Möglichkeit ein fremdes Kind zu helfen.

Hier können Eltern ganz allgemein Fragen stellen...
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Aeroplex
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Möglichkeit ein fremdes Kind zu helfen.

Beitrag von Aeroplex »

Hallo,

ich bin Student 24 Jahre alt, habe keine Kinder und war bis vor kurzem eher an alles andere interessiert als um das Wohl eines Kindes.

Ich lernte im Sommer Leon zufällig über das Internet kennen. Er ist 13 Jahre alt und hat 2 Tage nach mir Geburtstag. Es muss am gleichen Sternzeichen liegen, den obwohl uns 11 Jahre Altersunterschied trennen haben wir uns auf Anhieb gut verstanden und über ein paar ganz banalen Dinge wie Fußball, Hobbies usw. uns unterhalten.
Irgendwann hat er mir erzählt, dass er manchmal von zu Hause wegläuft, dass seine Eltern sehr streng zu ihn sind und er sich einfach nicht wohl fühlt zu Hause.
Ich dachte da noch nicht daran, dass es so schlimm ist und habe für normale Probleme in der Pubertät angesehen. Ich gab ihn vorsichtshalber dennoch meine Nummer.

Im Sommer hatte ich überhaupt kein Lebenszeichen von ihn obwohl Leon sich melden wollte. Ich hatte selbst auch beruflich sehr viel zu tun.
Später erfuhr ich, dass er 3 Wochen Hausarrest hatte, kein Handy benutzen durfte und PC sowieso nicht. In das Zeltlager wo er so gerne hingegangen wäre, durfte er auch nicht.

Kurz nach dem Sommerferien, erreichte mich eines Mittwoch der Anruf, er sei draußen in der Stadt und möchte nicht nach Hause.
Ich habe am Telefon nicht weiter nachgefragt und bin kurzerhand zu ihn hingefahren. Es war schon dunkel und ziemlich kalt draußen.
Nachdem ich ihn was zu Essen und Trinken gekauft habe, haben wir uns ziemlich lange unterhalten. Er hat mir daraufhin sehr viel von sich erzählt.

- Er wurde von seinen Eltern geschlagen
- Er wurde verbal und psychisch misshandelt und seine Eltern geben ihn die Schuld, dass sie sehr jung schon Eltern geworden sind (mit 17 und 18)
- Er ist mit 10/11 schon mehr als 10 Mal von zu Hause weggelaufen zum Teil mit dem Zug in eine andere Stadt und dann durch die Polizei wieder zurückgebracht worden.
- Er war bisher in 2 Pflegefamilien, aber die waren nicht besser, weshalb er wieder bei seinen Eltern lebt

Er hat mir auch von seiner Zukunft und Träumen erzählt, dass er gerne mal Abitur machen würde und etwas Richtiges erreichen möchte (Jurist, Arzt oder Pilot). Er sei nur wegen Mathe auf die Realschule gewechselt. Innerlich stand ich da schon ziemlich dem Tränen Nahe :schnief: Ich hab zu ihn dann noch in die Nähe seines Wohnortes gefahren. Er ist wie ich später erfuhr, natürlich nicht nach Hause gegangen und hat in einer Hütte übernachtet.

Am Donnerstag wollte er wohl wieder nicht nach Hause und wurde in eine Pflegefamilie untergebracht. Er rief mich aus der Pflegefamilie aus am Freitag an und wollte am Freitag Nachmittag etwas mit mir unternehmen. Das allererste was ich sah waren seine Klamotten. Er trug seit Mittwoch immer noch die gleichen Klamotten, also schon 3 Tage lang. Seine Schuhe (billigster Schrott), die er noch von der 2. Pflegefamilie bekommen hatte, waren auch schon löchrig und kaputt. Ich bin mit ihn dann zu C&A gegangen und hab mit ihn erst einmal die wichtigsten Dinge gekauft (1 Jacke, 2 Pullis, 3 Shirts, 2 Boxershorts, 3 paar Socken, 1 paar Schuhe). Diese Dankbarkeit und Freude in seinen Augen ist mit Geld nicht zu bezahlen.

Ich bin am darauffolgenden Samstag und Sonntag ebenfalls zu ihn hingefahren und habe mit ihn wirklich viel unternommen. Wir sind in ein Flugzeugmuseum gegangen mit Flugsimulator, haben uns einen Tretboot gemietet oder waren Pizza in einem Restaurant essen. Nichts besonderes eigentlich, später hat er mir erzählt, dass er schon Jahrelang nicht mehr im Restaurant war und dass es das schönste Wochenende in seinem Leben war und sich noch nie Jemand so um ihn gekümmert hat.

Ich lernte die 3. Pflegemutter auch bei einem Kaffee kennen, weil Sie sich gewundert hat, wen Leon tagtäglich anruft. Sie hat gesagt, dass Sie zumindest das Jugendamt informieren muss, wenn ich Leon weiterhin treffen möchte. Also ich habe keinen Problem damit mich ehrenamtlich um Leon zu kümmern und mich zu engagieren.

Jedoch könnten eventuell seine Eltern etwas dagegen haben, weil Sie noch das Sorgerecht haben. Leon hat regelrecht Angst davor, dass das Jugendamt oder seine Eltern den Kontakt zu mir verbieten würden. Ich kann die Gedanken verstehen, wir leben ja in einer sehr hysterischen Gesellschaft und eigentlich ist es überhaupt nicht meine Sache. Ich bin weder verwandt, noch kenne ich Leon lange. Aber ich bin so schnell zu seinen Bezugspunkt geworden, dass ich selber Hilfe brauche und mich hier an euch wende.

Ich kann nicht allen Kindern helfen, denen es schlecht geht. Aber ich möchte Leon helfen, damit er die gleichen Chance wie andere Kinder auch hat und später einmal seine Träume erreichen kann.

Also wie gehe ich am Besten an die Sache ran? Ich habe ein kurzes Beratungsgespräch bei meiner örtlichen Jugendhilfe gehabt und ihnen über Leon erzählt. Die haben schon die Hände übers Kopf geschlagen weil ich Leon Sachen zum Anziehen gekauft habe und Geld für ein fremdes Kind ausgegeben habe. Hätte ich es nicht gemacht, dann wäre er mind. 4 Tage lang in den gleichen Sachen rumgelaufen.

Man hat mir dringend empfohlen mich vor weitere Treffen mit Leon, mich mit dem zuständigen Mitarbeiter vom dortigen Jugendamt in Verbindung zu setzen. Das mache ich gerne.
Was mache ich jedoch, wenn das Jugendamt sagt, wir brauchen deine Hilfe nicht? Was mache ich wenn seine Eltern den Kontakt verbieten? Ich habe Angst, dass Leon sich dann etwas antut.

Ich denke, ich bin einfach so schnell in die Situtation hineingekommen und zum Fixpunkt von Leon geworden, dass ich Selbst eure Hilfe benötige. :)

Es tut mir Leid, dass der Text etwas lang geworden ist. Aber eine Sachen hat mich dann wirklich doch zum weinen gebracht und mir laufen jetzt schon wieder fast die Tränen.
Ich habe in Leons Tasche zwar Sportsachen gesehen aber keine Sportschuhe. Auf meine Frage hin, sagte er dann, dass er gerade barfüßig in der Halle rumläuft weil seine alten Sportschuhe Größe 36 haben. Er trägt mittlerweile 38/39.

Tobias84
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Re: Möglichkeit ein fremdes Kind zu helfen.

Beitrag von Tobias84 »

Hallo Aeroplex,

Ich finde es gut, dass du um ein fremdes Kind sorgst und für Leon da sein willst. Allerdings würde ich dir dringend raten, das auf einem offiziellen Weg zu machen. Dir kann sonst wer weiß was unterstellt werden. Die sinnvollste Möglichkeit wäre eine Aktivpatenschaft, dann kannst du ihn nach einem kleinen Kurs (1-2 Abende) ganz offiziell ehrenamtlich einmal die Woche für ein paar Stunden sehen und ihr könnt was Schönes miteinander unternehmen. In einer Studentenstadt müsstest du da eigentlich einen Träger für finden können - das Einverständnis der Sorgeberechtigen brauchst du aber auf jeden Fall, sonst wirst du am Ende noch wegen Entführung angezeigt.

Aeroplex
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Re: Möglichkeit ein fremdes Kind zu helfen.

Beitrag von Aeroplex »

Tobias84 hat geschrieben:Hallo Aeroplex,

Ich finde es gut, dass du um ein fremdes Kind sorgst und für Leon da sein willst. Allerdings würde ich dir dringend raten, das auf einem offiziellen Weg zu machen. Dir kann sonst wer weiß was unterstellt werden. Die sinnvollste Möglichkeit wäre eine Aktivpatenschaft, dann kannst du ihn nach einem kleinen Kurs (1-2 Abende) ganz offiziell ehrenamtlich einmal die Woche für ein paar Stunden sehen und ihr könnt was Schönes miteinander unternehmen. In einer Studentenstadt müsstest du da eigentlich einen Träger für finden können - das Einverständnis der Sorgeberechtigen brauchst du aber auf jeden Fall, sonst wirst du am Ende noch wegen Entführung angezeigt.
Er wohnt leider nicht in der gleichen Stadt wie ich und so etwas gibt es dort in dem Landkreis meiner Meinung nach nicht.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass seine Eltern etwas dagegen haben. Leon sagte mir "Sie würde mir niemals etwas gönnen".
Ich rede gerne aber mit dem Jugendamt, dass ist kein Problem.

Zenobia
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Re: Möglichkeit ein fremdes Kind zu helfen.

Beitrag von Zenobia »

Die Geschichte hört sich nach einer Phantasiegeschichte an. So naiv kann ein Erwachsener doch wohl nicht mehr sein...........

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AlexNr10
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Re: Möglichkeit ein fremdes Kind zu helfen.

Beitrag von AlexNr10 »

Also die Kontaktaufnahme mit dem Jugendamt, dass für Leon zuständig ist, wäre auf jedenfall der erste wichtige Schritt.
Da er mehrfalch in Pflegefamilien war, wird er dort ja sicherlich bekannt sein.

Solange du nicht über offizielle Wege gehst, wie bereits geschrieben wurde, bewegst du dich da auf enorm dünnem Eis.
Einige Jugendämter geben auch gerne Auskunft, was man in so einer Situation machen kann, ich denke dort wirst du eine informiertere Antwort bekommen als hier im Forum.
Kontaktadressen finden sich über Google recht schnell.

Viel Erfolg!

Gruß,
Alex.

rumpelstilzchen
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Re: Möglichkeit ein fremdes Kind zu helfen.

Beitrag von rumpelstilzchen »

Zenobia hat geschrieben:Die Geschichte hört sich nach einer Phantasiegeschichte an. So naiv kann ein Erwachsener doch wohl nicht mehr sein...........
Das habe ich auch gedacht.


Leon hat ein Recht auf Umgang mit Personen, die ihm gut tun. Das steht sogar im Gesetzbuch.
Und warum geht er nicht ein Jugendheim, anstatt der zigsten pflegefamilie (die man auch vorher kennenlernen könnte in so einem Fall ).

Und bzgl der Schuhe und Klamotten? Schon mal gefragt, wieso er keine hat? Mit der pflegefamilie drüber gesprochen?


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Aeroplex
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Re: Möglichkeit ein fremdes Kind zu helfen.

Beitrag von Aeroplex »

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Aeroplex
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Re: Möglichkeit ein fremdes Kind zu helfen.

Beitrag von Aeroplex »

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Aeroplex
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Re: Möglichkeit ein fremdes Kind zu helfen.

Beitrag von Aeroplex »

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Aeroplex
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Re: Möglichkeit ein fremdes Kind zu helfen.

Beitrag von Aeroplex »

Zenobia hat geschrieben:Die Geschichte hört sich nach einer Phantasiegeschichte an. So naiv kann ein Erwachsener doch wohl nicht mehr sein...........
Ich wünschte auch, dass es eine Phantasiegeschichte wäre. Aber leider ist es nicht so und die Geschichte ist echt. Oder meinst du etwa die Geschichte, dass er von zu Hause weggelaufen ist und die Polizei ihn gesucht haben?
Und bzgl der Schuhe und Klamotten? Schon mal gefragt, wieso er keine hat? Mit der pflegefamilie drüber gesprochen?
Ich glaube der Platz in einem Heim kostet so um die 3500 bis 5000 Euro im Monat. Eine Pflegefamilie lediglich bis zu 1000 Euro im Monat. Ich kenne die Entscheidungen dahinter aber wirklich nicht und denke, dass Leon sich gewünscht hat in eine Pflegefamilie zu kommen. Mit der 3. ist er ganz zufrieden.

Man wollte Klamotten bei seinen Eltern holen, jedoch erst am Wochenende. Dann wäre er 4-5 Tage in den gleichen Sachen rumgelaufen.

Johanna2
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Re: Möglichkeit ein fremdes Kind zu helfen.

Beitrag von Johanna2 »

Eigentlich bringt man Kindern doch bei, genau das nicht zu tun:
Sich mit einem Fremden aus dem Internet zu treffen. Da kann ich es schon verstehen, wenn andere dies nicht gutheißen und nicht auch noch bestärken.

Johanna

Kanna
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Re: Möglichkeit ein fremdes Kind zu helfen.

Beitrag von Kanna »

Man kann immer helfen

Kleine Maus
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Re: Möglichkeit ein fremdes Kind zu helfen.

Beitrag von Kleine Maus »

Ich würde mich auch an das Jugendamt wenden, vielleicht kannst du dich als Pflegevater anbieten.

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