Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

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Angelo89
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Registriert: Mittwoch 24. Januar 2018, 17:15

Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

Beitrag von Angelo89 »

Hallo liebe Leute.
Da ich hier neu bin, erstelle ich diese Frage einfach mal in der Sektion "Berufsrelevantes." Seit also bitte nicht böse, falls es falsch kategorisiert wurde :)

Ich bin 28 Jahre alt, männlich, habe 2012 meine Ausbildung zum Kinderpfleger (inkl. Tagesvater) abgeschlossen und anschließend meine Ausbildung zum Erzieher gemacht.
Hierbei habe ich leider das Anerkennungsjahr nicht erfolgreich abgeschlossen und möchte die Ausbildung um jeden Preis wiederholen, da dies mein absoluter Traumjob ist.

Neulich (Dez. 2017) bin ich mit einem Roller gestürzt und bekam einen Brief nach Hause = Trunkenheit am Steuer (1,26 Promille).
Dies geschah Nachts um ca 4Uhr und ohne andere Verkehrsteilnehmer!
Auf weitere Schreiben der Justiz warte ich vergeblich (seit ca 2 1/2 Monaten).
Auf meine Briefe (ob etwas im Führungszeugnis steht etc.) reagiert niemand.

Ich habe sehr große Angst, dass etwas im Führungszeugnis auftaucht und ich dadurch die Ausbildung in ein paar Jahren (wegen der Wartefrist für Wiedereinsteiger einer Ausbildung von 5 Jahren) nicht wiederholen kann.

Ist bzw. könnte dieser Eintrag hinderlich sein? Und wenn ja, kann ich mich irgendwie durch freiwillige, unbezahlte Arbeitsstunden oder Sonstiges in verschiedenen Einrichtungen ,,besser darstehen lassen für später?" - Ich hoffe Ihr wisst, was ich damit ausdrücken möchte.

Ich würde lieber meinen Führerschein für immer abgeben und nie wieder ein Fahrzeug fahren, nur damit ich wieder mit der Ausbildung anfangen könnte. Ich habe einen Fehler begangen, den ich bis heute abgrundtief bereue und irgendwie, egal wie wieder gut machen möchte.

Ich hoffe, dass meine Bereitwilligkeit, meine Überzeugung und Bereitschaft zur Veränderung gut/ glaubwürdig herüberkommt.

Leider lebe ich seit 2 Jahren mit Harz 4 und möchte so schnell es geht wieder einsteigen.

Wäre ein Anwalt hilfreich?
Würde ich nach einem persönlichen Gespräch mit einer Einrichtungsleitung instande, "ehrenamtlich" irgendwo zu arbeiten, um etwas positives, schriftliches für später zu haben?

Da ich weder im Internet, noch bei der Agentur für Arbeit oder der Verbraucherzentrale auf Hilfe zählen konnte, wäre ich für jede
Antwort äußerst Dankbar.

Mit freundluchen Grüßen

k. Angelo

Adrasteia
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Re: Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

Beitrag von Adrasteia »

Atmen - erstmal atmen.
So lange es kein Gerichtsurteil gibt, gibt es keinen Eintrag ins Führungszeugnis. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Vorstra ... gszeugnis)

Was steht denn genau in dem Brief?
Wird dir die Fahrerlaubnis entzogen? Musst Du zum "Idiotentest"?

Auch Wikipedia:
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Fahren_ ... Substanzen
1,1 ‰: Absolute Fahruntüchtigkeit (Fahreignung ist auch ohne Auffälligkeiten im Fahrverhalten nicht mehr gegeben): Verkehrsstraftat, Entzug der Fahrerlaubnis für mindestens sechs Monate zzgl. 3 Punkte. MPU in einigen Bundesländern.


Edit

Wieso eigentlich musst Du von ALG II leben?
Beim derzeitigen Fachkräftemangel? Du hast doch immerhin die Kinderpflegerausbildung.

Ahanit
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Re: Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

Beitrag von Ahanit »

So schnell taucht das nicht im Führungszeugnis auf, und Verkehrsdelikte auch nur wenn es ernsthafte Verletzungen gab und die Strafe ein gewisses Maß an Tagessätzen überschreitet.

Also Tief durchatmen... und abwarten wie es weiter geht.

Johanna2
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Re: Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

Beitrag von Johanna2 »

Ich denke, dass diese Sorge nicht ganz unberechtigt ist. Da bereits Schwarzfahren einen Eintrag ins Führungszeugnis zur Folge haben kann, denke ich, dass dies bei einer Trunkenheitsfahrt erst recht der Fall sein wird.

Angenehm dürfte es auch für die Eltern der zu betreuenden Kinder nicht sein, wenn sie wüssten, dass jemand der (sogar erst kürzlich) völlig betrunken gefahren ist nun ihre Kinder erziehen soll.

Adrasteia
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Re: Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

Beitrag von Adrasteia »

Herrgott, mir fallen da spontan ganz andere Leute ein, die trotz Trunkenheitsfahrt als moralische Hochinstanz in diesem Land gehandelt werden.
Sogar ein Kanzlerkandidat der letzten Bundestagswahl hatte sich als (trockener) Alkoholiker geoutet ...

Johanna2
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Re: Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

Beitrag von Johanna2 »

Es bleibt ja jedem einzelnen überlassen, wen er als "moralische Hochinstanz" betrachten würde. Tatsächlich würde ich jemanden der kürzlich völlig blau gefahren ist, nicht als geeignet dafür ansehen nun Kinder zu erziehen. Eine Trunkenheitsfahrt zeugt meiner Meinung nicht gerade von einer charakterlichen Eignung für den Beruf.

Adrasteia
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Re: Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

Beitrag von Adrasteia »

Nun. Gsd kommt es in dieser Frage weder auf dich noch auf mich an.

Zenobia
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Re: Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

Beitrag von Zenobia »

Ich halte es für undramatisch, wenn jemand betrunken Auto gefahren ist, ohne einen tatsächlichen Schaden verursacht zu haben. Das Erlebnis ist schon Strafe genug.

Von einem Führungszeugnis möchte ein potenzieller Arbeitgeber nur erfahren, ob jemand pädophile Neigungen hat, Exhibitionist o.ä.ist.etc................

Weshalb urteilt ihr hier so moralisch?

Auch Erzieher machen Fehler und das jeden Tag ohne das es jemals in einem Führungszeugnis auftaucht.

Was haben wir alle für ein Glück.

Johanna2
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Re: Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

Beitrag von Johanna2 »

Zenobia hat geschrieben:
Dienstag 30. Januar 2018, 19:33
Ich halte es für undramatisch, wenn jemand betrunken Auto gefahren ist, ohne einen tatsächlichen Schaden verursacht zu haben. Das Erlebnis ist schon Strafe genug.

Von einem Führungszeugnis möchte ein potenzieller Arbeitgeber nur erfahren, ob jemand pädophile Neigungen hat, Exhibitionist o.ä.ist.etc................

Weshalb urteilt ihr hier so moralisch?

Auch Erzieher machen Fehler und das jeden Tag ohne das es jemals in einem Führungszeugnis auftaucht.

Was haben wir alle für ein Glück.
Klar, Fehler machen wir sicher alle. Aber um betrunken zu fahren, ist schon ein gewisser Vorsatz nötig.
Hier fordern die meisten Arbeitgeber sogar das sog. erweiterte Führungszeugnis. Von dem wird im Allgemeinen gefordert, dass es keine Einträge beinhalten darf. Weder wegen sexueller Belästigung, noch wegen Diebstahls oder anderer Straftaten (wobei pädophile Neigungen an sich auch nicht im Führungszeugnis vermerkt werden würde).
Wir hatten damals regelmäßig Anfragen von Menschen, die bei uns in der Einrichtung ihre aufgebrummten Sozialstunden ableisten wollten. Da aber ein eintragsfreies Führungszeugnis vonnöten war, stand diese Frage nie zur Debatte.

Mit "Glück" hat es sicher nichts zu tun, wenn ein Führungszeugnis keine Einträge enthält. Es ist schon etwas anderes, ob man eine Straftat begeht oder einem versehentlich Fehler unterlaufen.

Adrasteia
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Re: Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

Beitrag von Adrasteia »

Sitzt es sich gut auf dem hohen moralischen Ross?

Ich kenne mittlerweile leider zu viele ErzieherInnen (und LehrerInnen), die mit einem wunderbar blütenreinen Führungszeugnis unglaublich untauglich für die Arbeit mit Kindern (bzw. mit anderen Menschen) sind...

Manchmal passiert es, dass man Straftaten tatsächlich eher versehentlich, völlig ohne jegliche Absicht begeht.
Im konkreten Fall kann man sich schnell verschätzen mit der Promillezahl, die man intus hat...

Johanna2
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Re: Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

Beitrag von Johanna2 »

Adrasteia hat geschrieben:
Dienstag 30. Januar 2018, 21:09
Sitzt es sich gut auf dem hohen moralischen Ross?
Wir scheinen sehr verschiedener Auffassung darüber zu sein, was hohe moralische Ansprüche angeht. Wenn ich die Meinung vertrete, dass jemand der die Auswirkungen seines Alkoholkonsums so gar nicht einschätzen kann, mir wenig geeignet für einen sozialen Beruf erscheint, so finde ich diesen Anspruch nicht gerade hoch.

Natürlich habe ich Verständnis dafür, wenn du das anders siehst.

Es gibt keine "wunderbaren, blütenreinen" Führungszeugnisse. Oder bezeichnest du so allen Ernstes ein Führungszeugnis, das keine Eintragungen enthält? Klingt ja fast nach Strebertum.

amaria
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Re: Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

Beitrag von amaria »

Mal sehr pragmatisch gedacht: Die Polizei kontrolliert Fahrer doch immer noch eher selten. Von daher ist es nicht lebensfremd, zu denken dass derjenige, der einmal aufgefallen ist, auch noch öfter betrunken über öffentliche Straßen gefahren sein könnte. Manchmal fallen alkoholisierte Fahrer auch auf, weil Nachbarn, die es nicht mit ansehen können, dass jemand andere durch sein Verhalten gefährdet, eine Anzeige erstatten oder anonym anrufen.

Es ist gut, dass Einträge nach einiger Zeit gelöscht werden, sodass Menschen nicht dauerhaft Nachteile wegen eines lange zurückliegenden Fehlverhaltens zu erwarten haben, aber Führungszeugnis und erweitertes Führungszeugnis werden nicht grundlos angefordert.

Gibt es Kindergartenleitungen, die sagen können, inwieweit ein Freiraum besteht, jemanden einzustellen, der einen Eintrag im Führungszeugnis hat?
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
Arthur Schopenhauer

Zenobia
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Re: Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

Beitrag von Zenobia »

https://www.jungesportal.de/sicher-unte ... toesse.php

Im beschriebenen Fall handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit!

Ich habe von Glück gesprochen, weil ich nach vielen Berufsjahren die Erfahrung machen musste, dass Kinder häufig sowohl seelisch als auch körperlich von ErzieherInnen schlecht behandelt werden. Hier ist die Dunkelziffer sehr hoch.........

Alle diese ErzieherInnen werden/wurden bislang nicht zur Verantwortung gezogen. Und deshalb schrieb ich:

etwas von "Glück gehabt"

Ganz anders als der Autofahrer, der seine Karriere in Gefahr sieht. Erziehen und betrunken ein Auto lenken lässt sich grundsätzlich nicht miteinander vergleichen.

Johanna2
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Re: Trotz "eventueller" Vorstrafe wieder berufstätig werden?

Beitrag von Johanna2 »

Zenobia hat geschrieben:
Dienstag 30. Januar 2018, 19:33
Weshalb urteilt ihr hier so moralisch?

Auch Erzieher machen Fehler und das jeden Tag ohne das es jemals in einem Führungszeugnis auftaucht.

Was haben wir alle für ein Glück.
Hallo Zenobia,

Mit "ihr" war wohl eher "ich" gemeint, oder? Dann habe ich deinen Beitrag missverstanden. Ich dachte, du meinst das tatsächlich alle ErzieherInnen "von Glück reden können", da du von "wir alle" schriebst.
So schrecklich ich es finde, dass es auch pädagogisches Personal gibt, welches Kinder misshandelt, ändert dies nichts daran, dass ich betrunkene Fahrzeugführer zu denen zähle, die ich für den Beruf als ungeeignet ansehe.

Ich finde schon, dass hier auch Vergleiche gezogen werden können: Wenn jemand Schwierigkeiten hat den Überblick über sein Alkoholkonsum zu behalten, traue ich ihm nicht wirklich zu, den Überblick über eine Kindergruppe zu behalten.

Eine Schulkameradin von mir ist damals betrunken Mofa gefahren (nur wenige Meter, sie wurde direkt von der Polizei gestoppt). Zu dem Fahrverbot bekam sie auch einen Eintrag ins Führungszeugnis - welcher fünf Jahre später gelöscht wurde.

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