Unzufrieden im Beruf

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ErzieherMann
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Unzufrieden im Beruf

Beitrag von ErzieherMann » Samstag 21. Oktober 2017, 21:25

Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich habe mich schon vor einiger Zeit hier angemeldet aber nun ist der Zeitpunkt gekommen an dem ich etwas schreiben muss. Kurz zu mir: Erzieher, männlich, Ende 20.

Ich habe inkl. meinem Berufspraktikum 5 Jahre in der Jugendhilfe gearbeitet. Wer dort schon einmal tätig war weiß, wie es hier abgeht. Nach 5 Jahren Schichtbetrieb (mit Nachtbereitschaften, einspringen, Anrufe im Frei, fehlerhafte Abrechnungen, Arbeit am Sonntag, an Weihnachten und Silvester, usw.) war ich vermutlich nicht nur einmal kurz vor einem Burnout. Ich kam mir “verheizt” vor. Gefühlt ging deutlich über die Hälfte meiner Kraft für die Dienstplanung und die ganze Organisation um die Arbeitszeit (ist der Dienst am Sonntag in drei Wochen abgedeckt?) drauf und für die wirklich tolle, pädagogisch wertvolle Arbeit (zusammen mit meinem gut ausgebildeten Team aus Erziehern, Sozialpädagogen und Heilerziehungspflegern) mit den Kindern und Jugendlichen blieb nicht mehr viel Energie übrig. Mein Privatleben hat dadurch immer mehr gelitten und nach sehr langem hin und her habe ich den Entschluss gefasst mich für eine andere Stelle zu bewerben und mein unbefristetes Vollzeitarbeitsverhältnis zu kündigen. Mir fiel es nicht leicht, da die Arbeit wirklich klasse war und ich die Tätigkeit auch sehr gern gemacht habe und ich Jugendhilfe allgemein spannend fand und immer noch finde. Aber ich hatte die Schnauze von der Schichtarbeit und all den negativen Auswirkungen wirklich gestrichen voll.
Vorstellungsgespräche hatte ich Kindertagesstätten und Schulkind Betreuungseinrichtungen. Eine Zusage habe ich für eine Stelle in einer Kindertagesstätte bekommen. Ich bin für die Schulkindbetreuung zuständig, als Zweitkraft. Das heißt, ich mache keine Elterngespräche, das übernimmt meine Kollegin. Hauswirtschaftliche Tätigkeiten würden auch anfallen, hieß es. Das habe ich zuvor, mit meinen Kindern, ja auch gemacht, denke ich mir. Freie Wochenenden, super, allerdings ist die Stelle befristet auf ein Jahr. Würde, wenn alles passt, aber ein unbefristetes Verhältnis werden. Projekte müsste ich halten, heißt es. Vorbereiten, aushängen, wöchentlich zweimal durchführen, für mehrere Monate, inkl Dokumentation. Ich habe zu gesagt.
Und nun? Ich bin etwas verwundert über die Pädagogik die dort angewendet wird. Warum so viele Tischspiele und so wenig Zeit im Garten und in der Turnhallte? Viel Basteln, Laternen, Kastanienketten. Vorbereiten, schneiden, aufzeichnen soll ich machen. Warum machen wir das nicht mit den Kindern zusammen? Kinder die nach einem Schultag nicht mehr ruhig sitzen können (das konnte ich zu meiner Schulzeit auch nicht) sollen Tischspiele spielen, erst dann dürfen sie in die Ecken. Wieder kommt mir die Frage: Warum gehen wir nicht nach draußen? Ich bin deutlich mehr mit Basteln, Tee kochen, Putzen beschäftigt als mit den Kindern. Vorsichtig formulierte Vorschläge (Ich habe Zeit, ich gehe jetzt gern mit den Kinder nach draußen) finden, aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen, keinen Anklang (Wir waren heute schon eine Stunde draußen, das reicht (ich habe in dieser Zeit geputzt) ). Als Mann bin ich hier wohl noch mehr ein Unikat als im Heim. Ein 8 Jähriger will keine Kette auffädeln, er will sich, nachdem er stundenlang im Unterricht und über der Hausaufgabe gesessen ist, bewegen, Fahrradfahren, Fußball spielen, Klettern, - Stichwort: Natürlicher Bewegungsdrang.

Ich frage mich ebenfalls, warum die “Erstkräfte” (was für ein dämliches Wort) nicht putzen müssen, sondern die Reinigungsarbeit nur die “Zweitkräfte” machen müssen. Das ist mir völlig unklar, zumal ich die 5 jährige Erzieherausbildung gemacht habe. Das ich als Zweitkraft etwas mehr putzen muss, ja, kann sein. Aber so...? Da komm ich mir blöd vor.

Es lässt sich sagen:
Zwischen meiner pädagogischen Arbeit im Heim und jetzt liegen Welten.
Momentan denke ich mir, ob ich vll doch einen andere Beruf ergreifen hätte sollen. Ich mache mir wirklich viele Gedanken über meine berufliche Zukunft. In meiner jetzigen Situation habe ich tolle Arbeitszeiten aber meine Tätigkeit ist sehr einfach. Dafür habe ich doch keine fünf Jahre gelernt. Zuvor hatte ich Spaß an der Arbeit aber die Arbeitszeiten haben mich fast ausgenkockt. Wie geht es euch und wie ging es euch, als ihr, wie ich, knapp 5 Jahre im Beruf wart?
Ein langer Text, ich weiß. Aber ich musste mir das mal von der Seele schreiben und bin gespannt, wie eure Erfahrungen sind.
Viele Grüße
:winke:

Lenina
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Re: Unzufrieden im Beruf

Beitrag von Lenina » Sonntag 22. Oktober 2017, 14:32

Schade, dass du an eine Stelle geraten bist, die dich so wenig pädaogisch fordert.
Ich stimme dir absolut zu: raus mit den Kindern, solange das Wetter es hergibt, sonst ab in die Turnhalle. Kissenschlachten, Klettern, Rennen, Raufen.

Ich glaube, du musst mal ein ernstes Wörchen mit deiner "Erstkraft" reden und ihr klar machen, dass du hier nicht die Aushilfskraft bist.
Bekommt ihr unterschiedliches Gehalt?
Versuche ein bisschen mehr stellung zu beziehen und deine Ansichten klar zu machen. Es würde sich doch optoimal ergänzen: Sie bietet etwas Ruhiges im raum an, du tobst mit den Kindern durch den Garten. Win-Win.

Lass dich nicht beirren.
Sorry für knappe Antworten, tablet und Baby machen das Schreiben nichg leicht :kappe:

ErzieherMann
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Re: Unzufrieden im Beruf

Beitrag von ErzieherMann » Sonntag 22. Oktober 2017, 15:09

Danke Dir, Lenina, für deine Antwort.

Ich muss sagen, dass ich mir unter "Zweitkraft" etwas ganz anderes vorgestellt habe. Ich bin mit Basteln, Putzen, Wäsche waschen und Spülen beschäftigt und wenn ich nichts zu tun habe, gibt mir meine Kollegin (Erstkraft) Aufgaben.
In wenigen Tagen gehen die Projekte los. Ich bin gespannt wie es sich entwickelt aber momentan habe ich das Gefühl, dass es meiner Kollegin nicht passt wenn ich Vorschläge äußere - ich kann mein Gefühl aber auch schlecht erklären, vll täusche ich mich. Ich hätte sehr viel beizutragen, möchte aber in keine Fettnäpfchen treten da die Stimmung meiner Meinung nach schon angespannt ist.

Ich bekomme das gleiche Geld wie meine Kollegin.

Ist es denn die Regel, dass die Aufgaben so dermaßen strikt getrennt sind? Seit knapp 2 Wochen bin ich bei der HA Betreuung nicht mehr dabei, ich "betreue" dann (nur noch) die 2-4 Kinder die schon fertig sind oder bin mit basteln und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten beschäftigt.
Mich belastet das gerade wirklich sehr, zumal ich eine unbefristete Vollzeitstelle dafür aufgegeben habe. In den Schichtdienst möchte ich aber auch nicht mehr zurück.

Edit: Was mir noch einfällt, möchte ich erwähnen: Alleine darf ich mit den Kindern nicht in den Garten. Also auch mit 5 Kindern darf ich nicht in den Garten, es müssen immer zwei Personen sein (Begründung: Falls einem Mitarbeiter etwas passiert, wären die Kinder ohne Aufsicht). Als ich das gehört habe, konnte ich es kaum glauben. Ich muss also warten, bis jemand mit nach draußen geht, sonst darf ich nicht in den Garten. Das macht die Sache doch unnötig kompliziert. Ich habe 5 Jahre Jugendhilfe Erfahrung - habe mit Kindern in einer therapeutischen Wohngruppe, anschl. in einer heilpädagogischen Wohngruppe gearbeitet, mit massiv bindungsgestörten Kindern, suizidgefährdeten Kindern und Jugendlichen, habe viele Polizeieinsätze erlebt und angeleiert aufgrund von körperlichen Übergriffen, habe Medikamente und Bedarfsmedikamente verabreicht, Hilfepläne geschrieben und Gespräche diesbezüglich geführt. Und nun darf ich mit 5 Kindern nicht in den Garten :sorry:
Viele Grüße

Adrasteia
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Re: Unzufrieden im Beruf

Beitrag von Adrasteia » Sonntag 22. Oktober 2017, 17:15

Du hast das Glück, einen derzeit sehr begehrten Beruf zu haben :pfiff:
Wenn Du du das Gefühl hast, dass Du mit dieser Stelle nicht glücklich wirst, dann such dir eine andere.
Ich würde dir empfehlen, in anderen Einrichtungen zu hospitieren und dabei ganz besonders auf die Dinge zu achten, die Du absolut und ganz und gar nicht willst.

Vielleicht klingt diese Empfehlung vorschnell, aber Du wirst die Gegebenheiten dort nicht ändern können. Zumindest dann nicht, wenn seitens deiner KollegInnen keinerlei Bereitschaft dazu vorhanden ist. Und es sieht - zumindest aus der Ferne - nicht so aus.

Das heißt, du wirst die nächsten Jahre dort massiv unterfordert und unzufrieden sein und irgendwann resignieren. Es sei denn, Du richtest dich behaglich im "Wenig-tun" ein. Ich glaube allerdings nicht, dass Du der Typ dazu bist. :kappe:

Schade, dass Du in Bayern bist. Bei uns wird demnächst eine Stelle frei.

hallihallo
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Re: Unzufrieden im Beruf

Beitrag von hallihallo » Sonntag 22. Oktober 2017, 19:16

Das sehe ich auch so. Es gibt doch so viele freie Stellen in dem Bereich. Vielleicht ist der Weg über eine Personalvermittlung da auch ganz interessant. Die könnten dann schonmal entsprechend deinem Profil "filtern".
Das mit den 5 Kindern und ner zweiten Person ist doch quatsch. Gerade im Handyzeitalter. Mich haben sie sogar als Praktikantin mit 4 KIndern alleine in den Wald geschickt .

Johanna2
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Re: Unzufrieden im Beruf

Beitrag von Johanna2 » Sonntag 22. Oktober 2017, 20:50

hallihallo hat geschrieben:
Sonntag 22. Oktober 2017, 19:16
Mich haben sie sogar als Praktikantin mit 4 KIndern alleine in den Wald geschickt .
Das sehe ich nicht gerade als gelungenes Beispiel für verantwortungsbewusstes Arbeiten an.

Johanna

Herr Uhl
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Re: Unzufrieden im Beruf

Beitrag von Herr Uhl » Montag 23. Oktober 2017, 22:23

Willkommen in der Kitawelt.

Zu dem Problem mit dem Garten:

Simon Hundmeyer, Burghard Pimmer-Jüsten: Aufsichtspflicht in Kindertageseinrichtungen. Aufsichtspflicht, Haftung und Versicherungsschutz. Kronach: Carl Link, 9. Aufl. 2015

eventuell steht hier etwas dazu drin. Pass aber gut auf. Viele Teams sind überaus glücklich damit, dass sie sich selbst als unfähig verkaufen.
Wenn du da mit Wissen um die Ecke kommst, könntest du dich bei Team und Chefin unbeliebt machen.

Such dir eine andere Kita. Eventuell alternative Konzepte? Waldkiga?
Und nicht wundern, wenn du in der nächsten Kita die gleichen Erfahrungen machst. Ich habe diese Kultur in praktisch allen meinen Arbeits- und Praktikumsstellen erleben dürfen.

Und mit dem angepassten Runterarbeiten wirst du nicht glücklich werden.

hallihallo
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Re: Unzufrieden im Beruf

Beitrag von hallihallo » Montag 23. Oktober 2017, 22:29

Nein....das sollte es auch nicht sein, Johanna.
Aber im obigen Beispiel kann es wohl nicht wirklich realistisch regelkonform sein, dass man als ausgelernte erfahrene Fachkraft nicht mit fünf normal entwickelten Kindern raus darf.

Das was Herr Uhl gerade geschrieben hat, habe ich auch gerade von einer Kollegin erlebt. Kindern wird es nicht erlaubt sich wirklich frei zu bewegen, zu klettern, auszuprobieren etc. Lt. Leitung dürften sie dies nicht wegen der Aufsichtspflicht. Ich habe meiner Kollegin drei Seiten in Kopie mitgegeben, aus denen hervorgeht, dass Kinder ein Anrecht darauf haben sich frei zu entfalten.
Das wurde gleich abgeschmettert....wir handhaben das anders :nene:

ErzieherMann
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Re: Unzufrieden im Beruf

Beitrag von ErzieherMann » Dienstag 24. Oktober 2017, 20:58

Herr Uhl hat geschrieben:
Montag 23. Oktober 2017, 22:23
Willkommen in der Kitawelt.

...pass aber gut auf. Viele Teams sind überaus glücklich damit, dass sie sich selbst als unfähig verkaufen.
Wenn du da mit Wissen um die Ecke kommst, könntest du dich bei Team und Chefin unbeliebt machen.

Such dir eine andere Kita. Eventuell alternative Konzepte? Waldkiga?
Und nicht wundern, wenn du in der nächsten Kita die gleichen Erfahrungen machst. Ich habe diese Kultur in praktisch allen meinen Arbeits- und Praktikumsstellen erleben dürfen.

Und mit dem angepassten Runterarbeiten wirst du nicht glücklich werden.

In welchem Bereich arbeitest du jetzt wenn ich fragen darf?

Ich habe auch den Eindruck, dass ich mit Ideen (die ich noch ganz vorsichtig anbringe) gegen eine Wand laufe. Habe heute wieder gefragt, ob ich mit den Kindern raus gehen darf. Ich durfte nicht, aber mit einer anderen Begründung. Ich habe mit einer anderen Kollegin gesprochen. Anscheinend darf ich mit den Kindern alleine nach draußen, aber es müssen immer zwei Mitarbeiter in der Einrichtung sein. Das klingt plausibel. Dennoch habe ich es bis jetzt noch nicht geschafft alleine mit ein paar Kindern raus zu gehen - die Begründungen waren vielfältig :200p: Wetter schlecht, mit Teilgruppe gehen wir nicht raus und der Knaller: "Du (Kind XY) bist heute schon so aufgedreht, da gehen wir nicht raus." Als ich das gehört habe ist mir alles vergangen. Ein bettelndes Kind, dass seit Stunden sitzt und still sein soll, darf nicht raus. Laut Leitung genügt eine Stunde, und das auch nicht täglich. "Wie soll man das den Eltern begründen, wenn man immer draußen ist". Oh je...

Ich habe heute mit den Kindern gebastelt - bzw. musste ich es tun, ein bekanntest "Fest" steht an. Ein Exemplar der Teile war nicht korrekt geklebt, weil das Kind die ganze Zeit wo anders war, unkonzentriert oder einfach keine Lust hat, die vorgefertigten Dinger zusammen zu kleben. Es ist schön geworden, aber nicht perfekt. Morgen, wenn weiter gemacht wird, klebt meine Kollegin. Anscheinend kann ich das nicht. Sollen nicht die Kinder kleben? Wenn es nicht 100% perfekt ist, dann ist es halt einzigartig! Soll ich kleben oder das Kind? Wenn ich kleben muss, weil es das Kind nicht schafft, sind es vll. die falschen Laternen? Ein 10 jähriges Mädchen wollte ein paar Teile flächig angkleben, sodass nichts (wie vorgeplant) absteht. Ich habe es erlaubt, toll wenn sich jemand Gedanken macht. War aber nicht OK - die müssen (O-Ton) alle gleich aussehen.

Beim Bewerbungsgespräch wurde mir versichert, dass ich auch eine nahe gelegende, große Turnhalle nutzen kann und einen weiteren, größeren Turnraum. Dies geht nun auch nicht, für die große Halle brauche ich eine entsprechende Ausbildung (Übungsleiter?) und in die kleine (aber viel größere Halle als unsere) darf ich nur zu zweit.
Ich suche schon nach Stellen. Nur habe ich kein Ahnung in welchen Bereich es gehen soll. Schichtarbeit fällt raus, das Gehalt soll halbwegs passen. Wo seit denn ihr gelandet?
Viele Grüße und vielen lieben Dank für eure Antworten. Manchmal tut es gut, wenn man hört das es anderen im gleichen Beruf ähnlich geht.
:winke:

amaria
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Re: Unzufrieden im Beruf

Beitrag von amaria » Mittwoch 25. Oktober 2017, 09:13

Herzlich willkommen und viel Power, um den Kindern beizustehen! Was du beschrieben hast, zeigt überdeutich wie vermufft es in unseren Institutionen zur Kinderbetreuung immer noch zugehen kann. Es ist grausam gegenüber den Kindern und für mitfühlende und intelligente Erzieher muss es eine Qual sein, das mitzuerleben.

Was sagen eigentlich die Eltern? Könnten sie dich darin unterstützen, damit du für einen besseren Umgang mit den Kindern sorgen kannst?

Freundliche Grüße

Angelika
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

Herr Uhl
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Re: Unzufrieden im Beruf

Beitrag von Herr Uhl » Mittwoch 25. Oktober 2017, 09:42

Hallo,

ich habe mich auf drei verschiedene Kitas bezogen. Darunter fallen Stadt und Land, sowie verschiedene Träger.
In allen habe ich die Erfahrung extrem einschränkender Regeln gemacht. Mal durften keine Cutter (Teppichmesser) benutzt werden, vom Personal wohlgemerkt. Mal habe ich viele Sympatien im Team verloren, weil ich einem Polizisten erlaubt habe seine Uniform samt Dienstwaffe in der Gruppe zu zeigen. Mal durfte man im Winter kein Schlitten fahren.

Auch eine Laminierbeauftragte habe ich erlebt. Aus Angst, das Laminiergerät könnte Schaden nehmen, darf nur diese eine Person im Auftrag des Teams ans Laminiergerät.

Allen Beispielen gemein habe ich die Erfahrung gemacht, dass es wenig bis gar nichts bringt solche Zustände im Team anzusprechen. Das ist logisch, da die Diskussion oder gar Verweigerung solcher Regeln einem Affront gegen die Leitung darstellen würde. Wenn du es ansprichst, tust du das in erster Linie für dich und deinen aufrechten Gang.

Mit alternativen Konzepten meine ich, dass du vielleicht das kleinere Übel wählen kannst. Wenn du in einem Waldkindergarten arbeitest, kommt Bewegung und das Entdecken von Neuem nicht zu Kurz. Manche Sportvereine unterhalten sogar Kitas mit dem Schwerpunkt Bewegung.

Das Ausschneiden von Schablonen ist übrigens weit verbreitet. Es hat aber einen großen Vorteil. Schau dir beim Vorstellungsgespräch zuerst die Fenster in einer Kita an. Daran erkennst du recht gut, wie viel Kreativität ertragen und vermittelt wird.


Viel Erfolg

hallihallo
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Re: Unzufrieden im Beruf

Beitrag von hallihallo » Mittwoch 25. Oktober 2017, 10:15

Ich arbeite, bzw. mache nun gerade mein letztes Praktikum in einer Einrichtung für Heimkinder, die größtenteils schwerste Traumata erlitten haben und (z.Zt. ) nicht regelbeschulbar sind. D.h. die Kinder kommen am morgen, werden teilweise beschult und dürfen interessengeleitet arbeiten. Mittags bzw. Nachmittags kommen dann die Kids (die es geschafft haben) von der Regelschule und bekommen eine Hausaufgabenbetreuung. Wir machen viel Sport, viel kreativ und auch viel handwerklich. Jeder Mitarbeiter hat viel Freiraum und Entscheidungsfreiheit. Trotzdessen wird eigentlich fast alles erst im Team besprochen. Das Team ist allerdings auch wirklich richtig toll :).
Ich denke mit einem tollen Team kann man eigentlich fast überall glücklich werden.

ErzieherMann
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Re: Unzufrieden im Beruf

Beitrag von ErzieherMann » Sonntag 10. Dezember 2017, 17:16

amaria hat geschrieben:
Mittwoch 25. Oktober 2017, 09:13
Herzlich willkommen und viel Power, um den Kindern beizustehen! Was du beschrieben hast, zeigt überdeutich wie vermufft es in unseren Institutionen zur Kinderbetreuung immer noch zugehen kann. Es ist grausam gegenüber den Kindern und für mitfühlende und intelligente Erzieher muss es eine Qual sein, das mitzuerleben.

Was sagen eigentlich die Eltern? Könnten sie dich darin unterstützen, damit du für einen besseren Umgang mit den Kindern sorgen kannst?

Freundliche Grüße

Angelika
Hallo Angelika,
es ist wirklich unfassbar und ich habe den Eindruck, es weht in meiner Einrichtung der Wind von vor 25 Jahren. Fortbildungen hat hier vermutlich schon lange keiner mehr besucht. Die "Welt", die hier aufgebaut wird, ist komplett realitätsfern und hellrosa.
Bezüglich den Eltern:
Ich soll keinen Kontakt zu den Eltern haben. "Hallo" und "Tschüss" ist OK, alles Weitere macht meine Kollegin (die Erstkraft). Ich bin nur Zweitkraft und führe weder Elterngespräche, noch weiß ich irgendetwas über die Eltern. Der Abschuss war, als mich eine Mutter gefragt hat "ob ich auch so eine Praktikantin von der FOS bin wie die Person XY." Da wusste ich ehrlich gesagt nicht mehr ob ich lachen oder heulen soll. Ich mache keine Hausaufgaben (O-Ton: "Du kannst das noch nicht, ich weiß was die Eltern bezüglich der Hausaufgabe erwarten") und ich habe nichts zu melden, soll eigentlich nur meine Putz- und hauswirtschaftl. Arbeiten ausführen und die Aufträge der Kollegin bzw. Leitung möglichst schnell und penibel abarbeiten: Bügeln, Laminieren, Dekorieren, Waschen, Putzen, Bastelsachen vorbereiten, Küche wischen, Spülmaschine ausräumen oder wenns dann mal "pädagogisch" wird: Mein aktueller "Auftrag" ist, dass ich ein Spiel mit den Kindern spielen muss. Anschl. Abhaken, ob ich alle "durch habe". Aber nicht mit den Erstklässerln, denn "die können das noch nicht". Als ich das Spiel dann mit einem Erstklässler spielen wollte, habe ich sofort einen ordentlichen Rüffel bekommen.
Der PC meiner Kollegin ist für mich tabu, das einzige was ich "darf" ist, dass ich ein paar handschriftl. Notizen in den Doku Ordner schreiben kann. Was meine Kollegin damit macht, ich weiß es nicht.
Momentan ist alles was ich mache falsch. Es ist wirklich absolut nervenaufreibend und es tut mir weh wenn ich jeden Tag höre, was ich alles falsch mache. 5 Putzlappen im falschen Fach, Löffel mit Muster im Fach für die Löffel ohne Muster, zu lange fürs Bügeln gebraucht, Schreibtisch der Kollegin nicht gründlich genug geputzt, usw. die Liste ist lang, sehr, sehr lang. Ich habe Bauchschmerzen wenn ich an Morgen denke. Mit meiner Kollegin rede ich kein Wort mehr, die Situation ist sehr angespannt.
Herr Uhl hat geschrieben:
Mittwoch 25. Oktober 2017, 09:42
Hallo,

ich habe mich auf drei verschiedene Kitas bezogen. Darunter fallen Stadt und Land, sowie verschiedene Träger.
In allen habe ich die Erfahrung extrem einschränkender Regeln gemacht. Mal durften keine Cutter (Teppichmesser) benutzt werden, vom Personal wohlgemerkt. Mal habe ich viele Sympatien im Team verloren, weil ich einem Polizisten erlaubt habe seine Uniform samt Dienstwaffe in der Gruppe zu zeigen. Mal durfte man im Winter kein Schlitten fahren.

Auch eine Laminierbeauftragte habe ich erlebt. Aus Angst, das Laminiergerät könnte Schaden nehmen, darf nur diese eine Person im Auftrag des Teams ans Laminiergerät.

Allen Beispielen gemein habe ich die Erfahrung gemacht, dass es wenig bis gar nichts bringt solche Zustände im Team anzusprechen. Das ist logisch, da die Diskussion oder gar Verweigerung solcher Regeln einem Affront gegen die Leitung darstellen würde. Wenn du es ansprichst, tust du das in erster Linie für dich und deinen aufrechten Gang.

Mit alternativen Konzepten meine ich, dass du vielleicht das kleinere Übel wählen kannst. Wenn du in einem Waldkindergarten arbeitest, kommt Bewegung und das Entdecken von Neuem nicht zu Kurz. Manche Sportvereine unterhalten sogar Kitas mit dem Schwerpunkt Bewegung.

Das Ausschneiden von Schablonen ist übrigens weit verbreitet. Es hat aber einen großen Vorteil. Schau dir beim Vorstellungsgespräch zuerst die Fenster in einer Kita an. Daran erkennst du recht gut, wie viel Kreativität ertragen und vermittelt wird.


Viel Erfolg
Hallo Herr Uhl,
ich lese Deine Beiträge gerne, denn ich glaube das wir eine ähnliche Einstellung zu diversen Themen haben. Wir haben Bücher, in welche man sich eintragen muss wie viel Kopien gemacht hat oder wann wie viel laminiert wurde und in welcher Größe und warum. Auf den Hügel im Garten dürfen die Kinder nur seitlich hoch gehen, sonst ist es zu steil. Es gibt einen Regelkatalog für die Gartennutzung, nicht mal ich kann mir das merken. Auf Bänke dürfen sich nur die Schulkinder setzen, und die Füße in die richtige Richtung (wegen der Fußablage), ich könnte hier einen halben Roman schreiben. Frischen Wind reinbringen ist zwecklos, das hast du aufgrund Deiner Erfahrung erkannt. Regeln existiert, weil sie existieren. Wenn ich etwas hinterfrage, werde ich belächelt. Kinder sollen basteln und Tischspiele spielen, aber natürlich sind die Augen, Schablonen und Designs schon vorbereitet. Einen Schlüssel muss man sich verdienen, heißt es.
Ich habe den Eindruck, dass sich Erzieherinnen in der KiTa von einem Mann wahre Wunder versprechen. Der sagenumwobene, männliche Erzieher! Wenn nach wenigen Wochen klar wird, dass der Mann andere Ansichten hat, pädagogische Dinge anders sieht und anders macht, anders ist als "erwartet", ist der männliche Erzieher nur ein weiteres Kind, das belächelt wird. So ergeht es mir.
hallihallo hat geschrieben:
Mittwoch 25. Oktober 2017, 10:15
Ich arbeite, bzw. mache nun gerade mein letztes Praktikum in einer Einrichtung für Heimkinder, die größtenteils schwerste Traumata erlitten haben und (z.Zt. ) nicht regelbeschulbar sind. D.h. die Kinder kommen am morgen, werden teilweise beschult und dürfen interessengeleitet arbeiten. Mittags bzw. Nachmittags kommen dann die Kids (die es geschafft haben) von der Regelschule und bekommen eine Hausaufgabenbetreuung. Wir machen viel Sport, viel kreativ und auch viel handwerklich. Jeder Mitarbeiter hat viel Freiraum und Entscheidungsfreiheit. Trotzdessen wird eigentlich fast alles erst im Team besprochen. Das Team ist allerdings auch wirklich richtig toll :).
Ich denke mit einem tollen Team kann man eigentlich fast überall glücklich werden.
Ein gutes Team ist wichtig, die Arbeit sollte auch Spaß machen. Ich schreibe momentan Bewerbungen. Bereiche: Jungedhilfe, Behindertenarbeit, wegen mir auch wieder im Schichtdienst.
Aber das was ich momentan mache, ist wirklich ätzend.

Viele Grüße

Herr Uhl
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Re: Unzufrieden im Beruf

Beitrag von Herr Uhl » Dienstag 12. Dezember 2017, 14:34

Hallo,

was meinst du mit Schlüssel verdienen?

Ich finde es gut, dass du dich weiter bewirbst. Lass dich durch den Beruf nicht herunterziehen und gehe, bevor man dich nur noch als Kinderclown sieht.

Ich musste mir vor einiger Zeit anhören, dass es schlecht sei, dass ich mich auf bessere Jobs bewerbe. Es sei wichtiger, dass ich in der Gruppe arbeite, da gäbe es nämlich so wenig Männer. Ich solle doch mal an die Kinder denken.

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