Mangelnder Konsens zwischen Anleiterin und Azubi

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JaneSession
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Registriert: Donnerstag 13. Juli 2017, 21:55

Mangelnder Konsens zwischen Anleiterin und Azubi

Beitrag von JaneSession »

Hallo zusammen,

ich habe diesen Monat meine praxisintegrierende Ausbildung angefangen, sprich neben der Schule arbeite ich 30h die Woche in einer Wohngruppe.
Nun hat mich meine Anleiterin beiseite genommen und mich auf zwei Dinge angesprochen, die ihr bei meiner Arbeit aufgefallen sind: Zum einen sei ich zu langsam, müsse etwas zackiger werden und zum anderen fehle mir der ganzheitliche Überblick (präsent haben, was bei den Kids alles während meines Dienstes ansteht/zu beachten ist, welche Aufgaben noch erledigt werden müssen, was im Haus noch an Aufgaben so anfällt usw.)

Ich habe ihr zu erklären versucht, dass ich erst ein paar Tagdienste (4 oder 5) hatte und eben einfach nicht von selbst sehe, was alles ansteht oder was ich machen soll, wenn die Aufgaben, die bei der Übergabe an mich übertragen wurden erledigt sind und dass mir eben auch Fehler unterlaufen, aus denen ich dann aber auch lerne (z.B. dass ich bei der Kontrolle des Baddienstes der Jugendlichen übersehen bzw. erst später gesehen habe, dass keine Tüten im Mülleimer waren). Wenn ich entsprechend nicht sehe was noch für ein Berg an Aufgaben ansteht, nehme ich mir für manche Aufgaben auch mehr Zeit. Bin teils auch etwas orientierungslos/zerstreut. Ist eben alles neu und habe noch keine Standardrezepte parat. (Vertraue ich der Aussage einer Jugendlichen oder kontrolliere ich sie und wie sage/argumentiere ich meine Entscheidung gegenüber der Jugendlichen?)

Sie brachte dafür aber nicht viel Verständnis auf, hat gegen-argumentiert, dass ich seit fast vier Monaten da sei (habe drei Monate ausschließlich im Nachtdienst gearbeitet) und ich mir nicht ein halbes Jahr Zeit lassen könne, um das zu lernen. Im Nachtdienst fallen andere Aufgaben an und in den drei Monaten hat mir auch nie jemand gesagt und von selbst aus war es mir nicht präsent, dass ich bestimmte Dinge (z.B. Namen externer Ansprechpartner von Jugendamt, Therapeuten, Lehrern etc.) schonmal hätte auswendig lernen können/sollen. Andere Dinge habe ich auch selbst gesehen/ mir angeeignet/ einfach gemacht ohne, dass es aufgefallen ist oder ich jede Kleinigkeit benennen muss (Listen mit neuen Kopiervorlagen auffüllen, Folgedokumente für den nächsten Monat anlegen).

Ich würde gerne nochmal das Gespräch suchen, weiß aber nicht recht, wie ich das ansprechen bzw. mit ihr zu einer Lösung kommen soll. Bin mir nicht ganz sicher, ob sie mich auf Augenhöhe sieht und meine Anmerkungen annehmen und sich auf einen Konsens einlassen kann. Derzeit fühle ich mich eher von oben herab gesteuert und unzugänglich für meine Ansichten/Probleme. Bisher habe ich auch nicht viel Anleitung erfahren. Ich habe Übergaben und Erklärungen zu anstehenden Aufgaben und Kurzrückmeldung, wenn ich was falsch gemacht/vergessen habe bekommen aber richtige Gespräche (gegenseitige Erwartungen und Anforderungen, Erklärungen wie was läuft oder funktioniert o.ä.) oder Feed back habe ich nicht oder allenfalls auf konkrete Fragen meinerseits erhalten. Ich frage auch sehr viel nach, sowohl um abzugleichen, ob meine Handlung nachvollziehbar war bzw. ob es eine bessere Lösung geben würde für bestimmte Situationen, ob ich noch irgendwas machen könne (Aufgabe, wenn ich nichts mehr zu tun habe) oder Hintergrundinformationen, um Zusammenhänge zu verstehen. Manchmal werden Informationen (weder in der mündlichen Übergabe noch über das elektronische Informationssystem, in die wir Infos und Vorfälle eintragen) an mich weiter gegeben, sodass ich einzig durch Nachfragen an diese Infos komme. Dadurch und durch meine Diensteinteilung (15h Nachtdienst und 15h Tagdienst d.h. ca. 6-8 Tagdienste im Monat) bin ich nicht so im Geschehen und im Team drin, wie die Vollzeitkräfte (einschließlich der Praktikantin, die 40h pro Woche und nur Tagdienste macht). Insgesamt bin ich sehr motiviert, bemüht und interessiert, aber das kommt anscheinend nicht an und ich merke, dass die Stimmung gerade auf beiden Seiten zu kippen droht und ich eher als zerstreut, langsam und unselbstständig wahrgenommen werde.

Wie gehe ich damit um? Was kann ich sagen, um ihr meinen Standpunkt klar und sie für meine Probleme, Ängste, Wünsche und Belange zugänglich zu machen, wenn sie selbst eine recht einseitige und konfrontative Haltung einnimmt? Die Probleme und Anforderungen kann ich nicht alleine lösen. Ein ganzheitliches Denken (und das Präsent-haben von so vielen Informationen) ist für mich neu, muss trainiert werden und kann ich nicht mit einem Fingerschnippsen einfach einschalten. Aufgaben müssen wenigstens einmal aufgelistet/erklärt werden, damit ich weiß, welche Aufgaben es überhaupt gibt, die ich machen kann wenn mir sonst nichts mehr einfällt. Und was ist eigentlich Anleitung? Mir nur vorhalten was ich falsch mache oder auch mal das Gespräch suchen und mir den Raum einräumen meine eigenen Erlebnisse und Wahrnehmungen einzubringen? Was darf ich denn erwarten und (ein-)fordern?

In vier Monaten! habe ich übrigens exakt zweimal (von einer anderen Kollegin) ein Lob ausgesprochen bekommen, an je einer Situation benannt was ich gut gemacht habe. Darf ich auch fordern solche Rückmeldungen zu bekommen? Die waren nämlich sehr hilfreich und haben mir auch einfach mal sehr gut getan.
Zenobia
Schriftsteller
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Registriert: Montag 27. April 2009, 21:20
Wohnort: Berlin

Re: Mangelnder Konsens zwischen Anleiterin und Azubi

Beitrag von Zenobia »

Du brauchst zunächst eine Arbeitsplatzbeschreibung. Dann kennst du deine Aufgaben und deine Kollegin lernt ihre Grenzen kennen. Scheint so, als sei ihr dein Status nicht bewußt. Ihre Forderungen kann sie an eine ausgebildete Kraft stellen, die dementsprechend bezahlt wird, nicht an dich.

Suche das Gespräch mit deinem Arbeitgeber; lasse dich nicht entmutigen.
Butterblume22
Beiträge: 5
Registriert: Donnerstag 20. Juli 2017, 07:55

Re: Mangelnder Konsens zwischen Anleiterin und Azubi

Beitrag von Butterblume22 »

Wenn ich sowas lese, feheln mir die Worte. Eine Leitung oder Anleiterin
müsste eigentlich wissen, dass man erst einmal Zeit benötigt um sich einzuarbeiten. Bei mir ist das auch so.
Ich bin gerade 4 Wochen da und mir hat nie jemand gewisse Dinge erklärt,
dann werd ich angepflaumt, wenn ich den Kindern helfe, statt z.B. in der Gruppe zu sein,
weil da gerade keine Erzieherin ist..Die gehen davon aus, dass man von Anfang an alles weiß, erklären aber nur wenn
man fragt. Ich glaube manche wollen sogar dass man etwas falsch macht, weil sie es nicht schaffen mit den
Praktikanten auf Augenhöhe zu kommunizieren. ZUm KOtzen :kopf:
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