Gedanken zur Aufsichtspflichtverletzung

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amaria
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Gedanken zur Aufsichtspflichtverletzung

Beitrag von amaria »

Hallo!

Das Thema beschäftigt alle Erzieher und Erzieherinnen.

Aus aktuellem Anlass https://www.focus.de/familie/erziehung/ ... 95996.html möchte ich dazu anregen, dass hier Fragen gestellt werden und vielleicht auch Tipps gegeben werden können.

Es muss für die Eltern und Erzieherinnen schrecklich gewesen sein, dass die drei Mädchen sechs Stunden lang verschollen waren. Zum Glück aber ist ihnen nichts passiert.

Freundliche Grüße

amaria
„Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später.“
Wilhelm Busch

"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
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Zenobia
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Re: Gedanken zur Aufsichtspflichtverletzung

Beitrag von Zenobia »

Hier haben die Erzieherinnen eindeutig ihre Aufsichtspflicht verletzt.

Punkt eins : 23 Kinder sind zu viele Kinder, wenn nur zwei Erzieher/Innen als Aufsichtspersonen anwesend sind.

Punkt zwei : weshalb werden drei - und vierjährige Kinder mitgenommen? Sie sind doch schnell durch solch einen Ausflug überfordert. Und sie sind noch sehr unsicher im Straßenverkehr.

Mein Fazit: Diese Situation hätte bei guter Planung vermieden werden können.

Wie kann man mehrere Kinder im Wald verlieren?

Johanna2
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Re: Gedanken zur Aufsichtspflichtverletzung

Beitrag von Johanna2 »

Ich verstehe das auch nicht. Niemals würde ich mit einer solch großen Gruppe irgendwohin gehen.

amaria
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Re: Gedanken zur Aufsichtspflichtverletzung

Beitrag von amaria »

In Bautzen war der Personalschlüssel sogar noch schlechter. "Etwa 40 Kinder" sollen von drei Erzieherinnen begleitet einen Ausflug unternommen haben. Ob - und wie das reanimierte Mädchen, das in den Stausee gefallen war, überlebt hat, ist der Presse nicht zu entnehmen.
http://www.sz-online.de/nachrichten/ein ... 62038.html

Es ist wirklich zu wünschen, dass insbesondere der tragisch endende Ausflug dazu führt, dass Erzieherinnen in Zukunft keine Ausflüge mehr unter Personalmangel unternehmen. Übel finde ich es übrigens auch, wenn berufserfahrene Erzieherinnen Berufsanfängerinnen unter Druck setzen, mit den Kindern Ausflüge zu unternehmen. Diejenigen, die nicht sicher sind, ob sie der Verantwortung gewachsen sind, sollten auf jeden Fall "Nein" sagen und nicht nach der Devise "Meistens geht es ja gut" sich auf eine Situation einlassen, die die Kinder und sie selbst überfordert.

Freundliche Grüße

amaria
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Huba
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Re: Gedanken zur Aufsichtspflichtverletzung

Beitrag von Huba »

Wie sieht eigentlich die gesetzliche Regelung dafür aus?
12:1 ist bei Vierjährigen sicher nicht ohne Weiteres vertretbar.
Wollten die Erzieherinnen etwas beweisen?

amaria
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Re: Gedanken zur Aufsichtspflichtverletzung

Beitrag von amaria »

Es gibt keine gesetzlichen Regelungen, die Erzieherinnen mitteilen, wie viele Kinder sie maximal betreuen dürfen, obwohl es Träger geben mag, die eigene Richtlinien ermittelt haben. Vielerorts nehmen Erzieherinnen auf Ausflügen ebenso viele Kinder mit wie die anderen Gruppenleiterinnen oder sie führen fort, was ihre Vorgängerinnen getan haben. Dabei müsste jedes Mal aufs Neue darüber nachgedacht werden, was zu verantworten ist und was nicht. Genau das scheint mir in den Einrichtungen versäumt zu werden, wo Ausflüge mit vielen Kindern an der Tagesordnung sind, weil der Kindergarten gar kein oder ein viel zu kleines Außengelände hat. Dort, wo früher Mütter oder auch Väter die Erzieherinnen auf Ausflügen unterstützt haben, fehlen diese heute, da die Eltern schließlich arbeiten müssen.

Aber auch wenn besonders viele Betreuer anwesend sind, kann es zu Aufsichtsverletzungen oder tragischen Unfällen kommen, wenn sich einer auf den anderen verlässt. Sieben Betreuer für 19 Kinder zwischen eins und sieben - das zählt nicht zum "Personalmangel". https://www.google.com/search?q=Palette ... 53&bih=404
Das Alter der Kinder ist gerade auf Ausflügen in ein unbekanntes Gelände ein wichtiges Thema. - Ist es eigentlich nötig und sinnvoll, dass Zweijährige - oder gar Einjährige - an Kita-Ausflügen mit Übernachtung teilnehmen?

Ich würde Kleinkinder nicht auf Übernachtungsausflügen mitnehmen und kann verstehen, dass manche Mütter ihr Kind nur mitfahren lassen, wenn sie selbst als zusätzliche Betreuer mitfahren.
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amaria
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Re: Gedanken zur Aufsichtspflichtverletzung

Beitrag von amaria »

Hallo!

Wurden die Erzieherinnen Opfer "politischer Vorgaben"?
Die Meinungen, die Björn Köhler, Hauptvorstandsmitglied der GEW in Berlin äußert, mögen von der Presse verkürzt dargestellt worden sein. Jedenfalls liest man keinen Hinweis darauf, dass Erzieherinnen eine Gefährdungsanzeige hätten stellen können.
https://osthessen-news.de/n11588669/ver ... alten.html

Egal, was in der Zeitung steht: Wenn nur zwei Erzieherinnen eine Kindergruppe von 23 Kindern begleiten, muss eine vorne und eine hinten gehen. Diejenige, die vorn geht, hat hinten keine Augen im Kopf und diejenige, die hinten geht, kann immer dann abgelenkt werden, wenn ein Kind Regeln nicht einhält oder ein Problem hat, um das sie sich kümmern muss.

Eine Aussage wie die von Björn Köhler kommt nicht von ungefähr aus Berlin, der Stadt, in der immer wieder Erzieherinnen aus Kindergärten ohne Garten trotz unzureichender Besetzung Ausflüge mit den Kindern unternehmen. Wir müssen uns klar machen, dass es nicht in Ordnung sein kann, die Gesamtgruppe nur von einer Erzieherin betreuen zu lassen und die vermissten Kinder auch nur von einer Erzieherin suchen zu lassen! Bei einem besseren Personalschlüssel wären die Kinder vielleicht sogar schon schnell und ohne Polizeieinsatz von den Erzieherinnen gefunden worden.

Wer kann sich vorstellen, die Problematik in der nächsten Teamsitzung oder am besten auch auf einem Elternabend zu besprechen?

Freundliche Grüße

amaria
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