Eure Informationsquellen

Forscherin in spe
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Eure Informationsquellen

Beitrag von Forscherin in spe » Mittwoch 16. Juli 2014, 12:05

Hallo,

ich studiere Kindheitspädagogik und mache gerade ein Praxissemester in einem pädagogischen Forschungsinstitut. Ich habe gestern von meiner Chefin die Aufgabe bekommen mich darüber zu informieren, wie pädagogische Fachkräfte sich regelmäßig informieren.

Deshalb meine Frage(n):
Welche Zeitschriften lest ihr? Welche Zeitschriften habt ihr abonniet (egal ob eure Einrichtung oder ihr persönlich)? Gibt es Internetseiten die ihr besucht um euch über Neuigkeiten zu informieren? Nutzt ihr das Social Network für den Austausch von Informationen? Welche Foren besucht ihr neben diesem hier? Habt ihr Newsletter abonniert? Was gibt es sonst noch?

Ich wäre euch für eure Hilfe wirklich sehr dankbar! :smile2:

Liebe Grüße :winke:

amaria
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von amaria » Mittwoch 16. Juli 2014, 12:58

Hallo Forscherin in spe!

Es wäre nett, wenn du uns zunächst einmal den Namen des pädagogischen Forschungsinstituts nennst, dessen Chefin dir die Aufgabe gegeben hat, Nachforschungen zu betreiben.

Für uns wäre es interessant, wenn du auch andersherum forschend tätig werden könntest: Welche Mitarbeiter des Forschungsinstituts verfolgen regelmäßig, sporadisch oder überhaupt nicht was in den Fachforen der Erzieherinnen geschrieben wird?

Freundliche Grüße und das Versprechen, dass ich deine Frage spätestens morgen beantworten werde.
(Ich habe so viele Newsletter abonniert, dass ich erst mal in mein Postfach gucken muss.)

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
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Forscherin in spe
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Forscherin in spe » Mittwoch 16. Juli 2014, 13:36

Vielen Dank für deine Antwort.

Ich arbeite im DIPF "Deutsches Institut für internationale pädagogische Forschung".
Genau aus dem Grund bin ich dabei genaueres über die Informationsquellen der Erzieherinnen herauszufinden, um anschließend zu filten, in welchen Medien wir uns einklinken wollen. Unser neues Forschungsprojekt (zu Einstellungen von pädagogsichen Fachkräften) möchte eine enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis schaffen. Da wir aber noch komplett am Anfang stehen ist es zunächst wichtig Rechereche zu betreiben, zu filtern und dann daraus Schlussfolgern für den weiteren Forschungsverlauf.

Ich freue mich deine Quellen zu erfahren.

Lieben Gruß
Forscherin in spe

amaria
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von amaria » Mittwoch 16. Juli 2014, 19:42

Hallo!

Alle Newsletter von Papilio habe ich gelesen, obwohl ich zu diesem hoch gelobten Förderprogramm eine kritische Distanz habe. Da soeben ein neuer Newsletter von Papilio erschienen ist, kann ich ihn schon mal erwähnen. Den Newsletter von Gerald Hüther habe ich eine Zeit lang gelesen, ihn aber schon vor Hüthers Sabbatical abbestellt. Den Newsletter von Erzieherin.de bekomme ich, lese ihn aber kaum, da ich regelmäßig auf der Seite lese. Den Newsletter von "Kindergarten heute" überfliege ich kurz und so geht es mir mit zahlreichen anderen Newslettern auch.
Für die Lektüre von Fachzeitschriften gebe ich nur in Ausnahmefällen Geld aus - und bereue es oft genug, denn die Inhalte empfinde ich oftmals als zu aufgeplustert und auf die wohlwollenden Rezensionen zu Fachbüchern gebe ich nicht viel. Die Bücher von Anzeigenkunden der Fachzeitschriften werden traditonell für meinen Geschmack zu sehr gelobt.
Wirklich gern lese ich das Elternmagazin "unerzogen".

Freundliche Grüße

amaria
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Forscherin in spe » Donnerstag 17. Juli 2014, 09:16

Vielen lieben Dank. Was hältst du von einem Austausch in Socialnetwork?

Grüße
Forscherin in spe

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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von amaria » Freitag 18. Juli 2014, 07:28

Guten Morgen,

die Idee ist bestimmt nicht schlecht, aber ich möchte mich vermutlich dauerhaft, zumindest aber in der nächsten Zeit noch, auf nur ein oder zwei Erzieherforen beschränken. Ich finde es sehr schade, dass soziale Themen in den so genannten sozialen Netzwerken (für ein paar Tage oft nur) beachtet werden, in den Foren der entsprechenden Berufsgruppen aber nicht. Ärzte und Politiker scheinen sich offensichtlich gar keine oder nur sehr wenig Zeit zu nehmen, um in den Pflegeforen zu lesen (oder lesen zu lassen). Und auf Krippen und Kitas bezogen sieht es leider auch so aus, als ob die akademisch Gebildeten lieber unter sich und ohne Erzieherinnen diskutieren und feine Pläne schmieden.

Obwohl kein Erzieherfachforum Pädagogen, Psychologen, Sprachwissenschaftlern, Bildungswissenschaftlern und Politikern die aktive Teilnahme verweigern würde, scheint man sich auf die in den größeren Fachforen zutage tretenden Probleme der Erzieherinnen und Erzieher nicht unmittelbar einlassen zu wollen. Auf Fatzebook sind soo viele aktiv, aber hier?

Hast du dich mal umgehört, in welchem Umfang an eurem Institut Recherche in den Fachforen betrieben wird? Kannst du für uns rausbekommen, was Forscher zu den Aktivitäten in den Fachforen der Erzieherinnen sagen? Würde ein Professor aus der Rolle fallen und einen Karriereknick riskieren, wenn er sich namentlich hier anmelden würde?

Wie unschwer zu erkennen ist, bin ich auf die akademische Crew, die die realen Probleme derjenigen, die die Popos abputzen, gar nicht so genau zur Kenntnis nehmen möchten, nicht gut zu sprechen. Ich fände es schön, wenn sich einige Nachwuchswissenschaftler hier und natürlich auch im Kindergartenworkshop aktiv einbringen würden.

Freundliche Grüße

Angelika
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Juliala » Freitag 18. Juli 2014, 07:48

Hallo ,

amaria, ich schließe mich deiner Meinung an. Auf die Beantwortung deiner Fragen bin ich gespannt.

Ich finde die Diskussion spannend und fände es äußerst wichtig, in den Austausch mit Akademikern zu gehen, die unseren Beruf maßgeblich beeinflussen, ohne dass sie jemals persönlich mit uns in den Austausch gehen oder gegangen sind, was ich sehr kritisiere.

Forscherin, ich hole mir meine Informationen überwiegend aus dem Internet.
Die Suchmaschinen spucken mir das aus, was ich an Informationen benötige.
Fachbücher kaufe ich mir nur noch selten.
Die gängigen Fachzeitschriften und Bücher behandeln kaum kritische Themen.

Julia
Erziehung: einen Kopf drehen, bis er verdreht ist - natürlich auf den neuesten Stand.“
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amaria
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von amaria » Freitag 18. Juli 2014, 08:02

Und ich poste möglichst morgens und mittags ein paar Links, die auf Fehlentwicklungen hinweisen. Für diejenigen, die in Vollzeit im Beruf arbeiten, möchte ich so viele Informationen aufzutreiben, dass sie sich nicht gezwungen sehen, privat Geld für Fachzeitschriften auszugeben, die zu einem hohen Prozentsatz seicht sind.
Als Springkraft habe ich oft mitbekommen, dass Fachzeitschriften aus Zeitmangel, aber auch weil sich ihre Inhalte wiederholen, kaum noch in Kindergärten gelesen werden. Für Krippen wird das anders aussehen. Wenn die Kleinen schlafen, haben Erzieherinnen schon mal Zeit, Fachliches zu lesen.
Sofern ein PC während der Mittagszeit genutzt werden kann, informieren sich viele Erzieherinnen gern im Internet. (Vor allem die ältern, die oftmals privat keinen PC besitzen. Es ist ihnen egal, dass sie mal wieder ein Stück ihrer Freizeit opfern.)
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Forscherin in spe » Freitag 18. Juli 2014, 09:17

Guten morgen,

Du hast durchaus recht Amaria, dass die Themen in Facebook alle nur recht kurzweilig besprochen/diskutiert werden. Ich hab mich in ein paar Gruppen da mal eingeklingt und hab nicht den Eindruck, dass da kaum große fachliche Diskussionen geführt werden, dafür aber reichlich praktische Tipps ausgetauscht werden. Wenn die Erzieher kaum Fachzeitschriften lesen, verstehe ich es dann richtig, dass ihr euch vorzugsweise untereinander austauscht oder Mr. Google fragt?! Haltet ihr es für wichtig euch über den neusten Stand der Bildungsforschung zu informieren oder findet ihr das unnötig für euren Berufsalltag?

Ich werde in der nächsten Teamsitzung in 2 Wochen eure Fragen mal ansprechen.
Ich denke viele Wissenschaftler sind wirklich eindeutisch theoretisch orientiert. Es gibt viel Studien zu Entwicklungsstörungen, kognitiver Entwicklung oder es werden Methoden evaluiert. Viele versuchen die Praxis in den Blick zu nehmen, kommen aber dann aus fraglichen Gründen immer wieder davon ab. Ich stimmt euch wirklich zu, dass ihr Praktiker deutlich mehr einbezogen werden solltet. Seid ihr daran aber interessiert bzw. bereit dafür euch ein wenig in die Welt der Wissenschaft zu begeben? Bzw. ist das für beide Seiten zufriedenstellend erreichbar? Wie könnte ein Austausch eurer Meinung nach aussehe? Es ist ja nicht so, dass es den überhaupt nicht gibt. Man kann den Kontakt ja auch suchen.
Sorry wenn ich gerade etwas stichelige Fragen stelle, die meine ich überhaupt nicht böse oder will euch in keinsterweise die Schuld in die Schuhe schieben. Ich will das Thema einfach nur kritisch hinterfragen. :smile2:

Ich danke euch sehr für diese Diskussion und bin gespannt wo dies uns noch hinführen wird.

Lieben Gruß Svenja

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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von amaria » Freitag 18. Juli 2014, 09:59

Hallo Svenja,

natürlich kann ich nur für mich sprechen, aber Sticheleien kann ich auf jeden Fall vertragen. Mein Interesse an den Ergebnissen der Bindungsforschung ist etwas gedämpft, weil mir die Ergebnisse zu sehr im Hinblick auf Auftraggeber und den Zeitgeist geschönt zu sein scheinen. Aber das werde ich später noch genauer darlegen.

Vorerst einmal nur eine Schilderung, die sich auf meine Ausbildungszeit bezieht. Eine Lehrerin bevorzugte eindeutig die kognitiven Lerntheorien, eine andere bekannte sich mehr zum Lernen am Modell und schaffte es, die Klasse für ihre Sicht der Dinge einzunehmen. (Es handelte sich um eine Lehrerin, die auch in der Praxis gearbeitet hatte, was bei der anderen nicht der Fall war.) Wenn ich nicht zwei Kinder kennen gelernt hätte, auf die die kognitiven Lerntheorien besser zu passen schienen, hätte ich mich damals vielleicht auf das "Lernen am Modell" festgelegt.

In der Praxis müssen wir so schnell entscheiden, dass das Bauchgefühl oft ein besserer Ratgeber ist als ein Theoriebuch. Die Vergangenheit erzieht mit. So wie Eltern merken, dass sie manchmal wie ihre Eltern reagieren, müssen Erzieherinnen auch immer wieder über ihre eigene Entwicklung reflektieren. Das ist etwas Bereicherndes und etwas , was meiner Meinung nach von vielen auch gut ohne professionelle Hilfe geschafft werden kann. Es sein denn, die Belastungen aus der eigenen Kindheit sind zu groß.

Anstatt mehr Belehrungen und aufoktroyierte Hilfen, bräuchten wir eine freiere und anspruchsvollere Erzieherausbildung. Die Aufgabenstellungen, mit denen sich Fachschüler hier im Forum anstellen, sind zum Teil der pure Graus und vermutlich ein Beweis dafür, dass auch den Lehrern zu viele Vorschriften gemacht werden. Darüber kapitulieren dann viele Menschen und machen Dienst nach Vorschrift. (Kommt im Erzieherberuf leider auch verdammt oft vor.)

Freundliche Grüße

Angelika

PS: Und weil Dienst nach Vorschrift unbefriedigend ist, leisten Erzieherinnen in ihrer Freizeit immer noch etwas mehr, gönnen sich nur verkürzte Mittagspausen und gehen nicht pünktlich heim.
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Forscherin in spe » Freitag 18. Juli 2014, 14:05

Hallöchen Amaria und alle anderen Interessierten,
Naja der Weg geht ja eher weg von einer schulischen Ausbildung für Erzieher hin zu einem Studium. Auch wenn ich genau einen Studiengang gewählt habe, der im Zuge der Professionalisierungsforderung in frühpädagogischen Einrichtungen entstand, bin ich mir nicht sicher ob das wirklich so funktioniert wie man sich das Vorstellt. Man kann Deutschland einfach nicht mit anderen Ländern vergleichen (zB Frankreich oder USA)

Der pädagogische Alltag hat sich so gewandelt, dass ich der Meinung bin, dass es die Pflicht eines jeden Erziehers ist zu versuchen teilweise sein Bauchgefühl zurück zustellen bzw. neue wissenschaftliche Erkenntnisse (die nciht alle unumsetzbar sind) mit den Erfahrungen zu verbinden. Das verlangen ja auch die Bildungspläne "Bereit sein für Veränderung". Die Motivation macht da ganz schön viel aus. Leider geht es einfach nicht ohne Vorschriften. Diese werden ja meist auch nur aus Problemsituationen hinaus entwickelt.

Ich glaube die Wissenschaft und die Praxis müssen einfach enger zusammenarbeiten um den Blick für einander zu verändern/ zu verbessern.

Der Grund warum sich Forscher kaum in solchen Foren hier rum treiben ist, dass sie die Daten von hier nicht verwenden können für ihre Arbeit. Sie denken zu Ergebnisorientiert. Sie wollen Fakten und keine persönlichen Meinungen. Hier arbeiten super viele Psychologen und die sind einfach heiß auf quantitative Ergebnisse.

Ich finde es einfach super Interessant hier und freue mich auf neue Meinungen.
LG

Johanna2
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Johanna2 » Freitag 18. Juli 2014, 17:02

Hallo!
Forscherin in spe hat geschrieben:Der pädagogische Alltag hat sich so gewandelt, dass ich der Meinung bin, dass es die Pflicht eines jeden Erziehers ist zu versuchen teilweise sein Bauchgefühl zurück zustellen bzw. neue wissenschaftliche Erkenntnisse (die nciht alle unumsetzbar sind) mit den Erfahrungen zu verbinden. Das verlangen ja auch die Bildungspläne "Bereit sein für Veränderung". Die Motivation macht da ganz schön viel aus. Leider geht es einfach nicht ohne Vorschriften. Diese werden ja meist auch nur aus Problemsituationen hinaus entwickelt.
Ich finde, dass Erzieherinnen generell noch mehr auf ihr Bauchgefühl vertrauen lernen sollten. Viel mehr! Mein Eindruck ist der, dass zwar fleißig Bildungspläne und ähnlicher Nonsens geschrieben werden, dabei aber meist jeglicher Praxisbezug fehlt. Schon allein mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Personalschlüssel ist an die Umsetzung der "Bildungspläne" doch kaum zu denken.

Was gibt es denn schon für neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die nun unbedingt zum Tragen kommen sollten?

So vieles, was heute als "neue Erkentnisse" deklariert wird, ist eigentlich nichts anderes als aufgewärmter Käse. Heute prangt lediglich noch ein "pädagogisches Siegel" auf den vermeintlichen "Neuheiten".

Freundliche Grüße

Johanna

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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Matushka » Freitag 18. Juli 2014, 19:06

Hallo Svenja, und willkommen!
Unser neues Forschungsprojekt (zu Einstellungen von pädagogsichen Fachkräften) möchte eine enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis schaffen.
Superspannend! Ich bin froh, dass die Thematik der "Vernetzungen" so richtig konkret auf den Tisch kommt. :-)

Ich bin keine Paedagogin, sondern Mutter drei grosser Kinder. Heute studiere ich auf meine alten Tage Verwaltungswissenschaften (in der Gegend von Wash., D.C., also nicht in einem deutschsprachigen Land), .... und ich kann dir sagen, dass der Erfolg von sozialen Programmen u.A. davon abhaengt, wie erfolgreich die Vernetzung in den verschiedenen betroffenen Bereichen stattfindet.

Themen, denen man sich bei dieser Art der Betrachtung ebenfalls nicht entziehen kann (du wirst sie hier und anderswo im Netz haeufig auftauchen sehen) sind: Politik, Moral und Ethik, Gruppendynamiken, Korruption, Umgang mit dem, was man als "anders" empfindet, und vieles andere mehr. Ich kenn' z.B. ein tolles Video zum Thema "Motivation"! Leider in Englisch. Soll ich es trotzdem mal verlinken?

Spannend -- die Balance zwischen "Bauchgefuehl" und "wissenschaftliche Fortschritte" ... und alles angemessen umsetzen! Ich freue mich total fuer Euch Juengere, dass Ihr bei so einem tollen wichtigen Thema mitmachen duerft. Macht es besser. ;-)

Gruss und alles Gute!

Sabine

Juliala
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Juliala » Samstag 19. Juli 2014, 07:38

Hallo Forscherin,

ja, ich tausche mich fast nur noch unter Kollegen aus, oder ich bemühe die Suchmaschinen und hole mir im Netz Informationen.
Natürlich besuche ich auch Fortbildungen, aber ich muss sagen, dass auch die mir oftmals nicht viel bringen.
Fortbildungen werden meist von Akademikern durchgeführt, die meist nie in diesem Beruf gearbeitet haben, oder deren praktische Berufserfahrung schon Jahrzehnte zurückliegt.
Das erlernte Wissen lässt sich also schwer in der Praxis umsetzen, weil einfach die Bedingungen fehlen. Theorie und Praxis klaffen weit auseinander und das bemängel ich auch an den Fachzeitschriften, die zudem alle noch zu seichte Inhalte haben.

Mich ärgert es, dass Akademiker in der Pädagogik das Rad neu erfinden und hochwissenschaftlich "verkaufen" wollen. Mich ärgert es auch, dass die Pädagogik immer mehr "verkopft" wird.
Kinder sind schon immer gerne durch Pfützen gelaufen und haben so ganz nebenbei etwas über die Wasserverdrängung gelernt (Naturwissenschaftliche Grunderfahrungen).
Heute sitzen sie am Tisch und machen hochwissenschaftliche Experimente. Die Erzieherin fotografiert fleißig, um die Informationswand zu bebildern und ihre wertvolle Arbeit zu dokumentieren.
Die Eltern freuen sich, dass ihre Kinder schon eine so frühe Bildung erhalten und sind froh, dass ihre Kinder nicht mehr durch schmutzige Pfützen laufen.
Ja, und dann wundern wir uns über die Bewegungsarmut und Entwicklungsdefizite von Kindern.
Die Pädagogik entwickelt sich immer mehr in diese Richtung.
Natürliche Kindheitserfahrungen und die natürliche Neugier der Kinder sind für die Erwachsenen einfach nicht mehr zeitgemäß und wertvoll genug.
Erst wenn die Arbeit hochwissenschaftlich dokumentiert wird und die Kinder eine akademische "Bildungsdusche" erhalten, erhält sie eine Wertschätzung. Pfützenlaufen hat kaum noch einen Stellenwert in der Pädagogik.
Die Kindheit wird immer mehr durch akademische Bildungspläne und Zertifizierungen verkopft.

Ich lese gerne Salman Ansari, der das ausspricht, was ich denke z.B. http://www.zeit.de/2013/15/salman-ansar ... hn-neugier

Akademiker "schmeißen" uns immer wieder neue Programme und Zertifizierungen vor die Füße und wir Erzieher "schlucken" ohne Widerstand, obwohl es außerhalb von Foren brodelt und heiß überkocht. Viele trauen sich nicht in der Öffentlichkeit und im Netz ehrlich ihre Meinung zu äußern.
Papilio ist z.B. so ein Programm.
Soll ich ein Programm etwa ernst nehmen, bei dem ein "Fräulein Pädagogibold" vorkommt? Ganz abgesehen von den anderen seltsamen Gefühlsbolden.
Sorry, wollen die akademischen Macher auch "Bold" genannt werden? Wollen sie, dass ihr Beruf so verniedlicht wird?
Ja, da sieht man, wie Akademiker unseren Beruf sehen.

Ich würde mich sehr gerne mit den Machern von Bildungsplänen, Programmen, Zertifizierungen und Erfindern von Evaluationen austauschen.
Gerne würde ich auch den Austausch mit Architekten suchen. So manch eine Kita ist eine absolute Fehlplanung. Da merkt man, dass Architekten von der Praxis KEINE Ahnung haben. Man kann ja nicht alles wissen, aber dann sollte man den Austausch mit den Fachleuten suchen, aber ich habe den Eindruck, dass genau dieser Austausch unter der Würde der Akademiker liegt.

WIR ERZIEHER sind in der Pädagogik die wichtigste Berufsgruppe, denn WIR sind nah am Kind und in der Praxis, daher kann ich es nicht verstehen, dass man nicht den Kontakt zu uns sucht, denn WIR müssen diese ganzen Pläne, Zertifizierungen, Evaluationen usw. umsetzen.
Ohne uns läuft NICHTS.
Das sollten sich mal alle vor Augen halten.
Wer will, dass wir gute Arbeit leisten, darf nicht über uns reden und über unsere Köpfe hinwegbestimmen, sondern MIT uns.....GEMEINSAM!

Und noch ein Punkt ärgert mich. Dieser "Bildungsmarkt" ist ein riesiger kommerzieller Markt geworden.
Wie Johanna schon schrieb: Alter Käse wird aufgewärmt.
Und dieser "alte Käse" wird völlig überteuert verkauft.

Ich wünsche euch allen einen wunderschönen Tag.

Julia
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―Karlheinz Deschner

Siria
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Siria » Samstag 19. Juli 2014, 09:33

Großartiger Beitrag, Julia! Du sprichst mir aus der Seele.
Juliala hat geschrieben:Fortbildungen werden meist von Akademikern durchgeführt, die meist nie in diesem Beruf gearbeitet haben, oder deren praktische Berufserfahrung schon Jahrzehnte zurückliegt.
Ein ganz großes Manko! Da ich mich als Facherzieherin für Sprachentwicklung für alles rund um die Sprache interessiere, habe ich in den letzten Jahren vermehrt Fortbildungen und Vorträge zu diesem Thema besucht. Bei der letzten Fortbildung stand ein 28jähriger Soziologe vor uns, der noch niemals mit Kindern gearbeitet hatte und bei konkreten Fragestellungen zugeben musste, dass er von diesem Bereich überhaupt keine Ahnung hat. – Es war reine Zeitverschwendung, ich habe mich nach der Fortbildung beim Veranstalter beschwert.

Fünfminütiges Stöbern im Internet hat diese Programme zu Tage gebracht - stellvertretend für viele andere, ähnlich gestrickte, mit denen unsere Kinder gefördert, „programmiert“ werden sollen. All diese Programme hat sich ganz sicher keine Erzieherin, kein Erzieher ausgedacht.

Kindergarten plus - Programm zur Stärkung der Persönlichkeit
Faustlos
Papilio
Zahlenland
Tigerkids - Bewegungs- und Ernährungsprogramm
Haus der kleinen Forscher
KLIK - Konflikte lösen im Kindergarten
Schlaumäuse - Sprachprogramm
Würzburger Trainingsprogramm - Sprachprogramm
PIKS - Prävention in Kindergarten und Schule
Verhaltstraining im Kindergarten
EVAS - Sprachförderprogramm
Wuppi - Sprachprogramm
PAKT - Bewegungsprogramm
...


Sabine, mich würde interessieren: Welche Programme für Kindergartenkinder gibt es in den USA? Kannst du das herausfinden?
Auch über den link zum Thema Motivation würde ich mich freuen.

Interessant fände ich auch ein paar Beiträge von Kolleginnen / Kollegen, die hinter den Programmen stehen und über gute Erfahrungen berichten (auch wenn es mit dem eigentlichen Thema „Informationsquellen“ nicht so viel zu tun hat).

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