Arbeitszeiten der TZ-Kräfte

amaria
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Re: Arbeitszeiten der TZ-Kräfte

Beitrag von amaria »

Als Teilzeitkraft habe ich es als sehr angenehm empfunden, dass Leitung und Kolleginnen nicht von mir erwartet haben, außerhalb der von mir vereinbarten drei Tage Vollzeit in die Einrichtung zu kommen. Es war kein Problem für mich, tageweise den Dienst mit Kolleginnen zu tauschen und dazu habe ich auch fast immer ja gesagt. Aber bei einer weiten Anreise hätte es sich nicht gelohnt, stundenweise mit Unterbrechungen auch noch an anderen Tagen zu arbeiten.

Ein Vorteil der Teilzeitarbeit für Erzieher und Arbeitgeber ist es aus meiner Sicht, dass weniger Krankheitsausfälle unumgänglich sind. Nach zwei oder drei Tagen Vollzeit, kann man sich daheim oder bei einer anderen Arbeit regenerieren, während Vollzeitkräfte irgendwann richtig krank sind und entsprechend lange fehlen müssen.

Ich empfand eine volle Woche in Teilzeit vormittags bis nach dem Mittagessen als anstrengender als die entsprechende Stundenzahl auf drei Tage am Stück verteilt. Für die Kinder ist es auch ein Vorteil, wenn ihre Erzieherinnen fit und entspannt sind. Leider ist Teilzeitarbeit jedoch für die Jüngsten alles andere als ideal. Ich würde deshalb und aus einer Reihe von anderen Gründen nicht in einer Krippe arbeiten wollen. Eine Kinderfrau oder Tagesmutter kann besser auf die Bedürfnisse eines Kleinkindes eingehen, finde ich.
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
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Jessy87
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Re: Arbeitszeiten der TZ-Kräfte

Beitrag von Jessy87 »

Jetzt bin ich bockig und trotzig. Na dann.

Mich interessiert herzlich wenig, was in anderen Berufen passiert. Daher passt dieser Vergleich nicht, da wir hier im Erzieherforum sind. Und es gibt in unserem Beruf bestimmt auch einige die vor und nach ihrer Arbeitszeit arbeiten und dafür nicht bezahlt werden. Wenn ich am Wochenende am Gottesdienst teilnehmen muss, wird mir das auch nicht extra bezahlt, so wie in anderen Berufen üblich. Aber da bin ich schon dran.

Und um das vorweg zu sagen ich bin tatsächlich eine von den wenigen, die auf die Arbeitsbedingungen aufmerksam macht. Aber egal.

Warum ist es denn nicht möglich für alle die gleichen Bedingungen zu fordern??? Was ist daran verwerflich?
Jeder kann flexibel einspringen, so wie er kann. Natürlich angepasst zu seiner wöchentlichen Arbeitszeit. Aber eben so, dass es für alle entlastend ist. Was ist daran so schlimm es anzusprechen?

Aber ich glaube da ist Hopfen und Malz verloren. Leider! Ich merke schon, dass ich egoistisch denken muss. Schade.
Zuletzt geändert von Jessy87 am Mittwoch 24. Januar 2018, 13:49, insgesamt 1-mal geändert.

Johanna2
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Re: Arbeitszeiten der TZ-Kräfte

Beitrag von Johanna2 »

Jessy87 hat geschrieben:
Sonntag 21. Januar 2018, 16:08
Wenn ich am Wochenende am Gottesdienst teilnehmen muss, wird mir das auch nicht extra bezahlt, so wie in anderen Berufen üblich. Aber da bin ich schon dran.
Mir wird das bezahlt. Ebenso wie die Anfahrt zur Kirche zuzüglich Wochenendzuschlag!
Jessy87 hat geschrieben:
Sonntag 21. Januar 2018, 16:08
Warum ist es denn nicht möglich für alle die gleichen Bedingungen zu fordern??? Was ist daran verwerflich?
Jeder kann flexibel einspringen, so wie er kann. Natürlich angepasst zu seiner wöchentlichen Arbeitszeit. Aber eben so, dass es für alle entlastend ist. Was ist daran so schlimm es anzusprechen?
Daran, die gleichen Bedingungen für sich selber zu fordern finde ich rein gar nichts verwerflich. Im Gegenteil. Aber die Schuld für eigene schlechte Arbeitsbedingungen würde ich nicht bei den Teilzeitkräften suchen.

Jessy87
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Re: Arbeitszeiten der TZ-Kräfte

Beitrag von Jessy87 »

Johanna2 hat geschrieben:
Sonntag 21. Januar 2018, 16:19

Mir wird das bezahlt. Ebenso wie die Anfahrt zur Kirche zuzüglich Wochenendzuschlag!

Da hast du aber Glück gehabt. Wir bekommen nichts extra bezahlt. Aber ich bin bereits mit Anwälten dran.


Daran, die gleichen Bedingungen für sich selber zu fordern finde ich rein gar nichts verwerflich. Im Gegenteil. Aber die Schuld für eigene schlechte Arbeitsbedingungen würde ich nicht bei den Teilzeitkräften suchen.
Na Schuld haben die Teilzeitkräfte mit Sicherheit nicht, aber zur Entlastung beitragen können sie schon. Aber jetzt wiederhole ich mich.

Lenina
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Re: Arbeitszeiten der TZ-Kräfte

Beitrag von Lenina »

Ich wollte eigentlich nciht mehr schreiben, aber nun tu ichs doch.

Das Vollzeitkräfte verschlissen werden, wie immer wieder geshcrieben wird, liegt nicht an den TZ-Kräften sondern am Träger. Dann muss der bessere Bedingungen für alle schaffen. Ob das nun eine verküzuung der Öffnungszeit ist, Aufstockung des Personals oder Reduzierung der aufgaben - das ist wohl von kita zu Kita unterschiedlich.

Und auch, dass man den Kräften ein Mitbestimmungsrecht einräumt. Ich habe als VZ-Kraft so gut wie IMMER den Spätdienst übernommen, weil ihn keiner wollte. Ich habe versucht, Vorschläge zu machen, wie man Spannungszeiten entzerren kann, aber das wollte niemand hören. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit gewesen, dass Mütter (oder Pflegende oder wie auch immer) zu zeiten arbeiten, in denen ihre Kinder betreut werden.

Wenn ich nur 20 Stunden in der Woche arbeite, kann ich mir auch keinen Vollzeitkitaplatz für mein Kind leisten - und sehe es auch nicht ein.

Ich finde es inzwischen ziemlich heftig, dass Flexibilität f+r die Wirtschaft und die Arbeitgeber fast das Wichtigste gewordne ist, was ein Arbeitnehmer mitbringen soll.
Klar muss man sich manchmal auf Umstände einlassen, aber sich jederzeit für 10,5 Stunden am Tag frei zu halten, das kann nicht mehr das sein, was man anstreben sollte.
Verlässlichkeit auch für Arbeitnehmer ist in meinen Augen auch ein kriterium für Zufriedenheit.
Bei meinem alten Arbeitgeber wurden die Arbeitszeiten immer für ein halbes Jahr im voraus festgelegt. Jede Woche war gleich, die age unterschiedlich. Das war für mich sehr angenehm, weil man sicher Termine legen konnte.
Natürlich hat man mal ausgeholfen und ist eine halbe Stunde länger geblieben, wenn es nötig war.

Wenn aber das "Personalkonzept" einer Einrichtung im Dienstplan vorsieht, dass bei 40 Kindern nur noch 6 Erzieher eingeplant sind und man partout nichts daran ändern will (weder Öffnungszeiten, noch Stundenaufstockung(!!), noch Neueinstellung oder was auch immer), dann sinkt meine Motivation, egal ob als VZ-oderTZ-Kraft, dem Arbeitgeber entgegen zu kommen.

Und dann zu sagen: Da müsst ihr einfach flexibler sein, liebe TZ-Kräfte - finde ich schon ein bisschen unverschämt.
Man stellt am liebsten junge Frauen an, weil sie am günstigsten sind, achten nicht auf eine Altersmischung und wundert sich dann, dass dauernd die Frauen schwanger werden (und "Kundschaft" werden) und dann nicht mehr VZ arbeiten wollen. Die vergrault man dann und stellt neue junge Frauen an und der Kreislauf beginnt von vorne.

Zudem: Als ich VZ gearbeitet habe, gab es jeden Tag Zeiteinheiten, in denen man nicht viel zu tun hatte und auch mal kurz mit den Kollegen erzählen oder etwas nachbereiten konnte.Früh morgens, in der Schlafenzeit oder am späten Nachmittag. Als TZ-Kraft komme ich, arbeite meine 4 Stunden durch am Kind, geh mal kurz auf Klo und trinke einen Schluck und gehe wieder. An manchen Tagen habe ich mit anderen Kolleginnen keinen einzigen privaten Satz gesagt. Nicht gefragt, wei es ihr geht oder was auch immer. Das, was es braucht, um sozial in einem Team zu agieren und eine Arbeitsbezehung aufzubauen.

Viele seufzen und sagen: Die armeen Kinder, wenn sie früh um7 geabracht und späte geholt werden, weil die Eltern VOllzeit arbeiten.Aber bei den Kollegen soll das normal sein. Find ich auch paradox.
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

amaria
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Re: Arbeitszeiten der TZ-Kräfte

Beitrag von amaria »

Danke für den ausführlichen Beitrag, Lenina. So sehe ich es auch.

Ergänzend plädiere ich nun für mehr gesunden Egoismus der Erzieherinnen, die sich als Berufsgruppe schon jahrzehntelang mit zu schlechten Konditionen abgefunden haben.

Mir gefällt es nicht, dass in den sozialen Berufen darauf gesetzt wird, dass Fachkräfte, die von ihrer Rente oder Frührente nicht leben können, später noch Nebenjobs in ihrem Arbeitsbereich annehmen. Es gibt sie in vielen Krippen und KItas! Die "ach so engagierte ältere Erzieherin", die die Sprachförderung oder die Nachtdienste in einer 24-Stunden-Kita übernimmt ist nämlich oft genug auf den Verdienst angewiesen, weil man mit einer "Originalerzieherinnenrente" im Alter nicht gut dasteht. (Und das gilt sogar für diejenigen, die durchgehend in Vollzeit gearbeitet haben! (Ursache: Die lange Ausbildungsdauer zählt nicht für die Rente und darum fällt die Rente entsprechend niedriger aus als in anderen Ausbildungsberufen, wo von Anfang an in die Rentenkasse einbezahlt wurde.)

Und solange in Vollzeit ohnehin keine angemessene Altersrente erwirtschaftet werden kann, ist es je nach persönlicher Konstitution nur vernünftig, nicht jahrzehntelang in Vollzeit in einem sozialen Beruf zu arbeiten. Wir sollten uns klar machen, dass in erster Linie die Eltern für das Wohl der Kinder verantwortlich sind und dass wir nicht dazu da sind, um die Versprechungen zu erfüllen, die Politiker gegeben haben.

Denjenigen, die gern eine Vollzeitstelle haben, wünsche ich eine, würde sie selbst aber nicht anstreben. Während meiner Zeit als Springerin habe ich überwiegend Krankheitsvertretungen übernommen und habe oft genug von Kolleginnen gehört, dass sie nicht damit gerechnet haben, dass der Tinnitus oder Bandscheibenvorfall sie erwischen würde. Seit mehr Babys und Kleinkinder zu betreuen sind, ist die Arbeit in physischer Hinsicht anstrengender geworden. Das Gesülze über die hohe Qualität der frühkindlichen Bildung kann ich angesichts des Personalmangels und seiner Auswirkungen auf Kinder und Erzieherinnen wirklich nicht mehr hören.

Für mich stellt sich die Frage wie es weitergehen soll: Sollen Erzieherinnen sich moralisch verpflichtet fühlen aufzustocken, oder sollen sich die Politiker, die nun auch noch den Rechtsanspruch auf eine Betreuung der Grundschüler schaffen wollen, moralisch verpflichtet fühlen, den Rechtsanspruch auf Betreuung der Jüngsten zurückzunehmen?

Freundliche Grüße

amaria
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Johanna2
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Re: Arbeitszeiten der TZ-Kräfte

Beitrag von Johanna2 »

Jessy87 hat geschrieben:
Sonntag 21. Januar 2018, 16:24
Na Schuld haben die Teilzeitkräfte mit Sicherheit nicht, aber zur Entlastung beitragen können sie schon. Aber jetzt wiederhole ich mich.
Sie könnten es sicherlich nicht immer. Ich finde es jedoch gut, wenn man nicht in erster Linie seinem Arbeitgeber gegenüber höchste Flexibilität bietet. Und sich quasi verheizen lässt. Aber ich wiederhole mich :wink: .
Jessy87 hat geschrieben:
Sonntag 21. Januar 2018, 16:24
Da hast du aber Glück gehabt. Wir bekommen nichts extra bezahlt. Aber ich bin bereits mit Anwälten dran.
Das hat mit Glück nichts zu tun. Alles, wozu mein Arbeitgeber mich verpflichten kann, ist Arbeitszeit. Ausschließlich. Bezahlt er mich dafür nicht, handelt es auch nicht um Arbeit. Also habe ich dann frei.

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