Was tun bei problematischen Verhalten mit der Leitung(Erstkraft)?

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raspberry
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Registriert: Donnerstag 22. Juni 2017, 13:22

Was tun bei problematischen Verhalten mit der Leitung(Erstkraft)?

Beitrag von raspberry »

Hallo!
Ich zerbreche mir schon des längeren den Kopf über die Gesamtsituation der Einrichtung, in der ich angestellt bin. Aufgrund von Schwangerschaft bin ich aktuell nicht mehr in der Einrichtung, doch mich lassen gewisse Tatsachen einfach nicht los.

Ich kam als Vertretungskraft, habe nur für einen bestimmten Zeitraum dort vor der Schwangerschaft gearbeitet.
Die Kita ist sehr klein, drei Fachkräfte, zehn Kinder.

Während der Zeit dort stieß ich regelmäßig auf Verhalten von der Erstkraft gegenüber den Kindern, jedoch auch gegenüber mir und der anderen Kraft, das meiner Meinung nach in der heutigen Zeit in einer pädagogischen Einrichtung nicht mehr sein dürfte. Ich habe schon in einigen Einrichtungen gearbeitet, aber das Bild, was sich mir hier bot, widerstrebt sich meinem Bild von pädagogischem Handeln - wäre ich nicht schwanger geworden, hätte ich wohl gekündigt.
Das Ding ist, das mir besonders der Umgang bei einem Kind übel aufstößt. Es wird für sein Alter unfair behandelt, die Äußerungen der Erstkraft sind in meinen Augen für das Kind und dessen Entwicklung von Vertrauen und Selbstbewusstsein schädlich. Die Erstkraft duldet aber keine Kritik an ihrem Handeln, das wurde unmissverständlich schon vor meiner Einstellung klar gemacht. Was sie sagt, gilt und genauso soll es getan werden.
In dem Sinne habe ich nicht mal eine Chance, es mit ihr zu besprechen. Es gibt keine Teamsitzungen, keine Reflexionen oder Absprachen, nichts.
Der Umgang mit den Mitarbeitern fällt ebenso grob aus, man ist eher Bediensteter, als Kollege, wenn es um das pädagogische Handeln ging.
Ich war mit Beginn der Schwangerschaft erleichtert, dort weg zu sein, doch lässt mir diese Situation vorallem für das eine Kind keine Ruhe, denn ich habe gesehen, das dieses Kind an Tagen, an denen die Erstkraft nicht im Dienst war, viel entspannter und ruhiger war, es gab keine ausgearteten Situationen, wie sie mit der Erstkraft immer eintraten. Diese trägt auch nach außen, welche Kinder sie mag und welche nicht. Und das ist auch spürbar für die Kinder.

Ich fühle mich sehr hilflos in dieser Situation, ich weiß nicht was ich tun soll und überhaupt tun kann! Da die Erstkraft zeitgleich auch die höchste Instanz in der Einrichtung ist, habe ich keinen Ansprechpartner. Ich habe schlichtweg auch Angst um meine berufliche Zukunft, denn wenn man etwas sagt, ist man direkt unten durch und es besteht die Möglichkeit, das sich dies rumspricht. Ich fühle mich in einer Zwickmühle, die Sorge um das Kind und die Sorge um meine berufliche Zukunft. Zudem tut es mir in der Seele weh, wenn ich an den Anblick des Kindes denken muss, wenn es wieder einer Situation mit der Erstkraft ausgesetzt ist.

Was für Möglichkeiten habe ich in dieser Situation? Mit der Mutter des Kindes reden? Zum Jugendamt?
Ich freue mich über eure Meinungen und Tipps.

Judith
Leseratte
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Registriert: Freitag 15. Oktober 2010, 20:34

Re: Was tun bei problematischen Verhalten mit der Leitung(Erstkraft)?

Beitrag von Judith »

Magst du vielleicht mal ein Beispiel nennen von einer Situation (oder auch mehr) von Kind und Erstkraft?
Wie alt ist das Kind? Und wie alt sind die 10 Kinder in der Gruppe?
Wie alt ist die Erstkraft und seit wann ist sie in der Einrichtung tätig?
Wie haben die verbliebenen Kollegen es gesehen, als du noch da warst?

raspberry
Beiträge: 3
Registriert: Donnerstag 22. Juni 2017, 13:22

Re: Was tun bei problematischen Verhalten mit der Leitung(Erstkraft)?

Beitrag von raspberry »

Ich weiß halt nicht wie viel an Details ich erzählen kann, hab da etwas Angst wegen der Schweigepflicht.
Es ist eine Krippe, die erstkraft ist schon lange um Berufsleben, schätze 25 Jahre. Die andere Kollegin hat zwar eine pädagogische Ausbildung, wirkt auf mich aber sehr unsicher, sie macht das, was die erstkraft sagt, ohne zu hinterfragen. Deshalb sagt sie gar nichts zu solchen Situationen, eher redet sie nach dem Mund der erstkraft.
Einrichtung und erstkraft sind vom gleichen "Baujahr", und es gibt keine höhere Instanz.

Die heftigste Situation für mich war, als ein kind etwas nicht bewerkstelligen konnte, dafür dann am oberarm hochgezerrt und ins Bad gesetzt wurde, die Tür bis auf einen cm zugezogen. Es hat bitterlich geweint. Die erstkraft hat bei dieser Aktion dem Kind auch im harten Ton gesagt, das sie auf dieses babytheather kein Bock habe.
Das kind hatte jedes mal sichtlich Angst, wenn es wieder vor dieser Situation stand und weinte schon, bevor die erstkraft etwas sagte. An Tagen, an denen sie nicht da war, verlief es ganz anders, das Kind war sehr entspannt.

raspberry
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Re: Was tun bei problematischen Verhalten mit der Leitung(Erstkraft)?

Beitrag von raspberry »

Hat keiner einen Rat?

hallihallo
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Re: Was tun bei problematischen Verhalten mit der Leitung(Erstkraft)?

Beitrag von hallihallo »

1.Rat: dokumentieren damit du es belegen kannst.
2.Rat: Damit dann ins Gespräch gehen mit der Leitung und um eine professionelle Vorgehensweise bitten oder um eine vernünftige Erklärung (was es wohl nicht geben wird).
3.Rat: die Beratung einer Fachkraft vom Jugendamt suchen.
4.Rat: die Stelle wechseln.

Unser Kindergarten hatte auch mal so eine Fachkraft und es war eine Tortur für die Zweitkraft. Es hat lange gebraucht (ein Jahr) bis diese Kollegin "strafversetzt" wurde. Die Zweitkraft war nervlich damit durch (eben dieser ewig lange Weg und das "Gemauschel") und mittlerweile arbeitet sie gar nicht mehr im Elementarbereích (was sehr schade ist).

Bette
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Re: Was tun bei problematischen Verhalten mit der Leitung(Erstkraft)?

Beitrag von Bette »

Hallo!
Erstmal möchte ich Dir mein Mitgefühl ausdrücken. Es ist ungeheur belastend, in so eine Situation zu geraten. Ich habe ähnliches zuletzt auch erlebt. Dort wurde ein Kind vor meinen Augen sogar geschlagen und in eine Ecke gestoßen. Obwohl ich nicht zimperlich bin, habe ichs auch mit der Angst zu tun bekommen.
Den Vorschlag, alles genauestens, unemotional und äußerst sachlich, mit Datum und allem was sonst noch dazu gehört zu dokumentiern, kann ich nur unterstützen.
Es ist ja nun so, dass Du momentan in der Elternzeit sein wirst. Daher bist Du erstmal raus aus diesem Boot.
Ich kann Dir nur sagen, wie ich es gemacht habe.
Ich wußte, dass ich nur übergangsweise dort arbeiten würde. Das hat mir geholfen, ruhig und sachlich zu bleiben.
Dann habe ich angefangen, alles akribisch zu dokumentieren.
Immer öfter, hat mir das, was da schwarz auf weiß stand, auch die Kraft gegeben, mich einzumischen. Ich habe Kinder aus der Situation genommen. Habe die Kollegin nie vor den Kindern kritisiert, aber ich habe demonstrativ gezeigt, wie ICH es machen würde.
Das klingt einfach, war aber ungeheuer anstrengend. Ich hattte oft Angst vor der betreffenden Kollegin. Aber wann immer ihr Verhalten ok war und sie Dinge gut gemacht hat, habe ich meine Anerkennung dafür zum Ausdruck gebracht. Ganz bewusst habe ich ihr immer mal wieder was Gutes getan. Einen Tee mitgekocht, ihr die Tür aufgemacht, mit ihr gelacht. Sie entlastet. Habe mich sehr darum bemüht, auch das Gute an ihrer Person zu sehen und damit umzugehen. So war die z.B. total humorvoll, wenn es ihr gut ging. Und sie hatte alle Termine etc. im Kopf.
Aber ich habe sie auch gelegentlich konfrontiert. Habe ihr pädagogisches Verhalten hinterfragt und sie erklären lassen. Wenn sie dann sauer geworden ist - und das ist sie öfters geworden - dann habe ich das Gespräch abgebrochen und den Faden später wieder aufgenommen.

Ich habe auch meine Vorgesetzte informiert und sie darauf hingewiesen, dass ich ein Protokoll führe und ich davon ausgehe, dass wir irgendwann in große Schwierigkeiten geraten, wenn z. B. Eltern sowas mitbekommen und das ich es unverantwortlich finde, was die Kinder in dieser Gruppe aushalten müssen. Diese Vorgesetzte wußte bereits von dem Verhalten der Kollegin und hatte schon diverse Gespräche mit ihr deswegen geführt. Genutzt hat es nichts. Das grobe und meiner Meinung nach sträfliche Verhalten der Kollegin ist mehr und mehr in den Untergrund gegeangen. Sie hat dann nicht mehr wie ein Feldwebel im Flur herum gebrüllt sondern die KInder in der Gruppe mit subtlieren Dingen fertig gemacht.
Zwischendurch habe ich auch immer damit gerungen, den Elternbeirat zu informieren. Hattte dann auber auch Bedenken, wegen meiner Schweigepflicht.
Ich hatte auch so absurde Sorgen, dass meine Kollegin arbeitslos werden könnte, wenn ich zu viel mache. Und gleichzeitig war der Drang, die Kinder schützen zu wollen immer im Vordergrund. Es war eine unglaubliche Situation und ich war so oft auch in meiner freien Zeit mit den Gedanken darum beschäftigt. Nach drei Monaten war ich völlig ausgelaugt und erschöpft und bin dann gegangen.
Meine Cheffin hat mich nicht nach dem Protokoll gefragt. Ich glaube, sie wollte es auch nicht so genau wissen.
Drei Tage bevor ich gegangen bin, habe ich sie gefragt, wann und ob überhaupt sie das Protokoll haben möchte. Sie fragte mich, ob es denn wirklich so wichtig wäre, was darin stände?
Ich war fassungslos und meinte, sie solle es lesen und selber entscheiden, wie wichitg es ist.
Sie hat dann gesagt, ich soll es ihr geben, sie wird es in den Trsor der KiTA einschließen und es lesen, wenn sie bereit dazu ist.
Was soll man dazu sagen?
Ich habe es ihr gegeben.
UNd bisher nichts mehr darüber gehört.
Keine Rückmeldung.
Es ist nun so, dass ich noch Kontakt zu zwei Kolleginnen habe aus dieser KiTa. Die kommen demnächst zu Besuch. Dann werden wir besprechen, ob irgendwas inzwischen geschehen ist.
Wenn nicht, werde ich eine Kopie der Dokumentation an den Träger der Einrichtung weiterleiten, an die pädagogische Leitung und an den Bertiebsart. Dann kann niemand mehr die Augen verschließen - meine ich.

Was mir auch geholfen hat, nicht nachzulassen, war die stete Rücksprache mit anderen Personen. Ich habe immer wieder Dinge berichitet und an deeren Reaktion abgelesen, dass ich nicht nachlassen darf. Dass ich nicht anfangen darf, mich zu gewöhnen und tatenlos zuzusehen. Oft war ich hilflos und habe nächtelang nicht geschlafen, weil ich selber nicht mehr wußte, wo oben und unten war. Aber die ständige Rückmeldung anderer Menschen hat mich immer wieder auf Trab gebracht.
Ich weiß n icht, ob Dir mein Bericht hilft. Deine Situation ist ja etwas anders als meine.
Aber ich wünsche Dir gute Gedanken, Kraft und Energie das Richtige, für Dich machbare zu erkennen und dann auch zu handeln.
Alles Gute für Dich!

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