Eure Informationsquellen

Johanna2
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Johanna2 » Donnerstag 31. Juli 2014, 13:33

Hallo!

Dieser Aussage kann ich mich nicht anschließen:
Forscherin in spe hat geschrieben: Wenn ihr auf die Straße gehen würdet um euch zu beschweren würde das ein ewig langer Prozess werden und wer leidet am meisten darunter? DIE KINDER, die da wirklich am wenigsten für Können. Ich muss auch sagen, dass mich die Einstellung und das Verhalten vieler Eltern wirklich erschreckt! Sorry, ich möchte hier keinen von euch persönlich einbeziehen, da einige von euch ja auch Eltern sein werden, aber so wie sich das Verhalten der Eltern verändert hat kann das auch nicht entwicklungsfördernd sein!
Sie erinnert mich ein wenig an die Schlagzeilen diverser Zeitungen, aus denen hervorging, dass etliche (Klein)Kinder (!) verzweifelt auf einen Betreungsplatz warten.

Warum sollten ausgerechnet DIE KINDER darunter leiden (und dann auch noch am meisten) wenn Erzieherinnen auf die Straße gehen?

Freundliche Grüße

Johanna

Forscherin in spe
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Forscherin in spe » Freitag 1. August 2014, 12:17

Ganz einfach Antwort: Wann gehen die Erzieher auf die Straße? Zu den Zeiten in denen eigentlich die Kinder betreut werden sollen. Auch der große Unmut wirkt sich negativ auf Kinder aus. Klar heißt, dass das sich drigend was ändern muss aber nicht auf Kosten der Kleinen!

Matushka
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Matushka » Freitag 1. August 2014, 13:52

Hallo Ladies, hallo Svenja,

Interessant.

Svenja, ich mach' mal was "Fieses" und ziehe gezielt ein paar Aussagen aus deinen Beitraegen. Dann buendle ich sie hier. Mal sehen, welches Narrativ entsteht. ;-)
...bin ich dabei genaueres über die Informationsquellen der Erzieherinnen herauszufinden, um anschließend zu filten, in welchen Medien wir uns einklinken wollen.
... mich in ein paar Gruppen da mal eingeklingt und hab nicht den Eindruck, dass da kaum große fachliche Diskussionen geführt werden, ...
Viele [Wissenschaftler] versuchen die Praxis in den Blick zu nehmen, kommen aber dann aus fraglichen Gründen immer wieder davon ab
.
Der pädagogische Alltag hat sich so gewandelt,... dass es die Pflicht eines jeden Erziehers ist.... Leider geht es einfach nicht ohne Vorschriften.
Hier arbeiten super viele Psychologen und die sind einfach heiß auf quantitative Ergebnisse.
Ich denke, man darf den Punkt, dass die Wissenschaftler größtenteils kaum Praxiserfahrungen haben nicht so sehr kritisieren.... Habt ihr Praktiker Ahnung von der Wissenschaft?
Ich hab den Eindruck, dass ihr zwar nicht abgeneigt seid in den Kontakt mit den Wissenschaftlern zu treten, ihr aber eigentlich gar nicht von eurer Meinung... abtreten wollt.
Ich wiederhole meine Fragen: Habt ihr Praktiker Ahnung von der Wissenschaft?
Das sind einfach schlechte Autoren die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Hab da gerade noch mit meiner Kollegin (Psychologin) drüber gesprochen.
Wir denken, dass die Programm als zusätzliche Möglichkeiten gesehen werden soll wenn man nicht weiter weiß
Tja...

Aber weiter geht's mit neuem Schwung. ;-)
Euch sagt doch sicherlich die Kathesishypothese (-->Aggressionstherorie) was ?!
Ich merke selbst, dass ich etwas damit überfordert bin meine Arbeit hier zu leisten und gleichzeitig im Forum aktiv zu sein
deshalb glaube ich dass viele Wissenschaftler hier nicht auftauchen werden
Hier wird's wieder konkreter.
Wenn ihr auf die Straße gehen würdet um euch zu beschweren würde das ein ewig langer Prozess werden und wer leidet am meisten darunter? DIE KINDER
Ich muss auch sagen, dass mich die Einstellung und das Verhalten vieler Eltern wirklich erschreckt!
Gerne möchte ich dieses Thema weiterverfolgen und das ist ja auch im Sinne unseres Chefs
Ihr müsst euch nur einfach echt gedulden
Mich würde mal interessieren, was ihr als Wissenschaftler thematisch ansprechen würdet?
Zu guter Letzt ein Blick auf die Beduerfnisse von Kinderseelen. ;-)
Wann gehen die Erzieher auf die Straße? Zu den Zeiten in denen eigentlich die Kinder betreut werden sollen. .....Klar heißt, dass das sich drigend was ändern muss aber nicht auf Kosten der Kleinen!
Ich lass' es grad mal weitgehend unkommentiert...

Gruss,

Sabine
Zuletzt geändert von Matushka am Freitag 1. August 2014, 15:35, insgesamt 1-mal geändert.

Janette
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Janette » Freitag 1. August 2014, 14:02

Forscherin in spe hat geschrieben:Ganz einfach Antwort: Wann gehen die Erzieher auf die Straße? Zu den Zeiten in denen eigentlich die Kinder betreut werden sollen. Auch der große Unmut wirkt sich negativ auf Kinder aus. Klar heißt, dass das sich drigend was ändern muss aber nicht auf Kosten der Kleinen!

Seien wir mal realistisch: wenn Erzieher auf die Straße gehen, und die Kita für einige Tage geschossen bleibt, leiden sehr wenige Kinder darunter.

Kinder unter 3 sicher gar nicht, weil sie gar keine Krippe brauchen. Krippen werden von den Eltern gebraucht, nicht von den Kindern.
In der Altersgruppe der 3-6jährigen kann sein, dass mehrere Kinder etwas enttäuscht sind, dass mal ein lustiger Kita-Tag ausfällt, aber wahrscheinlich genusoviele Kinder freuen sich, mal mit den Eltern/Tante/Großmutter/Babysitter zu Hause bleiben und ausschlafen zu dürfen. Gestern hat der Kindergarten, wo ich arbeite, für 3 Wochen zugemacht und kein Kind war traurig oder hat gelitten.

Wenn Erzieherinnen auf die Straße gehen, „leiden“ meistens nur die Eltern, die spontan eine andere Betreuung organisieren müssen. Das ist der Sinn eines Streiks: Kunden zu verärgern, wodurch ein gesellschaftlicher Druck entsteht und die Forderungen der Streikenden vielleicht schneller erfüllt werden.

Lenina
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Lenina » Freitag 1. August 2014, 15:52

Ich habe gerade erst hergefunden (warum auch immer :-) ) und natürlich erstmal alles gelesen.

Zunächst: Auch ich finde es gut, wenn mal jemand von der "anderen Seite" kommt. Doch irgendwie fühle ich mich nicht in einer gleichberechtigten Diskussion sondern eher wie in einem unausbalancierten Gefälle. Als würde man seine Kinder fragen: Was wollt ihr Sonntag machen? Dabei weiß man schon, da muss man zu Tante Gretchen.
Eine Art "Pseydodialog". Nimm mir das bitte nicht übel. Aber was haben wir denn bis jetzt wirklich über das erfahren, was du machst? (Vielleicht habe ich das überlesen, aber so richtig klar ist es mir nicht.)
Was habt ihr mit unseren Meinungen vor? Wird jemand außerhalb eurer Teamsitzungen davon erfahren? Wird es was ändern?
Das ist eben mein Gefühl, dass wir jetzt erzählen und doch ändert sich nichts.

Und das ist das, was Unmut macht.

Es gibt in der Gesellschaft eine klare mehrheitliche Position: Krippen sind gut für Kinder, die verkümmern doch zuhause (überspitzt dargestellt).
Dass das aber so nicht der Wahrheit entspricht, macht mich sauer. Diese Unreflektiertheit, die die Mehrheit an den Tag legt. Das ist nicht nur bei der Kinderbetreuungsfrage so, dass ist eigentlich überall so. Aber ist das nicht ein so wichtiges und filigranes Gebiet, dass man sich mehr Gedanken machen sollte?

Ich habe den Eindruck, dass alles, was in den letzten Jahren getan wurde, um "professionell" zu werden, nicht viel gebracht hat. Welche Eltern hören denn WIRKLICH zu, wenn ihnen eine junge, kinderlose, aber bestens ausgebildete Erzieherin einen Rat gibt? Ist es da nicht eher so, dass die, die noch nicht professionalisiert wurden, die seit 40 Jahren Kinder großziehen, da eindeutig mehr Ansehen genießen?
Ich habe das Gefühl, dass meine Eltern mehr im Kindergarten einbezogen waren als viele heute, obwohl ich täglich nur 3 Stunden dort war.

Was ich als Wissenschaftler rausbekommen würde wollen: Wie sich ein Besuch einer Kindergruppe U3 ein bis zweimal wöchentlich für 2 Stunden mit einem garantierten Schlüssel von 1:3 auf die Kinder auswirken würde im Vergleich zu einer 40-Stunden-Woche mit einem Schlüssel von 1:5.
Mit zugewandten, programmlosen Frauen und Männern, die wissen was sie tun und Zeit dafür haben.
So etwas, wie die Krabbelgruppen vielleicht?

Ist aber nicht im Sinn der Wirtschaft.
Das wäre für mich nämlich auch eine interessante Frage: Hätten die Eltern von Babies (ich nenne jetzt einfach mal auch die Zweijährigen so) keine übermäßigen finanziellen Einbußen (natürlich kostet ein Kind mehr als kein Kind), könnten sie ausreichend von einem Gehalt leben und könnte das zuhausebleibende Elternteil nach 3 Jahren wieder in den Job einsteigen ohne schief angeguckt zu werden oder "von vorne" anfangen zu müssen - wie viele Eltern würden ihr Kind in eine Krippe geben?
Und wie viele würden die Zeit genießen, befreundete Familien mit Kindern treffen, ihren Kindern die Welt zeigen?

Und ich würde die Erzieher fragen: Was muss sich ändern, damit ihr euren Job so gut machen könnt, wie ihr es vermögt?
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

Johanna2
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Johanna2 » Samstag 2. August 2014, 10:45

Forscherin in spe hat geschrieben:Ganz einfach Antwort: Wann gehen die Erzieher auf die Straße? Zu den Zeiten in denen eigentlich die Kinder betreut werden sollen. Auch der große Unmut wirkt sich negativ auf Kinder aus. Klar heißt, dass das sich drigend was ändern muss aber nicht auf Kosten der Kleinen!
Svenja, ich finde nicht, dass die Antwort einfach ist, sondern das du es dir mit dieser Antwort einfach gemacht hast.

Meinst du, dass der Unmut, den die Eltern bei geschlossenen Kindergärten verspüren, sich auf die Kinder überträgt und diese dadurch leiden?

Glaubst du, dass der Unmut der Erzieherinnen weniger schlimm für die Kinder ist? Die derzeitigen "Rahmenbedingungen" in Kindertageseinrichtungen dürften für die Kinder wesentlich schlimmer sein! Wie viele Erzieherinnen schreiben mittlerweile, dass sie lediglich Schadensbegrenzung betreiben oder bemüht (!) sind die Situation irgendwie (?) in den Griff zu bekommen!

Kein Kind leidet, wenn der Kindergarten geschlossen hat. Auch wenn Tim vielleicht mal enttäuscht ist, dass er nicht mit Timo spielen kann, fände ich es maßlos übertrieben, dies als "Leid" anzusehen.

Es leiden aber viele Kinder in Kindertageseinrichtungen.


Die Gruppen sind riesig (werden aber nicht selten mit Sondergenehmigungen aufgestockt).
Die Wände sind nicht schallisoliert.
Es gibt nicht genug Personal (aber häufig wechselnde "Bezugserzieherinnen")
Es gibt, weder drinnen noch draußen, genug Platz zum Spielen und Toben (Der Quadratmeterschlüssel pro Kind wurde den derzeitigen Verhältnissen "angepasst)
.........................................


Gerade versuche ich mir, ein weinendes Krippenkind vorzustellen, welches, durch den Unmut der Eltern angesteckt, unbedingt in die Krippe möchte. Es gelingt mir nicht. Und selbst wenn es so wäre: Wie sehr müsste ein Kleinkind in seinem Elternhaus leiden, wenn es die Krippe als bessere Alternative ansehen würde?

Ich zitiere an dieser Stelle mal, was "Gelöschter User" hier im Forum geschrieben hat:
Gelöschter User hat geschrieben:Ich teile die Einschätzung, dass nur ein sehr geringer Anteil der Krippen von guter Qualität ist. Mir begegnen derzeit im Wesentlichen zwei "Sorten" von Krippen: Die, die im Schnellschussverfahren in einer bestehenden KiTa (meist einem Kindergarten) hintendran geklatscht wurden und oftmals nicht einmal über ordentliche Räume verfügen und die, die mit teuren Neu- und Umbauten in wirklich hinreißender Gestaltung glänzen können.

Erst gestern habe ich eine Schülerin in einer (neu eröffneten) Krippengruppe besucht, die im Intensivraum einer Kindergartengruppe untergebracht wurde: Gesamtfläche ca. 12qm, freie Bodenfläche etwa 2qm, darin untergebracht: Tische, Stühle, Regale, Wickeltisch(!), mehrere Töpfchen(!) und ein Regal mit Spielzeug. "Bewohnt" wird dieser Raum von 8 Kindern zwischen 0,9 und 2,4 Jahren, 1 Erzieherin und einer SPS-Praktikantin im ersten Jahr. Der Kindergartenraum nebenan ist mit 28 Kindergartenkindern voll belegt und muss durchquert werden, wenn man nach draußen oder zur Toilette möchte.

Der Stress in diesem Raum war förmlich zu riechen, als ich die Tür öffnete. Und auch, wenn solch extreme Bedingungen doch glücklicherweise die Ausnahme sind, fristen viele Krippenkinder in Umgebungen, die nicht für sie vorbereitet wurden, ihren Krippentag.

In der vergangenen Woche habe ich von einem Träger erfahren, dass die Stadt Nürnberg neue KiTas nur noch nach dem offenen Konzept genehmigt. Was das für Krippenkinder bedeuten kann, lässt sich unschwer vorstellen.

Unabhängig von den Räumen werden sie häufig von Erzieherinnen betreut, denen dieser Job verordnet wurde und die auch nicht entsprechend fortgebildet wurden. Natürlich finden sich die meisten irgendwann irgendwie in die neue Aufgabe - aber die Umstellung von Kindergartenkindern auf Krippenkinder funktioniert nicht nahtlos. Und so gibt es Jahr für Jahr unzählige Kleinkinder, die völlig überfordert werden, weil die Erzieherinnen erst am lebenden Kleinstkind üben müssen, wie es geht.

Oft sind es Träger, die solche Rahmenbedingungen schaffen. Was mich aber besonders erschreckt ist, dass es viele Erzieherinnen gibt, die keinen Handlungsbedarf sehen, sich entsprechend fortzubilden, weil sie glauben, ihre Berufserfahrung im Kindergarten würde genügen. Und dann zeigt man mir - wie ebenfalls erst in diesem Schuljahr geschehen - voller Stolz einen besonders geformten, maßgeschreinerten Tisch, an dem eine Erzieherin bequem 6 Kinder auf einmal abfüttern kann. Und nichts anderes ist es, was dort auch geschieht, wie ich wenig später sehen kann.

Die Krippen, in denen alle verstanden haben, worauf es in der Betreuung der Kleinsten ankommt, sind rar. Und dort würde ich beinahe wagen zu wetten, dass Stresshormone kein Thema sind - was ich von der Mehrzahl der mir bekannten Einrichtungen leider nicht sagen kann.

Die Frage ist aber: Welche Alternativen haben die Eltern?
Freundliche Grüße

Johanna

Matushka
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Matushka » Samstag 2. August 2014, 13:56

Hui.

Hallo,

Was ich nicht ganz verstehe -- es geht um Vernetzung. Was haelt die wissenschaftlich Taetigen davon ab, in guter Graswurzel-Manier ein paar Kitas vor Ort zu besuchen? Sich seine in die Praxis bereits eingebundenen Verbuendeten in der Realitaet zu schaffen?

Wie waere es, wenn jeweils ein Wissenschaftler-Team (z. B. ein Prof und ein studentischer Mitarbeiter) eine zeitlang regelmaessig hospitieren geht? Oder macht Ihr sowas schon?

Das Projekt klingt ein bisschen wie "Duschen ohne nass zu werden".

Svenja, ich faende es total interessant zu hoeren, auf welche Art die Thematik "Motivation" in deinen eigenen Ueberlegungen auftaucht. Falls du jetzt noch nicht voellig abgetoernt bist!

Nimm' die Kritik nicht zu persoenlich, wenn's geht. Dass du jetzt ueberfordert und vielleicht verwirrt bist, halte ich fuer normal. Ich denke, hier sind die meisten aber eher "auf deiner Seite", auch wenn's nicht immer den Anschein hat.

Alles Gute!

Sabine

amaria
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von amaria » Samstag 2. August 2014, 14:45

Svenja, auf jeden Fall sind hier einige auf deiner Seite. Nach meinem Abi habe ich mir nicht vorstellen, dass in einem demokratischen Land von der Presse so viel unterschlagen und unausgewogen dargestellt wird, wie ich es nun sehe. Wenn Politiker, Journalisten und die Presse auf bestimmte Themen und Meinungen einheitlich ausgerichtet sind, kommt dabei das heraus, was wir derzeit in den Medien serviert bekommen. "Man hat gegen das Betreuungsgeld zu sein" und als Wissenschaftler hat man so zu tun, als ob man an eine frühkindliche Bildung in Krippen glauben würde, die über die hinausgeht, die in den Familien erfolgen kann - und könnte!

Angesichts der hinlänglich bkannten Rahmenbedingungen und weil ich selbst Kinder betreut habe, kommt es mir absurd vor, zu glauben, dass wenige Erzieherinnen bei vielen Kindern gleichzeitig viel Förderung bewirken würden. Ich vermute auch, dass gerade Wissenschaftler nicht unbedingt die höchste Meinung von Erzieherinnen haben, wenn sie nicht Abitur haben oder zumindest mit einem Akademiker verheiratet sind.

Natürlich könnte ich auch an die absolute Liebe zur Wahrheit bei Wissenschaftlern glauben - aber ich schaffe es nicht. Dazu hätten mehr Wissenschaftler sich mit Kritik hervorwagen müssen, wie es beispielsweise Salman Ansari gemacht hat. Von den Lobhudeleien, die Wissenschaftler sich angedeihen lassen, kann einem schwindlig werden. - Dabei sollte Schwindel und Übelkeit doch eher bei denjenigen auftreten, die einen grandiosen Schwindel verursachen.

:kuschel: :knuddel:

Und was das Leiden "ausgesperrter" KInder angeht: Als 2009 Kitas durch Streiks bedingt geschlossen waren, blieb geschiedenen oder getrennt lebenden Eltern wegen der unverhofften Schließungen von Kindergärten nichts anderes übrig, als mehr Absprachen zu treffen. Der Kontakt mancher zuvor zerstrittener Eltern wurde dadurch :bussi: wieder besser. Als sie aufeinander angewiesen waren, kamen sich Eltern wieder näher - und das war nicht zum Schaden der Kinder!

Über so etwas wurde meines Wissens jedoch noch nicht in den Medien berichtet. Wohl aber gab es einige dubiose Interviews: Kinder wären wegen der Schließungen ihres Kindergartens zu Bettnässern geworden... Und bei verdi organisierte Erzieherinnen habe ich in einer Besprechungsrunde sagen hören, dass noch nie jemand das Kind ohne Windel gesehen habe...

Aufgrund der Verflechtungen zwischen Politik und Wirtschaft, werden Studien in Auftrag gegeben, die aus der Sicht von Erzieherinnen nutzlos sind. Es müssten andere Fragen gestellt werden. Favorisieren würde ich eine Untersuchung darüber, wie aktiv Erzieherinnen an der Gestaltung der Rahmenbedingungen ihrer Arbeit mitwirken. Es sollte endlich einmal thematisiert werden, warum eine Berufsgruppe über Jahrzehnte darin versagt hat, dafür zu sorgen, dass die Gruppen kleiner werden.
Angesichts der miesen Qualität in der Kinderbetreuung verdienen auch wir wirklich Kritik!!!

Wer die Kommentare zur Petition von educcare liest, kann eine Kostprobe von einer gewissen Dumpfheit unseres Berufsstandes vielleicht zwischen den Zeilen lesen. Unzählige Male liest man die Angabe, dass Erzieherinnen für die Petition wären, weil "Kinder unsere Zukunft sind" oder "weil ich Erzieherin bin/werde". (Aber für Jutta Allmendinger sind Erzieherinnen laut eigenem Bekunden "Helden".)

Lesen mittlerweile eigentlich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen was hier im Forum geschrieben wird? (Spätestens wenn ein Kind erwartet wird, könnte sich das Lesen lohnen.)

Freundliche Grüße

amaria
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Juliala
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Juliala » Samstag 16. August 2014, 13:55

Hallo,

nun ruht dieser Thread seit zwei Wochen.....schade!

Svenja, mich würde interessieren, was du nun bei eurer Teambesprechung angesprochen hast und wie die Kollegen reagierten.
Ich finde es schade, dass wir über das Ergebnis nicht informiert werden.
Ich weiß, du hast viel zu tun, aber vielleicht könntest du uns trotzdem kurz und knapp informieren, sonst beleibt doch irgendwie ein fades Gefühl zurück.

Falls hier jetzt jemand aus der Wissenschaft mitlesen sollte (vielleicht sogar Svenjas Chef :winke: ), würde ich mich über ein "coming out" sehr freuen.


Julia
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Forscherin in spe » Dienstag 19. August 2014, 09:30

Hallo ihr Lieben, ich hab hier immer mal wieder rein geguckt und jedesmal wusste ich nicht wo ich anfangen sollte zu schreiben. Dieser Thread hat in mir so viele Fragen aufgeworfen, dass ich mir selbst erstmal klar im Kopf werden muss/musste! Die Dokorantin mit der ich sehr eng zusammen arbeite wird sich im Laufe ihrer Promotion enger mit dem Thema "Meinungen/Einstellungen" von Erziehern beschäftigen und sich ganz dick auf ihre Agenda geschrieben hier im Forum aktiv zu werden. Ich hab gemerkt, dass das echt nicht so einfach ist hier aktiv zu sein, weil das schon viel Zeit in Anspruch nimmt weil man sich dafür ja auch genug Zeit für gute Antworten nehmen will... Ich hab aus den ganzen Kommentaren hier für die Teambesprechung eine Art "Best of" gemacht und mal einige Anmerkungen angesprochen. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass es ein unabdingbarer Weg ist, dass mehr Kommunikation statt finden muss. In welcher Form ist aber die Frage. Ich werde in nächster Zeit ein kleines eigenes Projekt bekommen und mich damit dann gezielt beschäftigen. Gerne möchte ich den Schwerpunkt auf "Qualität" legen. Dies lässt mir die Möglichkeit auch den Kontakt zwischen Wissenschaft und Praxis zu beleuchten. Ich kann leider als kleine Praktiktantin kein riesiges Projekt anleiern aber ich werde mein bestes geben und vielleicht kann ich in ein paar Jahren meinen Gedanken in größerem Maße weiter führen.

Svenja

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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Matushka » Donnerstag 4. September 2014, 16:36

Hallo Svenja,
Forscherin in spe hat geschrieben: Die Dokorantin mit der ich sehr eng zusammen arbeite wird sich im Laufe ihrer Promotion enger mit dem Thema "Meinungen/Einstellungen" von Erziehern beschäftigen und sich ganz dick auf ihre Agenda geschrieben hier im Forum aktiv zu werden.
Cool.

Vielleicht erinnerst du sie ab und an mal daran, dass der Belang, den sie durch dich weiterleiten liess, folgender war:
Unser neues Forschungsprojekt (zu Einstellungen von pädagogsichen Fachkräften) möchte eine enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis schaffen. Da wir aber noch komplett am Anfang stehen ist es zunächst wichtig Rechereche zu betreiben, zu filtern und dann daraus Schlussfolgern für den weiteren Forschungsverlauf.
Wer ein derartig sensibles Thema in einem bestimmten Fachbereich anreisst, traegt auch eine gewisse Verantwortung dafuer. Ausserdem kommt Ihr ja scheinbar gar nicht weiter ohne den Input von Leuten wie diesen hier. :kicher:

Ist es wirklich so viel Laerm um nichts gewesen? Fuer alles eine Antwort, aber keine echte Substanz? So wird es scheinbar auch weitergetragen an die Studierenden (Svenja, du bist hier sicher "nur" repraesentativ -- soll echt kein Angriff auf dich persoenlich sein. Vermutlich ist die Doktorandin auch verwirrt. :) ). Das kenne ich aus der Uni-Welt hier anders. Uns wird -- zumindest in den Statistik- und Methodik-Kursen -- immer und immer wieder mitgeteilt, wie wichtig es sei, in der Forschung unsere eigenen Vorbehalte und festen Meinungen unentwegt zu hinterfragen. Unser eigener "aergster Feind" zu sein. Nur das mache eine Studie hieb- und stichfest -- und sicher vor Kritik! Ethisches Handeln -- eigentlich ganz simpel.

Es geht bei deinem Anliegen um einen Forschungsbereich, der die meisten hier betrifft. Die genaue Zielsetzung ist mir immer noch nicht klar.

Du schriebst vor einigen Wochen:
Ich finde es persönlich unverständlich, warum noch kein Transfer zwischen Theorie und Praxis aktiv stattgefunden hat. Also sicherlich läuft keine Studie ab ohne Praktiker zu befragen oder sie in ihrer Arbeit mit Kindern zu beobachten, aber so richtig aktiv läuft das eben nicht ab. Fraglich ist warum?


Verstehst du's jetzt besser?


Gruss von einer (fast :wink: ) unbeteiligten Beobachterin,

Sabine

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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Matushka » Donnerstag 4. September 2014, 17:45

Wohl kein Zufall. :pfiff: Dies muss ich u.A. diese Woche lesen. http://learningstore.uwex.edu/assets/pdfs/g3658-2.pdf

"Fragebogen-Design: Wie man Fragen stellt, die fuer den Gebrauch taugen" (Titel frei uebersetzt).

Gruss,

Sabine

Juliala
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Juliala » Donnerstag 4. September 2014, 20:41

Hallo,

Sabine.....danke, dass du den Thread noch einmal hochgeholt hast.
Ich finde es ganz wichtig, dass wir hier weiter diskutieren. Leider läuft die Diskussion hier sehr zähflüssig, was ich darauf zurückführe, dass seitens der Forscher und Professoren kaum Interesse an einem Austausch besteht.
Lieber tüftelt man hinter verschlossenen Türen.
Viel heiße Luft.....
Leider wurde meine negative Meinung zu diesem Thema verstärkt, weil ich den Austausch als sehr unbefriedigend empfinde und ich das Gefühl habe, dass wir hingehalten werden.

Vielleicht kommt hier ja doch noch ein wertvoller Austausch zustande.

Julia
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von amaria » Sonntag 7. September 2014, 19:37

Ja, das wäre schön. Doch da momentan Semesterferien sind, kann es sein, dass wir auf Svenjas Antworten noch etwas warten müssen.

Wie wäre es, wenn einige sich in den Erzieherfachschulen die Mühe machen, ihre Fachlehrer zu fragen, in welchen Erzieherforen sie lesen und welche Eindrücke sie gewonnen haben? - Oder sollte für diese Frage ein eigener Thread eröffnet werden?

Freundliche Grüße

amaria
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Re: Eure Informationsquellen

Beitrag von Juliala » Sonntag 7. September 2014, 19:59

Hallo amaria,

das Warten sind wir Erzieher ja gewohnt:
Das Warten auf bessere Bedingungen
Das Warten auf ein besseres Gehalt
Das Warten auf Anerkennung
Das Warten auf Aufstiegsmöglichkeiten
usw.

Dagegen ist es doch ein Klacks, auf Antwort von Svenja und der Doktorandin, die sich ganz DICK auf ihre Agenda geschrieben hat, hier im Forum aktiv zu werden, zu warten.
Ich warte und warte und warte.......
Ich bin geduldig und habe als Erzieherin natürlich immer vollstes Verständnis.
Was ist das für eine Diskussion, bei der ich Wochen auf eine Antwort warten muss?
Entschuldigt, aber ich fühle mich echt nicht ernst genommen.

Gute Nacht Marie....

Julia
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