knast, bei dem Freigang gewährt oder versagt wird.
Es ist eine Einrichtung, in der junge Frauen fit fürs Leben mit Kind gemacht werden sollen. Dazu gehört auch der Umgang mit dem normalen sozialen Umfeld.

Die Eltern haben das Sorgerecht und das Umgangsrecht. Das kann ihnen nur gerichtlich entzogen werden und nicht infolge von willkürlichen Entscheidungen irgendwelcher pädagogischer Fachkräfte. (ich muss mich echt beherrschen, das nicht in Anführungszeichen zu schreiben)
Und das gleiche gilt auch für den Säugling, für den höchstwahrscheinlich auch die Eltern des Mädchens das Sorgerecht haben werden.

Nicht umsonst fragte ich nach dem Aufenthaltsbestimmungsrecht.
Die nächste Frage ist übrigens die Frage nach der Gesundheitsfürsorge, die auch Bestandteil des Sorgerechts ist.


Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr würde ich wohl eine saftige Beschwerde über Kindesentziehung ins Auge fassen.
Sowohl beim Träger des Heimes als auch beim Kostenträger, in dem Fall vermutlich das Jugendamt.
Ich könnte kein Vertrauen haben zu Leuten, die den regelmäßigen WE-Kontakt zu meinem Kind aufgrund von nichtigen Gründen; hier: "Umgangsverbot(!!!) wegen zwei (!) nicht erledigten Aufgaben"; verhindern wollen und mir das lapidar am Telefon mitteilen.

Es gibt üblicherweise Hilfeplangespräche, in diesen gehört durchaus auch der Umgang mit Regeln und Konsequenzen besprochen. Umgangsverbot ist keine angemessene Konsequenz weil der Umgang zwischen Eltern und Kind elementar ist und von Kinder-und Jugendhilfeeinrichtungen unterstützt und gefördert werden soll.

Sewerus
Besucher
Beiträge: 100
Registriert: Sonntag 22. September 2013, 16:30
Wohnort: Flensburg

Re: Heim verbietet als Strafe den Umgang mit den Eltern

Beitrag von Sewerus »

Hallo,

Ich kann mich da Adrasteia nur anschließen.
Ein Umgangsverbot kann ein Mutter-Kin-Heim oder auch eine Einrichtung der Kinder-und Jugendhilfe nicht einfach so aussprechen.
Die Elternarbeit ist ein zentraler Punkt in den Konzepten all jener Einrichtungen. Eine Wochenendheimfahrt, die z.B. in einem Hilfeplan alle 2 Wochen festgelegt wurde kann zwar in sehr ernsten Fällen und in Rücksprache mit den Eltern beschlossen werden, aber auch eigentlich nicht ohne dass die Einrichtung mit dem Jugendamt dieses abgeklärt hat. (was in diesem Fall durchaus möglich sein kann)
Sollte diese Einrichtung öfter solche im Hilfeplan festgelegten Besuchskontakte unterbinden sollten die Personensorgeberechtigten auf jeden Fall den/die Sachbearbeiter/in des zuständigen Jugendamtes informieren und ein Gespräch mit allen Beteiligten einfordern, um die Situation zu klären und die weitere Hilfe zu planen. Dies gilt auch, wenn sich ein junger Mensch in seiner Einrichtung nicht wohl fühlt.

LG
Sewerus

Antworten

Zurück zu „Fragen und Antworten“