Sackgasse Kindergarten?

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ErzieherMann
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Re: Sackgasse Kindergarten?

Beitrag von ErzieherMann »

Dieses Thema interessiert micht auch brennendst. Deswegen klinke ich mich mit ein. Ich befürchte, dass es im Erzieherberuf nicht die versprochenen, vielseitigen Berufsfelder gibt (was wurde mir alles versprochen und in Aussicht gestellt...). Wenn man von seinem Gehalt leben muss, bleiben wenig Möglichkeiten übrig.

Ich sehe zwei verschiedene Berufsfelder. Zum einen die Kita (mit Hort oder Krippe) und zum anderen die Jugendhilfe bzw. die Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Eine Kinder- und Jugendpsychiatrie stellt (bei uns in Bayern) auch Erzieher ein - genommen zu werden ist aber unwahrscheinlich und ich habe das Gefühl, die Stellen sind heiß begehrt.

Entweder man wird als Mann in einer Kita froh, was ich stark bezweifle (ich bin von der Jugendhilfe in die Kita gewechselt und erleide gerade eine Kulturschock) oder man geht in die Jugendhilfe. Das ist ein anspruchsvolles Arbeitsfeld mit guter Bezahlung und (mit einigen Zusatzqualifikationen) halbwegs passablen Aufstiegschancen. Leider die Arbeitszeiten in der Jugendhilfe so dermaßen unter aller Sau, dass es auf lange Sicht nur wenig durchhalten werden. Heilpädagogische Tagesstätten wären auch etwas - ich ordne es in "Jugendhilfe" mit ein. Interessante Arbeit mit geregelten Arbeitszeiten aber wenig freie Stellen.

Viele Grüße,
Erzieher-Mann

amaria
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Re: Sackgasse Kindergarten?

Beitrag von amaria »

Hallo!

Als ich einmal einen Kongress in Köln von "Männer in Kitas" besucht habe, fand ich es wohltuend, sowohl von den Männern als auch von den teilnehmenden Frauen mehr kritische Gedanken zu hören als es sonst auf Fortbildungsveranstaltungen üblich war.

Moderne Kitas lassen sich im übertragenen Sinn auch als "Einbahnstrasse" ansehen. Der Weg ist so gerade und platt.
Aber was ist aus "Männer in Kitas" geworden???

Freundliche Grüße

Angelika
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

Adrasteia
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Re: Sackgasse Kindergarten?

Beitrag von Adrasteia »

Ich bin den anderen Weg gegangen. Aus der Jugend-/Jugendsozialarbeit in die Kita.

Ich habe mir etliche Kitas angesehen und habe nun nach einigem Probieren die richtige Stelle für mich gefunden. Momentan können wir uns unsere Stellen praktisch aussuchen. Wichtiger als das, was ich wollte, war das, was ich keinesfalls akzeptieren wollte (rüder Umgangston. Desinteresse, Gängelei, Massenabfertigung ...) Sowas fällt oft schon bei Hospitationen auf.

amaria
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Re: Sackgasse Kindergarten?

Beitrag von amaria »

Hallo Herr Uhl!

Obwohl ich in einer Einrichtung, deren Träger der Verein "Frauen lernen gemeinsam" ist, auch "nur" in einem reinen Frauenteam gearbeitet habe, war es doch ein sehr angenehmes Erlebnis, dass dort eine vollkommen andere Atmosphäre herrschte als ich sie in Kindergärten üblicherweise vorgefunden habe. Deshalb weiß ich, dass es auch ganz anders gehne könnte... wenn die Mehrheit nur nicht so verdammt unbeweglich wäre.

Es ist, als ob sich die Berufsgrppe der Erzieherinnen mehrheitlich mit dem Feminismus und der eigenen Unterwürfigkeit nicht beschäftigen wolle. Machtspielchen werden untereinander ausgeführt und um sich wichtig zu machen, werden die wenigen Erzieher nicht selten nach der "Anschwärmphase" nur noch wie große Jungen behandelt. Das ändert sich auch nicht unbedingt, wenn ein Mann Leiter der Einrichtung wird.

Aber vereinzelt gibt es Teams, in denen mehrere Erzieher arbeiten. Auch du kannst noch das Glück haben, eine Einrichtung zu finden, in denen du mit Gleichgesinnten nach deinen Vorstellungen auf Kinder eingehen kannst.

Freundliche Grüße

Angelika
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Zenobia
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Re: Sackgasse Kindergarten?

Beitrag von Zenobia »

Ich hatte bereits 1983 einen männlichen Kollegen in Leitungsfunktion. So neu ist das alles gar nicht. In den 80ern waren in großen Einrichtungen Sozialpädagogen in Leitungsfunktion.

Aber mal ganz ehrlich: Wenn man/frau Karriere machen will, dann sucht man/frau sich doch einen anderen Beruf aus. Ich bin seit 1984 Erzieherin. Ich habe u.a. drei kleine Einrichtungen geleitet. Es war sehr anstrengend und finanziell hat es sich gar nicht gelohnt. Es sei denn, jemand findet 100,- Euro brutto für Leitungsaufgaben lohnenswert.

Und auch als Frau empfand ich es sehr anstrengend in weiblichen Teams.

In meinem letzten Team waren fünf Männer, alles Quereinsteiger. Drei Kollegen waren so anstrengend, überheblich und selbstgefällig, dass ich zurzeit froh bin, ohne Männer arbeiten zu können.Der Wechsel vom Handwerk in die Pädagogik ist sicherlich nicht einfach, aber machbar.

Vielleicht sollte es eine Altersgrenze für Quereinsteiger geben. (U 45 ?)

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