Männer in Kitas!

bibi dumon takk
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von bibi dumon takk »

Hallo ,
ich arbeite seit ca 10 Jahren in Kitas und Kindergärten. Ehrlich gesagt kann ich diesen Satz " Wir brauchen mehr männliche Erzieher in Kindergärten " nicht mehr hören. Als Erzieher zu arbeiten ist nämlich gar nicht so wundervoll wie es für manche immer erscheint. Den Job mag ich , die Arbeit mit den kindern liebe ich und das war es dann auch schon fast.
Als Mann wenig zu verdienen ist gesellschaftlich immer noch schlecht angesehen, egal ob man was sinnvolles macht oder nicht. Sätze wie " oh endlich spielt mal einer Fußball mit den kindern " hängen mir zum Hals raus. Bei jeder körperlich intensiven Arbeit ( Waschbecken reparieren, Wickelkommode kleben, Gartenarbeit usw wird man als erster gefragt.
Mit jetzt 35 Jahren muss ich einsehen, daß ich mich damals mit meinem Gedanken etwas sinnvolles zu tun, doch für das Studium hätte entscheiden sollen. Ich kann selber von dem Gehalt gut leben, aber eine Familie bzw die Ernährung einer Familie ist damit denkbar schwer.
Als Mann ist man im Kindergarten immer ein Unikat, etwas besonderes und vielleicht können sich manche Erzieherinnen das nicht vorstellen, aber auch das kann zur Bürde werden. Merken nämlich die lieben Kolleginnen das da jetzt einer ziemlich viel Aufmerksamkeit bekommt, so bekommt man irgendwann diesen Unmut zu spüren. Ich würde mich freuen wenn es einfach normal wäre das Männer auch in diesen Berufen arbeiten, somit verliert man diese Unikatsstellung und man kann einfach nur in Ruhe seine Arbeit verrichten.
Wenn ihr diese Ausbildung anstrebt, dann seit euch klar darüber , große Sprünge werdet ihr in eurem leben nicht machen können.

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Peter Goge
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von Peter Goge »

Da spare ich mir mal meinen Text... alles was Du sagst, kenne ich auch!!

Besonders nice ist es immer wieder im Bus. Wir haben so einen großen Wagen für die Krippenkinder.
Und gerade Touristeninnen (Hamburg) sagen dann immer: "Ach, wie süß. Sind das Ihre Kinder?!... Ach Sie sind Kindergärtner? ... Ja das ist gut und wichtig.... Dann können die auch mal Fußball spielen..."

Spätestens dann sage ich "Ja, und für´s Kuscheln und in den Arm genommen werden auch."

Dann kommt so ein verklärtes Gesicht von den Tanten, so ein Grinsen, ne Mischung aus Scham und dem Eindruck, ich hätte was verbotenes an mir sorry :200p:
Das Leben des Krippenerziehers: Spielend und im Schlaf Geld verdienen...

bibi dumon takk
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von bibi dumon takk »

Was ich nie verstehen werden, ist warum bei Frauen Streit nie einfach ausgetragen werden kann , sondern vorher werden dann erstmal Lager gebildet. Ist man als Mann dann nicht bereit sich in ein Lager zu stellen, sondern will von dem ganzen Hühnerkrieg nichts wissen, so ist man am Ende immer der doofe. Ätzend, außerdem habe ich grundsätzlich ein Problem mit meiner Kollegin wenn ich mal Eltern Recht gebe. Ich halte es nicht für ein Zeichen von Schwäche wenn man Eltern zuhört und versucht ihre Wünsche und Anregungen zu akzeptieren und in die Arbeit aufzunehmen. Oft ist es so als würden da zwei Fronten im Kindergarten sein, da gibt es die Erzieher und die Eltern , die Kinder spielen sicher im Schützengraben, aber anstatt das beide Fronten zu einer homogenen Masse werden, wird gelästert das der Putz von der Decke fällt. Ich habe dieses Scheißlästern so satt, Ventil hin oder her, aber das macht überhaupt keinen Sinn. Das sind dann keine pädagogischen Lästereien wie zB " Man die Frau S. hat heute aber wirklich lieblos ihr Kind abgegeben. So was könnte man dann ja auch noch nachvollziehen, aber da geht es dann um Kleidung, um Frisuren usw.
Der schönste Satz ist aber immer noch der, der gleichzeitig auch von geistiger Ohnmacht zeugt: "Du kannst das nicht verstehen, du hast ja keine Kinder !" Toll wenn man sowas von der Kollegin hört, ich kann nur den Rat geben sich in solch einem Moment nicht auf eine Diskussion einzulassen, sondern einfach zu sagen : "Stimmt du hast Recht, aber die Ausbildung habe ich genauso gemacht wie du."

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Peter Goge
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von Peter Goge »

:lach:

Meine Kollegin hält mich auch immer noch / immer wieder für ihren kleinen Bruder...

:schnief:


@ bibi
Wo arbeitest Du??
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bibi dumon takk
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von bibi dumon takk »

Ich arbeite in einem Kindergarten , einer drei Gruppen Einrichtung.

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Peter Goge
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von Peter Goge »

Ja... Großstadt oder Kleinstadt oder oder oder?? :comp:
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bibi dumon takk
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von bibi dumon takk »

Ich arbeite in Münster, das sollte erstmal reichen. Naja, gibt halt so Dinge die einen als Mann wirklich stören.
Dazu gehört u.a Geläster und Konkurrenzverhalten. Weisst du, man will einfach nur in einem Team arbeiten und das was man Tag für Tag sieht, ist das dieses Team sogar untereinander übereinander herzieht. Ich finde das dumm, hat meiner Meinung nach auch nicht viel mit Sozialer Einrichtung zu tun.

bibi dumon takk
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von bibi dumon takk »

Mich stört z.B. auch der "Chicken-run" wenn mal ein Mann im Haus ist. Der wird von vorne bis hinten vertüddelt, der Kaffee muss gebracht werden, ständig muss sich eine Kollegin mit ihm unterhalten, die Schminke am Morgen wird besonders gut aufgelegt, denn es ist ja ein Mann im Haus!
Mit meinem Post wollte ich auch keineswegs sagen, daß sich das was ich sage auf meine "tolle Mänerrolle" bezieht.
Das was du sagst konnte ich noch nicht nachvollziehen, ist mir aber auch egal. Ich hole mir meinen Kram selber und Komplimente brauche ich nicht, genauso wenig will ich betüddelt werden.
Mir ist eher nach Gleichstellung, will nichts besonderes sein, will einfach nur arbeiten.

Terry86
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von Terry86 »

Hallo ihr lieben,

ich schreibe meine Facharbeit zum Thema Männer in Kitas und würde mich freuen, wenn einige Erzieherinnen und Erzieher meinen Fragebogen ausfüllen würden.
http://www.q-set.de/q-set.php?sCode=JMCQBTDGBWHY

Gruß Terry

amaria
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von amaria »

Was mich mal interessiert: Wie kommen Männer mit dem blümeranten Ambiente und den süßlichen Gruppennamen zurecht?

Da ich als Kind nie einen Kindergarten von innen gesehen habe, sind mir viele Rituale und Gepflogenheiten der Kindergärten suspekt geblieben. Nicht wenige finde ich entsetzlich peinlich und gekünstelt und an manches, was Berufskolleginnen ohne mit der Wimper zu zucken, erledigen, werde ich mich nie gewöhnen. Da gerade Herbst ist: Mit jedem Kind aus Krepppapierknübbelchen beklebte Sonnenblumen zu "gestalten", ist zum Beispiel etwas, wozu ich mich nie überwinden könnte. Aber auch von Wíchtelmännlein oder mit Alufolie gebastelten "Robotern" mit Lachmündern und diesen Wackelkuckis halte ich nichts.

Ich könnte noch ganz viele Beispiele auflisten... Und wenn man als Einzelne etwas gegen den Bastelschnick-schnack sagt, behaupten die lieben Kolleginnen, dass die Eltern es erwarten würden...

Wie fühlt sich eigentlich ein Mann, wenn er sagen muss, dass er Gruppenleiter der "Minimäuse", der "Pinguine", der "Wolkengucker" - oder wie auch immr die Gruppe heißen mag - ist?

Wo setzen im Gruppedienst arbeitende Männer Grenzen? Welche Freiheiten nehmen sie für sich in Anspruch?

amaria
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
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Terry86
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von Terry86 »

Ohje, da hab ich glatt den falschen link gepostet.
hier nochmal die richtige umfrage.
freu mich auf rege beteiligung
http://www.q-set.de/q-set.php?sCode=ZXPNBGTGQJDU

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Herz aus Gold
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von Herz aus Gold »

Jeder, der irgendwen, im Falle dieses Threads hier, Männer dazu bewegt sich für den Erzieherberuf zu entscheiden, sollte sich bewusst sein, dass er denjenigen dazu verführt, sich in lebenslanges quasi-Prekariat zu begeben.

Die Erziehergehälter werden nicht steigen, auch wenn rot-grüne Politiker sich im Opposionsfall gerne vor demonstrierende Erzieherinnen und Erzieher stellen (NRW). Im Falle von Regierungsbeteiligung ist diese Berufsgruppe dann wieder egal, siehe Mogelpackung KiBiz-Revsion.

Viele grössere Städt bekommen ihr KiTa-Personal nicht mehr zusammen, einfach weil die Mieten in diesen "attraktiven" Städten viel zu hoch für die geringen Erziehergehälter sind. Schaut dazu einfach mal in den Suche/Biete-Bereich.
München ist da ein besonders blumiges Beispiel, da hilft auch ein kostenloses Ticket für den ÖPNV nicht weiter.

Wer einem anderen, sei es nun Männlein oder Weiblein den Erzieherberuf empfiehlt, sollte sich bewusste sein, dass er ihn zumindest finanziell in die Sackgasse schickt.

Eins noch:
Die "Kindergarten heute" vermeldete in der Ausgabe 2/2012 eine Nachricht des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV): "Im Durchschnitt wechselt jede Erzieherin nach viereinhalb Jahren den Beruf".
"Die hohe Abbrecherquote hängt maßgeblich mit den schwierigen Arbeitsbedinungen, dem geringen Gehalt und mangelder sozialer Anerkennung zusammen."

Deshalb nochmal: Ist dies in der Tat ein Beruf den man empfehlen kann? Zumal einem Mann, der heutzutage noch immer als Ernährungsbeuftragter des Systems Familie gilt?

c090

Grüße
HaG

amaria
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von amaria »

Du hast ja so recht!

:daumen:

Obwohl ich den Eindruck gewonnen habe, dass in Kitas arbeitende Männer doch immerhin um einiges anspruchsvoller sind als Frauen, frage ich mich trotzdem, ob das Engagement von Männer in Kitas unserem Beruf das bringt, was er dringend bräuchte:
1) Bessere Arbeitsbedingungen, vor allem in den Bereichen, in denen nicht vorrangig Akademikerkinder betreut werden, sondern behinderte Kinder oder Erwachsene, Migrantenkinder und Kinder von Langzeitarbeitslosen.
2) Mehr Anerkennung (wofür unsere Berufssparte jedoch selbst etwas Profil in gesellschaftspolitischen Fragen zeigen müsste)
3) Mehr Geld auf den Konten der Erzieherinnen und Erzieher

Forschungsgelder und die Finanzierungen von Fortbildungen, Projekten, Studien und die Erarbeitungen von Testverfahren (Stichwort Delfin 4 und Delfin 5) befriedigen wohl eher den Ehrgeiz von Akademikern und wir sollen dann jährlich Kinder dazu bringen Sätze zu sagen wie "Wenn der Wind regnet, pustet es blaue Schneeflocken". Oder "Der grüne Stuhl hüpft fröhlich über die kalte Sonne."

- Oder: Wenn Ostern und Weihnachten auf eine Tag fallen, schaffen es Erzieher/innen sich besser bezahlen zu lassen.
(Der letzte Satz wurde nicht dank eines Forschungsauftrages entwickelt...)

Freundliche Grüße

amaria
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Herz aus Gold
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von Herz aus Gold »

Hi!
Ja, natürlich, eine alleinerzieheden (!) Mutter kann ihre Kleinfamilie davon ERNÄHREN. Wenn auch nur knapp über dem Bedürftigkeitssatz.
Wäre die Mutter jedoch nicht alleinerziehend, sondern hätte einen Mann, der die Rolle des Hausmanns übernehmen wollen würde, quasi ein spiegelbildlicher Rollentausch zur klassischen Familienstruktur, dann wäre das ErzieherInnengehalt doch ein wenig knapp für diese Komplettfamilie, oder?
Soll heissen, als typischer Männerjob im klassischen Sinne nicht geeignet.

Um mal ein wenig über den Tellerrand zu spähen und den jüngeren Einsteigern (oder Interessenten) ins Berufsleben ein paar Relationen an die Hand zu geben:
Das durchschnittliche Nettoeinkommen in Deutschland - unterschiedliche Quellen rechnen mit leicht differierenden Zahlen, insgesamt wird sich das durchschnittliche Nettoeinkommen in Deutschland zwischen 2550 (Quelle Statistisches Bundesamt) und 2700 Euro bewegen (Quelle RWI und Statista):
http://de.statista.com/themen/293/durch ... einkommen/
http://haetten-sie-gewusst.blogspot.com ... liche.html

Etc.

Ein Erzieher liegt im TVöD bei TG6, Stufe 2, meist versuchen die Arbeitgeber dort einzustufen, gerade wenn man erst wenige Jahre Berufserfahrung hat.
Grob übern Daumen gepeilt 2280 Euro brutto.
Macht Netto knappe 1500 Taler - dabei dann aber bitte das artige Danke sagen nicht vergessen.
:kappe:

amaria
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Re: Männer in Kitas!

Beitrag von amaria »

Hallo,

weiß eigentlich jemand etwas über die Abbruchquote von Männern während der Ausbildung?

Von einem jungen Mann, der bei Kindern, Kolleginnen und Eltern äußerst beliebt war, weiß ich, dass er die Erzieherausbildung abgebrochen hat, weil er von einem Betrieb abgeworben würde, als er dabei war, sich das Geld für den Führerschein zu verdienen. Von anderen weiß ich, dass sie nach einem mit Freude erlebten Praktikum sich gegen die Ausbildung entschieden haben.

Ich vermute mal, dass derartiges bei Männern - wie es so schön heißt - "signifikant öfter" vorkommt als bei Frauen. Die Fachschülerinnen jobben schließlich eher nebenher in anderen schlecht bezahlten Frauenberufen und da lockt weder mehr Ansehen noch mehr Geld. Wer gern mit Kindern arbeitet, wo man immerhin noch Tageslicht zu sehen bekommt, möchte kaum als Verkäuferin in den tageslichfreien Verkaufsräumen eines Konsumtempels landen.

Freundliche Grüße

amaria
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