Womit sollten Eltern nicht einverstanden sein?

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amaria
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Womit sollten Eltern nicht einverstanden sein?

Beitrag von amaria » Montag 5. Januar 2015, 15:01

Hallo!

Ein in den nächsten Tagen bei Kiepenheuer und Witsch erscheinendes Buch von Malte Welding http://www.kiwi-verlag.de/buch/seid-fru ... 2-04708-0/ nehme ich zum Anlass für die obige Frage: Womit sollten Eltern nicht einverstanden sein? Was dürfen Eltern von Kindern in Krippen und Kitas nicht akzeptieren?

Freundliche Grüße

amaria
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"Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand."
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Re: Womit sollten Eltern nicht einverstanden sein?

Beitrag von Matushka » Montag 5. Januar 2015, 15:35

:mrgreen:

In Berlin ansaessiger, studierter taz- (und andere Meinungsmach-Blaetter) Mitarbeiter -- mit einem Kind. Fruchtbar?

"Vor kurzem selbst Vater geworden" -- und schon kann er die Welt erklaeren.

Pardon me for kichering... :kicher:

Gruss,

Sabine

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Re: Womit sollten Eltern nicht einverstanden sein?

Beitrag von amaria » Montag 5. Januar 2015, 17:51

:biggrin:

Du hast es auf den Punkt gebracht. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Journalisten ihre Vaterschaft zum Anlass für ein Buchprojekt nehmen. Wer definitiv nicht stillen muss, hat einfach mehr Zeit. Überhaupt stammen die meisten Erziehungsbücher von Männern. Diejenigen, die nicht berufsbedingt Kinder erziehen, kommen mit ihren Werken bei Lektoren und Redakteuren so gut an, dass Erzieherinnen in den etablierten Chancen schlechte Chancen haben, wenn sie auch mal etwas publizieren möchten.

Schreibende Erzieherinnen sollten sich vielleicht einen Bart wachsen lassen wie Conchita Wurst.
:wink:

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Re: Womit sollten Eltern nicht einverstanden sein?

Beitrag von Matushka » Montag 5. Januar 2015, 17:58

Maenner, die sowieso schon sexy sind, sind als Vaeter noch sexier. Da kann keine Erzieherin mithalten -- auch keine baertige. :-D

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Re: Womit sollten Eltern nicht einverstanden sein?

Beitrag von amaria » Dienstag 6. Januar 2015, 13:01

Trotzdem wäre es dem Kindeswohl nicht abträglich, wenn endlich Anthologien mit Beiträgen von Erzieherinnen auf den Markt kommen würden.

Ein Striptease der Institutionen - "Shades of Rosa?" - könnte allerdings kaum Lustgefühle bedienen.

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Re: Womit sollten Eltern nicht einverstanden sein?

Beitrag von Matushka » Dienstag 6. Januar 2015, 14:38

Moin amaria, :-)

Mir scheint's heutzutage, wer schriftlich ernst genommen werden will, muss genau die richtige Mischung aus Eitelkeit und dickem Fell besitzen.

Ich muss immer wieder an das Thema Motivation denken. Was motiviert z.B. die Menschen, welche Art von Literatur zu kaufen?

Jahre-, nein, jahrzehntelang schickte mir meine Schwester ein Buch nach dem anderen in die USA. Es waren entweder deutsche Bestseller, oder Sachen, die sie selber packend fand. Ich fand das zwar grundsaetzlich gut, konnte mich aber fast nie mit diesen Buechern in irgendeiner Weise identifizieren (zuletzt war es das unsaegliche "Lehrerkind" -- du lieber Himmel...) -- bis wir beide dann innerhalb einer aehnlichen Zeitspanne "politisch angezuendet" wurden. Jetzt lesen wir die gleichen Buecher und diskutieren dann darueber. Ich kann ihr auch englischsprachige Artikel schicken, die mich beruehren, und weiss, dass sie sie auch interessant finden wird.

Was hat sich geaendert? Ich denke zum einen, unsere Lebensumstaende haben sich aneinander angeglichen. Wir werden natuerlich auch aelter und suchen den Draht zueinander. Ich merke aber auch, wie bewusst uns beiden geworden ist, dass wir gerade Geschichte miterleben.

Machst du eigentlich Marktrecherche? Kuemmerst du dich z.B. um Trends, die Angebot und Nachfrage bestimmen?

Ich denke oft, dass ohne "Vitamin B" sich sowieso nichts dreht in der Welt -- so traurig das auch ist. Der Malte ist bestimmt gut vernetzt!

Gruss und alles Gute dir,

Sabine

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Re: Womit sollten Eltern nicht einverstanden sein?

Beitrag von amaria » Donnerstag 8. Januar 2015, 19:11

Hallo!

Wenn Eltern nur eine 25-Stunden-Betreuung für ihr Kind (insbesondere für ein Krippenkind) in Anspruch nehmen möchten, haben sie schlechte Chancen darauf, dass ihr Wunsch berücksichtigt wird. http://www.derwesten.de/politik/eltern- ... 04743.html
http://www.derwesten.de/staedte/duisbur ... 14680.html
Wenn das nicht ein Grund ist, sich zu beschweren! Lieber wenige Stunden eine Betreuung zu einem verbesserten Personalschlüssel als eine Langzeitbetreuung, deren Qualität auch noch arg zu wünschen übrig lässt!

Eltern sollten meiner Meinung nach verlangen, dass wirklich jeder Kindergarten Kindern ein ansehnliches Außengelände bietet. Kinder brauchen Platz! Es reicht nicht, sie so zusammengepfercht zu betreuen, dass alle in einer XL-Buddelkiste eng beieinander hocken und ansonsten vielleicht noch um einen Gartenzwerg herumtanzen können.
Außerdem könnte eine Weigerung, Kinder in mehrgeschossigen Kitas betreuen zu lassen, eine Qualitätsdebatte entfachen. Warum klagen Eltern nur darauf, dass der Kitaplatz nah genug zur eigenen Wohnung liegen muss? Warum klagen sie nicht auf eine Qualität, die zumindest den ehemals geltenden Standards genügen würde?

Das muss ich auch an dieser Stelle loswerden, nachdem unsere freie Presse das heikle Thema "Sicherheit in mehrgeschossigen Kitas" auch nach drei Stürzen von Kindern aus Kitafenstern in 2014 noch äußerst knapp behandelt.

Zu Sabines Beitrag: Dass ich speziell zu Fragen von Angebot und Nachfrage recherchieren würde, kann ich nicht behaupten. Aber da ich in Texten vermittelte Fakten in Frage stelle, wird das Thema jedenfalls nicht konsequent ignoriert.
Was die Grundbedürfnisse von Kindern angeht: Sie bleiben gleich. Ideologische Bestrebungen und Interessen des Marktes ändern nichts an ihnen. Sie verhindern nur eine angemessene Berücksichtigung kindlicher Grundbedürfnisse.

Mit der heutigen Post habe ich übrigens ein Rezensionsexemplar von Kiepenheuer und Witsch erhalten. Der Autor Malte Welding ist einmal mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet worden. - Sabine, mit deiner Vermutung, dass dieser Malte gut vernetzt ist, hast du ins Schwarze getroffen. Aber ob er sexy ist?

Ein Zitat aus dem Vorwort seines Buchs "SEID FRUCHTBAR UND BESCHWERT Euch", Überschrift "Willkommen im Fight Club", Seite 9:
"Wenn wir nun mit unserem Baby, das im Laufe der Entstehung dieses Buchs langsam ein Kleinkind wurde, spazieren gehen, dann lächeln uns andere Eltern mit kleinen Kindern verstohlen zu, und wir signalisieren ihnen zurück, dass wir Bescheid wissen. Wir sind Mitglieder im Fight Club, wir erkennen einander an unseren Augenringen, an unseren Dehnungsstreifen und beknackten Haaren."

:lach:

amaria
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Re: Womit sollten Eltern nicht einverstanden sein?

Beitrag von Matushka » Freitag 9. Januar 2015, 17:26

amaria hat geschrieben:Warum klagen Eltern nur darauf, dass der Kitaplatz nah genug zur eigenen Wohnung liegen muss? Warum klagen sie nicht auf eine Qualität, die zumindest den ehemals geltenden Standards genügen würde?
Selbstinteresse als motivierender Faktor.

Meine Interpretation folgt... ;-)

Der erste Schock, den junge Eltern erleben: Der ploetzliche, extreme Schlafmangel, dem man ununterbrochen ausgesetzt ist.

Der zweite: Die nachhaltige Erkenntnis: Das Leben -- egal, wie es vorher war -- ist nicht mehr (nur noch) das eigene.

Beides resultiert in "Einsichten" und logischen Folgerungen. Manche nennen das: Man wird "vernuenftig". Aber so weit wuerde ich gar nicht unbedingt gehen. Lassen wir die Liebe zum Kind mal hier aussen vor und sagen einfach: Man arrangiert sich mit den veraenderten Umstaenden.
---
Der Denkfehler, den viele Menschen -- nicht nur Kinderlose -- machen: Sie setzen ihre Version des "guten" bzw. "richtigen" Lebens gleich mit dem der Anderen. Bzw. mit den Umstaenden, wie sie denken, "dass die Dinge sein sollten".

amaria, ich habe schon lange keine kleinen Kinder mehr, und die Einschaetzung, wie junge Familien in Deutschland heute leben, faellt mir zunehmend schwerer. Diese Gewissheit aber bleibt: Menschen sind unterschiedlich motiviert. Deine Einsichten, so richtig sie auch sein moegen, werden Anderen immer nur soweit Sinn machen, wie sie sie einigermassen nachvollziehen koennen -- bzw. wie sie fuer ihr Leben, ihre Umstaende, ihre Selbstinteressen) relevant sind.
--
Ob der Junge sexy ist, sei mal dahingestellt. Sorgsamer gepflegter Dreitagebart, jugendlich-legeres -- aber nicht schmuddeliges! -- Aeusseres in den Fotos weisen zumindest darauf hin, dass er auf eine bestimmte Wirkung bedacht ist. Man muesste natuerlich erst mehr von ihm lesen, aber seine Buecher und Texte scheinen sich ja auch einzureihen in die Gruppe der neuen "froehlichen Intellektuellen".

Gruss,

Sabine

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