Die richtige Basis

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Millkaa
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Die richtige Basis

Beitrag von Millkaa » Donnerstag 15. Juni 2017, 11:46

Hallo Kollegen und Kolleginnen,
ich zerbreche mir nun seit einigen Wochen den Kopf. Mein Umfeld konnte mir bereits ein paar Tipps geben aber nicht die konkrete Hilfe bereitstellen die ich brauche.

Zu meiner Vita: 31 Jahre alt, männlich, aktiver Sportler, habe Bock mich weiter zu entwickeln und möchte nicht auf der Stelle treten
Grundschullehramt studiert (nur bis zum Bachelor), als Erlebnispädagoge gearbeitet und auch meine 900 Stunden+ Praktikum in diesem Bereich abgeleistet. Nebenbei immer wieder in vielen Bereichen gejobbt.

Dieses Jahr habe ich die Externenprüfung in NRW gestartet, praktische Prüfung ist durch, schriftliche auch es kommt nur noch die mündliche. Es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn dies noch schief geht.

Nun kommt mein Problem: Wie baue ich ein solides Fundament auf?
Das Anerkennungsjahr ist der nächst größere Schritt. Hier habe ich zwei Angebote/Plätze die sich krass unterscheiden.

Ich bin im Moment unheimlich verunsichert und mit meinem Latein am Ende.

Platz 1: Erzieher Stelle in einem 2-gruppigen Kindergarten einer Elterninitiative, sehr gutes Klima, waldpädagogisches Konzept, junge Leitung (ca. 40)

Platz 2: Jugendschutzstelle des Jugendamtes, gutes Team, sehr gutes Klima, Jugendarbeit

Hier kommt meine Frage ins Spiel:

Welcher Weg macht für die Zukunft mehr Sinn? Welcher Weg ist flexibler bzw. wo gibt es tendenziell (auf dem Papier) mehr Aufstiegsmöglichkeiten?

Ich bin mir absolut unsicher welcher Weg bzw. welches Fundament das sinnvollere ist.

Bislang habe ich herausgefunden, dass man als Erzieher im Kindergarten die Aufstiegschancen bekommt eine Leitungsposition zu bekommen. In der Jugendhilfe war der OTon von allen die ich gefragt habe, dass es wohl schwer sei aufzusteigen. Die Leitungspositionen sind sehr oft von Sozialarbeitern oder Sozialpädagogen bekleidet und nicht mit Erziehern.
Kann man das so "einfach" formulieren, dass der Erzieher im Kindergarten mehr Aufstiegsmöglichkeiten besitzt, auch Aufstiegschancen in der Entgelttabelle als der Erzieher in der Jugendhilfe?

Ich habe es so verstanden, dass der Erzieher im Kindergarten Fortbildungen benötigt, der Erzieher in der Jugendarbeit kommt dann weiter, wenn er Weiterbildet, also bspw. noch den Sozialarbeiter berufsbegleitend dazu studiert. Kann man das so unterschreiben?

Wie sieht es mit den Arbeitschancen aus? Ich stelle es mir schwieriger vor als Erzieher mit frischem Berufsabschluss und dem Anerkennungsjahr im Kindergarten in der Jugendhilfe Fuß zu fassen als Erzieher mit Anerkennungsjahr Jugendhilfe eine Stelle in einem Kindergarten zu bekommen.
Die Beratungslehrer der Schule würden eher dazu tendieren die Jugendhilfe abzuleisten und dann in einem Jahr noch einmal konkret zu planen ob Jugendhilfe oder Kindergarten Sinn macht bzw. was dort der bessere Weg ist.

Ich bin mir bewusst, dass es hier nicht den besten Weg gibt und dass es immer auf mich ankommt, meinen Einsatzwillen, meine Fähigkeiten etc. ich erhoffe mir von Euch ein paar Tipps wie ihr es erlebt ob der Weg Jugendhilfe -> Kindergarten genau so einfach geht wie Kindergarten -> Jugendhilfe und wo die besseren Aufstiegschancen sind.

Die Faktoren Arbeitszeit, und dass im Kindergarten viel "Schönes" und in einer Jugendschutzstelle viel "Schlimmes" stattfindet sollte vorab nicht berücksichtigt werden. Das ist mir bewusst.

Letzte Frage: Welche Stelle kann mir da Infos geben? Agentur für Arbeit? Der einzelne Träger? An welche Beratungsstelle wendet man sich mit solchen Fragen? An wen wenden sich Erzieher, wenn diese Fragen zu Weiter und Fortbildung haben?

Ich bedanke mich bei allen die antworten.
Vielen Dank und einen schönen Feiertak

Nik

P.S. Falls es jemandem zu viel zu schreiben ist, ich kann auch gerne die Kommunikation im Netz anbieten, Teamspeak bspw.

amaria
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Re: Die richtige Basis

Beitrag von amaria » Donnerstag 15. Juni 2017, 14:00

Hallo Nik,

der Erziehermangel ist derart groß und wegen der anstehenden Verrentungen älterer Erzieherinnen spricht meiner Meinung nach nichts dagegen, das Anerkennungsjahr in der Jugendhilfe zu machen. Das hätte später auch den Vorteil, dass du besser aus dem Kindergartenbereich in die Jugendhilfe wechseln kannst, wenn dir danach ist. Im Forum hat vor längerer Zeit ein Mann gepostet (möglicherweise wurde der Beitrag gelöscht) dass er gegen seinen Willen in die Krippe versetzt werden sollte. So was mag nötig gewesen sein, kann jedoch auch eine Schikane gewesen sein, um einen Kollegen loszuwerden.

Was leider die Stellensuche von männlichen Erziehern erschweren kann: Wer häufig die Stellen wechselt oder gern als Springkraft arbeitet, dessen Bewerbung wird schon mal mit Argwohn betrachtet. Bei männlichen Erziehern, die lange beim gleichen Träger arbeiten, wird hingegen nicht so schnell vermutet, dass möglicherweise Anlass bestand, aufgrund eines vagen Verdachts von sexuellem Missbrauch eine Stelle aufzugeben.

Je nachdem wie groß du bist, würde ich im Hinblick auf die eigene Gesundheit nicht mit Kripenkindern arbeiten wollen. Mit Anfang dreißig wirst du noch nichts merken, aber später vermutlich schon.

Alles Gute!

amaria
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
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Re: Die richtige Basis

Beitrag von Bildungsexperte » Donnerstag 15. Juni 2017, 14:48

Schließe mich Amaria im vollen Umfang an.

Jugenhilfe statt Wald"männchen" :-)

Akzeptanz für männliche Pädagogen ist im Bereich der Jugendhilfe auch nachweislich höher als im Elementarbereich. Da wird es für Männer immer schwerer sein, leider.

Lieben Gruß

Bildungsexperte
Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist

Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand.

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(1788 - 1860), deutscher Philosoph

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Re: Die richtige Basis

Beitrag von JaneSession » Donnerstag 13. Juli 2017, 23:52

Hi Nik,

nachdem du den generalistischen Teil der Ausbildung hinter dir hast, fragst du dich, welches Profil mehr Sinn macht. Aber das hängt (meiner Meinung nach in erster Linie) davon ab welche Arbeit dir mehr am Herzen liegt bzw. wo du arbeiten möchtest. Kindergarten und Jugendamt sind, wie du bereits festgestellt hast, schon große Unterschiede. Und du denkst auch über Aufstiegschancen nach, siehst dich also in der Zukunft in einer eher leitenden Position? Auch nochmal ein Unterschied, ob man mehr Schreibtischarbeit übernimmt oder direkt mit Kindern/Jugendlichen arbeitet. Bringt es dir etwas zu wissen, wo du mehr Chancen hast in die höhere Position zu rutschen, wenn du in der "für dich falschen" Einrichtung bist? Aber selbst wenn du nach dem Anerkennungsjahr den Bereich wechseln möchtest, wirst du eine Stelle finden.

Ich habe da übrigens einen ganz ähnliches Profil und bin folgendermaßen zu meiner Entscheidung gekommen:
Seit einiger Zeit arbeite ich für einen erlebnispädagogischen Arbeitgeber und beginne nun die berufsbegleitende Erzieherausbildung in einer Wohngruppe für Jugendliche. Mein Vorpraktikum habe ich in einem Waldkindergarten absolviert, habe aber auch Erfahrung als Nachtdienst in einer Wohngruppe gesammelt.
Auf meiner persönlichen Liste der beliebtesten Arbeitsstellen steht der Waldkindergarten ganz oben, dabei würde ich insgesamt betrachtet den Jugendbereich einem Regelkindergarten bevorzugen. Für den Jugendbereich habe ich mich entschieden, weil ich dort im Rahmen der Ausbildung einen größeren Lerneffekt für mich sehe, was natürlich einen späteren Wechsel in den Elementarbereich nicht ausschließt. (Ebendeshalb und weil die Ausbildung mehr auf Kindergarten ausgerichtet ist betrachte ich den Wechsel von Jugendbereich in Elementarbereich nach der Ausbildung für mich persönlich einfacher als umgekehrt.)
Idealerweise arbeite ich später 20 bis 30 Wochenstunde im Waldkindergarten andernfalls in einer Wohngruppe/offenen Jugendhilfe und nebenher als Erlebnispädagogin. Brauche nämlich auch die Abwechslung. :)

Was Waldkindergarten bzgl. Männeranteil und -ansehen angeht, bin ich anderer Meinung als der "Bildungsexperte" ;)
In meiner Praktikumsstelle war das Geschlechterverhältnis ausgeglichen (in beiden Gruppen je ein Erzieher und eine Erzieherin, die Kindergartenleitung war auch durch einen Mann besetzt) und ich fand das, wie auch die meisten (wenn nicht sogar alle) "unserer" Eltern sehr ansprechend. Die Eltern, die ihre Kinder in einen Waldkindergarten stecken, haben eben einfach auch ein anderes Bild von und Erwartungen an die Erziehung. Also lass dich davon bloß nicht abschrecken! Sowohl in Kindergarten als auch in der Jugendarbeit ist ein ausgeglichenes Geschlechtsverhältnis erwünscht und der Trend dahin ist auf dem Weg.

Ich hoffe, ich konnte Dir zu deinen Fragen zumindest etwas Anregung geben, wie Andere mit ähnlichen Fragestellungen umgehen und mit deinem Problem umgehen würden. ;)

LG
Jane

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