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Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Freitag 25. April 2014, 08:16
von amaria
Hallo!

In Israel soll Kindergartenkindern nach Plänen aus dem Bildungsministerium bereits "altersentsprechend" Wissen über den Holocaust vermittelt werden.
http://www.bild.de/bildlive/2014/18-isr ... .bild.html

Fraglich ist, inwieweit die Planer im israelischen Bildungsministerium Erfahrungen im Umgang mit Kindergartenkindern haben.

amaria

http://www.bild.de/bildlive/2014/18-isr ... .bild.html

Re: Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Freitag 25. April 2014, 21:52
von ferdinandel
in israel sind ganz andere verhältnisse als in der brd.

die kinder leben alle in extremen situationen kennen krieg, kennen bombenexplosionen, kennen nächte in bunkern, kennen sirenen, kennen alles von kindesbeinen an. warum also nicht vom zweiten weltkrieg ???

shalom

Re: Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Samstag 26. April 2014, 09:15
von Zenobia
Meine eigenen Kinder waren fünfte und sechste Klasse, als ich ihnen Bilder vom Holocaust und Hintergrundinformationen dazu gegeben habe. Die Lehrerinnen fanden es schockierend. Mir war es sehr wichtig. Meine Kinder haben es gut aufgenommen.

Ich stimme ferdinandel zu. Für Juden und Israelis ist es richtig und wichtig, bereits im Kindergarten dieses Wissen zu vermitteln. Es ist Teil ihrer Identität. Wie will man/frau denn erklären, wo all die Familien geblieben sind? Oder was es bedeutet, Mensch zu sein/zu werden?

Nie wieder Krieg! Nie wieder Holocaust!

Re: Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Dienstag 16. September 2014, 19:01
von Kees_Kopf
Es gibt eine Reihe von Stufen mit denen man über den Shoah mit Kinder reden kann und sollte.

Für Kindergartenkinder wäre das, wenn das Thema ausgrenzung bzw. Ausländerfeindlichkeit zur Sprache kommt die Feststellung, dass es in Deutschland eine Zeit gegeben hat, wo Menschen meinten das andere Menschen minderwertig waren, nur weil sie eine bestimmte Religionsgemeinschaft angehörten und das deswegen viele dieser Menschen gefangen und in Lager gesteckt wurden. Bilder der Insassenen der Lager sowie die genaue Schilderung ist überflüssig. Es ist aber unabdingbar, dass man klar macht das so etwas nie wieder passieren darf und das man deswegen dagegen ist wenn jemand wegen seiner Herkunft oder Religion ausgegrenzt wird.

Kees

Re: Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Dienstag 16. September 2014, 19:31
von Matushka
Kees_Kopf hat geschrieben:Es ist aber unabdingbar, dass man klar macht das so etwas nie wieder passieren darf und das man deswegen dagegen ist wenn jemand wegen seiner Herkunft oder Religion ausgegrenzt wird.
:daumen: :daumen: :daumen:

Tausendmal :daumen:

Sabine

Re: Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Dienstag 16. September 2014, 19:33
von Juliala
Hallo,

eines meiner Kinder wusste im Kindergartenalter schon wer Hitler war und dass dieser Menschen quälte. Irgendwo schnappte mein Kind mit fünf Jahren diesen Namen auf, fragte nach und wir redeten darüber kindgerecht.
Bilder oder Fernsehberichte zeigten wir natürlich noch nicht.
Ich wusste aus den Erzählungen meiner Oma ebenfalls recht früh, wer Hitler war und was dieser Mensch für Unheil gebracht hat. Der Bruder meiner Oma war mit einer Jüdin verheiratet und sie flohen nach Amerika.
Schon alleine deshalb war das Thema immer wieder präsent.
Ich selbst hatte dieses Thema ab der 5.Klasse immer wieder im Unterricht und war tief betroffen. Mit 14 Jahren sah ich die Fernsehserie "Ein Stück Himmel" und konnte nicht bis zur letzten Folge schauen, so sehr hat mich dieses Thema mitgenommen. Ich war zutiefst erschüttert und konnte gar nicht mehr aufhören zu weinen.

Das Thema wird heutzutage viel zu selten thematisiert. Mein Kind hatte dieses Thema erstmalig in der 9. oder 10. Klasse.....viel zu spät.
In der Familie war es wie gesagt seit Kindergartenalter immer wieder Thema und ab ca. 12 Jahren wollte mein Kind mehr darüber erfahren, sozusagen in die Tiefe gehen. Er schaute sich Berichte und historische Aufnahmen im Fernsehen an und las Bücher zum Thema. Ich war wirklich hin-und hergerissen deshalb, vor allem bei den Fernsehaufnahmen, weil es einfach absolut grausam ist, aber ich denke auch : NIE WIEDER KRIEG! NIE WIEDER HOLCAUST!
Die tiefe Betroffenheit müssen wir bei Kindern zulassen. Sie gehört dazu, um zu begreifen, was damals passiert ist und dass so etwas NIE WIEDER passieren darf.
Natürlich alles altersentsprechend aufbereitet und begleitet.

Julia

Re: Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Mittwoch 17. September 2014, 14:28
von Matushka
Hallo,

Es bleibt wohl kaum jemandem etwas anderes uebrig, als bei einem uebermaechtigen Thema wie diesem vom persoenlichen Standpunkt auszugehen.

In meiner Familie war es mein Vater, den das Thema immer wieder umtrieb.

So lernte auch ich schon vor der Schule, dass Hitler ueber alle Massen boese war. Dass die Geschichte unseres Landes mit Schuld beladen war.

In der dritten oder vierten Klasse sann ich ueber das Wort "Kriegsverbrecher" nach, das im Unterricht aufgetaucht war (ich frage mich heute, in welchem Zusammenhang das geschehen sein koennte). Den Lehrer fragte ich, ob nicht jeder Soldat automatisch ein Kriegsverbrecher war. Daran erinnere ich mich so gut -- es erschien mir sehr logisch. Leider erinnere ich mich nicht mehr an die Antwort.

Meine Jugend war u.A. von "Warum?"-Postern und den schrecklichen Bildern des Holocaust gepraegt. Noch im Zuge meiner auf Paedagogik ausgerichteten Ausbildung lernte ich "den Feind" kennen. ;-) Nun lebe ich hier.

Meine Kinder haben sich fruehzeitig mit der Thematik des Holocaust und seiner Folgen auseinander gesetzt. Ihre blosse Existenz ist, obwohl ihnen das in jungen Jahren natuerlich nicht klar war, eine Folge der Besatzung durch die alliierten Truppen. Meine Tochter schreibt heute darueber ihre Abschlussarbeit. Das Thema wirkt nach und nimmt in jeder neuen Generation neue Formen an.

Die jeweiligen Freundes- und Wirkungskreise meiner Kinder sind -- seit jeher -- bunt und international. Geschafft! :freu:

Aber wir sind noch nicht durch mit der Thematik! Keiner von uns ist das.

Themawechsel.

Oder nicht?

Heute lese ich im online Spiegel den Austausch des Autoren der "Im Zweifel Links"-Kolumne mit einer jungen Deutsch-Aegypterin.
Herr Augstein, Sie irren, wenn Sie von ein paar Leuten in Wuppertal sprechen: Diese Jungs sind auch in Düsseldorf angekommen. Genauer gesagt: in Düsseldorf-Oberbilk. Ich persönlich wurde von dreien von Ihnen angesprochen mit den Worten: "Schwester, worauf wartest du? Warum trägst du kein Kopftuch? Du bist doch auch Muslimin. Schämst du dich nicht so herumzulaufen?"
Zu meinem Outfit: Ich trug dunkelblaue Chinos, ein buntes Shirt, darüber einen langärmligen, langen Cardigan und Ballerinas. Außerdem kamen mir die Männer körperlich sehr nah: Ich wurde regelrecht umzingelt.
Ich lese Augsteins Antwort. Sie ist beschwichtigend, abwiegelnd, verallgemeinernd.

Mir dreht sich wirklich der Magen um. Er schreibt (absichtlich?) an der Realitaet der jungen Frau vorbei. Ist das nun nur ein persoenlicher Mangel an Empathie? http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 91888.html

Wo bleibt der Aufschrei? Wie passt die m.E. beschaemend lasche Reaktion, z.B. Augsteins, zu den "Nie wieder"-Rufen???

Waehrenddessen werden uebrigens auch im Irak und der umliegenden Gegend die seit Jahrtausenden dort lebenden Urchristen -- neben anderen ansaessigen Minderheiten -- systematisch ausgerottet. Der westlichen Welt geht das scheinbar am Allerwertesten vorbei.

Wie gesagt -- es ist immer eine Sache der Perspektive.

Meine ist mir sicherlich leicht vorzuwerfen. Aber ich habe sie mir ehrlich, ueber leidvolle und frohe langjaehrige Erfahrungen hinweg, Stueck fuer Stueck selbst erworben. Deshalb ist sie ebenso gueltig wie die naechste Perspektive.

Uebrigens: Der duemmste Spruch einer Debatte, den ich seit Jahren immer wieder lese: "Die/den kann ich nicht ernst nehmen". Soviel Naivitaet -- verpackt in soviel Arroganz! :c090: Man muss (fast) alles ernst nehmen -- besonders das, was man nicht versteht, ...weil es z.B. ausserhalb unseres Vorstellungsvermoegens liegt.

Wissen wir das denn nicht???

Meine emphatische Antwort: Ja -- der Holocaust ist ein Thema fuer den Kindergarten. Es gibt boese Menschen, die Boeses tun. Auch in unserer Welt. Da laesst sich nichts beschwichtigen, und das laesst sich auch nicht Weg-Lieben.

Gruss,

Sabine

Re: Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Mittwoch 17. September 2014, 18:21
von amaria
Hallo!

Auch wenn ich mich wie Sabine bereits im Grundschulalter sehr für das Thema "Judenverfolgung" interessiert habe und den Begriff "Holocaust" erst viel später gelernt habe, bin ich auf jeden Fall gegen eine Verpflichtung von Lehrern und Erziehern, mit jüngeren Kindern über das Thema zu sprechen. Auch wenn es um Tod oder Sexualität geht, finde ich es unangemessen, wenn Klassenlehrer zur Behandlung eines Themas verpflichtet sind. Etwas anderes gilt selbstverständlich für Fachlehrer. Der Geschichtslehrer kommt um das Thema nicht herum. Während meiner Schulzeit stellte ich fest, dass das "Dritte Reich" im Schulunterricht äußerts knapp besprochen wurde - und das nicht nur in meiner Klasse. Auch in den Klassen meiner Schwestern stand das wichtige Thema am Ende der Schulzeit und wohl auch am Ende des Lehrplans. Jedenfalls konnte von einer gründlichen Beschäftigung mit dem Thema keine Rede sein.

Damit wichtige Fragen von Kindern nicht unbeantwortet bleiben, sollten Erzieher und Lehrer auf jeden Fall antworten dürfen. Mir gefällt es nicht, wenn gerade die Behandlung heikler Themen von oben herab angeordnet wird. Entsprechend fällt dann auch die "Behandlung" aus.

Freundliche Grüüße

amaria

Re: Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Mittwoch 17. September 2014, 21:09
von Kees_Kopf
@Amaria: Aufgesetzt dieses Thema angehen ist auch nicht sinnvoll. Aber es gibt Augenblicke, wo Kinder Fragen werden. Dann sollte man (darf man) nicht schweigen meiner Meinung nach.

@Matuschka: Juristen gehen davon aus, dass es legitime Kriege gibt und dass Soldaten die in diesem Krieg geschickt werden sich, solange sie sich an bestimmte Regeln halten, nicht unrechtmäßig handeln. Die Regeln sind in der Genfer Konvention festgelegt. Ein Regel, zum Beispiel, ist, dass nicht geschossen werden darf um zu töten, sondern nur um kampfunfähig zu machen. Das ist natürlich ein irre Vereinbarung, aber gut, so steht es geschrieben. Ein andere Vereinbarung ist, dass man Zivilisten nicht als Schutzschild benutzen darf oder, dass man Soldaten die sich Ergeben haben mit Respekt behandeln muss. Wer sich nicht daran hält begeht auch in den juristisch legitimen Krieg also einen Verbrechen, da in ZUsammenhang mit diesem Krieg wird es zum UNterschied zu "normale" Verbrechen wie Diebstahl als Kriegsverbrechen bezeichnet.

Zwischen den "legitimen Kriegshandlung" und der "verbrecherische Handlung" gibt es eine ganz breiten Grauzone. So gelten als Soldaten nur diejenigen, die durch einen Uniform erkennbar sind. Nur diese Kriegsgefangenen haben einen Anspruch auf den Schutz der Genfer Konvention. Will nun eine Nation im Krieg (ein Teil) seinen Gegnern nicht der Konvention nach behandeln, so kann man diese als "feindliche Kombatanten" bezeichnen. Ein Kunstbegriff, denn es betrifft sehr wohl Soldaten der gegnerischen Armee, welche aber den Vorteil hat, dass man sie jenseits von jeder Rechtsordnung und ohne Überprüfung der internationale Gerichtsbarkeit einsperren kann.

Noch vor nich allzulanger Zeit war die Entscheidung ob bestimmte Vorgehensweisen als "Kriegsverbrechen" bezeichnet werden eher eine Frage wer am Ende als Sieger da stand. Siegerjustiz ist berüchtigt und erst mit der geschichtlichen Aufarbeitung einer bewaffneten Auseinandersetzung wird langsam deutlich, wo auch die Sieger für Verbrechen verantwortlich waren. Die zunehmende Geschwindigkeit bei Nachrichtenübermittlung und die hohe Zugägngkeit zu Medien (Bürgerjournalismus) führt dazu, dass Kriegsverbrechen schneller bekannt werden und das auch die (vermeintliche) Sieger sich nicht mehr so einfach für ihre Verantwortung drücken können. Konnten die Niederlanden noch bequem ihre Verbrechen in der Auseinandersetzung um Indonesien verheimlichen, so war es weniger als 20 JAhre später für den USA schon viel schwieriger die Geschichte von My Lai unter den Teppich zu kehren und weiteren 20 Jahre später waren die Verbrechen in Srebrenica schon kurz nachdem sie begangen wurden weltweite Nachrichten.

@All: Nun ist diesen Ausflug in der Begrifflichkeit und der Geschichte in dieser Form sicher nicht geeignet im Kindergarten besprochen zu werden. Aber, während ich diese Zeilen schreibe, realisiere ich mich wieder einmal, dass es äußerst wichtig ist Kinder schon ganz früh immer wieder Tolleranz vorzuleben und, wenn gefragt nach dem Warum, klar zu machen, dass man auf Dauer nur Kriege verhindern können, wenn wir lernen "anders sein" zu akzeptieren. Und das das in zwei Richtungen geht, nicht bedeutend die eigene Identität zu verleugnen, sondern den anderen seine Identität in Würde zu lassen.

Kees

Re: Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Donnerstag 18. September 2014, 14:16
von Matushka
Ja, Kees. Ich stelle heute diese Frage auch nicht mehr, allerdings erinnere ich mich klar an meine damalige kindliche Logik: Krieg = boese ---> Soldat = Verbrecher.

Womoeglich war die Erklaerung des Lehrers aehnlich wie deine hier gewesen.
Kees_Kopf hat geschrieben:Aber, während ich diese Zeilen schreibe, realisiere ich mich wieder einmal, dass es äußerst wichtig ist Kinder schon ganz früh immer wieder Tolleranz vorzuleben und, wenn gefragt nach dem Warum, klar zu machen, dass man auf Dauer nur Kriege verhindern können, wenn wir lernen "anders sein" zu akzeptieren.
Dass diese Logik hinhaut, ist eine schoene Vorstellung. Ich habe mich vom "Anderen" immer angezogen gefuehlt und kann das Zitierte als Art Lebensphilosophie so unterstreichen. Allerdings ist fuer mich das Endziel dann nicht "Keine Kriege", sondern etwas weniger Konkretes. Dafuer aber etwas, was man im Alltag spueren kann -- beim Einkaufen, im Strassenverkehr, im taeglichen respektvollen (vielleicht sogar liebevollen?) Umgang miteinander.

Ich glaube leider nicht mehr, dass "keine Kriege" der menschlichen Natur entspricht. Vielleicht ein unzureichendes Beispiel, aber: Allein die "Meinungskriege" in Foren zeugen davon, wie wenig guter Wille letztendlich ueberbleibt, wenn alles gesagt und gehoert wurde.

Seit ich mich -- etwas obsessiv -- mit dem Thema Balance befasse, stelle ich allerdings fest, dass manchmal eine gewisse Spannungsperiode eher fuer einen Zustand der Ausgeglichenheit sorgt (bzw. gesorgt hat) als das Vakuum-Artige, welches in Zeiten der Entspannung entsteht. Ich glaube, dass ein Spannungszustand Orientierung bietet.

Auch diese Theorie liesse sich vermutlich leicht auf Nationen, Familien, Betriebe, Parteien, Religioese Gruppen, etc. uebertragen (aber zuerst muesste man sie natuerlich pruefen ;-) ).

Es ist aber oft schwierig, so einen Standpunkt ueberhaupt anzusprechen, ohne dabei schon fuer Trouble im eigenen Umfeld zu sorgen.

Gruss,

Sabine

Re: Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Donnerstag 18. September 2014, 20:50
von Kees_Kopf
Die Idee des kriegsfreien Weltes stammt eigentlich aus dem Humanismus, deren Grundlage (kurz zusammengefasst und etwas pointiert natürlich) besagt, dass aus dem Menschen eigentlich nur Gutes kommt. Schlechtes ist Erziehung und Sozialisierung. Die Bibel, welche in seine Kernaussagen für mich ein Leitfaden in meinem Leben ist, beschreibt schon ziemlich am Anfang den ersten Gewalttat. Sei es dahin gestellt ob sich diese beide Brüder tatsächlich so verhalten haben, bemerkenswert ist es schon, dass in ein Buch was eigentlich von einer Liebesbeziehung zwischen Gott und dem Menschen berichten will, schon ziemlch am Anfang Gewalt auftaucht - Gewalt welche sich durch dem ganzen Buch und die danach folgende "Life" Geschichte fortsetzt.

Genau analyserend sieht amn jedoch, dass der Gewalt -und damit auch die Kriege- immer mit Macht bzw. der eigenen Machtsposition zu tun haben. Dabei wird die Religion nur als Aufhänger benutzt. Schlaue Machthaber instrumentalisieren genau die Zeilen der religiöse Schrifte (aller Religionen, inklusive der Atheismus!) um ihre Macht instand zu halten. Frei nach dem Motto "Willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein!"

Menschen werden also immer mit mehr oder weniger große Kriege leben, das wird sich auch durch die Friedensbewegung leider nicht ändern.

Das einzige was man da als Individuum machen kann ist, sich von dem eigene Machtsstreben zu lösen. Das ist schwierig, denn man ist die Gefahr ausgesetzt dann den machstanspruch anderer unterworfen zu werden. Und da beginnt ein Paradoxum: Kann, darf, muss, soll ich Gewalt anwenden um Gewalt zu vermeiden?

Als Erzieher im Umgang mit den Kindern, den Eltern, die KollegInnen, Träger, Politiker etc. muss man manchmal bestimmte Formen von Gewalt anwenden. Zerstört damit mehr oder weniger gezwungen genau diesen Bestreben nach ein anderen, besseren Zusammenleben. Ein Spannungsfeld in welche ich manchmal meine Mühe habe ein Gleichgewicht zu finden ode rzu erhalten.

Das Alles aber sollte uns nicht daran hindern Tag für Tag mit Allem was wir sind, können und haben zu versuchen die Kinder in unserer Obhut deutlich zu machen, dass eine Gesellschaft ohne Akzeptanz des Anderen keine gute Gesellschaft ist. Da ist die Erinnerung an die Shoah und die Gesellschaft die diese erst ermöglichte eine gute Warnung.

Kees

Re: Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Donnerstag 18. September 2014, 21:10
von Matushka
Kees_Kopf hat geschrieben:Und da beginnt ein Paradoxum: Kann, darf, muss, soll ich Gewalt anwenden um Gewalt zu vermeiden?
So.

Aehnlich verhaelt es sich mit der Toleranz, nicht?

Man kann und darf nicht alles tolerieren, was da des Wegs kommt. Manchmal muss man die Entscheidung treffen, intolerant zu sein. Tolerieren --> dulden.

Immer wieder aktuell in diesem Zusammenhang auch die Frage: "Who guards the guardians?" -- Wer wacht ueber die Waechter?

Mein Mann hat gerade zwei Semester ins Jura-Feld reingeschnuppert. Sein grosses Take-Away: "Natural Law has been replaced by Positivist Law."

Freie Assoziationen von :c090:

Sabine

Re: Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Freitag 19. September 2014, 09:08
von Kees_Kopf
Es wird Philosophies: Ist das ganze Leben nicht ein Paradoxum: Ohne Tod kein Leben und ohne Leben keinen Tod?

Toleranz ist sehr schwierig. Du hast recht, manchmal darf man nicht tolerieren damit die Toleranz erhalten bleiben kann. Da muss man sprechen, auch wenn es nicht leicht ist und unter Umstände mit Risiken verbunden ist. So wenn im Kollegium negativ abwertend über Kinder oder deren Familien bzw. Herkunft gesprochen wird. Da muss man dann aufpassen, denn manchmal muss negatives gesagt werden, damit man nach eine Lösung suchen kann. Wenn aber das Negative dazu dienen soll jemand auszuschließen, ist Gefahr gegeben.

In Europa, bzw. in Deutschland, sehe ich das Problem darin, dass Toleranz bedeutet nichts negatives mehr sagen zu dürfen. So müssen wir (und zurecht) die religiöse Gewohnheiten anderer tolerieren, während diese genau das eben nicht tun. Und nicht nur in diesem Kontext.

Aber genau WEIL es so schwer ist dieses Gleichgewicht zu halten ist es einfacher in der eine oder andere Richtung durchzuschlagen. Denn da gibt es klare Regeln die einem von jeden Verantwortung selbst nachzudenken entbinden. Entweder alles ist erlaubt oder gar nichts oder nur das, was in ein difuses Regelbuch steht, möglichst noch in einer Sprache die man nicht versteht und für deren Auslegung man abhängig ist von eine elitäre Führungsgruppe. Das dies dann Tür und Tor sperrangelweit für Extremen öffnet wird deutlich sein.

Deswegen finde ich es um so wichtiger schon ganz früh mit Kindern über Rechte und Pflichte und eine demokratischen Geselschaft zu reden und dies in der Praxis zu leben. Die Verfolgung von Minderheiten und Andersdenkenden im Dritten Reich (wovon die Shoah ein Teil ist, was nicht zu vergessen sei), kann dabei als historisches Beispiel gelten. Die Kapriolen der Ayatollahs und des neuen Zars und deren Umgang mit Demokratie sind dabei aktuelle Beispiele die genau so diskutiert werden sollen.

Kees

Re: Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Mittwoch 24. September 2014, 03:28
von Matushka
Ja, es wurde in der Tat philosophisch, Keesje.

Dabei ist es doch eigentlich ganz einfach: Schnurz ist, wie einer aussieht, welche Farbe er/sie hat, welche (erwachsenen) Menschen sie/er liebt und welcher Religion (oder nicht) er/sie angehoert.

Nicht schnurz dagegen ist, wenn ihm/ihr deswegen der Kopf abgehackt wird.

Kinder verstehen das fuer gewoehnlich noch.

Gruss,

Sabine

Re: Holocaust als Thema für Kindergartenkinder?

Verfasst: Freitag 11. Januar 2019, 18:01
von amaria
Vor vierzig Jahren war der Begriff "Holocaust" der deutschen Bevölkerung tatsächlich nicht bekannt. Die Ausstrahlung des Vierteilers hat viele Menschen beeindruckt und auch einiges verändert. https://www.rtl.de/cms/wie-holocaust-in ... 76987.html